Archiv der Kategorie: Teehaus Shui Tang Zürich水美堂

Das 2. Herbstvollmondkonzert in Shui Tang

Nur ein toter Fisch lässt sich von dem Strom treiben. Und ich?
Schwimme ich in den Wellen mit? Wohin?
Bin ich in der Lage gegen den Strom zu schwimmen?

Diese Frage beschäftigt nicht nur einen „wohlhabenden“ Menschen in Zürich. Es ist eine zeitlose und grenzlose Frage der Menschheit.

Keiner wusste, woher Hanshan kam. Keiner wusste, wer Hanshan tatsächlich war. Ein Narr, ein Mönch oder ein einfacher Mensch, der sich bewusst aus der phänomenalen Welt zurückzog und in einem „kalten Berg“ (Hanshan) gegen den Strom lebte. Er war wegen seinem ungepflegten Umgang verschmäht von den eifrigen Mönchesorden. Er wurde wegen seiner Armut aus der Strasse vertrieben. Er wurde plötzlich von einem Mandarinen als ein wahrer Buddha erkannt und vor dem Schreck zurückzog und verschwamm. Was blieb, waren seine Gedichte, die auf Felsen, auf Hauswände oder auf Bäume standen. In seinen Gedichten verschwinden die Widersprüche von Außen und von Innen. Was bleibt ist wie Hanshan selbst beschrieb:

Mein Geist gleicht dem Herbstmond,
Der sich im See unbefleckt spiegelt,
Es gibt nichts, was vergleichbar wäre,
Wie könnte ich es überhaupt aussprechen?

Mit Shakuhachi wagten wir, Menglin Chou und Wolfgang Hessler gemeinsam „es“ auszusprechen. Auszusprechen durch den Wechsel zwischen Klang und Stille, Ein- und Ausatmen und Worte und Ton. Seit Zen-Mönch Fuke wurde Shakuhachi als ein Weg zur Selbstverwirklichung praktiziert. Auf dem Bettelgang wurde das Flöte gespielt und als eine Übung der Absichtslosigkeit. Wir hoffen, durch die knapp gesprochene Worte von ausgewählten Gedichte Hanshans und das Erklingen des Tones uns allen helfen auf den Ursprung zurückzukehren.

Herbsvollmondskonzert in Shui Tang 2010 (Zhongqiu Yinzue Hui)

Ein Shakuhachi Konzert mit Gedichte von dem „Kalten Berg“ Hanshan
25.09.2010
Samstag 19 Uhr-21 Uhr

Shakuhachi: Wolfgang Hessler
Rezitation: Menglin Chou
Anschliessend: Tee und Gespräche

Unkostenbeitrag
25 Sfr. (für „normale“ Menschen, die diesen Betrag bezahlen müssen)
20 Sfr. für Mitglieder von Teeclub Schweiz, Studenten, Auszubildende und Erwerbslosen

Ort: Shui Tang, Liquid Delicacies
Spiegelgasse 26 8001 Zürich

Anmeldung:
Unbedingt erforderlich.
0041-44 5559161
0041-79-3871130
menglin@shuitang.ch

Eine innere Reise durch Tee

Das einzig lebenswerte Abenteuer kann für den modernen Menschen nur noch innen zu finden sein.
C.G. Jung: Der Mensch und seine Symbole, 11. Aufl. Olten: Walter, 1988, S. 212

Viele Teefreunde sagen mir, dass sie durch das Blog Tee Erleben lernen, wie sie über Tee sprechen. Überhaupt kommen sie zur Sprache des Tees. Vorher wussten sie nicht, dass man sich so über Tee fühlen, so darüber sprechen und nachdenken könnte. Scheinbar hat dieses Blog viele kleine Steinen in vielen Menschenherzen in Bewegung gesetzt.

Nachmittag kamen Jürg und Carola zu Shui Tang. Seit langen fanden wir keine Ruhe, sich zusammen zu sitzen und nur den Tee zu widmen! Wir degustierten Bi Luochuns und Longjings. Für jeden ist es das einfachste, bei einer Degustation auf die Augen zu verlassen. Wir vertrauen unsere Augen mehr als unsere Nase und Gaumen, denn wir wissen bald nicht mehr, was wir schmecken.

Jürg und Carola bemerkten sehr schnell durch die Augen die Veränderung des Aufgusses. Sie zögerten allerdings bei ihrer Aussage über die Geschmäcke. Ich bin im Grunde genommen nicht anders als sie. Ich bin eingebildet intelligent und eingebildet schlau. Atong warnte mir immer wieder vor voreiligen Urteilen, weil er mein Problem kennt. „Du beurteilst nichts durch Deine Augen.“ Das, was wir über Augen wahrnehmen, sind viele Details, wie z. B. wie die Situation der Behaarung und wie schön der Tee geformt ist. „Solche Details können nur Amateuer beeindrucken, aber nicht einen wirklichen Profi.“ betonnt er. Das Wichtigste für einen Profi ist, einen guten Geschmack zu entwickeln und zu erkennen.

„Wie denn?“ fragte Carola. Wie findet man die richtigen Worte um die Wahrnehmung auszudrücken? Wie kann man wissen, dass es einen guten Geschmack ist?
„Du fragst Dich einfach selbst, was fühlst Du Dich nun bei dieser Tasse.“ Wenn ich eine Tasse degustiere, frage ich mich, wie ich mich fühle und beobachte, was mit mir passiert. Vielleicht finde ich diese Tasse süss, lieblich oder sogar elegant… „Dann fragst Du Dich, was meinst Du eigentlich „elegant“?“ Du lerne einen Tee kennen, ohne Dich selbst zu übergehen. „Was meine ich schön? was meine ich süss? was meine ich bitter?“ Schön ist für mich, wenn ein Tee leicht geschmeidig fliesst. Süss ist ein Tee manchmal wie ein Frucht, manchmal wie Honig und manchmal wie Malz. Bitter ist ein Tee, wenn er herb schmeckt… Ich verstehe Tee, indem ich mich selbst mit Tee in Verbindung bringe. Ich verstehe Tee, indem ich meine Empfindung besser verstehe!

Nur durch diese Reflexion verstehe ich, was ich von Tee spüre. Und durch diese Reflexion verstehe ich mich eigentlich besser! Ach! Ohne eine klare Identität von sich selbst, verstehe man die Welt eigentlich nicht! Unklare Menschen schaffen Unklarheiten und leben in einer verblendeten Welt.
Hast Du Angst vor Tod??

Dann brauche ich im Tee sehr viel Vertrauen in diese Menschen, die mich durch die Welt des Tees führen. Bevor ich mein Vertrauen entwickle, kann ich nicht anders als diese Menschen mehrmals zu überprüfen – „Verdienen Sie mein Vertrauen? Könnte ich durch sie die Welt des Tees besser verstehen? Oder möchten Sie mich in eine Abhängigkeitsbeziehung bringen?“ Ich bin überzeugt, Tee ist keine Esotherik. Das Wissen von Tee ist kein esotherisches Wissen. Es ist überprüfbar.

Dann kam Joseph, mein guter Freund. Er kam und brachte zwei Tees. Er wollte beichten, dass er bei dem Nachbargeschäft einen Assam und einen Gyokuro kaufte. Wir lachten. Er wollte aber wissen, ob der Kauf mit dem Gyokuro richtig war. Mir gefällt seine Ehrlichkeit und Direktheit. Auch wenn er mit mir befreundet ist, ist er frei, dort einzukaufen, wo er sich wohl fühlt. Wir sind frei. Ohne viel zu erklären, gossen wir zwei Gyokuros auf. Ein Gyokuro Asashi und ein Gyokuro Seiyo, beide Organic und original aus Japan.

Die Antwort war nicht schwer zu finden. „Dieser (Seiyo) ist sehr zurückhaltend, leise. Aber sehr klar und präsent.“ sagte Jürg. Ja, er ist elegant und rein. Der Asashi Gyokuro, war bereits in dem Beutel vollen Teeladengeschmack. „Er ist süss. So süss, wie eine abgestandene Mandarine! Ein Tee, um WOW-Effekt zu erzeugen.“ meine Kommentar war grausam. Der gute offene Joseph akzeptierte unsere Kommentare und wir verabreden uns zu einem Ausflug im Sommer. Die Zeit war bereits spät und ich machte mich langsam auf den Weg zum Völkerkundemuseum…

Programm vom 4.09 im Völkerkundemuseum zu down load

Programm_LN_2010.doc

Das Programm von dem 4.09 im Völkerkundemuseum ist heute bei mir eingetroffen. Spannendes Programm!

Am 15.07. ist die Eröffnung der Austellung von Porzellanherstellung in Jingdezhen! Für Tee und Teetoys-Liebhaber in Zürich ist diese Chance einmalig! Ja, ich werde auch hingehen.

Universität Zürich
Völkerkundemuseum
Pelikanstrasse 40
CH-8001 Zürich

War Tee einfach zufällig da?

Die Chinesen nehmen des Europäers Silber und geben ihm dafür Millionen Pfunde entkräftenden Tees zum Verderben des Erdteils.
Herder (In: Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit. 1787)

1610 kam die erste Sendung von Tee durch Holländisch-Ostindische Kompanie aus Japan nach Europa. Sie tauschte Salbai gegen Tee. 1662 machte die portugiesische Prinzessin Katharina Bragnanza den Tee hoffähig in Endland. 1773 durch die Boston Teaparty revolutionierte der Tee die Weltgeschichte in der neuen Welt. Tee ist ein Getränk, das die Weltgeschichte verändert. Ohne die abenteuerlichen Seefahrer und eifrigen christlichen Geistlichen wurde Tee nicht im Europa „entdeckt“. Was war der Grund, weshalb die Seefahrer in die weiten Ozean segelten? Was trieb die Menschen aus Abendland die neue Welt zu bekunden? Wer waren die ersten, die Tee „entdeckten“ und wem haben sie im Europa als den Nächsten weiter gegeben, um Tee hier zu verbreiten? Wie war das damals, als Tee zum ersten Mal vom Okzident erlebt wurde?

War Tee einfach zufällig da?

„Diese Schätze sind die Gerätschaften, die sie zum Trinken eines Absuds aus pulverisierten, Cha genannten Pflanzen verwenden. Denjenigen, die sie zu trinken gewohnt sind, schmeckt sie sehr gut…“ schrieb ein portugiesischer Jesuitenpater Luis Almeida 1565 in einem Brief nach Europa. Dieser so genannte Cha existiert bereits seit hunderten Jahren im Osten. Wie wurde dieser Absud in dessen Heimat wahrgenommen und verstanden? Weshalb wurden dort für diesen Absud komische kleine Räume gebaut? Weshalb wurde für seine Zubereitung Spielzeuge und Spielregel erfunden und überliefert?

Um all diese Frage zu beantworten gehen alle Teeliebhaber auf einen langen Weg. Die Weltgeschichte des Tee ist eine Wechselbeziehung zwischen der Annährung an das „ fremde Originale“ und der Selbstverwirklichung des „Eigenen“. Das Fremde ist nicht immer ausserhalb der eigenen Tradition, während das Eigene häufig in dem Fremden wieder gefunden wurde.
Auch ich kam tatsächlich zum Tee in meinem Lebensabschnitt unter dem Fremden.
Im Januar 2011 werde ich einen Beitrag zu einer Reflexion der Weltgeschichte des Tees in Bern vortragen. Genaue Information werde ich noch veröffentlichen.

Shui Tangs Sommerselektion

Am Sonntag sollte es 13 Grad in Zürich sein. Und Henning schrieb mir, dass es seit einer Woche in Hamburg Sonne scheint.

Mein lieber Nachbar Udo sagte, wir können gerade das Weihnachtsgeschäft planen, denn der Herbst ist vor der Tür.

Auch wenn der Sommer uns vergessen hat, hat Shui Tang die Sommerselektion vorbereitet.

Ein wunderbarer Oolong wie Oriental Beauty Premium 東方美人特級, der uns mit herrlichen Düfte verwöhnt, uns in einem sommerlichen Garten versetzt – blühenden süssen Blumen und reife Früchte, ist der Höhpunkt der Sommerselektion. Er bezaubert unsere Sinne mit seiner Vielfältigkeit.

峨眉毛峰Wenn man in der „Hitze“ (vielleicht kommt sie ja noch) schläfrig wird und voller Müdigkeit am Tisch sitzt, hilft ein klarer Emei Maofeng, der Nebel im Geist wegfegt. Dieser Tee hat für mich immer die Wirkung wie der Sonneschein, der Nebel im Kopf klärt. Erfrischend und klar.

祁門紅茶Am morgen wäre es ein Qimen Hongcha ein treuer Begleiter. Er unterstützt unsere Verdauung, die im Sommer häufig vernachlässigt wird, wenn wir nur Eistee, Glace und eiskalte Bier trinken und unseren Körper stets unter „Kälte“ Schock setzen. Ein Schöner Qimen, einfach und gut, verbessert die Konzentration und hilft einem guten Start in den Tag.

Die Sommerselektion wird pünktlich zum Sommeranfang versendet.

 

Heiss und kalt

Das kalte neutrale Wasser, Symbol von Urkraft und Ursprung des Lebens. Kühl, gefühlsneutral und emotionlos.

Sobald, das Wasser erhitzt wird, sobald das Feuer das Wasser im Kessel zum Summen treibt, hören wir die Meeresbrandung – wie der Wind durch die Kiefernadel flüstert und Worte werden leer.

Als bald paar Teeblätter im sprudelnden Wasser eintauchen, riechen wir Duft von Blumen oder von wald, sehen wir Tänzer im Wasser und hören, Unbekannte flüstern…

Wenn das kalte neutrale Wasser heiß wird, wenn die Teeblätter in heißem Wasser schwimmen, kommen wir im Reich der Poesie an. Die Poesie des Tees.

Balthasar kam sehr ernst zum Besuch, denn er hatte eine wichtige Mission – sagte er. „Wie wäre es, dass wir zusammen eine Vorlesungsreihe in Bern über Tee zu gestalten?“ Ohne Zögerung nickte ich meinen Kopf. Er war enttäuscht. Er sagte, er hätte sich gewünscht, dass ich diese Idee schlecht finde. Da er nicht wußte, ob er es schaffen kann. Seine nächste Frage war, „was mache ich dann, wenn Du mitmachst?“ „Kennst Du nicht die Kultszene von Marcel Proust über das Madeleine im Tee?“ „Ach…“

Am Mittwoch trafen wir zu dirtt in Shui Tang und diskutierten, wie wir diese Vorlesungsreihe gestalten. Balthasar will anspruchsvolle Veranstaltungen. Die Quantität des Publikum sei egal. Ich stimmte freudig zu. Ich sollte die erste Veranstaltung starten mit einem historischen Retroperspektive des Tees. Massimo von Volkshochschule Bern wird die dritte Veranstaltung moderieren, weil es ein Teespräch zwischen Osten und Westen, zwischen Balthasar und Menglin geben sollte. Ein Teegespräch übder einen Entwurf der Ästhetik des Tees.

Ich bin sehr gespannt.

Massimo befürchte, dass er nicht der Kenner sei um die Moderation nicht gut zu führen. Eigentlich hätte ich wieder keine bestimmte Vorstellung. Ein Gespräch über einen Entwurf der Ästhetik des Tees kann sich ja leisten schief zu gehen. Ich habe keine Erwartung von Erfolg, keine Ambition von einem Gelingen. Denn wir sind am Anfang, einen Entwurf zu entwickeln, denn wir sind Anfänger auf einen sehr langen Weg, wie der Tee im Westen weiter geht!

Ich bin sehr gespannt.

 

Swiss Tea Guide

Ist Shui Tang ein gewöhnliches Teegeschäft? Was soll Shui Tang eigentlich sein?

Diese Frage konnte ich mir selbst nicht richtig beantworten. Denn ich ganz anders funktioniere als nach einem vorhandenen Konzept zu folgen. Ich hatte eine vage Vision, aber wußte, dass ich es alleine nie schaffe. Ich hatte sehr viel vor und wußte, dass ich allein es nie verwirklichen. Nur die Gleichgesinnten können viele schöne wichtige Dinge gemeinsam anpacken.

Aus dieser Bereitschaft und Offenheit sind viele Ideen im Reifungsprozess und viele Visionen könnten wohl verwirklicht werden. Ein Ort der Begegnung und Geburtsstätte von wertvollen Ideen kann und ist Shui Tang geworden. 

Am 15. Juni Dienstag um 19 Uhr treffen die Tee-Scouts der Schweiz in Shui Tang und sie stellen ihr erstes Ergebnis vor. Es ist eine Ehre für Shui Tang, den Scouts diesen Platz zur Verfügung zu stellen.

Wenn ein kleiner Stein anfängt zu rollen, entsteht eine neue Dynamik auf dem Weg. Die – für mich – kranke Gesellschaft grundlegend zu verändern kann ich als ein kleiner Mensch nicht. Aber einfach um mich zu kümmern, damit ich kein Last für die anderen werde und einen Ort mit anderen Menschen gemeinsam zu schaffen, wo viele kleine Steine ins rollen gehen können, wären paar kleine Schritte eines Versuchs.