Ein Wuensch

Ein Wuensch

Ich gebe zu, dass ich gerne Geld rieche. Nicht nur Wirtschaftsmagazin lese ich gerne, sondern auch Gespraech mit Fachleuten. Die offeziellen abgegebenen Zahlen in der Zeitung intressieren mich nicht, sondern die scheinbar wiederspruechlichen Kurven, die uns die Wahrscheinlichkeit der wahrheit mehr verraten. Das Aehnliche gilt auch bei Menschen. Nicht das, was Menschen erzaehlen, das das Leben von ihnen bestimmt, sondern das, was sie tatsaechlich tun – das so geannte Muster. Oft sind es Widersprueche, die uns mehr Verstandnisse ueber anderen bringen als ihre Worte. Auch nur in meinen eigenen Widersprueche verstehe ich tatsaechlich, was ich will.

Mit dem Fondmanager Cheng koennte ich paar Dinge fragen. Die Beziehung zwischen der Abwertung des Goldes und der Steigerung des Dollers, die Auswirkung der chinesische Wirtschaftspolitik ueber seinen Binnenmarkt und dem Druck auf seine Waehrung koennte den Preis des Tees 2009 in die Hoehe treiben. Im November befindet sich der Preis in absenkendem Trend. Was nun?

Cheng glaubt an die Wirtschaftsmacht Chinas und betrachtete die Entwicklung im Westen pessimistisch. Diese Ansicht kommt in unserem Teezimmer nicht gut an. Er sagte, wir sollen uns woanders darueber sprechen. Ich sollte doch seine Visitenkarte haben. Es war mir peinlich ihm die Wahrheit zu sagen, dass das Papier moeglicherweise zu gut aufgehoben war.

Waehrend wir ueber die Kurven und Geld sprachen, schrieb mein Lehrer mir ein Gedicht als Widmung von seinem neuen Buch.  

Fei Hua Zi Fengxing          Es ist zwar kein Blume, aber es duftet von sich allein und unverwechselbar

Nongyan Cun Qing Ming   Die Aromen und Farbe sind zuerst leuchtend und intensiv, aber was am Ende (der Tasse) bleibt, ist der klare und erhebende Duft

Das war und ist sein Wuensch solchen Tees zu produzieren. Nicht ein Duftwolken, der schnell erloescht, sondern eine dezente nachhaltige Duftstroemung, die uns lang begleitet. Das ist auch sein Wuensch und sein Anspruch zu sich selbst, wie seine Person sein sollte. Er sagte immer, wenn er mit Tee reich werden will, waere er heute ganz anders. Mit Tee kann man reich werden, wenn man mit dem Markt antanzt. Er koennte seine gelagerte Schaetze verkaufen, die von Sammler wie Cheng sofort abgekauft werden koennen. er wollte nicht. Nur Tropfenweise aus Not. Wenn er wirklich ein Star der Teewelt werden will, wird er wohl nicht mehr so laut sagen, was er tatsaechlich auch denkt. Es ist die Entscheidung eines Menschen, wie er sein Leben ausmalt. Alles hat seinen Preis.

„Weiss Du,“ er sagt mir oft, „es ist ein verdammtes Gleuck, wenn man einen guten Tee, eine Tasse toller Kaffee oder eine tolle Mahlzeit und einen guten Freund, der es versteht, zu solchen Momenten treffen kann!“

Das Leben kann so schoen sein. Und es ist wirklich schoen.

Es ist auch sein Wuensch und sein Anspruch an mich, den Tee so zu verstehen. Nicht ein blendes Duftwolke, das uns gluecklich macht, sondern ein Tee so klar wie das Wasser, der von sich allein duftet und seine Klarheit bewaehrt. Es ist auch ein Wuensch von mir an mich selbst, dass ich dieses Verstaendnis veralltaeglicht werden kann.

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