Archiv für den Tag 03/11/2008

Ein Wuensch

Ein Wuensch

Ich gebe zu, dass ich gerne Geld rieche. Nicht nur Wirtschaftsmagazin lese ich gerne, sondern auch Gespraech mit Fachleuten. Die offeziellen abgegebenen Zahlen in der Zeitung intressieren mich nicht, sondern die scheinbar wiederspruechlichen Kurven, die uns die Wahrscheinlichkeit der wahrheit mehr verraten. Das Aehnliche gilt auch bei Menschen. Nicht das, was Menschen erzaehlen, das das Leben von ihnen bestimmt, sondern das, was sie tatsaechlich tun – das so geannte Muster. Oft sind es Widersprueche, die uns mehr Verstandnisse ueber anderen bringen als ihre Worte. Auch nur in meinen eigenen Widersprueche verstehe ich tatsaechlich, was ich will.

Mit dem Fondmanager Cheng koennte ich paar Dinge fragen. Die Beziehung zwischen der Abwertung des Goldes und der Steigerung des Dollers, die Auswirkung der chinesische Wirtschaftspolitik ueber seinen Binnenmarkt und dem Druck auf seine Waehrung koennte den Preis des Tees 2009 in die Hoehe treiben. Im November befindet sich der Preis in absenkendem Trend. Was nun?

Cheng glaubt an die Wirtschaftsmacht Chinas und betrachtete die Entwicklung im Westen pessimistisch. Diese Ansicht kommt in unserem Teezimmer nicht gut an. Er sagte, wir sollen uns woanders darueber sprechen. Ich sollte doch seine Visitenkarte haben. Es war mir peinlich ihm die Wahrheit zu sagen, dass das Papier moeglicherweise zu gut aufgehoben war.

Waehrend wir ueber die Kurven und Geld sprachen, schrieb mein Lehrer mir ein Gedicht als Widmung von seinem neuen Buch.  

Fei Hua Zi Fengxing          Es ist zwar kein Blume, aber es duftet von sich allein und unverwechselbar

Nongyan Cun Qing Ming   Die Aromen und Farbe sind zuerst leuchtend und intensiv, aber was am Ende (der Tasse) bleibt, ist der klare und erhebende Duft

Das war und ist sein Wuensch solchen Tees zu produzieren. Nicht ein Duftwolken, der schnell erloescht, sondern eine dezente nachhaltige Duftstroemung, die uns lang begleitet. Das ist auch sein Wuensch und sein Anspruch zu sich selbst, wie seine Person sein sollte. Er sagte immer, wenn er mit Tee reich werden will, waere er heute ganz anders. Mit Tee kann man reich werden, wenn man mit dem Markt antanzt. Er koennte seine gelagerte Schaetze verkaufen, die von Sammler wie Cheng sofort abgekauft werden koennen. er wollte nicht. Nur Tropfenweise aus Not. Wenn er wirklich ein Star der Teewelt werden will, wird er wohl nicht mehr so laut sagen, was er tatsaechlich auch denkt. Es ist die Entscheidung eines Menschen, wie er sein Leben ausmalt. Alles hat seinen Preis.

„Weiss Du,“ er sagt mir oft, „es ist ein verdammtes Gleuck, wenn man einen guten Tee, eine Tasse toller Kaffee oder eine tolle Mahlzeit und einen guten Freund, der es versteht, zu solchen Momenten treffen kann!“

Das Leben kann so schoen sein. Und es ist wirklich schoen.

Es ist auch sein Wuensch und sein Anspruch an mich, den Tee so zu verstehen. Nicht ein blendes Duftwolke, das uns gluecklich macht, sondern ein Tee so klar wie das Wasser, der von sich allein duftet und seine Klarheit bewaehrt. Es ist auch ein Wuensch von mir an mich selbst, dass ich dieses Verstaendnis veralltaeglicht werden kann.

Rarer Tee

Die Regenzeit. Wie geht es wohl dem Teepflanzen? Mir geht es gut unter dem Regen auf einer subtropischen Insel.

Kaum oeffnete ich die Tuer, alle lachten. Xiaoei machte gerade den Tee und sie meinten, dass sie seit heute morgen auf mich warteten. Ich weiss, sie warteten auf die Schokolade. Die Gesichter haben sich nicht viel veraendert. Sie meinten, aber ich sei duenner. Das Haus meines Lehrers Chen war voll. Voller Menschen, voller Teeduft und voller Lachen.

Mein Lehrer stand auf und ging ins Hinterzimmer. Xiaoei machte den neuen Tee. Steigender vielschichtiger Duft, suess und blumig. Ein Hochlandsoolong, meinte ich. Aber was fuer einen? „Der Lishan fuer den Holzkohle. Extra fuer Dich aufgehoben.“ Nein, nicht fuer mich, fuer Jiri, der mich immer wieder erinnert, unbedingt in diesem Winter diesen Tee zu besorgen! Also er wird sich bestimmt freuen. Nicht jeder Tee, nicht jeder Lishan kann man mit der hitze von Holzkohle „quaelen“. Nur einen guten Tee mit Substanz koennte man zu einem interessanten Tee befluegelt mit dem Duft des Holzkohle verwandeln.

Wir quatschten und klatschten. Die super Schoki von Reinhard (RVR) bezauberte die Atmosphaere mit Tee. Auf dem Tisch stand Prospekte von Toyota. „Hast Du ein neues Auto?“ Mein Lehrer war leicht verlegen, stand wieder auf und holte wieder einen Tee. Ein Tee, der unsere Augen gross und starr macht, meinte er.  Ein Tee, duftend nach Osmanthus und Jasmin, Aroma wie Tropfen von Krischliqor. Unsere Augen wurden gross und starr. Nach Minuten koennte man an dem Becher immer noch die Dufte Schicht fuer Schicht, Reihen an Reihen, klar und langhaltig schmecken. „Was ist das!“ “ Das ist mein Tee.“ Mein Lehrer laechelte voller Stolz. Er habe den Tee selbst gemacht. 1988 kuendigte er seine Stelle bei einem etabilierten Teefirma und machte sich selbststaendig. Dieser Tee stammte aus Yushan und wurde einer seinen ersten Tee. Ein Augenzeuger einer Zeit, in der er auf einen eigenen Weg wagte. In dieser Zeit, war der Teegaten noch anders verwaltet, die Einstellung zum Tee noch anders gepraegt war. Es war ein seltsames glueckliches Moment. wie kann ein gelageter Tee noch nach Blume dufen? Und so klar und nachhaltig? „Diesen Tee muss man vor Cheng verstecken.“ sagte unser Lehrer. Ausgerechnet erschien Cheng, sein Fondmanagerschueler vor der Tuer.

„Was fuer ein seltenes Gast!“ rief unser Fondmanager in seinem Armanianzug. Ich zeigte ein hoefliches Gesicht. Karma? Warum treffe ich ihn immer beim ersten Besuch? Er kam diesmal anstatt mit Maedchen, sondern mit einem Notizbuch voller Fragen. Wir wechselten sofort den Tee, einen nicht gewoehntlichen Tie Guanyin 1985. Onkel Chong machte Bemerkungen ueber ihn, weshalb er immer wechselnde Frauen um sich scharrt. Er sagte, dass es einfach viele schoene Frauen in diesem Beruf gibt. Aber er hat keine Zeit, meinte er. Er erzaehlte mir, dass er wieder viele gute Tees ergatterte und sie warten auf verkostet werden. Sie sind eben seine Nebenfrauen, die ihn gluecklich macht. Ein bisschen Neid spuerte ich und schwieg.

Ich stand auf und wollte gehen, meine Eltern warteten auf mich zum Abendessen. Xiaoei kam sofort mit aus der Tuer und habe etwas mit mir zu besprechen. Ich dachte, es ging um Streitigkeit. Nein, es ging um einen Tee.

Ein Tee, der aus Lishan in 80er Jahren stammte und von unserem Lehrer gemacht wurde. Ein Tee, den er fuer selbst aufhebt, nicht verkauft, weil er Stationen seines Lebens und der Veraenderung des Formosa Tees dokumentiert. Cheng hat geschafft, ihn zu ueberzeugen, an ihm zu verkaufen. Cheng brachte ihn das Geld fuer ein kleines Toyota und bearbeitete ihn fuer Monaten. Mit diesem Geld wechselte mein Lehrer endlich sein Auto, was seit langen Zeit noetig ist. Xiaoei haette auch gerne diesen Tee. Sie koennte sich aber nicht leiten, eine Kaufeinheit von 600g zu kaufen. Sie fragte bereits allen Schuelern und Freunde, die sie fuer verrueckt halten. „Wer kauft denn so einen teueren Tee?“ sie erklaerte mir, „Menglin, Du bist meine letzte Hoffnung. Weiss Du, es handelt sich nicht um Tee, sondern um die Geschichte des Tees!“ Sie moechte gerne das Dokument haben, bei sich aufbewahren und sich erinnern koennen, wie Formosa Oolong einmal war! Cheng bekam fuer das Geld, 3 Kgs. Er haette gerne noch mehr. Unser Lehrer verweigerte ihn. Der Tee sei ein Stueck Leib von ihm und Cheng besitzt nun einen Teil seiner Geschichte. Cheng hat es verstanden, aber die meisten Leute nicht. Der Tee sei nicht das Geld wert. Obwohl viele von ihnen LV- oder Gucci-Taschen tragen und selbst Benz fahren, wuerden sie nicht fuer das Geld gegen einen alten Tee tauschen. LV-Taschen und Benz bringen wohl viele glueckliche Momente im Leben, was die Leistung einer Person oeffentlich unterstreicht. Aber einen alten Tee zu Hause zu trinken, meistens mit Menschen, die den Wert nicht erkennen… Nicht ernennenswert!

Die paar Minuten veraenderten mein Bild von Cheng, dem Fondmanager. Als ein guter Spieler des Geldes hat er die Macht in Augen vieler Menschen: Erfolg, Sex und Prestige. Aber hinter diesem glaenzenden Armanianzug verbirgt eine feine einsame Seele. Er hat nie eine richtige Freundin und ist stets auf dem Wechsel – „Flucht“. Sein Zugang zum Tee ist durch Ansammlung von Wissen und Besitz des Tees. Er hat Geld. Er versteht, dass man mit Geld, das Leben paar glueckliche Momente verschaffen kann, wenn man sich nicht von Geld versklavt wird. In seinem inneren geheimen Garten ist es wohl von Teeduft und Teearomen bereichert. Trotzdem bleibt das Tor des Gartens verschlossen, keine Zeit bez. keine zugelassene Hoffnung. Mit wem will er denn den bezaubernden Tee teilen, mit jemandem, der Tee-Zauber versteht und darin als wenige glueckliche Momente des Lebens auch anerkennt?

Mit Mond, mit Wein und mit seinem Schatten trank der Dichter Li Bo (Tang Dynastie) in einer Vollmondsnacht. Er dachte, er sei gluecklich. Spaeter fiel er ins Wasser und wollte im Wasser den klaren Mond holen. Dann wurde er ertrunken gefunden.

Ich versicherte Xiaoei, dass wir zusammen die 600g kaufen. Das Geld kann man ja verdienen. Es kommt von ueberall her und fliesst auch ueberall hin. Der Tee wird mich viele schoene und unschoene Momente begleiten. Vielleicht bin ich auch gluecklich in einer Vollmondnacht am Zuerichsee mit meinem Schatten gemeinsam, den Tee zu trinken. Noch wahrscheinlicher werde ich ihn an der Spiegelgasse mit vielen vielen Teeliebhaber teilen und das Glueck verlaengern!

Hua Hin, Evason

Hua Hin, Evason

Vielen Dank fuer viele liebe Nachfragen und Mails.

Mir musste eigentlich super gehen in den Tagen als Erbsenprinzessin, waehrend mein Vater sich als Ochsen des Formosa bezeichnete.

Huan Hin ist spannend. Lieber Joseph, wir waren leider nicht wirklich in Hua Hin. Das Hotel macht nur Werbung mit dem Ort, um uns zu locken. Eine wunderschoene teuere Anlage. Das Meer war einsam, kaum Welle. Kein Voegel. Nur paar Fischerboten, paar Europaeer am haesslichen Strand aus grauen Steinen (nicht Mal Felsen).

Das Meer, das ich kenne, mit Welle, Sonne und Reibungen zwischen Wasser, Fuesse und Sand war hier nur eine Illusion. Ich war todmuede und fuehlte mich richtig wie ein Hund.