Archiv für den Monat September 2008

Shugetsu, der Herbstmond

Der Mond im Herbst sei der klarste. So klar, wolkenlos. So klar, so kühl und so klärend. Tausende Gedichte und Anekdoten kreisen um den Herbstmond. Geschäfte, Konsumrausch und Vitamin-B entwickeln sich ausgezeichnet durch die chinesische Fest um den Herbstmond. Eigentlich sollte der Mond die Zusammenkunft der Freunde, der Familie und der Gleichgesinnte symbolisieren, heute steht der Mond für ein Objekt des Begehrens. Mein Teelehrer aus Taipei rief mich überraschend an und fragte nach mir. Ihm ist es scheinbar nicht egal, wie es mir hier im Europa geht. Der klare Mond brachte ihn an jemanden zu denken, der so weit entfernt lebt. Der Herbstmond steht irgendwie doch für viele chinesische Seele wie ein Band zwischen Menschen. Ich liebe das Gedicht von Su Dongpo, er schrieb, „Trotz der Entfernung steht der klare Mond zwischen uns, ich wünsche, Dir geht es gut.“ (vielleicht nicht so eine ideale Übersetzung). Der Herbstmond in Taipei stand in diesem Jahr im Regen und Sturm.

Akinotsuki, der Herbstmond.

 

Gestern im Teeunterricht hing eine Kalligraphie an der Wand: „Wa Ga Kokoro Shugetsu ni nitari“ (Mein Geist ist so klar wie der Herbstmond). Das Temae, das ich machte, war Wakei – eine Teezubereitung in der Kriegszeit. Eine Zubereitungsart mit zwei Teeschale –damit es schnell passieren kann, an einem Ort des Abschieds und an der Grenze zwischen Leben und Tod. Diese Teeübung wurde von Tatansai erfunden – für seinen Sohn, der in den Krieg für sein Vaterland dienen musste. Sein Dienst war für seine Kameraden, eine Schale Tee zu schlagen bevor das Leben endete. Mein Geist ist so klar wie der Herbstmond, sollte sich doch der Trinkende fühlen, denke ich. In einem klaren Geist den Abschied von allen zu nehmen, ist eigentlich ein schönes Moment – denke ich. Ein Moment des Abschieds und Verbundensein. Der Herbstmond.

 

Yuko suchte eine wunderschöne Teeschale aus – mit einem Motiv des Herbstmond und Hagiblumen. Yuko ist ein wunderschönes Mädchen aus Nara. Sie hat einen anmutigen Körper, sanfte Augen und runde geschmeidige Art des Bewegens. Ich genieße jeden Augenblick in ihrer Nähe. Mit ihren wunderschönen eleganten zarte Nara-Akzent macht es zu einem Genuss sie zuzuhören. Sie fing erst in Zürich an, Tee zu lernen. Durch ihren indischen Mann lernte sie Bollywood Tanz. Auf den Tatami führte sie kurz die extravagante Art des Blollywoods aus und wir lachten alle zum Tod. Dann wollten sie sehen, wie ich den Bauchtanz mache. Meine andere Leidenschaft, die eigentlich sehr ähnlich funktioniert wie der Tee. Die Tanzgruppe konnte nicht glauben, dass ich ein Anfänger bin. Sie dachte ich tanzte seit Jahren. Ich erkläre immer wieder, dass der Camel-Schritt mit Barfuss genau so funktioniert wie der Schritt mit weißen Socken auf Tatami, die Händebewegung genau so funktioniert wie die Hand, die Bahmbuslöffel hält; die Bewegung stets nur von Hüfte ausgeht wie im Tee. Alles wird bewegt aus dem Zentrum des Körpers – Tee und Bauchtanz haben die gleichen Wurzeln. Das Beste an Bauchtanz ist, dass es keinen Mann gebraucht wird. Die Meisten glauben mir es nicht. Aber Miya, ich und Yoko lachten an diesen Nachmittag auf dem Tatami über uns. Sie meinten, in Japan gäbe es auch ein Bauchtanz, aber nur für Männer! Es wäre etwas für Joseph, der gerne mit mir zum Bauchtanz gegangen wäre.

 

Spaß beiseite. Yuko machte mir einen schönen Tee aus der Hagi-und-Mond Schale. „Kennst Du Hagiblumen?“ fragte ich Miya. „Ja, sogar unweit von Dir. In der Nähe von Friesenberg-Altersheim kannst Du diese Blumen anschauen. Sie blühen im Moment, eben ein Herbstblume.“ Hagi-Blumen und Herbstmond, was für eine Kombination? Diese Kombination weckte Neugier in mir und ich musste sie unbedingt sehen! Ich ging suchen, wie eine Hase, die herund läuft, schnell springt, mit kleinen neugierigen Augen in alle Richtung beobachtet. Nach langen Suchen fand ich endlich an der unscheinbaren Gleise entlang die einsam blühenden Hagi-Blumen (Lespedeza bicolor)! Die Einsamkeit diese Blumen an den kargen schmutzigen Gleisen bewegte mich so stark, ich musste fast weinen, „Wer hätte Euch hier bewundert? Wer hätte in diesem kalten Land Euch als poetisches Wesen erkennen können? Wie könnte man Euch hier einfach vor sich hin blühen lassen?“

HagiHagi 萩 

Die Blumen antworteten nicht. Sie blühten nur. Sie bräuchten keinen Lob und keine Bewunderung. Sie sind nur zufällig dort, wo manche zufällig passieren. Blumen haben keinen Geist, zumindest nicht so einen wie der menschliche Geist – melancholisch und unbeständig. Sie blühen im Einklang mit dem Rhythmus des Kosmos. Sie tun einfach ihr Beste. Purpur, zart und selbstbewusst standen Hagi an den Gleisen. Meine zitternden Finger berührten vorsichtig die feinen Blüten. Wie hätte ich diesen Anblick und Begegnung verewigen können? „Nichts.“ antworteten die Blumen. Dein Geist ist so klar wie der Herbstmond. Zum ersten Mal seit wochen, hatte ich wieder das Gefühl, sich so nah an den Blumen zu sein. Zum ersten Mal seit Wochen bekam ich das Gefühl, dass alles, was geschah und geschieht, einen tieferen Sinn haben muss. Man kann lernen, Dinge wieder gut zu machen. Zu spät wird es nie.

Teereise im April 2009

Teereise im April 2009

Eine Teereise, die nicht nur aus Sightseeing und Exotik beinhaltet, sondern die richtige harte Arbeit und Auseinandersetzung mit Tee. Teeclub Schweiz hat die Vision so eine Reise zu verwirklichen und ich bin sehr glücklich dabei mitzuwirken.

Eine Reise geplant durch die wichtigsten Teelandschaft Taiwans zu erleben. Die ganzen Prozessen und Abläufe durchzuleben ist wirklich einmalig und erlebnisreich. Ich übernehme die Reiseleitung und die Übersetzung, aber nicht die harte Arbeit bei der Teeherstellung – das habe ich mit Jürg bereits abgemacht. Denn ich habe Muskel nicht und bin faul. Andere in der Arbeit zuzuschauen macht mehr Spass. Mein Teelehrer wird dabei sein, uns zu unterstützen, so dass der von uns gemachte Tee auch trinkbar und geniessbar wird…

Datum: 19.April – 1. Mai 2009
Teereise nach Taiwan und Japan
Eine Veranstaltung des Teeclubs Schweiz
Anmeldung bitt bei Teeclub Schweiz
Nur 16 Teeliebhaber könnte ich mitnehmen. Bis jetzt sind die Hälfte der Plätze bereits reserviert.
Mehr Details werde ich laufend im Blog posten.

Einmalig

Ich dachte, dass ich Dinge gut loslassen kann. Unkompliziert und reibungslos.

Kurz vor Ausverkauf ist der Mingjian Jinxuan Paochung. Sollte ich ihn nicht mehr abgeben und dem Kunde mitteilen, dass er schon lang vergriffen ist, oder sollte ich ihn samt meine Erinnerungen noch einmal entbehren? Warum hänge ich denn so an ihn?

Dieser Tee ist das Speicher meiner ersten Tee-DIY Erfahrung, auch wenn es nur Weichei-Erfahrung war. Es war einmalig für mich. Im April war ich mit Gerhard und Kasper in Mingjian, wo wir unter der Leitung von meinem Teelehrer den Tee in einem vollständigen Prozess mit dabei sein duften. Ich schaute eigentlich lieber nur zu, während Gerhard seine Ärmel hoch krempelte und mitarbeitete. Die Körbe von Teeblättern waren mir zu schwer, der Schlaf war mir viel wichtiger und das Pflücken war mir zu anstrengend. Als Teeclub-Freunde mir sagten, dass sie unbedingt 2009 die Teeherstellung mitmachen wollen, war ich richtig geschockt. Ein Hardcore-Programm wollten sie, von Pflücken bis Rösten. Als ich Werner in München davon erzählte, wollte er unbedingt mitkommen. Selbst Tee machen unter der Leitung meines Lehrers sei ein Geschenk, ein einmaliges sogar!

mingjian reise

Gerhard und ich kauften den von uns mitgewirkten Paochung Jinxuan. In Bern ist der Tee bereits ausverkauft und wieder nachbestellt. Gerhard beschwerte in einem sentimentalen Ton, „Menglin, der Tee ist nicht der gleiche!“ Diese Äußerung machte mich richtig stutzig. Sicher, er ist natürlich nicht der gleiche. Wie denn? Die Erfahrung bei Tee-DIY war einmalig und der Tee speichert einfach diese Einmaligkeit!

Dieser Tee hat meiner Meinung nach einen Defekt. Ein Fehler meines Lehrers. Seine Röstmaschine war defekt und er war unaufmerksam. Der Tee litt unter einer zu starken Röstung. Auch wenn der Tee sich gut erholte, hat er eine spezielle Röstnote – nach gerösteter Sojabohne! Geröstete Sojabohne und Schwarzbohne – eine Delikates für meinen Großvater. Für mich gehört dieser Geschmack ebenfalls einem alten Mann, der die Zeit nicht mehr richtig wahrnimmt und nur nach seinem eigenen Rhythmus lebt. Als Kind fragte ich ihm, wozu er eine Uhr trug. Er sagte, die Uhr sei eine Dekoration. Und ich war ganz stolz, dass ich das erste Kind war in unserem Klasse, das eine Uhr trug. Meine Uhr war eine Dekoration. Ich kam fast immer zu spät in die Schule und musste vor der Tür in der Öffentlichkeit stehen…

Wenn ich einmal die Erinnerung an meinen Großvater überwindet, schmeckt der Tee dann leicht nach Honig und gedörrten Früchte. Sanft, vollmundig und fast wehmutig. Die Erfahrungen an Tee-Herstellungen werden immer wieder wach gerufen durch die Düfte und Geschmäcke. Dieser Honig-Süße kommt von der längeren Fermentation, die paar Stunden länger als die herkömmliche Herstellung durchzog. Das Fruchtige basieren auf vollständigem Erhitzen, das einfach länger und aufwendig passiert als die Mainstream-Produktion. Das sonnige gedörrte Frucht war für mich der Geschmack von jenen sonnigen Tagen. Die Teeblätter wurden unter geschirmtem Dach sorgfältig und länger gewelkt als anderes Pflückgut und ich musste stets die zarten Blätter wenden… An was habe ich immer dabei gedacht?

 

Diese unvergessliche Stunden, wertvolle Erfahrungen und lieben Menschen, die schlaflos für Tee arbeiteten werden so präsent durch die Aufgüsse. Was mache ich dann, wenn dieser Tee mich nicht mehr begleitet?

 

Warum kann ich diesen Geschmack nicht vergessen? Warum kann ich diese Erinnerung nicht vergessen? Warum hafte ich an diesen unsichtbaren Ort der Vergangenheit? Wenn dieser Tee aufgegossen wird, werden die Bilder vergegenwärtigt. Die verunsichernden Veränderung, der Abschied eines Abschnittes und die Sehnsucht nach einer Ankunft des neuen Frühlings in der damlaigen Zeit scheinen erst von gestern zu sein. Trennen von einer Erinnerung, die einmalig ist, ist grausam. Trennen von Dinge, die man einmal zähmte, ist schmerzhaft. Eigentlich werden diese Erinnerungen nicht verloren, sie werden einfach archiviert – in die tiefere Schicht des Speichers. Ich will aber nicht, sie in Tiefe des Speichers runter rutschen lassen.

Was machst Du, wenn Du einfach etwas nicht vergessen willst?

Früher hätte ich gesagt, schaffe Dir einfach etwas Neues an. Nun geschieht etwas Seltsames. Einen neuen Tee zu haben ersetzt nicht diese Einmaligkeit. Ich werde wohl so sentimental wie Gerhard, aber zu wem sollte ich denn jammern gehen?

Werner sagte mir, dass er den Tee abkaufen würde, den er selbst macht. Denn er hat den Tee gemacht. Er würde ihn sogar rahmen! Er würde diesen gerahmten Tee in seinem Laden hängen!

Life Balance

Als das älteste Kind einer konservativen Familie wurde ich geboren. Dass es kein Sohn war, war sicher schwer für meine Eltern. In der Schule staunten allen, wenn man meinen Name rief, aber ein Mädchen erschien. Für meine Mutter war es ein unbewusstes Wiedergutmachen mit meiner Vatersfamilie, obwohl ich kein Junge bin, aber einen Name trage wie ein Junge. Als mein 6 Jahre jüngerer Bruder gebar, waren alle erleichtert. Der Stammbaumhalter ist endlich zur Welt gebracht.

Mein Bruder wurde von allen geliebt, an der Strasse von dem Fremden, in der Familie von allen Sippen und sogar von meiner Hauslehrerin, die mir zu Hause Unterricht erteilte und sein Foto vergrößerte. Er hatte eine Pflegemutter, sie vergötterte ihn. Wir spielten mit ihm, verkleideten ihn als Mädchen, malen mit Lippenstift in seinem Gesicht. Er lachte immer wie ein Prinz, wenn wir kriechend über ihn lachten. Später untermauerte ich mich in dem Elfenbeinturm, die chinesische Erziehung war mir zu wider und lebte in meiner eigenen Welt. Es war eine Flucht gegen meine kühle dominante Mutter, nur mein Vater zeigte sein Gefühl, wie sehr er seine Tochter liebte. Mein Bruder lebte auch in einer anderen Welt, in der Sonne und Liebe fluchten.

 

Ich schaue selten zu meinem Bruder, nur einmal und es war eine einmalige Erinnerung zwischen Bruder und Schwester. Meine Eltern waren in Japan oder vielleicht in Hongkong, ganz selten zu zweit. Ich nahm meinen Bruder mit zum beliebten Ausflugziel wie Disneyland. Ich war 14 und mein Bruder 8. Wir hielten unsere Hände stets zusammen, ganz selten und wahrscheinlich war es das einzige Mal. Er wollte Hot Dog, und ich kaufte ihm Hot Dog. Er wollte mit dem Riesenrad fahren, also wir fuhren Riesenrad. Er wollte Eis essen, also wir aßen Eis. Er wollte essen, während wir liefen, also wir aßen während wir liefen. Das war alles eigentlich von unserer familiären Erziehung nicht erlaubt. Wir taten es und hielten unsere Hände immer zusammen. Er war glücklich und ich war glücklich. Zum Schluss fragte er mich, wann meine Eltern wieder fort gingen, und ich ihn wieder mitnehmen konnte. Es war aber das einzige Mal.

 

Später hielt ich immer nur im Ausland auf und mein kleiner Bruder geriet in der Schulsystem-Schleuder. Wenn ich ab und zu zu Hause war, sah ich nur einen gequälten Jungen, der nachts noch lernen musste. Allen sagten ihm, Deine Schwestern schafften es und Du muss es auch. Er blickte zu zwei dominanten Schwestern und fühlte sich wohl ohnmächtig zugleich. Später ging er nach London und absolvierte zwei Master, nur um länger in London unter den Fremden allein aufzuhalten. Unfreiwillig ging er nach Hause und wurde Manager eines traditionellen japanischen Unternehmens. Er hat kaum Zeit. Sein Zuhause ist das Flieger und der Firmwagen. Selten ist er zu Hause. Er heiratete eine wunderschöne Frau, eine Tochter eines chinesischen Soldaten. Sie kam mit unserer traditionellen konservativen Familie nicht klar. So viele Namen, so viele Fest und ständige Versammlungen überfordern diese junge Frau aus einem anderen Verhältnis. Mein Bruder lebt zwischen seiner jungen Familie und meiner Familie, zu der er eine Verpflichtung schuldet, denn er ist der Prinz der Hoffnung. Meine Schwester beschwerte sich oft über die Zustände. In dieser Angelegenheit gibt es keine Opfer und Täter. Es ist nur ein Lernprozess für allen Beteiligten. Ich schweige meisten.

 

Heute wutet Taiphone in Taipei. Sturmisch und regnerisch, ich bekam zufällig ein Email meines Bruders. Er machte sich Sorge um mich, schrieb er. Denn mein Vater jammerte vor meinen mangelnden Nachrichten. Wir skypten ein wenig. Er erzählte von Streitigkeit meiner Eltern, von unserem Verwandten und von seiner Firma, nur nichts von ihm. Ich fragte ihn direkt, wie es ihm geht. Er schwieg kurz und sagte mir, dass er nun anfangen will, mehr Oolong zu trinken anstatt Coke. „Weiß Du, ich bin älter geworden. Ich muss auch schauen wegen life balance!“ Life Balance? „Life Balance.“ Wiederholte er noch einmal. Er fragte mich, ob ich mich erinnern könnte an unseren einzigen Ausflug, nur Bruder und Schwester. Ja, meine Tränen tropften schon vor Bildschirm. Er sah mich aber nicht. Als Prinz der Familie lebt er immer im Traum des anderen. Life Balance bedeutet für ihn den ersten Schritt nur als ein Mensch zu leben. Als Protest gegen unsere strenge Erziehung hasste er gesunde Getränke. Nun entdeckt er, dass er auch lernen kann, nur aus seinem Impuls zu handeln anstatt aus Protest. Er lernte neue Menschen kennen, meinte er. Coke macht viel Blasen im Glas, es bleibt aber nicht viel übrig, lachte er. Er lernt, Zeit zu nehmen, auch für seine Schwester, die selten auf ihn schaut. Er lernt, sagte er, nicht als Sohn oder als Ehemann zu leben. Er lernt, dass andere auch lernen müssen, mit neuer Situation selbst zu Recht zu kommen. Er lernt, dass er nur die Hände ausstrecken muss, um Freiheit zu nehmen. Freiheit zu nehmen, um optimistisch zu sein. Er fragte mich, ob ich jemals das Gefühl hätte, dass es eine Freiheit ist, nur Entscheidung für sich selbst treffen zu können? Er lernt, Entscheidungen zu treffen aus einem freien Willen anstatt aus einer Abhängigkeit.

 

Den Life Balance Tee habe ich meinen Bruder empfohlen, einen gerösteten Tie Guanyin zu trinken. Ein gerösteter Tie Guanyin spendet Energie und Wärme. Oder einen Paochung, der Einsteiger mit Düfte und eleganten Aromen verführt. Aber Liefe Balance schafft der Tee allein nicht. Er lachte im Skype.

Wir hatten das Gefühl, dass wir wirklich Bruder und Schwester sind. Wir waren fast überzeugt, dass unser Leben in guten Bahnen verlaufen wird und alles zu Guten wenden müsste.

Hallo, Isar!

„Hallo, Isar!“ grüsste die kleine Mirella den geliebten Fluss. Mit ihrem Vater gingen wir Isar am sonnigen Nachmittag grüssen.

Die kleine blonde Mirella drehte ihrem Rücken zu mir, wenn sie mich sah. Ihr Vater erklärte mir, dass sie eigentlich Menschen beobachtete indem sie ihren Rücken zeigte. Ich kenne es, liebe Mirella, ich bin genau so wie Du. Ich schaue Menschen gerne aus dem Augenwinkel anstatt in die Augen. Denn das Wesentliche für die Augen unsichtbar ist. Hoffentlich verlernst Du es nicht während Du erwachsen wirst. Wir gingen zu Isar. Auf einmal vergaß Mirella, dass ich eine Fremde bin für sie. Sie ließ mich tragen – an der Isar. Liebe Mirella ich liebe Fluss genau wie Du, denn ich bin am einen Fluss aufgewachsen, der jedes Jahr Überschwemmung verursachte und mir durch seine jährige Wiederholung das Respekt vor der Natur vermittelte. Das blonde Mädchen ist nobady, unbeschwert schrie sie nach Isar, sammelte Blätter und jammerte vor Hunger. Das kleine Nobody hat unbegrenzte Möglichkeiten, alles Mögliche zu werden. Nur ihr Mut und Phantasie wird ihr eine Grenze setzen, wie sie somebody wird. Irgendwann wenn sie somebody wird, wird sie vielleicht genau das schreien, was Ulrich Rückriem sagte, „ich will nur noch wegfliegen.“ – und nur noch Vögel verschenken anstatt „anständige“ Kunst zu produzieren, um zu verkaufen.

Das Wiedersehen mit Isar war von Götterspeise veranlasst. Ein 2tägiges Teeseminar für Freunde und Crew zu gestalten war ein besonderer Auftrag. Wieder unterschiedliche Menschen zu begegnen, Kaffeetrinker, Raucher, Italiener, Türke und Ureinwohner aus Bayer treffen sich wegen Tee. Die besondere Begegnung mit dem Schriftsteller Paul Zucker und seine Frau waren eine „un-zufällige“ Überraschung. Wegen seiner Beziehung zur Chocolaterie kam der Auftrag eine Schokolade Ausstellung das schwarze Geheimnis auf ihm zu und mit Faszination und Leidenschaft erzählte er mir, wie die Geschichte um das schwarze Geheimnis immer größer und breiter wurde. Was steckt denn alles hinter dieser dunklen bitteren und klebrigen Masse? Was für eine Sehnsucht könnte durch diese zähe aromatische Flüssigkeit erweckt werden? Was für Geheimnisse könnte durch das Verschmelzen von Kakaobutter gelüftet werden? Was für einen Gegensatz ist der Tee, der uns widerspiegelt in seinem klaren Aufguss?

Schoko-FalamencoSchokoflamenco mit Joaquin Ruiz in der Ausstellung von „Das schwarze Geheimnis.“

Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar, wiederholte ich immer wieder in den zwei Tagen. Die Augen spielen bei Tee oft eine betrügerische Rolle. Ein guter Tee manifestiert sich selten durch die perfekte Form und Farbe, sondern durch die klaren Düfte und Nuance wie ein Fächer, der uns Schicht für Schicht klärend öffnet. Geheime Sprache des Tees könnten nur gelüftet werden, wenn das Herz sie durch das Verschmelzen von Tee und Menschen zuhört. In dieser Verschmelzung sah ich manchmal nachdenkliche Gesichter, manchmal fragende Augen und manchmal erleichtertes Lächeln. In dieser Entdeckungsreise funktioniert das Konzept von Schwarz und Weiß, von Richtig und Falsch, von Stark und Schwach nicht mehr. Was ist denn ein guter Tee? Wie muss man den Tee zubereiten? Wie sollte man denn welchen Tee trinken? Es gibt kein Muss, kein Faustregel und keine Grenze. Das gewöhnliche Denken ist ins Schwanken geraten. Jemand fragte mich, ob es erlaubt sei, Zucker im Tee zu süßen. Meine Antwort lautet: „Was nicht erlaubt ist, mache doch einfach heimlich.“ Alle lachten, aber nachdenklich.

Ein Tee muss meine Erwartung gar nicht erfüllen. Er ist so wie er ist. Es gibt keinen falschen Tee, nur ein Tee am falschen Ort. Das gleiche gilt beim Menschen – man ist so wie man ist in Ordnung. Nur Mut und Phantasie entscheiden unsere Entscheidung, was wir erleben. Ich hoffe, dass ich genügend Mut besitze, mich zu entscheiden für die Freiheit, die Tee mir vermittelt.

Selten gibt es so großzügige Menschen wie das Wirt-Ehepaar Henseler. Sie haben sich nicht nur um die Weiterbildung und Wohl ihrer Crews gekümmert, sondern auch um mich. Reichlich beschenkt, gastfreundschaftlich empfangen und herzlich umgegangen. Ich war in guten Händen – es war mir ganz sicher.

In guten Händen war ich auch bei Cenk und Esra. Ihr neues Zuhause gab der wandernden Seele ein Hauch der Geborgenheit und des Familiäres. Seltsame wunderbare Freundschaft zwischen unbekannten Menschen aus verschiedenen Erdteilen, sie sind nur zusammengeführt wegen einem wunderbaren Pflanzen namens Tee…Das Zugvögel wandert weiter. Vergeblich wartet es auf den Nordwind, der es vielleicht endlich zur Ruhe bringt. Vergeblich und unter Zugzwang. Ein Zugvögel hat eben das Schicksal als Zugvögel.

Das schöne Gefühl, dass mein Leben von guten Händen gelenkt wurde, brachte mich beinah zu weinen. Ich war in diesem himmlischen Gefühl, dass sich alles zu Gutem wenden kann – den Abschied von der Isar und meinen Freunden genommen zu haben. Der Zug fuhr punktlich ab.

Götterspeise

Götterspeise

Was hat eigentlich eine Chocolaterie mit Tee gemeinsam?

Die bittere, süsse, intensive, klebrige Masse hat eigentlich mit dem klaren erfrischenden und flüssigen pflanzlichen Brühe nichts zu tun. Aber das sinnliche, zauberhafte und Sehnsucht erweckende in den beiden Getränke verbinden nicht nur Menschen und Phantasie, sondern auch Menschen untereinander!

Teeseminar für eine „Szene“-Chocolaterie in München war eine bereichernde Erfahrung für mich. Es war ein wunderschönes Wochenende mit Götterspeise und Co. (Friends)!

Götterspeise

Jahnstrasse 30

80469 München

089-23887374

Laos und Tee

Liebe Menglin

Ich bin in Luang Prabang, Laos und geniesse the slow pace of life in
diesem sehr schoenen alten Koenigsstadt mit alten Tempeln eingebettet
in einer praechtigen Landschaft.
Ausnahmsweise trank ich zum Fruehstueck Laos Kaffee, da ich dachte,
dass es keinen guten Tee gaebe. Weit gefehlt, am zweiten Tag empfahl
mir der Kellner Laos Green Tee, der sehr gut schmeckte. Ich konnte es
nicht glauben. Wie der Tee heisst, konnte er mir nicht sagen. Ist es
Laos Cong Shui Xiang Oolong oder Old Bush Water Sprite? Diese Namen
fand ich im Internet. Falls du Informationen zu Tee aus Laos hast,
wuerde mich das sehr freuen.
Herzliche Gruesse aus Laos

Joseph

Das 1. Lebenszeichen von Joseph erfreut mich sehr. Aber den Tee, den er beschrieb, kenne ich leider nicht. Kennt Ihr den Tee aus Laos?