Archiv für den Tag 08/07/2008

Der Tee-Tag im Lotus Garten am 6.7.08

Ein Teeseminar für Teeclub, eine Versammlung von Teeliebhaber und Teebegeisterten. Unter dieser Vorraussetzung wagte ich mir eine richtige Anforderung zu stellen, mit 9 unterschiedlichen Teesorten eröffnete ich die Stunde.
Mit Leichtigkeit und Experimentiergeist probierten die Teilnehmer durch. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Tee kamen immer mehr ins Licht. Auch die Verbindung zwischen Tee und Menschen kommen immer mehr zum Ausdruck.

J. ist ein charmanter lustiger Lehrer, der gerne flirtet (auf charmante nette Art) und Frage stellt. Als er mir von seinem Beruf erzählte, fragte ich ihn, ob er seinen Beruf tatsächlich auch schaffte. Er fragte mich, was für Tee ihm gut tun würde. Es sind peinliche Momente, in dem ich Preis geben muss, wie ich Menschen wahrnehme. Ich behalte diese Bilder eigentlich gerne nur für mich selbst. Jeder Mensch ist wie ein Buch. Leider könnten wir nur oft das Buch kurz durchblättern oder nur am Anfang oder am Ende einen Blick rein werfen. Manche Bücher faszinieren einen sofort, ohne aufschlagen zu müssen. Ich senkte meinen Blick, was sollte ich ihm denn sagen? Eine begeisterungsfähige scheinbar lustige unkonventionelle Person, die seine Empfindungen und Sensibilität nur für sich selbst behält. „Ich würde Dir vielleicht Tees empfehlen, der Dich erdet. Zum Beispiel der Da Hongpao oder Buddha Hand. Pu Er wäre auch sehr gut, falls er Dir schmeckt.“ Ich spürte ein Paar leuchtende nachdenkliche Augen und hörte Ca. sagen: „ Man wird geröntgt.“ Ach…Hätte ich doch nichts gesagt. Was ich von anderen Menschen wahrnehme, geht es eigentlich nur mir selbst etwas an.

Wer hätte es denn gerne, beobachtet zu werden? In den stetigen Wechselbeziehung zwischen Menschen werden ständig Bilder voneinander ausgetauscht und eingescannt. Darum ist es redudant zu glauben, etwas anders darstellen zu könnren und das Selbstbild polieren zu müssen. Man ist so wie man selbst ist, in Ordnung. Warum sollten wir denn besser sein, als wir selbst sind? Wer hätte denn das Recht über uns zu beurteilen? Das gleiche gilt auch beim Tee. Jeder Tee ist so wie er ist, einzigartig. Ich präsentiere gerne „Sonderlinge“ – meine Schwäche für das Sonderbare, schätzt allerdings einen „einfachen und guten“ Tee.

Ich habe keinen besonderen Röntgenblick und verfüge keine Geheimnisse. Es liegt wohl nur an die Einstellung und an dem Versuch, einen Raum für andere Menschen und sich selbst zu gewähren. Das Wahrnehmungsvermögen lernt man durch Praxis des Tees und Zens, indem man aus dem Zentrum (Ruhepunkt) des Körpers die Bewegungen betrachtet. Es ist unmöglich in der Bewegung, die Bewegungen zu betrachten. In einer Zeit, in der alles schneller sein sollte, ist die Betrachtungsweise aus diesem Ruhepunkt ein Luxus des Lebens geworden. Wenn man einen Raum für sich selbst schafft, könnte man sich von anderen Menschen „relativ“ gut abgrenzen, um eigene Identität zu bewahren. Wenn man einen Raum für andere Menschen gewähren könnte, ist man verbunden mit diesem Menschen und versteht, wie er sich fühlt. Zwischen den Innen- und Außen-Räumen könnte es durchlässig sein und zugleich für sich verschlossen – es ist eine innere Freiheit, verbunden mit anderen Menschen zu sein und trotzdem sich selbst treu bleiben.
J. kam in der Pause zu mir, dass er meinen Vorschlag sehr zum Herzen nahm. Ich war sehr erleichtert und bedankte mich für seine Offenheit. Da er früher gehen musste, packte ich ihm ein bisschen von Da Hongpao und hoffe, dass der Felsencharakter dieses Tees ihn inspirieren würde!
G. fragte mich, was für Tee sie gerne trinken würde. Ich schaute sie kurz an und warf meinen Blick an die andere Seite. Eine anmutige ernsthafte schöne Peron, die viele Dinge aufs Herzen nimmt und mit den Dinge mit einer Ernsthaftigkeit auseinandersetzt. Es könnte manchmal zu innerlich werden. „Hochlandsoolong mit Eleganz und Düfte würde Dir bestimmt gefallen, oder? Auch schöne duftende entspannende Blumentee, denke ich.“ Sie nickte. „Und C?“ In meinen Erinnerungen suchte ich Bilder von ihm. Es war im Januar. Seine Haut glänzte, das Gesicht war entspannt und er saß in sich geruht im Sofa. „Hast Du viel Stress? Du hast letztes Mal anders ausgesehen. Muss Du jetzt etwas an Deiner Arbeit verändern?“ fragte ich ihn. Er meinte, mit einer Neustrukturierung umgehen zu müssen. „Dann würde ich Da Hongpao empfehlen. Wie ein Felsen in einem Chaos zu sich selbst zu stehen.“ Wir lachten. Man sollte mich bitte in dieser Sache nicht zu ernst nehmen. Ich übernehme keinerlei Haftung! Lieber Apotheke oder Arzt fragen.
So ging das Seminar weiter. Diskussionen über Tee, die Welt und den Menschen „heizten“ die Herzen der anwesenden und ermöglichte einen einmaligen Tee-Tag!

Jürg

Ich bedanke mich nun für die tollen Fotos von unserem ganz ganz tollen Präsident Jürg, der intelligente Frage stellte – die ich oft nicht beantworten konnte, und die richtige Antwort auf meine Frage tippte!

Ml Japan Menglin lästerte gerade über die Kuhlaugen und Schlitzaugen.