Duft der Orchideen

Michel klagte heute, dass er wieder drei Bücher übers Wochenende geschenkt bekam und nicht wußte, was er mit all den Geschenke machen sollte. „Du bist gut. Du bringst mir nie Öppis mit.“ Das hörte sich bei einem chinesischen Ohr nicht gerade als Kompliment an. „Warum schenken die Leute mir immer etwas? Die Blumen verwelken und Bücher etc. nehmen Plätze weg, am Ende muss ich ins Hotel gehen. Warum tun sie es?“ „Weil wir Dich gerne haben!“ In seinem Bad hängt eine riesige Wanduhr mit Titanic-Motiv und überall sind Bücher, CDs und verwelkten Blumen, die man jedesmal entsorgen muss. Zum Weihnachten bekam er sogar ein Blatt von dem indischen Bodhi-Baum, unter dem der Buddha angeblich erleuchtete. Ich versprach ihm, das Blatt samt dem Rahmen in Ebay zu verkaufen.

Das Problem hat nicht nur er. Ich habe ein ähnliches Problem. Da ich viel Besucher habe und gerne Besucher bekomme, bekomme ich viele Blumen samt Töpfe und Schokolade! Ich bin eine Projektionsfläche von vielen Teefreunde, die denken: eine Teefrau hat bestimmt ein gutes Herz für Blume, vielleicht macht sie sogar Ikebana. Leider bin ich ein Blumekiller. Keine blühende Rasse überlebt in meinen Händen! Nur grüne schweigende Zeuge ertragen mich, aber nur mit dem schweren Herzen. Einmal brachte Hubert mir einen entzückenden Camelien-Strauss, bestimmt kostbar und rar. Er sagte mir, dass es nur Wasser und Licht bräuchte. Nach paar Tagen verliessen mich alle Knospe und Blätter und ich wußte nicht, was ich falsch machte. Und das passiert immer wieder. Ich werde jedesmal frustriert, aber wollte mich auch nicht verändern. Das liegt nicht nur an meine linken Händen, sondern auch an meinem komischen Haushalt. Freundin Kathrin brachte mir einmal einen duftenden Frühlingsstrauss und ich geriet im Stress. Wo konnte ich eine Vase finden, um diese Blumen zu würdigen? Sie stand vor meinem Schrank und seufzte, „Ja, du hast wirklich ein seltsames Haushalt.“ Am Ende ladete der Strauss in einem Plastik-Ikea-Kücheschüssel.

Aus falscher chinesischen Höflichkeit traue ich den Leute nicht zu sagen, dass es mich eher Stress verbereitet – mit dem Blumen. Schokolade kann man schnell weiter verschenken, aber Blume… Ach. Vor drei Wochen bekam ich ein wunderbares Azalee mit rosa und roten Blüte mit Topf. Natürlich freute ich mich sehr für diese Freundschaft, andererseits denke ich an das mögliche Ende dieses Geschenks. Am Sonntag stellte ich entsetzt fest, als ich wieder heim kam, dass diese Azalee bereits aufgrund meiner Fahrlässigkeit vor meiner Abreise starb. Bei wem soll ich denn beichten? Und vor zwei Wochen wurde ich mit einer prächtigen Orchideen beglückt. Als diese Schönheit hoch geschleppt wurde, war ich sprachlos. Sprachlos von der Freundschaft, die man mir beschert; sprachlos weil ich wieder an das mögliche Ende dieses Prachtwerk dachte. Und, wo sollte ich sie denn hinstellen? In meiner bescheidenen Wohnung fand ich kaum einen würdigen Platz für diese Schönheit. Am Ende landet diese Orchideen in meinem Schlafzimmer zwischen Bücher, Dokumente und Kleiderstücke.

Gestern lag ich und ließ das Tagesgeschehen noch einmal vors Augen abspielen. Es war dunkel, stil und man hörte das Tram kaum. Emotionen wurden freier und der Geist beruhgte sich. Eine leise Spur vom unbekannten Duft heimsuchte mich. Wie ein Nymphe mit leichten Schritte füllt dieser Duft den Raum und mich. Was könnte es denn sein? Ist das die Orchideen? Eine klare zurückhaltende Präsenz mit klärendem süssen Duft!

Viele charakteristische Merkmale von Oolong werden mit Duft der Orchideen assoziiert. Die Orchideen ist Symbol der Eleganz, Einsamkeit und Aufrichtigkeit in der chinesischen Zeichenwelt. Ein Mensch, der seine Eleganz und Aufrichtigkeit nicht aufgibt, nur um Menschen zu gefallen, ist zwangsläufig einsam. Aber die Einsamkeit hat eine andere Bedeutung in diesem kulturellen Verständnis als eine schlechte Emotion. Einsamkeit hat etwas Edeles, eben wie die Orchideen.

Der Qingxin Oolong, der in Taiwan das Herz des Teeliebhaber erobert, ist bekannt für seinen zurückhaltend und charakteristischen Orchideen Duft.  Der Milanxiang Shuixian Dan Cong erweist ebenfalls diesen Duft-Charakter. Der bekanntesten Tie Guanyin aus dem originalen Tie-Guanyin-Baum sollte diesen Orchideen-Duft im seinem Aufguss verströmen. Ein bekanntester Oolong, der nach dem Orchideen-Duft genannt wird, ist der Qilan – die seltende Orchideen! Dieser Oolong sollte ursprunglich aus Anxi stammen. Der bekannteste Sorte dieser Gattung ist nun aus Fujian Pinghe, eine neue Züchtung von Qilan奇蘭. Die Blätte von dieser Züchtung sollte leicht weiss sein und hat eine markante Duftnote von Orchideen. Leider bin ich ihm noch nicht begegnet.

Mich fragten Leute oft, wie duftet eigentlich Orchideen. Ich wußte ehrlich gesagt nicht. Heute Mittenacht wußte ich sehr wohl, wie Orchideen duftet. Dankend denke ich an die Leute, die mir diese „Erleuchtung“ beschenkten. Vielleicht überlebt sie diesmal und das wäre wirklich eine Ausnahme.

4 Gedanken zu „Duft der Orchideen

  1. Suzanne

    Liebe Menglin,
    ich bin nicht nur Tee- sondern auch Orchideen-Liebhaberin, und mit den Orchideen kenne ich mich sogar ein klein wenig aus!
    Wenn Du Fragen hast, kann ich Dir auf jeden Fall weiterhelfen (bzw. es versuchen!); und falls Deine Orchidee irgendwann mal einen Durchhänger hat, päppele ich sie Dir gern wieder auf.
    Ich habe schon misshandelte Orchideen aus Restaurants entwendet, sowas kann ich nicht mit ansehen, ich nehme die dann mit und zahle schlimmstenfalls eine Ablösesumme für die armen Geschöpfe.

    Wenn Du eine duftenden Orchidee hast, kannst Du Dich glücklich schätzen!!! Das ist etwas sehr Seltenes und Kostbares hierzulande!

    Das Wichtigste ist, sie an einen sehr hellen Ort OHNE direkte Sonne zu stellen, sonst verbrennt sie. Sie braucht relativ hohe Luftfeuchtigkeit, mag aber NIE im Wasser stehen.

    Ich maile Dir eine Anleitung!! :)))

    Viele liebe Grüße!

    Suzanne

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  2. romeo

    hallo suzanne
    kannst mir gerne diese anleitung auch schicken,habe sonst eine gute hand für pflanzen,doch im moment hängen sie wieder.sie haben auch noch nie geblüht.
    gruss romeo

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  3. Menglin

    Liebe Suzanne, vielen Dank für Dein Mitgefühl für meine Blumen. Ich glaube, dass diese Anleitung meiner Orchideen nicht unbedingt sehr viel hilft, solange ihre Herrin ihre Lebensführung nicht verändert. Aber wir versuchen es Mal.
    Eine gute Nacht!

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  4. Suzanne

    Hallo!

    Hier meine Lieblings-Orchideen-Links …

    Tipps für Anfänger: http://www.orchideenforum.de/anfang.htm

    Und die Adresse des Orchideenforums, auf dem ich mich sehr oft herumtreibe und wo man tolle Tipps bekommt – ist auch (und gerade) für Orchideen-Neulinge sehr gut geeignet (insbesondere die Rubrik „meine erste Orchidee“:

    http://www.forum.orchideen-forum.de/

    Liebe Menglin, (fast) niemand muss seine Lebensführung für eine Orchidee ändern … man muss nur ganz wenige, aber wichtige Dinge berücksichtigen. Auch dass man mal verreist ist, macht den Orchis nicht unbedingt was aus: die meisten Orchideen vertrocknen nicht, sondern werden ertränkt, und durch zu viel Pflege zu Tode „gekümmert“. Zwei Wochen ohne Wasser (teilweise sogar noch mehr) machen ihnen nichts aus (es sei denn, bei 30°C im Hochsommer).

    Ich freue mich für Dich, dass ein so schönes Exemplar bei Dir lebt!

    Viele liebe Grüße!

    Suzanne

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