Archiv für den Tag 08/02/2008

Der Geschmackssinn

Was wäre der wichtigste Sinn für einen Tee-Menschen? Ich habe mich noch nie mit dieser Frage beschäftigt, wenn ich nicht so verzweifelt wäre – wie jetzt.

Mein Geschmackssinn hat mich verlassen. Seit mehr als eine Woche schmecke ich nichts mehr. Nichts, nicht einmal den Duft des Tees könnte ich schnuppern. Nicht einmal der Neujahrechampagner. Nicht einmal die frische Wäsche.

Nichts, nichts könnte ich tätigen mit Tee. Keinen Degustationsbericht, der einen Einkauft entgültig stützt. Keinen Degustationsvorlschag, den meine Klienten erwarten, um Test vollziehen zu können. Keinen Degustationsnotitz, die frisch eingetroffenen Tee kontrolliert. Nichts, was ich einst als Selbstverständlichkeit betrachte. Nichts, was ich immer ganz locker annahm, dass es etwas gäbe wie Freiheit.

Wie hat Beethoven seine 2. Sinfonie noch geschrieben, als er taub wurde? Mit nur Tastensinn und Augen kann man sich mit Tee nicht beschäftigen.

Jeden Morgen bereite ich mir einen Buddha Hand und hoffe, dieser Tee mich mit seinem vertrauten Aromen und Düfte aus diesem Elend erweckt. Kein Wunder geschieht. Heute kam Freudin zum Krankenbesuch. Ich machte ihr eine Tassen Shuixian und Buddha Hand. Sie lobte den Tee und seufzte. Ich sass dort so taub wie ein Eisberg. Mir schmeckte es nach nichts. Es schmeckte nach nichts. Der Tee schmeckte nach nichts.

Ich weiss, was ich demnächst machen muss – eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschliessen.