Archiv für den Tag 29/10/2007

Ziehzeit von Oolongtee

Liebe Meng-Lin Chou,

mit grosser Begeisterung bin ich auf diese Website gestoßen. Herzlichen Dank für Ihr Engagement.

Seit zwei Jahren setze ich mit etwas intensiver, doch laienhaft mit dem Thema Tee auseinander. Momentan liegt es mir sehr am Herzen, dem Chinesischen Tee näherzukommen. Hierbei stoße ich immer wieder schnell an Grenzen, da es an Austausch über die Materie mangelt. Viele Teehändler haben leider keine ausreichende Bildung und so stoße ich auf unterschiedlichste Lehrmeinungen ohne zu wissen, ob mein Weg nur im Ansatz der richtige ist.

In diesen Blog einsteigen möchte ich mit einer sehr simplen Frage. Es geht um die Ziehzeiten bei Oolongtees, den ich immer im kleinen Tonkännchen zubereite. Mein Händler in Köln, der mir als recht gut informiert erscheint, empfiehlt pro Aufguss ca. 60 Sekunden. In Ihrem Blog und auf etlichen Seiten im Netz ist aber oft die Rede davon, dass der Tee sich länger entfalten muss und erst nach 2-3 Minuten abgegossen werden soll.
Sicher geht es letztlich um den persönlichen Geschmack, doch eine Grundrichtung gibt es doch sicher, oder?

….

Herzlichen Dank schon jetzt für Ihre Antwort.

Besten Gruß,

Florian B.

PS: Auch Sternzeichen Löwe

Hallo, lieber Florian,

für mich bedeutet die Rede von der „Ziehzeit“ gar nichts.

Ich würde Dir zwei Fragen zuerst stellen: was für Tee zubereitest Du? Wie hättest Du gerne Deinen Tee?

Als ich den Tee für Miriam und Roger am Samstag zubereitete, wurde es mir klar: was mir schmeckte, war für Roger schon zu bitter. Bei ihm musste die Ziehzeit 60 Sekunde kurzer sein, als bei mir.

Nun kommen wir wirklich auf die zentrale Frage: was ist Teetrinken? Standarisierende Methode braucht jeder, der Tee gerade kennenlernt, zu trinken. Für einen Teeliebhaber ist das standarisierte Wissen nicht mehr befriedigend. Man merkt plötzlich, dass der Tee und der Mensch nicht „tot“ sind, sondern lebendig. Dieses lebendige Wesen möchte verstanden werden und genossen werden.

Ich kenne solche Empfehlung von Gongfu Cha. Leider funktioniert die Ziehzeit von Tee zu Tee anders. Bei Buddha Hand und Paochung nimmt man eine andere Menge und deswegen auch eine andere Ziehzeit. Bei halbkugeligem Oolong geht es wieder anders.

Wenn ich hier im Blog nur das standarisierte Wissen schreiben würde, wäre es überflüssig. Solche Ratschläge gäbe es gier genug.

Mein Ratschlag wäre: überlege zuerst, welchen Tee Du zubereitest und für wen dieser Tee zubereitet wird.

Wenn ich einen neuen Tee kennenlerne, dann nehme ich gerne eine kleine Porzellankanne. Die Kanne wird zuerst aufgwärmt.

Die trockenen Blätter hinzufügen. Die Teeblätter sollte den Kanneboden decken. Natürlich variiert die Menge je nach Teesorte – das ist die Kunst der Teezubereitung, die gelernt und entdeckt werden will!

Den Deckel zudecken. Nach 1 Minuten abdecken. Den Duft geniessen und den Tee verifizieren.

Dann je nach Tee mit passendem Temperatur aufgiessen. Wenn unsicher, lieber kühler als zu heiss.

Nun nach 3 Minuten den Tee kosten. Wenn nicht geschmacksvoll, dann noch länger ziehen lassen. wir sollen dabei nicht vergessen: ausprobieren, experimentieren und geniessen.

Wäre diese Wörter hilfsreich für Dich?

Eine gute Nacht!

Eine Löwin in Zürich