Archiv für den Monat Dezember 2006

Taiwans Interesse für den Westen?

Vielen Dank für die rege Diskussion von meinem gestrigen Beitrag. Es ging eigentlich um die Zusammenhänge zwischen Tee und chinesischer 5 Elemente Lehre. Die Diskussion ging allerdings um die Interesse Taiwans für den Westen.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie ich mit diesem Beitrag anfangen sollte. Ich fragte mich auch zuerst, „weshalb bist Du nach Westen gekommen?“ Bevor ich die Frage auf Thomas eingehe, möchte ich gerne diese Selbst-Frage beantworten.

Alle taiwanesischen Intellektuellen wissen, wenn sie die akademische Laufbahn einschlagen möchten, müssen sie nach Westen pilgern. Die meisten gehen nach USA! Ich komme aus National Taiwan Universität, die Elite-Universität Taiwans, wo selten Professoren nur in Taiwan ihre Promotion abgeschlossen haben. Das Studium in den USA ist der schnellste Weg in dem Elfenbeinturm. Ich entschied mich mit einer Freundin zusammen nach Deutschland zu studieren, weil ich gerne meinen eigenen Weg gehe und selbst als „linke“ Studentin verstand. Wir lernen und eifern fleißig dem Westen nach, nicht nur in Life-Style, sondern auch im Bewusstsein! Wir lernen antike Kultur, abendländische Zivilisation, Aufklärung und die Moderne in der Schule. Wir setzen fleißig damit auseinander in der Öffentlichkeit und verstehen uns als Mitglied der Moderne. Taiwanesische Intellektuellen möchten ihr Land modernisieren und bemühen sich es zu verstehen, weshalb der Westen die Hegemonie innehat. Die Unabhängigkeit der Schweiz, ein Bergland mitten in Alpen, verkörpert ein verklärtes Vorbild für Taiwan, wo immer Schlachtfeld verschiedener kolonialen Mächte war und ist und Sehnsucht nach Frieden und Unabhängigkeit hat.

Mit dieser Begeisterung für Westen bin ich als 18 Jährige hier angekommen. Viele angenehme und unangenehme Fremderfahrungen führen mich zum Glück zu meiner kulturellen Wurzel, die mir bewusst macht, wer ich bin. Nicht mehr ganz taiwanesisch, nicht ganz chinesisch, ein bisschen deutsch und ein bisschen menglin selbst. Ich fange wie viele andere taiwanesische Intellektuelle an, über meine frühere Begeisterung und Verklärung zu reflektieren.

Der Westen – einfacher ausgedruckt, steckt in eine Krise, die aufgrund ihrer Ignoranz, fehlende Selbstreflexion und der Naturgesetz (alles ist vergänglich, auch Wachstum) zwangsläufig stattfindet. Viele meine Freunde, die in Frankreich, Deutschland und USA studierten, teile die Meinung, dass wir auf unseren eigenen Weg gehen müssen, um viele Probleme der Postmodernität zu vermeiden und selbst neu zu verorten. Die Frage ist, können wir uns wirklich von dieser Entwicklung entziehen?

Ich weiss nicht, ob ich die Frage von Thomas beantwortet habe. Natürlich gibt es immer Menschen, die sich nur oberflächlich für andere Kultur interessieren. Das ist ja Life-Style. Immer etwas Neues, Fremdartiges und Hübsches. Das hat nichts mit Mentalität eines Volkes zu tun. Das ist die Mentalität oder Zeitgeist unserer postmodernen Gesellschaft.

Tee und 5 Elemente

Migros Clubschule Basel lud mich ein zwei Kochkurse über 5 Elemente-Küche am 5. Februar und 12. Februar zu geben.

Was ist 5 Elemente-Küche? Diesen Begriff kannte ich ehrlich gesagt erst in Europa. In Taiwan spricht man nie davon, man spricht nur Yin oder Yang bzw. warm oder kalt. Ausserdem ist diese Lehre stark im Alltag integriert und niemand würde eigentlich auf die Idee kommen, einen „Kurs“ zu machen.

Im Westen sind Menschen offen und neugierig, so dass diese Möglichkeit gibt, eine andere kulinarische Kultur mit ihrer spezifischen Denkweise richtig kennen zu lernen. Diese Ernsthaftigkeit berührt mich immer wieder und wir (Taiwanese) können sehr viel davon aus Europa lernen.

5 Elemente bedeutet

Wasser- Winter – salzig – Nieren

Holz – Frühling – sauer – Leber

Feuer – Sommer – bitter – Herz

Erde – Spätsommer (oder besser gesagt die Zwischenzeit zwischen Jahreswechsel) – süss – Magen

Metall – Herbst – scharf – Lunge

Diese 5 Elemente fördern sich gegenseitig, kontrollieren allerdings auch gegeneinander.

Wasser ernährt Holz. Holz ernährt Feuer. Feuer ernährt Erde. Erde ernährt Metall.

Wasser kontrolliert Feuer. Holz kontrolliert Erde. Feuer kontrolliert Metall. Metall kontrolliert Holz.

Fünf verschiedene Geschmacksrichtung Beinflüssen die Zusammenarbeit unserer Organen. Wir können unsere Gesundheit fördern oder vernachlässigen, indem wir die Geschmäcke harmonisieren oder nur einseitig ernähren.

Hat Tee überhaupt mit diese Ernährungslehre zu tun? Ja! Natürlich!

Meister Chen (Qigong Meister) machte uns klar, dass der Oolong wie Fenghuang Dancong oder Oriental Beauty aufgrund seinem lieblichen honigartigen Duft und Geschmack positiv auf Erde-Elemente beeinflusst. Wenn die Erde genügend Energie erhält, wird das Element Holz – Leber automatisch entlastet! Ein gelagerter Oolong mit leichten saueren Noten spricht die Leber an.

Natürlich ist die Lehre umfassend. Die ganze Medizin, Fengshui und das Weltbild Chinas liegen der 5 Elemente zugrunde. Aber man sollte hier nicht Ernsthaftigkeit und Anstrengung eine Kult und Dogma daraus machen. Wichtig ist, was sagt unser Körper zu dem, was wir zu uns aufnehmen!

Klubschule Migros Basel

Jurastrasse 4
4053 Basel
Telefon 061 366 96 66
Telefax 061 361 99 78

Probleme mit Pu Er

Ich war total erschrocken als man mir erzählte von einer Zigerrete im Pu Er gefunden zu haben.

Wie kann so etwas passieren? Viele Probleme mit Verpackung und Qaulitätsmangel entstehen nun durch viele kleine private Unternehmer. Sie ermöglichen eine Vielfalt des Marktes, erwecken aber auch Probleme des Qualitätskontrolle. Pu Er Fladen sind gepresst und man kann von Aussen nicht sehen, was innen ist. Durch Stichprobe könnte man nicht unbedingt versteckte Mangel entdecken.

Sollte man aufgrund solche Phänomenen nur kontrollierte Waren in EU-Raum kaufen? Diese Art von Pu Er ist extra für hier produziert – durch eine künstliche Nachfermentation mit Hitze und Wasser. Er ist sauber, aber nicht wirklich ein Pu Er Tee. Ich würde aufgrund der chinesischen Medizin behaupten, dass dieser Pu Er nicht gesund wirkt, eher im Gegenteil. In der künstlichen Nach-Fermentation entsteht zusätzliche Hitze, die unser Körper eigentlich zusätzlich verdauen muss, nicht für Gesundheit gebrauchen kann. Ein lang gelagerter grüner Pu Er enthält eine natürliche angenehme und safte Energie, die aufbauend im Körper wirkt.

Die Frage ist, was sollen wir als Teeliebhaber tun? Einfach ausgeliefert an die chinesischen Geldmacher auf dem Teemakrt oder lieber den „künstlichen“ Pu Er trinken? Wir müssen eigentlich gemeinsam Druck auf chinesischen Teemacher ausüben, nur sauberen und guten Tee zu produzieren. Das Problem müssen wir gemeinsam anschauen. Teebauer in China wären nur bereit mit dem Problem auseinanderzusetzen, wenn Teehändler Fachwissen besitzen und Konsumenten auf das „gute“ Tee insistieren!

Pu Er 2001

Pu Er 2001

In so einem nass kalten Wetter kann man nur mit einer Tasse Pu Er ein wenig Energie tanken.

Herr Wang schickte mir einen schönen Pu Er aus dem Jahrgang 2001. Die Fladen sieht sauber aus, kaum zerbröselten Blätter. Die Oberfläche sind voller goldenen Tipps – es war sicherlich weisse Tipps im Jahr 2001 gewesen. Die Tipps entfalten sich im Aufguss zu schönen „one Bud and two Leaves“.

Dieser Tee ist aus klassischem Dian Qing – Yünan Grüntee auf Chinesisch. Zarte Tipps und saftige Blätter garantieren das Potenzial der Lagerung. Ein Pu Er ist geeignet zum Lagern, wenn die Veränderung durch die Zeit und Reifung zu einem geschmackshaften Gaumenerlebnis ermöglicht. Zarte saftige Tipps und Blatt liefern die beste Grundlage für eine Lagerung. Nicht alle Tees sind geeignet zum Lagern. Ein guter Tee kann durch die Lagerung noch interessanter werden, während ein schlechter Tee so bleibt… In Taiwan haben wir einen Spruch: “ Der Ochse ist ein Oschse, selbst wenn man ihn nach Beijing führt…“

Momentan sind viele private Teefabriken entstanden. Das ist allerdings keine Garantie für die Steigerung der Qualität. Herr Wang erzählte mir sehr besorgt über diese Entwicklung. Stefan aus D.D. hat in diesem Sinne recht, wenn er BIO befürtwortet – das Missbrauch von Pestizide ist ein grosses Problem in Yünan – je ländlich der Anbaugebiet ist, desto unbewusster gehen Teebauer mit Pestizide um. Das Harmonisieren zwischen Menschen, Natur und Kultur muss unser Bewusstsein stärker prägen.

Zurück zu dem Aufguss: Die Farbe des Aufgusses ist orangenfarbig – mein Handy macht heute nicht mit – nach 3 MMS Versuche, blieb das Senden fehlgeschlagen. Es duftet nach wilder frischen Wiese und zugleich dem typischen Nach-Fermentationsgeschmack. Aber der leichte scharfe jedoch aromatische liebliche Geschmack sagt mir, dass er wirklich ein grüner Pu Er war. Ein Tee zum Lagern, ja ohne Zweifel. Auch nun gleich aufzugiessen wäre auch keine schlechte Idee!

Dieser Pu Er ist aus Reispapier verpackt und in der Mitte steht ein gelbliches „Cha“ – Wort. Was bedeutet dieses gelbliche Wort in der Erkennung eines Pu Er Tees, werde ich demnächst einen Beitrag schreiben. 

Swiss Kaiseki

Swiss Kaiseki gibt es inzwiscen auch. Das Menü manifestiert das kulturelle Verständnis bzw. das kulturelle Niveau eines Vier-Sternen-Hotel in der Grindelwald / Schweiz.

Eine Gemüsesupper serviert in einer Suppe-Tasse

Salatbuffet

Entebrust mit Teriyaki-Sosse und serviert mit Reis

Grindelwald Vanilleeis mit Matchapulver

Per Person 49 Sfr. /32 Euro

Was ist an diesem Menü Kaiseki zu spüren?

Swiss Kaiseki Hotel Belvedere Grindelwald

http://www.belvedere-grindelwald.ch/

Cha Kaiseki 茶懷石

Ursprünglich ist Teezeremonie in einer Tee-Einladung integriert, nicht als eine einzige Akt zu betrachten. Tee-Einladung – Chaji 茶事 fängt mit einem Holzkohle Zeremonie an (der Raum wird somit geheizt), anschliessend Essen und endet mit einem dünnen Tee (Usucha).

Das Essen von Kaiseki ist heute ein Prahl-Mahlzeit geworden – als Exklusivität und gesellschaftliche Ettikette. Es ist üppig mit schönem Geschirr und Zutaten ausgestatten. Aber ein Cha-Kaiseki entspricht dem Tee-Zen-Geist. Diese Mahlzeit manifestiert, wie der Gastgeber sich bemüht, in der Einheit des cosmischen Rythmus zu leben und wie der Gastgeber sein Gast respektiert.

Die Zutaten des Essen sollte aus den Regionen kommen und deshalb der Jahreszeit entsprechend. Der Geist des Tees drückt sich genau durch das Zusammenleben mit dem Jahreszeit aus. Im Winter serviert man eine Schale Tee in einer geschlossenen Teeschale, während man im Sommer offenen Teeschale bevorzugt. Das mit der Natur zu harmonisieren, drückt sich ebenfalls aus, indem man Geschirr auswählt. Man nimmt nicht ein Glasteller, um grillierten Fisch zu servieren. Porzellan, Keramik und Glas signalisieren uns Wärme, Leichtigkeit, Stabilität oder Kühle. Der Gastgeber zeigt sein Leben mit der Natur durch das, was er unter „Leicht“ und „Schwer“ versteht. Das Gespür für Dinge um sich zu haben erhält man durch das Eins-Sein mit dem Kosmos. Menschen stehen nicht allein auf der Erde. Im Tee werden Augen für die Mitwelt geöffnet.

Zuerst eine Schale Reis und Misosuppe mit ein paar Pickels. Dann kommt ein Teller Sashimi (rohen Fisch). Dann serviert der Gastgeber Sake (Reiswein). Anschliessend ein Teller geschmortes Gemüse und grillierten Fisch. Dann wird die Schale mit warmer Suppe (nicht gewürzt und ohne Zutaten – reines Wasser) geputzt und anschliessend getrunken. Die Gäste essen gemeinsam, fangen gemeinsam an und schliessen gemeinsam ab. Harmonie zwischen den Zutaten, zwischen den Menschen und zwischen den Raum gilt als das höchste Ziel im Tee.

Viele Tee-Praktizierende in Europa versuchen mit grosser Anstrengung so zu kochen wie Japaner. Importierte Zutaten geben uns nicht nur den fremden Geschmack, sondern auch ein entfremdetes Gefühl im Geist des Tees. Detlef und Ingrid versuchen Tee zu „germanisieren“, indem sie das Kaiseki wirklich nach dem Geist des Rikyu kreieren. Nur regionale Zutaten kommen auf dem Tisch. Was noch relativ fremd duftet, ist nur Sake – auf das wollen wir nicht verzichten…

Kaiseki Ein Mahlzeit zu zeigen – das moderne Kaiseki

Hier das Menü von Teemeister Rikyu 利休 im Januar des 17. Jahrhunderts (das Jahr weiss ich leider nicht). Der Gast Tokugawa 德川家康 (der letzte Shongun-Clan Gründer – also ein Fürst und VIP)

Grilliertes

Geschmortes mit Miso-Sosse (Gekochtes Gemüse)

Angemachtes (Vermutlich Gemüse)

Reis (gekochter purer Reis)

Karpfen-Salat

Kungpu (Algen)

Früchte

Weizengebäck

Ich denke, dass man die heutigen VIP so nicht bewirten kann. Entweder würde die Subvention an die Teeschule gestrichen oder der Teemeister würde sein Job wohl entgültig verlieren und ein Harz IV-Antrag stellen.