Der Tee, der zu viel gedüngt wird

Viel zu oft wurde ich im Teeseminar gefragt, ob man die Pestizide und Dünge im Tee schmecken kann.

 

Wenn man sich tatsächlich mit Pestiziden im Teefeld beschäftigt, weiß man, dass manche geschmeckt werden und die meisten nicht geschmeckt werden.

 

Die Spuren von den Düngen sind im Vergleich mit dem Pestizide eindeutiger zu sehen. Nehmen wir das Beispiel von Zimmerpflanzen. Zimmerpflanzen werden gedüngt, weil der Besitzer grüne und fette Blätter haben möchte. Die Dünge sorgen dafür, dass das Pflanzen schneller wächst und größer als die Gewöhnlichen werden. Das passiert ebenfalls beim Tee. Teepflanzen, die gedüngt werden, haben größere und grünere Blätter. Dieses große und grüne Blatt enthält mehr Feuchtigkeit und sind weicher. Sie vertragen das Sonnewelken nicht, was für die Herstellung des Oolong der entscheidende Schritt ist. Dadurch, dass diese fetten Blätter mehr Feuchtigkeit enthält, ist eine längere Zeit für das Welken notwendig. Diese Notwendigkeit kann nicht vollzogen werden, weil die schnell gewachsenen Blätter das Welken nicht verträgt.

 

Um dieses Problem zu kompensieren muss man das Sonne-Welken sehr sorgfältig vollziehen, z. B. nur mit Abendsonne und ein verlängerter Prozess. Das bedeutet für einen Teemaker und Teeproduzent mehr Geduld, mehr Aufwand, und mehr Kosten.

 

Das Hauptproblem beim Düngen liegt nicht an die Pflanzen, sondern an Menschen, die den Tee herstellen. Mein Teelehrer sagte mir einmal, wenn Du einen Tee siehst, siehst Du den Geist des Teemakers. Man muss in diesem Fall den Geist des Teebauers verstehen. Ein Teebauer, der seinen Garten düngt, denkt effizient und ungeduldig. Um größte Menge, in kürzester Zeit den besten Betrag zu erzielen, entscheidet er sich seine Pflanzen zu düngen. Solche Menschen mit diesem Geist denken an Kosten sparend wie ein Unternehmensberater. Also er würde nicht die Kompensationsmethode anwenden, um die Problematik der gedüngten Blätter bei der Herstellung zu „retten“. Von Geduld und Liebe zum Tee spricht man in diesem Fall auch nicht.

 

Wie sollte so ein Tee aus diesem Geist schmecken? Wie könnte man die Spuren der Dünge nicht sehen? Man sieht ganz deutlich! Die trockenen Teeblätter sind schwarz und groß – was normale Konsumenten beeindruckt! Im Aufguss trennt sich Blatt und Stange. Die Farbe ist trüb und der Geschmack ist bitter! Schmeckst Du einen stark gedüngten Tee nicht? Das glaube ich Dir nicht.

Ein Teehaus, sehr chinesisch

Ein Teehaus, sehr chinesisch

Architektur ist nicht mein Fach. Aufgewachsen bin ich in einem alten chinesischen Einwandererhaus auf einer fremden Insel im Pazifik, das im 19. Jahrhundert stammte. Am Fluss von Taipei standen das Haus unweit am Ufer, mit einer Gartenanlage und viele kleinen Häuser. Als Kind spielte ich mit meiner Schwester allein im hintersten Garten bei einem Teepavillon. Wenn meine Großmutter aus Süden zu Besuch kam, schlief ich mit ihr in diesem Pavillon. Die ganze Nacht konnte ich aus Angst meine Augen nicht verschließen bis ich aus der Erschöpfung einschlief. Ich hörte zu viel Geistergeschichte und dachte immer, meine alte magere Großmutter, die ein verfluchtetes Grundstück allein verteidigte, würde zu einem bösen Geist in der Nacht verwandeln…

 

Die Häuser in unserem Haus waren so groß wie der Garten vertragen hat. Später wurden die Häuser eins nach dem anderen abgerissen. Ein Hof nach dem anderen. Vom Staat gezwungen und von meinem Onkel befürwortet. Mein Ururgroßvater sei reich geworden durch Sesamöl-Verkauf. Es wurde erzählt, dass es viele fette Tausendfüße gesichtet wurden, die gerne Sesamöl rochen, als das Stammhaus Stück für Stück von Backer zerstört wurde. Tausendfüße galten in China als Drachen. Das Haus habe laut fengshui-Meister eine Drachenhöhle, was Reichtum und Segen garantiert.

 

Der Yu-Yuan Garten war richtig chinesisch im Vergleich mit unser alten Haus, das von den chinesischen Einwanderer auf Formosa gebaut wurde. Meine Vorfahren bauten ein Haus in Orientierung nach „Min-Stil“ (Fujian) und die Familie leben dort seit sieben Generationen. Der Yu-Yuan Garten sah schön und prächtig aus, so prächtig, dass es mir richtig leid tut. Zwischen den vorhandenen Institutionsbauten (Völkerkundemuseum) sah der Garten zerquetscht am Ecke. Der blasse karge Garten im Winter strahlte keine Geborgenheit, sondern eine Entfremdung. Eine Entfremdung zwischen Menschen und Natur. Gerade sollte die Harmonie zwischen Menschen und Natur, zwischen Vergangenheit und Gegenwart und zwischen dem Vorhandenen und dem Zukünftigen im Zentrum der chinesischen Architektur stehen, anstatt der menschlichen Willes.

 

Es war morgen früh. Oh, es war eigentlich um 11.15. Mit den anderen Besucher aus Bayreuth waren wir die ersten Besucher. Ein gut deutsch sprechender Chinese kam mit einem roten Weste, die bereits verschmutzt war. Die Teekarte besteht aus Longjing, Bi Luochun, Anxi Tie Guanyin, Da Hongpao, Qimen, Dianhong und Pu Er. Ach, das wichtigste: mit Jasmin aromatisierte Teeblumen! Ich wollte einen Da Hongpao. Er sagte, er kann ihn heute nicht anbieten, weil die zuständige Dame, die Tee zelebrieren sollte, nicht da ist. Ich sollte etwas anders bestellen. Ich bestand auf den Da Hongpao. Dann kam eine Dame im Chinoserie-Kleid und lächelte. Ein Da Hongpao in Gongfu Art. Sehr schnell aufgegossen, sehr schnell abgegossen.

 

Ich möchte hier nicht über die Dinge des anderen lästern. Das Teehaus sieht schön aus. Die Möbel sind echt aus Holz und in chinesischem Stil. Die Tees werden unterschiedlich zubereitet, Mal im Glas und Mal in Gongfu. Die Literatur von Konfuzius-Institut ist sehr informativ und für mich genussvoll, zu lesen. Das Kulturprogramm hört sich wahnsinnig spannend an. Am liebsten hätte ich an jede Veranstaltung teilgenommen. Das Baozi schmeckt wirklich hervorragend. Die Gäste sind interessierte Teeliebhaber, die sich nicht scheuen vor dem langen Weg. So lernte ich die Bäckermeister aus Bayreuth. Sie waren sehr interessiert und sprachen mir sehr freundlich an. Zuerst unterhielten wir uns über Kaffee, um das Thema Tee auszuweichen. Dann erzählte ich von Georges Cafe, von seiner Leidenschaft zum Kaffee und von seiner Vision ein wirkliches Cafe für Kaffeeliebhaber zu eröffnen. Kaffeehäuser könnten ein Bildungsstätte sein, wenn der Besitzer eine Vision hat. Bei George lernt man Kaffee kennen, lieben und trinken! Meine Augen strahlten wohl auch mein Glück aus, so einen Mann kennen gelernt zu haben, an so einen Ort gewesen zu sein und so einen Genuss zu haben. Die Bäckermeisterin seufzte, „Ach, wir haben eigentlich diese Erfahrung hier gerne gemacht und gesucht!“

 

Mein Da Hongpao kostete 18 Euros. Ein Tee, der sehr grün war. Klare Orchideen-Note. Meine Kehle fühlte sich so an, als ob man sie mit Sandpapier gerieben hätte. Ich habe zwei nette Teefreunde kennen gelernt. Für mich war es ein schöner Besuch. Meine neuen Teefreunde fanden unsere Begegnung ebenfalls inspirierend und ein Foto wurde sogar gemacht als Meilenstein unseres Wegs.

Foto: Teehaus Huxin-Ting in Yu-Yuan

Feldbrunnenstraße 68, 20146 Hamburg

Kaffee, mehr als nur dunkle Bruhe II

Kaffee, mehr als nur dunkle Bruhe II

Geduld ist mir stets ein Fremdwort. Eigentlich wäre ich gleich wieder gegangen, als ich diese lange unpraktische Schlange sah. Wenn die Empfehlung dieser Kaffeerösterei  nicht von einem guten Keffeeröster wie der Stefan wäre, hätte ich bloß auf meine Ungeduld reagiert. Reaktionen auf die Emotion, die aus der gewöhnten Konditionierung entsteht, wie der unübersichtlichen Schlamm im Geist funktioniert, führt uns oft blind durchs Leben und öfter an die Wand. Geduld abzuwarten bis der Schlamm sich wieder setzt bedeutet für mich eine Aktion selbst herauszufordern. Was ist, wenn der Schlamm sich setzt?

 

Ich schaute den jungen Mädels zu, wie sie den Kaffee-Zubereitung wie die Fließbandarbeit fertigten. Die praktische schicke italienische Kaffeemaschine machte ihr Job ohne Schwankung und Beschwerden. Ich bestellte eine Tasse Hochlandskaffee aus Tansania und dachte gleich an eine dunkle Brühe, die mich bald enttäuschte. Ach, wozu landete ich denn hier? Kaffee-Trinken kann man einfach nur in Taiwan bei George. Hier in Europa versteht man Kaffee nur als dunkle Brühe, die immer so schmecken muss – aus der Maschine von Hamburg bis Sizilien. Kaffee wird nur verstanden als nüchternes Wachmittel. Ein Mittel gegen Erotik und Muße, was Menschen fern zur Arbeit hält – Arbeit, die gemacht werden muss anstatt gemacht werden möchte.

 

Die flinken Mädchen brachten eine Tasse an die Theke. Ich musste dort lange auf meinen Kaffee warten – alles, was hier geschah, nennt man SpezialitätenShop, Erlebnis-Gastronomie! Hier sollte man einen Einblick in die einstige alte Welt des Kaffeehandels vermitteln bekommen. Dort sollte man einen Überblick über erlesenen Kaffee aus ganzer Welt erhalten kann. Ein Ort des kollektiven Gedächtnisses und ein Ort der kulinarischen Bildung. Eine Bildung auf höchstem Niveau.

 

Manche Kunden standen absichtlich in der falschen Schlange und hofften, schneller bedient zu werden. Ich hatte keine Lust über die zu lästern. Wenn ich könnte, würde ich ebenfalls mit Tricks anwenden, um schneller die dunkle heiße Brühe zu bekommen. Irgendwann bekam ich meine Tasse. An der Theke musste ich schon entscheiden, ob ich Milch nehmen wollte. Ich spürte im Herzen wieder einen Stich der Schmerzen. Es war kein Ort für Kaffeeliebhaber! Wenn Milch in meinem Kaffee sank, wurde mein Kaffee einfach nur eine trinkbare Brühe. Wenn ein Kaffeeliebhaber Wahl hätte, würde er zuerst keine Milch nehmen. Wenn der Kaffee gekostet wurde, dann kann der Kaffeeliebhaber machen wie er es gerne hätte.

 

Ich vermisse eine gute Kaffeebildung in Europa, auch wenn das Getränk massenhaft konsumiert wird. Das bedeutet schon die Zahlen der Popularität? Gar nichts. Die Tasse von Speicherstadt war erstaunlich gut. Geschmeidig und vielschichtig. Erstaunlich schnell floss die Flüssigkeit in meine Kehle und eine Zufriedenheit spürte ich in den ganzen Körper. Was für ein Glück! Wenn man eine gute Tasse Kaffee bekommt! Wenn diese Rösterei doch schafft, einen guten Kaffee zu kreieren, warum sind sie zufrieden mit einem gewöhnlichen Kaffeebetrieb, das vielleicht nur Geld wirft? Wer sollte sich um die breiten Massen der Kaffeetrinker kümmern?

Ich vermisse George.

Der Besuch von Georges Kaffeehaus gehört nun in meinem Reiseplan für die Reise von Teeclub. Eine gute Kaffeebildung hilft dem Verständnis des Tees – ich bin davon überzeugt.

Als ich zum ersten bei George war, wurde ich mit 10 minutige Vorstellung über das Verständnis des Kaffees eingeleitet. Kaffee sei Fruchtsaft von einer tropischen Frucht. Samen aus dieser Frucht werden fermentiert, geschält, getrocknet und geröstet. Nach der Röstung wird diese Samen gemahlen und gebrüht. Dieser Saft schmeckt selbstverständlich fruchtig säuerlich und zeigen uns unterschiedliche Facetten wegen unterschiedlichen Herstellung und unterschiedlichen Anbaugebieten. Ähnlich wie beim Tee. Dann wurde ich aufgeklärt, dass es im Haus ein Milch-Verbot gibt, weil Milch die Verkostung von Kaffee behindert. Ich bewunderte sein Bildungsangebot in diesem kleinen Cafe in Taipei und empfing die Liebe von Hausherrn zum Kaffee. Sein Kaffee ist per Hand gebrüht. Diese Hand ist menschlich, erzeugt aber stets stabilen Aufguss. Mich wurde empfohlen, den Kaffee so lang zu trinken wie möglich. Denn der gute Kaffee entfaltet sich erst richtig durch die Zeit. In warm, in kalt und am Anfang und am Ende kann man die Nuance verschiedene Stationen feststellen – wie im Leben.

Man kann mit George über sein Verstännis von Rösten streiten. Ich war nicht für seinen Stil, aber sehr beeindruckt von seiner Überzeugung, eine Kaffebildung in dem hektischen urbanschen Labyrinth anzubieten. Sein Mut ist einzigartig wie sein Cafe in der Welt.

Was ist der kulinarische Genuss? Bei George erlebt man DIE KULTUR!

 

Als ich in  Yu-Yuan in Hamburg allein saß und Alexandera und Thomas begegnete, meinten die beiden Bäckermeister, dass sie eigentlich in diesem mehrfach berichteten Teehaus von einer Bildungsstätte für Tee suchten – TEEKULTUR anstatt Chinoserie. Ein Ort für den kulturellen Austausch, kulinarisch und sinnlich, anstatt ein Betriebstätte für ein Getränk – das haben wir genug in unseren Städten.

Kaffeerösterei Speicherstadt

Kehrwieder 5 D 20457 Hamburg

Pu Er aus feuchter oder trockener Lagerung

Jörg hat mir erzählt, dass man in Deutschland an den Mythos von Höhlen-Lagerung des Pu Ers glaubt. Pu Er, laut einem bekannten Teebuch sollte in Höhlen des feuchten Provinz Yünan gelagert werden.

Simmt das? Stimmt das nicht?

Ich fragte You, was er denkt. Er lächelte leicht schüchtern, wie er immer lächelt. „Lass den Tee für sich sprechen.“ Er holte zwei seine private Sammlung und goss die beiden Tees auf. Einer wird in einer winzigen Kanne aufgegossen, während der andere in einer gewöhnlichen Kanne. Ich beobachtete den feinen Unterschied und verstand, was er denkt. Wenn Du mit einem Teeliebhaber Tee trinkst, weiß Du, was ein Tee für ihn bedeutet, wenn er eine kleinere Teekanne als die gewöhnte nimmt. Ein wertvoller und geschätzter Tee wird nur in kleiner Menge und in bewegendem Moment aufgegossen.

Der Tee in der trockenen Lagerung war klar, präsent und aromatisch, während der Tee aus feuchter Lagerung schwer, trüb und typisch erdig schmeckte. Azhong und seine Kollegin waren in der Degustation begeistert von dieser feuchten Lagerung, denn er war einfacher, markanter und typischer zu erkennen. Der aus der trockenen Lagerung forderte unsere Sinne heraus, ihn zu entdecken und ihn „anzufassen“. Er war klar, aber für die vorhandenen Vorstellung, wie ein Pu Er sein sollte, nicht identisch. Sein Geschmack war so klar, dass man die Faccetten schmecken könnte, wenn man ohne Vorbehalt an ihn antastet. Dieser Tee hat uns mehr zu erzählen als sein Kollege, der in einem feuchten warmen Raum gelagert wurde.

Mit der gleichen Frage kam ich zu Chou, Yu. Er sagte mir, dass er den alten Pu Er aus feuchten und warmen Guandong und Hongkong nicht bevorzugt. Für ihn sei viele dieser Lagerung nicht hygenisch und geniessbar. Ein Pu Er aus einer trockenen Lagerung erzählt uns eine klare Geschichte und sein Werdegang als ein schöner Tee kann gut mit unseren Sinne nachvollzogen werden.

Ich würde behaupten, dass Tee für sich spricht ohne Worte.

Das Degustationsfoto siehe hier.

Eine Tasse gegen Unzulänglichkeit des Lebens

Eine Tasse gegen Unzulänglichkeit des Lebens

Pingsheng Bu RuYi Shi, Jie You Maokong San.

All das, was mich belastet, quält und ärgert, scheint in diesem Moment durch diese Tasse aus meine Poren zu erlöschen.

Lu Qian.

Zu wenig Zeit, um einen anständigen Betrag über die neuen Erfahrung mit Yous Pu Er zu schreiben. Zu wenig Zeit, um Bücher anständig zu widmen. Wie ein Hund schrieb mir ein Freund aus Paris, er fühlte sich zur Zeit wie ein Hund. Dieser Ausdruck benutzen wir beide aus unserer Unizeit von NTU. Wie ein Hund fühlte ich richtig in letzter Zeit. Kein anständies Essen, kein anständiges Schlaf und keine anständige Sehnsucht nach schönen Dinge des Lebens. Ein Hund hat zumindest einen anständigen Rythmus zum Leben, schlafen, wann er will und essen, so lang es gibt. Insofern würde ein Hund uns beide verbieten, unser Leben mit seins zu vergleichen.

Für mich hat der Genuss von Pu Er Tee auf zwei verschiedene Art: ein Genuss des Geschmacks und ein Erlebnis der Energie – was in Chinesisch Qi heisst. Ohne esoterisch zu werden möchte ich das Wort Energie vereinfachen, einfach als das Erlebnis nach dem Trinken, was uns alles erinnert, was uns in Körper erweckt.

Die meisten Pu Er sind entweder aus den kleinen gezuchteten Teebusch von Teegärten, oder aus den verwilderten oder weniger gepflegten alten grossblätterigen Baum. Beiden Tees geben unterschiedliche Geschmackserlebnisse. Chou, Yu erzählte mir einmal von seiner Vorliebe. Tee aus alen wilden Baum, am besten unter der Sonne getrocknet, mit Hand (bzw. Fuss) gepresst. Dieser Tee sollte nach dem Dampf noch einmal nur unter der Sonne trockenen. Da der Temperatur zwischen 30-40 Grad von der Sonne die besten Bedingung für einen gepressten Pu Er ist, zum nachreifen.

Viele Menschen sind scharf auf Teefladen, der nur aus feinen Tipp hergestellt ist. Wenn man allerdings die alt gelagerten Pu Er (Die Klassifikation von „hao“) betrachtet, merkt man, dass die damaligen Tipps fett und gross waren. Chou, Yu kritisierte, dass diese falsche Trend von dem Grüntee, dessen Tipp klein und fein sein sollte. Aber Pu Er ist Pu Er. Da der grüne Tee heute am besten vermarktet ist, werden alle anderen Teesorten richtig von dem Markttrend beschädigt! Auch der schöne faccettenreiche Oolong leidet immer mehr unter der eintönigen vergrünten Oolongtee-Trend. Chou, You sagte mit, dass die schönen Tipps zwar fein und geschmeidig schmecken, aber die weichen zarten Stange den Body für den Geschmack liefert.

Dies erlebte ich richtig, als ein Besucher aus Karlsruhe zu Besuch kam. Anscheinend kam ich erst dazu, Tee zu geniessen, wenn ein Besuch kam. You schenkte mir reichlich viele Teevarietäten, die er selbst produzierte. Eigentlich ist er ein wortarmer Mensch. Ich denke, Tee spricht für ihn und für sich selbst. Mit meinem Besucher trank ich den jungen Tee aus 2008 Yiwu und wir waren richtig überrascht von seiner Geschmeidigkeit, von seiner Volle und von seiner Stabilität. Seine Aufgüsse sind gleich geblieben, ohne Schwankung und Verlust. In seinem jungen Jahr ist er bereit eine Schönheit, die unaufdringlich auftritt. Meistens schmecke ich beim jungen Pu Er z. B. von dem neuen Red-Label oder Blue-Label die Aufdinglichkeit und Aggressivität. Einmal trank ich mit Md. Chou in Wistaria-House. Nach paar Runden konnten wir beide nicht mehr weiter sprechen. Dagegen ist der junge Pu Er von You, sanft und zugleich stark, tiefgrundig und zugleich offen. Duft aus Blumenwiese, leicht blumig, leicht nach Moos und noch mehr schmeckt man den Duft auf der Wiese, wenn der Sonneuntergang auf Blüte und Grass scheint.

Ich spürte die Kraft der Sonne, die durch den Körper, durch den Tee floss. In jenem Moment glaubte ich verstanden zu haben, was das ausmacht, einen Pu Er nach der Tradition herzustellen. Plötzlich konnte ich nicht mehr denken als an dem Satz von Lu Qian: All die Unzulänglichkeit des Lebens scheint in diesem Moment aus meinen Poren ausgeschieden zu sein!

Ein alter Baum schlägt seine Wurzel tief in die Erde, somit ist die Pestizide und Dünnemittel nicht nötig. Ein alter Verfahren basiert auf die natürliche Energie, die zwar unter Schwankung der Natur leidet, aber durch die menschliche künstlerische Fertigkeit gut gelenkt werden kann. Wozu Technologie? Ohne die Technologie kommt der Tee nur mühsam durch die Bergen und Seen zu uns. Also ein Teeliebhaber braucht beides.

Foto: ein Vergleich zwischen trocken (links) gelagerten und feucht (rechts) gelagerten Pu Er.

Kein Titel

Mit meinem Teevater telefonierte ich kurz vor dem „heiligen“ Abend. Er meinte, dass unsere Gesellschaft ein Vögel habe. Überall schreien Menschen und „müssen“ kurz vor diesem „gespannten“ Moment noch SMSen, Karte schreiben, Grüsse ausrichten. Im Bahnhof, im Laden und auf der Strasse waren überall der Aufruf „Ich hätte Dich noch gerne angerufen!“.

Ich lachte im Telefon. Sicher sind wir gut erzogen und möchte gerne gute Freunde, anständige Menschen und vor allem „emotion-voll“ in unserer kommunikativen Gesellschaft sein. Emotionlosigkeit und Einsamkeit sind Tabu-Eigentschaften unserer Zeit. Alle sind gefühlsvoll, fröhlich und kommunikativ, vor allem am heutigen Abend.

Naja, ich tue es nicht anders.

Meine Teeeltern gönnen sich Ruhe. Ich fliehe dagegen in die „Geselligkeit“. Am 31.01. treffen wir uns dann zu einem ersehnten Grünkohl-Essen und dann den letzten Tee im Jahr 2008.

Tee, Musik und Literatur

Am 11.01.2009 findet eine interessante Veranstaltung mit Tee, Musik und Lesung in Zürich statt.

Ort:

Galerie Seï-un-do, Gemeindestr. 19, 8032 Zürich

Das japanische Teehaus-Galerie wird ab dem April nur im Internet präsent sein. Frau Ikeda nimmt ihren Abschied mit dem zürcher Publikum nach neuen Jahren Arbeit. Es ist um so interessant, diese Veranstaltung nicht zu verpassen.

Veranstalter: Teeclub Schweiz. Anmeldung hier.

11.01.2009 (So.) 14-16 Uhr

Eingeladen sind:

Dirk Sikorski – Lesung

Wolfgang Heßler und Chizuko – traditionelle japanische Kammermusik

Diese Idee von Tee, Musik und Lesung wurde im Sommer entstanden. Wolfgang und Dirk planten einen gemeinsamen Auftriff in Seefeld und fragten mich, ob ich nicht mit Tee etwas mit gestalten wollte. Ich war begeistert. An eine ähnliche Veranstaltung nahm ich teil aufgrund der Einladung von H. Reichmuth in Villa Boveri. Oriental Beauty war das damalige Thema. Vortrag, Tee und Lesung harmonieserten sich wunderbar und bahnten zusammen in einen Weg ins Herzen der Teilnehmer. Dieser Rahmen gefielt mir ausgesprochen gut und erkannte darin eine Chance, etwas in der Gesellschaft in die Bewegung zu setzen.

Gestern sagte Wolfgang zu mir, dass diese Art von Akktivitäten unbedingt zu meinem Teehaus an Spiegelgasse gehören muss. Das stimme ich nur zu!