Männlichkeit leben

„Wer die Natur nachahmt, rigoros und realitätsgetreu, so wie sie ist, ist – gewissermassen – nicht mehr als Historiker, aber wer sie komponiert, übersteigert, umändert und verschönert, ist ihr Poet.“ Francesco Milizia

Einmal sagte mir ein fremder Japaner, dass der Oolong ein Poet sei. Er zitiert von Milizia und glaubt, in Oolong ein Poet gefunden zu haben. In meinem Seminar fragen oft Teilnehmer, was ein Oolong sein sollte.
Eine Frage, die eigentlich nur mit eigener Zunge und Nase beantwortet werden kann. Oolong, paar gedörrte Blätter von einem einfach grünen Pflanzen. Eine Pflanze die Weltgeschichte schreibt, Kriege stiftet und das Göttliche in jeden Menschen erweckt. Wenn man diese Pflanze so sie sich in der Natur befindet, sein lässt, werden  Blätter dieser Pflanze der weiße oder grüne Tee – ein Historiker. Aber einem Herstellungsprozess eines Oolongs gleicht der Reifungsprozess einer Pflanze. Die Reifung widerspiegelt in den Duft und Geschmack des Oolongs.

In jedem Frühling, in jedem Lebenszyklus einer Pflanzen und in jedem Kreislauf des Lebewesens fängt es mit keimen und Knospen an. Die Blätter wachsen und wenn der Zeitpunkt reift, bildet sich eine Blüte. Wenn die Blüte so weit ist, blüht sie. Wenn die männlichen Staubblätter und weiblichen Fruchtblätter bereit sind, nähren sie aneinander. Wenn die Sonne und Wind mitspielen, wird eine befruchtete Frucht im Herbst duften. Eine Frucht beginnt zum Reifen. Und wenn die Zeit kommt, fällt eine Frucht auf dem Boden, so dass ein neuer Lebenszyklus erneut fortsetzt. Ein Oolong ist ein Panorama dieses Prozesses. Ein Oolong erlebt die Stationen der Blüte, die Befruchtung und Reifung der Frucht. Manche von ihnen duftet nach Blüte, wenn die Fermentation sanfter voran geht, wie Lishan Hochland, Paochung und der moderne Anxi Tie Guanyin. Manche von Ihnen duftet nach werdenden Früchten wie Hochland Oolong, Dongdingoolong. Manche von Ihnen erleben anspruchsvolle Fermentation und Röstung und zeigen faszinierenden Duftnoten von Orchideen, exotischen Früchten und Marzipan!
Ein wirklich reifender gelagerter Oolong spiegelt den natürlichen Prozess einer Frucht wider. Leicht säuerlich, süß und fruchtig wie eine überreife Frucht kurz vor Platzen!
Eine Verwandlung voller magischen Momenten.

Die Reifung eines Menschen verläuft nicht anders, vielleicht nur schmerzhafter oder komplizierter – so wie der menschliche Geist. In einer von weiblicher Gewalt regierten Welt aufgewachsen war das Vaterbild für mich nicht ein einfaches Puzzelspiel. Ein Großvater, der im Haus nicht besonders respektiert war; ein Vater, der stets auf der Reise abwesen war und Onkels, die ihre Romanze und Herrensöhnchen Rolle nicht ablegen konnten, waren diese Bilder keine Hilfe, ein Vaterbild zu konstruieren und der direkte Einfluss war nicht besonders erfolgreiche Partnerschaft. In der Welt der regierenden Frauen fanden abwechselnd Täter und Opfer Spiele statt. Die Kriege in dem Roman „der Traum der roten Kammer“ waren Alltag meiner Kindheit. Dass ich relativ „normal“ geblieben bin, lag an meiner großartigen Mutter. Sie ist dominant, wusste aber in bestimmten Momenten sich zurückzunehmen. Sie war unterdrückt, aber nicht unterwürfig. Sie vermittelt mir, ein selbst bestimmtes Leben zu führen und anderen selbst bestimmen zu lassen. Sie zeigt mir, wie die Welt sein kann, nicht wie die Welt sein sollte. Es war meine Großmutter, die die Krise gemeistert hat, aber andere Menschen unterdrückt hat. Es war auch meine Großmutter, die Kinder aufzog und Geld mit Händen verdiente. Ich kenne Frauen, die geben und nehmen können, die Ja und Nein sagen können und gerne beschützt und geliebt werden wollen. Der Prozess einer Frau zu werden findet nicht bei jedem statt. Oft werden chinesische Frauen direkt von Mädchen zur Ehefrau oder Mutter. Die Auseinandersetzung mit sich selbst passiert, wenn das bisherige Konzept nicht mehr weiter funktioniert.

Gestern war ich in der Buchhandlung im Licht und war erstaunt, wie viele Bücher inzwischen über die weibliche Selbstfindung diskutieren. Noch erstaunlicher war ich über wie wenig die Männlichkeit in unserer Gesellschaft thematisiert ist.
Kümmern Männer in unserer Gesellschaft nicht um ihre Männlichkeit? Oder haben Männer einfach weniger Probleme im Leben als Frauen?

Mein Ersatzbruder Dirk zeigte mir mit einer glücklichen Stimme ein Buch „Männlichkeit leben“. Er sagte, das Buch war die Antwort des Kosmos auf seine Frage.
Er traf eine spannende Person, wusste aber nicht, wie ein Mann sich an eine Frau „richtig“ annährt. Diese Person war wie ein Spiegel seiner Geschichte mit seinem Vater, seiner Mutter und seiner bisherigen Beziehungen. Ein Mann sein, nicht wie ein netter junger, der um einen Kuss bittet. Ein Mann sein, nicht wie ein Idiot, der sich nicht um Gefühle des anderen kümmert.

Er reflektierte, dass er bis jetzt seinen Vater mit dem Auge seine Mutter betrachtet, dass er die Beziehungsproblematik mit weiblichen Augen der Freundinnen (mich einschließlich) wahrnimmt, dass er ein männliche Sicht entwickelt muss, um ein Mann zu sein. Das Erste fängt er an, über sein Vaterbild nachzudenken. Das Vaterbild einschließlich des Großvaters.
Seine Stimme wurde immer weicher, während seine Gesichtzüge immer männlicher werden. Er verstand den Unterschied zwischen Gewalt und Aggression und stand zu seinem männlichen Impuls. Ich betrachte seine Entwicklung wie ein Werk eines Oolongs, der sich verwandeln lässt, wenn alles so weit ist. Ich erkenne mich selbst in ihm.
Seine Arbeit an den wahren Selbst findet Niederschlag in seiner Schauspielerei. Zunehmend findet er Resonanz. Bald zieht er nach Berlin, um dem Leben eine neue Dimension zu verleihen. Die Zeit, in der wir uns so gegenseitig begleitet, wird bald zu Ende sein. Eine reifende Frucht, eine Verwandlung.

Er sagte, dass er keine Erbsenprinzessin haben will, sondern eine Königin. Eine Königin erwartet einen König, der weiß, was er will und nicht will

Männlichkeit leben

Die Stärkung des Maskulinen

Von B. Thorsten Leimbach

ISBN 9783831902859

Programm von Teeseminar- Oolong

In diesem Teeseminar-Oolong möchte ich zuerst einen kleinen Überblick von den typischen Oolong von China und Taiwan.
1.       Überblick von chinesischen Oolongsorten aus Guandong und Fujian.
2.       Überblick von sortenreichen Formosa Oolongs
3.       Ein Vergleich von verschiedenen Oolongbaumsorten.
4.       Wie unterschiedlich schmeckt ein Oolong aus unterschiedlichen Anbaugebieten? Ein Vergleich von unterschiedlichen Anbaugebieten auf Formosa.
5.       Was bedeutet Röstung? Wie schmeckt ein Oolong in unterschiedlichem Röstungsstadion?
6.       Was bedeutet Fermentation? Mit Degustation sollte die Irrtümer von grünem und braunem Oolong geklärt werden.
7.       Wie beeinflusst die Zeit der Lagerung auf einen Oolong?

Diese Fragen zu klären, hilft uns, Oolong besser zu verstehen. Anstatt mit einfachen Kategorie und Etikettierung versuchen wir mit dem Geschmack und Duft zu erkennen, wie weit ein Oolong fermentiert und geröstet wird. Für Oolongtee-Liebhaber ist das Seminar eine Einladung auf eine Reise ins Neufundland. Nicht nur das Kenntnis Anbaugebieten und Oolongsorten werden unseren Erfahrungshorizont erweitern, sondern auch die Facetten eines einfachen Pflanzen durch seine unterschiedlichen Verarbeitungsverfahren.
Für mich ist es ein Weg ohne Rückfahrkarte, sobald ich auf der Reise ins Oolongland. Ich hoffe, die Faszination andere Teefreunden anstecken zu können.

Kulturschock – China

Nicht weil die Reise nach China uninteressant war, wurde kein Reisebericht nach China hier gepostet. Es war im Gegenteil. Zu viel zum Nachdenken, zu viel hinterzufragen und zu wenig zum Wort zu bringen.

Ein Kulturschock. Kaum mit Worte zu erfassen. Worte war das Auslöser dieses Kulturschocks. Als chinesisch Sprechender fühlt sich immer wieder überfahren in einem Chinesisch sprechenden Land. Spätestens als ich ins Lufthansa einstieg und von einer chinesischen Stewardess angesprochen war.

Wie sollte ich denn anfangen?

Wegen der Unruhe in Bangkok musste ich mit Cathay Pacific nach Hongkong fliegen. Eine Airline, was mir sehr unsympathisch ist. In dieser Airline und in diesem Land, wo diese Airline stammt, ist man jemand, wenn man Englisch spricht. Wenn man Chinesisch spricht, ist man „down“. Also sprach ich Englisch mit der Stewardess am Bord und ich fand es richtig widerlich.

Nach dem Umsteigen ins Lufthansa wurde ich von vielen chinesischen Stewardess bedient. Was eigentlich eine Gnade ist von Lufthansa. Als Apero verteilt wurde, wurde ich schlicht und einfach von der Dame aus China in Chinesisch gefragt: „Was willst Du trinken?“ (Ni Yao He Shemen?“)

Ich war stutzig von dieser direkten Formulierung. Intuitiv und unüberlegt erwiderte ich: „Ich hätte gerne Sekt.“ (auf Deutsch). Stutzig war sie und ich war selbst geschockt von meiner Reaktion. Ich bekam mein Procecco und dazu noch viele Fragezeichen an mich selbst.

„Was willst Du trinken?“ – stelle Dir Mal vor, Du wirst auf Deutsch von einem deutschen Flugpersonal gefragt – wie würdest Du wie ein „normales“ Deutsche reagieren? Das Personal-Training von Lufthansa war sicher gut genug. Das Problem lag wohl an dem Muster des chinesischen Umgangs. Diese „grobe“ Art von Umgang in Chinesisch in China scheint wohl ganz gang und Gäbe zu sein. Und das brachte mich und Hanspeter stets auf der Reise zur Sprachlosigkeit. Obwohl er kein Wort Chinesisch spricht und versteht, weiß er die unsichtbaren Dinge und Nuance zu achten. Als wir von Fuzhou nach Taipei zurück flog und ins taiwanesischen EVA Air einstiegen, sagte er, dass wir nun wieder in „die Welt“ zurückkehrten. In Shanghai Airline, meinte er, war es wie in Hühnerstahl (So streitsüchtig wie ich, ich habe mit einem Passagier fast gestritten).

Aber, warum reagierte ich denn auf Deutsch? Ich war zutiefst entsetzt. Am Ende glaube ich paar Antworten zu haben:

  1. ich wollte diese Dame sagen: ich kann Deutsch, behandele mich bitte gut.
  2. ich wollte diese Dame sagen, man „könnte“ Konjunktiv-Form benutzen. Auch in Chinesisch haben wir eine schöne Redeart.
  3. Die Sprache Deutsch schien mir in jenem Moment als eine kultivierte Sprache zu sein.

ine kleine Reflexion von meiner ersten Begegnung mit China.

Schneeflocken

Schneeflocken

Schnee hat unterschiedliche Kleider. Manchmal sieht er wie Salz aus, Körnig und grob. Manchmal reiselt er wie Feder, federleicht und verträumt. Manchmal tropft er wie Tränen. Tränen von aufgwühlten Herzen sind salzig und warm, dagegen schmeckt der Schnee langweilig und kalt. Wer würde solche Tränen denn tropfen – aus dem Himmel, eiskalt und blass.

Weihnachten bringt Stress mit sich. Abgesehen von viel viel Arbeit, der wie ein schwer abzutragender Berg aussieht. Weihnachten bringt einen mit dem gesellschaftlichen Vorbild von Familie und Geselligkeit auseinanderzusetzen. In manchen Jahren waren Weihnachten schön und gesellig, als mein Leben noch in der Gesellschaft gut intergriert war. Heute scheint Weihnachten ein Ort zu sein, ein falscher Ort.

Trotz vielen Einladungen bleibe ich immer noch unentschlossen, wo die Weihnachten sein sollte. Nach Malaga, nach USA oder an dem alten Ort. Wie ein Kuckuck-Kind fühlt man sich in einem falschen Nest. An falschem Ort.

Den kalten blassen Schnee kann man heiß schmelzen lassen. Vielleicht kann noch eine kleine Teekanne Yixing aus den 60er Jahren etwas dazu beitragen, mit einem farbhaften Schneeflocken von Mingjian 2005 den Schnee zu verfeinern. Das kalte langweilige Wasserflocken vom Norden wird verwandelt zu einer warmen süssen duftenden Insel zwischen den Orten. Eine Insel für sich.

Oolong – Teeseminar in Berlin im Frühling 2009

Teeseminar: Sprache des Tees II

Am So.,15.03.2008 findet von 10 -16 Uhr ein Teeseminar zum Thema „Sprache des Tees II – Oolong“ in Berlin statt.

Organisator:

Berliner Teesalon

Ort:

Berliner Teesalon, Invalidenstrasse 106, 10115 Berlin, Frau Kristine Mager

Kosten:

Bitte beim Berliner Teesalon nachfragen.

Anmeldung:

teeimport@aol.com oder  0049-(0)30 28 04 06 60

Das Oolong-Seminar setzt mit dem besonderen „halb-Fermentierten“ Tee auseinander. Insbesonders mit der Röstung und Fermentation. Dadurch sollte die Irrtümer von der Kategorisierung „grüner“ und „brauner“ Oolong geklärt werden. Auch der Vergleich der Lagerung von gelagerten Tees sollte am Ende des Seminars durch die Degustation ebenfalls verdeutlicht werden. Das Programm für Berlin werde ich bald im Blog veröffentlichen.

Ich freue mich auf die Teefreunde in Berlin!

Teeseminar im Frühling 2009

Die neuen Daten vom Teeseminar im Frühling 2009 sind nun konkret.

Am Sa., 28.02.2009 findet von 10 -16 Uhr ein Teeseminar zum Thema „Sprache des Tees I“ in Zürich statt.

Am So., 01.03.2009  findet von 10 -14 Uhr ein Teeseminar zum Thema “ Sprache des Tees II, Schwerpunkt Oolong“ in Zürich statt.

Ort:

 Lotus Garten, Waffenplatzstrasse 1, 8002 Zürich,  0041-43-2430725 

Anmeldung:

  0041-79-3871130  oder  info@tee-erleben.ch

Kosten:

Teeseminar I: 120 Sfr.

Teeseminar II: 100 Sfr.

Teilnahme an beiden  Seminaren: 190 Sfr.

Sondertarife für Wiederholungsteilnehmer und Auszubildende auf Anfrage.

Das Oolong-Seminar setzt mit dem besonderen „halb-Fermentierten“ Tee auseinander. Insbesonders mit der Röstung und Fermentation. Dadurch sollte die Irrtümer von der Kategorisierung „grüner“ und „brauner“ Oolong geklärt werden. Für Teilnehmer an der Teereise im April wäre das Seminar empfehlenswert.

Teeliste der Puer Degustation am 10.12.2008

Gestern gab es drei Deguatationsrunde, die drei Themen bearbeiten sollte:

1. Die Unterschiede zwischen den Jahrgänge.

Diese Unterschiede sollte anhand von fünf verschiedenen Pu Er Falden verdeutlicht werden:

Yiwu 2008, Yiwu 2005, Yiwu 2003, Simao 1999, Grenztee zwischen Vietnam und Yünan 1990

2. Unterschiede zwischen unterschiedlichen Herstellungsmethode.

Pu Er kbA, Pu Er 2006 Taihe (Wistaria House) lose, Pu Er Taihe (Wistaria House) 2006 Fladen, Pu Er Yiwu lose (von You), Pu Er Yiwu Fladen (von You)

Diese Runden könnten wir den Unterschied zwischen künstlichen Fermentation und natürlichen Produktion erleben. Der Sonne-Trocknen-Geschmack könnte durch den Vergleich zwischen Taihe und Yiwu von You markant feststellen. Das Power der Sonne Yünans und die Fade der meschinellen Verarbeitung sind nicht miteinander zu vergleichen. Aber der Unterschied kann nur so dramatisch verstanden werden, wenn der Vergleich nebeneinander stattfindet.

Auch der Klupft zwischen den losen und gepressten Tee könnte man in dieser Runde klar schmecken und riechen.

Ein interessanter erlebnisreicher Vergleich!

3. Gipfel des Abends. Ein Vergleich zwischen gelagerten alten Pu Er und gelagerten alten Oolong.

Liu An 1950, Pu Er 1990, Alishan 1975, Dongding 1981, Tie Guanyin 2004

Carola rief, “ Menglin! Dieser Oolong schmeckt ja nach den Pu Er!“ Ihre Augen waren groß und voller Zweifel. Ich schrie, „Du bist super! You got it!“ Wer hat gesagt, dass man Bücher lesen muss, um Tee zu verstehen? Carola hat es verstanden, nur Tee zu trinken und Frage zu stellen. Dieses Erkenntnis bekommt man durch Körper anstatt durch Worte.

Ich stelle es mir immer so vor: 

Ein gelagerter Pu Er und ein gelagerter Oolong treffen sich nach einer gewissen Lagerzeit auf einem Regenbogen. Auf einem farbenreichen Regenbogen werden die beiden Tee aus unterschiedlichen Richtungen wieder eins, wie Mann und Frau auf dem Regenbogen sich treffen. Es gab ein Märchen in China, das sich über Korea nach Japan durchsetzte. Es wurde erzählt, dass ein geliebtes Paar verflucht wurde und sich nur einmal im Jahr treffen konnte – auf dem Regenbogen! Einmal im Jahr am 7. 7.

Einmal im Leben, wenn man den farbreichen Regenbogen einmal erleben, schmecken, riechen könnte, ist das Leben bereits beglückt, nicht wahr?

Vor der Pu Er Degustation am 10.12.2008 in Zürich

Vor der Pu Er Degustation am 10.12.2008 in Zürich

Die gestrige Pu Er Degustation war eine Panorama meines Werdegangs des Tees, eine Reise in die Vergangenheit, als ich noch im Dunkel trappelte und nach der Wahrheit suchte.

Menschen suchen stets nach der Wahrheit, entweder mit Materialismus oder mit Idealismus. Entweder denken wir über die Wahrheiten nach oder hüpfen nach unserem Gefühl. Was ist Wahrheit? Wie könnte überhaupt wahr sein, dass ein Tee problemlos gelagert werden kann. Was ist wahr, ist Pu Er von Pilz befallen oder einfach nur vergessen um gelagert zu werden?

Ich habe es geglaubt, wenn die Farbe des Aufguss dunkel ist, ist der Tee alt. Ich habe es auch geglaubt, dass ein alter Pu Er einfach nur Muffig riecht. Ich habe es auch geglaubt, wenn der Pu Er Pilz bekam, ist er ein guter Pu Er – kennst Du nicht etwa wie der verschimmelte Käse z. B. Appenzeller? Ich habe es geglaubt, was in Bücher steht und was die so genannten Autoritäten erzählen – die großen Autorität – bis ich meinen Lehrer getroffen habe. Er sagte mir, glaube mir nicht, glaube das, was der Tee zu Dir spricht.

In der Degustation fühlen und denken wir nicht. Wir trinken einfach den Tee und hören ihm zu. Was zeigt er uns, was erzählt er uns und was ist er. Dieses Ich, das Tee zuhört, ist neu. Ich war anders. Ich habe gelesen, nachgedacht und nach geplappert, was die anderen erzählt haben. In jenen Zustand war ich bereits Teehändler – auch wenn es nur eine Freizeitsbeschäftigung war. In jenen Zustand verkaufe ich bereits Pu Er, auch wenn dieser Tee mir nur fremd war. Da ich Schlitzaugen habe, glaubt man mir im Europa. Die Tees, die ich damals als ein bloßer „Schlitzaugen-Expert“ kaufte, sind heute die besten Unterrichtsmaterialien. Sie warnen anderen Teilnehmern, was man heute nicht mehr kaufen sollte.

Ich schaue diese „falsch“ eingekauften Tees an. Eine Betrachtung mit einem gemischten Gefühl. Es ist mir bewusst, dass man vor Tee immer wieder wie ein Anfänger fühlen kann. Immer wieder sehe ich Gipfel nach den Gipfeln. Was ich heute erzähle, ist morgen bereits Schnee von gestern. Andererseits, warum muss ich mich denn kümmern, was ich gestern nachplapperte? Darum betone ich immer wieder im Seminar, „Glaube mir nicht, versuche den Tee selbst zu verstehen.“

Menschen suchen stets nach der Wahrheit, damit wir einen Halt haben – materialistisch oder idealistisch. Leider, wo und was ist die Wahrheit? Wie lange dauert diese Wahrheit?

 

 

Stets bin Ich froh jemanden begegnen zu können, der den Teppich unter meinen Füssen weg ziehen könnte. Dann weiß ich zumindest, die Wahrheit ist noch nicht gefunden. Sei wachsam, Menglin.

Teeliste von Teeseminar am 7.12.2008

Gerne veröffentliche ich die Liste vom Teeseminar am Sonntag in Zürich. Vielen Dank für die Organisation von Teeclub Schweiz und die weit gereisten Teilnehmer aus Bern, Genf und Karlsruhe.

1. Einblick in die chinesische Teewelt:

Yinzhen Baihao (Fuding, Fujian 2007, Da Baicha), Nanyue Meofeng (Hunan 2008), Junshan Yinzhen (Hunan 2008), Huang Ya (Yunan 2008), Dianhong Premium (Yunan Lancang 2008), Jadeoolong (Nantou 2008), Pu Er 1990 (Yunan), Jasmin Yinhao ( Fujian 2008), Kräutertee aus Sichuan, Wilde Baumtipp aus Yunan 2008

2. Was ist original? Was ist OEM-Produkt?

Zhenshan Xiaozhong (Wuyishan 2008, KbA Wuyishan 2006, Teeland 2007)

Jadeoolong (Nantou original 2008, kba aus Hubei 2006)

Longjing (Meijiawu 2008, Longjing kbA 2008, Longjing Sommer 2008)

3. Aus einem Teegarten und einer Baumart könnte man anhand von unterschiedlichen Herstellungsmethode und Erntezeit unterschiedliche Teesorten kreieren.

Qingxin Ganzhong (Mandarin-Oolong-Baum) in Sanxian: wiesser Tee, Bai Mudan, roter Tee, Fancy Oolong, Mixiang Hongcha

Bai Maohou in Pinglin: Paochung Oolong, Bai Mudan, Oriental Beauty – das ist eine absolute „Glücksreihe“ für die Teilnehmer. Denn diese Tees aus diesem Baum in dieser Qualität könnte man eigentlich nur träumen! Eine Sammlung aus meiner letzter Reise.

4. Faktor Lagerung

Eine Degustationsreihe von Pu Er – wer den Jahrgang richtig tippt, bekommt ein Tuocha 1999 von mir.

Pu Er 1990 (China/Vietnam), 1997 (Simao), 2003 Yiwu, 2005 Yiwu, 2006 Yiwu, 2008 Yiwu, 2007 kbA

5. Faktor Röstung

Anhand von dem originalen Tie Guanyin Baum möchte ich den Einfluss von Röstung nach der Produktion verdeutlichen.

Anxi 2008 (nicht geröstet, gut produziert), Anxi 2008 ( nicht geröstet, zu wenig gewelkt und darum grassige Note), Anxi 2006 (leicht geröstet), Tie Guanyin 2008 (mittel geröstet, Pinglin – schöner Ananasduft! Ich bezeichne ihn als Ananas-Tie Guanyin), Tie Guanyin Muzha 2008 (nach der Tradition „richtig“ geröstet)

6. Die Höhe der Teegarten sollte anhand der Degustaion festgestellt werden.

Qingxin Oolong als Beispiel.

Pinglin, Mingjian (400 ü.M.), zwei Exemplare von Dongding Berg 800 ü. M. (von Insekten befallen und nicht befallen), Alishan 1400 ü. M. zwei Exemplare von Lishan 2600 ü. M. (von Insekten befallen und nicht befallen), Dongding Berg 800 ü. M. 1984

Eine spannende Degustation folgt heute abend in Zürich: Thema Pu Er.

Puzzle

Puzzle

Begegnungen und Ereignisse sind Puzzle des Lebens. Mitte des Geschehens weiss man oft nicht, wohin und wozu das Versatz-Stueck dient. Auch wenn alles, was geschieht und geschah eine Bedeutung haben sollte, fuehle ich mich oft verloren in Puzzle.

Glueck hat verschiedene Lesarten und Erfolg hat viele Interpreten. Es ist schwer, jemanden zu treffen, der den gleichen Geschmack hat. Es ist fuer einen Kuenstler schwer, jemanden zu treffen, der sein Werk bewundert. Es ist fuer ein Kunstwerk schwer, jemanden zu treffen, der es so wie es ist, schaetzt.

Ich lernte You kennen, ueber Azhong, der immer noch mit meinem Lehrer kriegt. You erzaehlte mir von seiner Liebe zur Teekanne – das war der Anfang seines Wegs. Teekanne - ich erzaehlte ihn von Lin Guoxiang, dessen Jadekanne mich ueberall begleitet und beauftragt wurde, noch mehr zu kaufen. You stand sofort auf, rief jemanden an und sagte danach, dass er mich zu einem Sammler bringen wollte, der ueber 100 Teekanne von Lin hat und mir bestimmt welche geben wollte. So lernte ich den Sammler und Rotariat-Praesident Li kennen, der sein Buero von drei Stockwerke voller Kalligrahpie. Malerei und Steinkannen schmueckt. Es war wie ein Musuem! Ein unscheinbarer Person, der bescheiden und normal geblieben ist. Er gab mir – fast verschenkt, drei wunderschoene Steinkanne. Geld hatte ich nicht dabei und spielte ueberhaupt keine Rolle. Ich war sprachlos ueber diesen Zufall. Er sagte mir, zeige Europaer, was fuer Kuenstler und Kunstwerk wir auf Formosa haben. Er sagte, die schoenen Teekanne von Lin ist kulturuebergreifend.

Ueber You habe ich viele wertvolle Tassen und Kanne bekommen. Geld ist dabei fast ein Witz. Was dabei eine Rolle spielt, war das Herz – die Liebe zu Tee, zu den gleichen Dinge, die man gemeinsam gerne hat. Mit diesem Herz bringe ich nun die wertvollen Dinge nach Europa, hoffe, mit Teefreunde, die den gleichen Geschmack haben, zu teilen.

Tee spricht fuer sich. Kunstwerk auch – davon bin ich ueberzeugt. Was ist denn schon Kulturgrenze und sprachliche Barriere!

Ich wollte You etwas schenken, etwas besonders. Was denn? Das wusste ich nicht. Da ich nicht heim fliegen koennte, ging ich am Freitag Meister Hsu Chaozong besuchen, ein Meister von Porzellan-Malerei und Toepfer. Ich kannte ihn nicht gut, wurde immer von ihm reichlich beschenkt, einfach so. Er machte mir einen Oriental Beauty, zu dem er keinen Zugang hat. Er sgate, das Geschirr ist gut, der Tee ist scheinbar auch gut und die Gaeste sind wertvoll, aber der Gastgeber ist ein Kultur-Banause… Hsu ist in der Wirklichkeit die einzigen Kuenstler neben Tsai Xiaofang die Lebendigkeit und Vollkommenheit von Song-Stil-Keramik beherrschen kann! Seine zurueckhaltende und fuer sich sprechende Art der Interpretation von Song-Stil berueht mich zutiefst. Da ich ihm meine Gefuehle immer sehr direkt ausspreche, wenn ich seine Werke beruehre, gab er mir immer einfach die Kostbarkeiten. Am Freitag wurde er sentimental neben seinem Vasen, Figuren und Vitrinen und sagte, dass er sich sehr einsam fuehlt.

„Warum?“ „Meine Frau will nur Geld damit verdienen und meine Kinder wollen dadurch ein schoenes Leben. Ich habe Ruhm und Vermoegen mit meinen Dinge, aber sie machen mich nicht gluecklich. Ich bin wie ein Kind, will spielen, mit dem was ich kann. Ich bin zufrieden mit einem bescheidenen Leben und die Zeit moechte ich fuer das Spiel gerne nutzten… Die Momente, in den das Ofen geoeffnet wird, teilt niemand mit mir vor einem gelungenen Spiel mein Freude…“

Freude moechte gerne geteilt werden. Auch viele viele Dinge des Lebens. Freude sind Puzzles, die das Leben zu einem Bild zusammenfuegen. Das Bild erzaehlt uns, wer wir sind, wohin wir eigentlich gehen wollen.

Kurz vor meinem Abflug traf ich You und wollte ihm eine Teeschale von Ruyao-Stil (mein Lieblingsstilrichtung von Sung Porzellan) schenken, die ich vorgestern von Hsu geschenkt bekam. Ich habe zwei Stueck davon – alles von ihm geschenkt. Als ich die Schale auspackte, war sein Gesicht voller Uerberaschung. „Weisst Du nicht – ich habe sechs Stuecke davon! Ich trinke meinen Pu Er aus ihm. Kennst Du Hsu persoenlich?“ dann seufzte er „Wir haben den gleichen Geschmack!“ Er wollte diese Schale nicht. Er starrte mich an. Ich wurde rot. Wir moechten Tsai Xiaofang nicht, obwohl er stets in Medien und Rampenlicht steht – als der Sung-Porzellan-Guru. Er bat mir naechtest Mal, ihn mitzunehmen, wenn ich Hsu besuchen gehe. Und vielleicht kommt er Mal in absehbarer Zukunft nach Europa, sagte er, einen anderen Teil der Erde zu erleben.

Foto von Lin Guo Xiang und Menglin in Yingge.