Sonntag Morgen

Wer steht am Sonntag morgen gerne früher auf? Vor allem ich?

Atong weckte mich auf und wollte mit mir skypen. Wir diskutieren on line über die neuen Tees, die wir jeweils bekamen und degustierten. Als er 2009 hier zu Besuch war, hinterlass er mir einen namenslosen Tee. Dieser Tee war wunderbar im Geschmack und ich verstand ihn als ein gelagerter Hochlandsoolong aus Alishan zwischen 10 bis 15 Jahren. Er bestätigte meine Vermutung.

Dann erzählte ich ihm von Peijen, die einen Traum hat in München ein Schnick-Schnack-Haus mit Tee zu eröffnen und sie wohl im Frühling ihn besuchen kommt. Er sagte ja ja. Vor kurzen bekam er auch einen Anruf aus Texas von einer Dame, die bereits ein Teeshop innehat und auch gerne private Unterrichte bei ihm nehmen würde. Er erklärte ihr, wie er sich vorstellte von Programmen und Umkosten. Sie sagte, sie habe bereits Verständnis des Tees und wollte das Basic nicht lernen. Atong sagte ihr, wenn sie bei ihm einsteigern will, muss sie ihm folgen. Er sei nicht scharf und verpflichtet, sie zu unterrichten.

Er sagte mir im Skype, „Ich brauche das Geld von ihr ja gar nicht. Wenn ich ihr Lehrer sein sollte, dann sage ich, was sie lernen sollte. Wenn sie bereits so viele Lehrer hat, soll sie bei den anderen Lehrern bleiben. Wozu bei mir? Wenn sie bereits so viel vom Tee versteht, wozu kommt sie zu mir?“

Die Damen im Telefon war leicht nervös und wollte weiter mit ihm diskutieren. Sie kritisierte viele Teelehrer in Taiwan und beschwerte sich über die Unkompetenz des anderen. Atong stoppte ihr sofort und sagte ihr, er habe mit anderen nichts zu tun und sie sollte direkt bei denen beschweren. Er wollte das Telefon beenden, aber sie sagte, „nein, das Telefon sei nicht teuer und sie können weiter sprechen.“ Atong erwiderte, „Ihr Telefonkosten sei ihre Sache. Er habe keine Zeit.“

Ich musste ganzer Zeit lachen, als er mir die Story erzählte. Ich lachte und freute über das Wahrhaftige meines Lehrers und seine Art, selbst treu zu bleiben. Ihn kann man mit konventionelle Höflichkeit nicht schnappen. Es geht nur um Tee. Ich weiß sehr wohl, warum wir Lehrer und Schüler sind. Ich habe ein tiefes Vertrauen in meinen Lehrer. Mir macht selten etwas aus, wenn er mich tadelte und kritisierte. Er akzeptiere stets, dass ich so, wie ich bin. Er mache sich Sorgen um meinen Zustand und warnte mir immer wieder vor zu viel Arbeit.

Obwohl Jürg und Carola nicht viel Zeit mit ihm verbrachten, all das was die beiden ihm auf seine Reise Europas gaben, bleibt ganz tief im Herzen. Er sagte, dass er Carola und Jürg vermisse. So wunderbare Personen gebe in dieser Welt ganz selten. Ich sollte die beiden ganz herzlich grüssen!

Teeseminar Sprache des Tees I 2010

Endlich bin ich so weit, das Daten von dem ersten Teeseminar in Shui Tang anzukündigen!

Eigentlich wurde ich gezwungen – zu Weihnachten haben viele Klienten bereits als Geschenkgutschein eingekauft, auch wenn das Daten irgendwo feststellt…

Nun ist es so weit!

21.03. Sonnatg 10 – 16 Uhr

Sprache des Tees I

Ort:

 Shui Tang, Spiegelgasse 26, 8001 Zürich   

Anmeldung:

info@shuitang.ch

+41-79-3871130

+41-44-5559161

Kosten:

Teeseminar I: 120 Sfr.

Sondertarife für Wiederholungsteilnehmer und Auszubildende auf Anfrage.

In diesem Kurs sollte ein Überblick vermittelt werde, wie vielseitig chinesische Teesorte sind und wie die Einflüsse von verschiedenen Faktoren bei der Ernte, bei der Produktion und bei der Lagerung durch Tee zum Ausdruck kommen. Die Sinne, die Vielfalt und Differenzen zu verifizieren, werden anhand der Degustation mit Nase und Gaumen geschärft und erweitert.

無量山, Unmessbar

無量山, Unmessbar

Ruhige Tagen bringen ruhige Musse. Musse zu leben hat nicht wirklich mit Zeit zu tun, sondern mit der Lebenseinstellung. Wenn ich tatsächlich wieder Musse lebe, sehe ich wieder meinen Großvater im seinen Schaukelstuhl in unserem dunklen Nebenzimmer.

Ich habe mir vorgenommen, die Pu Ers von Matsu in diesen Tagen zu degustieren. Mir fehlte in letzten Monaten Musse, um sie zu entdecken. Dann entdeckte ich in diesen Tagen die Fladen aus Wuliangshan – Gebirge der Unmessbarkeit. Im dunklen Kammer meines Gedächtnis glaubte ich an jemanden zu erinnern, der seine Odyssee in Wuliangshan begann…

Es war die harte Zeit vor der Uni-Aufnahmeprüfung. Die einzige Musse, die ich mir gönnte war, das Fernsehen-Serie von Tian Long Ba Bu 天龍八部 anzuschauen. Tian Long Ba Bu, ein Roman von allen chinesischen Leser, ein Muss der chinesischen Volksbildung. Duan Yu 段譽, ein Prinz in dem Königsreich Yunans in der Sung-Dynastie, verlass sein Palast, weil sein Vater ihn zwangte, Gongfu zu lernen. Er begann sein Odysee mit einem Pu Er Teehändler Ma Wude. Auf seinen Irrweg lernte er wunderbare Mädchen kennen, in die er sich jedes Mal liebte, die am Ende sich herausstellte, seine leibliche Schwester waren. Denn sein Vater war ein großer Frauenheld, der stets unehrliche schöne Töchter hinterlass. In Gebirge von Wuliangshan lernte der junge Prinz seine Liebe und sein erstes Liebeskummer, als das schöne Mädchen als seine Schwester entpummpte. Wuliangshan wurde beschrieben als paradiesischen Landschaft, von göttlichem mystischen Atmophäre und unendlicher Kraftort. Duan Yu lernte hier sein Flucht-Gongfu Lingbo Weibu, wie man in Gefahr in einem eleganten schnellen Gang um Schlacht auszuweichen.

Vielleicht war der Autor Jin Yong tatächlich einmal in Wuliangshan. Vielleicht hätte ich irgendwann Möglichkeit diesen Gegend zu besuchen. Es war gerade ruhig in Shui Tang. Ich brach ein kleines Stück von dem Pu Er Fladen ab. Der Fladen ist schwarz. Er ist schwarz, weil die Blätter jung und zart sind. You sagte mir, dass die Teebäumen dort von spezieller Sorten sind. Die jungen Trieben werden mit zwarten Blatt (sie nennen es Naipian) beschutzt und gehüllt. Die zwarten schützenden Blätter sind hart im Vergleich mit den jungen Trieben. Gepflückt werden sie zusammen und zusammen zu Fladen gepresst. Aus dem schönen zarten Tee entwickelte der langsam aufsteigender Duft. Voller Leichtigkeit und floralen Charm! Selten in Pu Er, sonderbar in seiner Eleganz. Ich dachte, ich wäre vor einem Wasserfall, auf einem steilen Berghang. Wenn der Vollmond aufs Wasser scheint und mein Schatten auf dem Steinwand wirft…

Mein langes Schatten auf dem glatten Steinwand tanzt mit mir im Vollmondslicht. Das Schatten wird immer länger, wenn der Mond immer tiefer geht. Je heller der Mond scheint, desto klarer wird das Kontur meines Schattens…

Minuten nach dem Aufguss spüre ich immer noch das Parfüm dieses Tees, auch wenn er sich vorher nicht besonders zur Wort meldet. Wer hätte denn gedacht von diesem Tiefe? Der lange Abgang verwöhnt mich immer weiter bei der Arbeit.

Dieser sonderbare Tee kommt aus dem Gebirge der Unmessbarkeit. Ein Nationales Park ist es geworden. Die Eingeborenen, die seit Generationen die Tees dort als Sammler sammelte, wurde gezwungen, ihr Zuhause zu verlassen – seit es National Park wurde. Tee sammeln, auch wenn die Vorfahren schon immer das gleiche machten, ist heute nicht mehr eine ganz legale Tätigkeit. Das moderne Konzept vom System kennt Tradition und Geschichte nicht. You sagte mir, Teebauer betrachten emotional den Ort, wo sie waren, immer noch als „ihres“, während das System es zu demokratischem „Park“ klärte. Es ist schwierig geworden, Dinge zu messen, wo die Grenze von Legalität und Verbrechen liegt. Der Tee ist unschuldig, nicht wahr?

Er hat das Sammelgut trotzdem gesammelt und zum Tee gepresst. Er bezeichnet diesen Tee als der große schwarze Fladen. Rarität der Gebirge der Unmessbarkeit. Er sagte mir, Tee spricht für sich selbst. Er ist unmessbar gut. Unmessbar ist es eigentlich auch – die Moral.

Für Shui Tang hat You selbst aus Jadestein paar Siegel graviert. Ich kannte seine künstlerische Tätigkeit nicht. Dieser Mann hat ein unmessbares Tiefe – das gefällt mir. Die Steinen kamen heute an, unausgesprochen an dem gleichen Tag der Degustation mit diesem unmessbaren Tee. Die Steinen sind kalt, die Schriften sind deutlich rot. Sie zeigen den Charakter dieses Mannes. Siegel sollte in der chinesischen Kultur Glück eines Menschen bringen und das Schicksal in die glückliche Bahn zu lenken. Glück ist unmessbar, ebenfalls wie eine Freundschaft.

Zeitwende

Worauf wartest Du?

Ab den Tag von Maria Lichmess wird unser Tag immer mehr lichtvoller. Auch genau an 2. 2. findet eine Wende statt, so dass das Bauerkalender mit diesem Tag das Jahr beginnt.

Es war tatsächlich lichtvoll. Die Sonne schien und der Schnee verschwand. War eine Wende da, als das Licht erschien, oder war die Wende bereits im Dunkelheit verborgen?

1860 war auch eine Wende auf Formosa. 1860 verlor Manchu den Krieg gegen Engländer und Französe. Ein Vertrag über das Schicksal Formosas wurde unterschrieben. Die Insel war für die Festlandschinese bis dahin unbedeutend und uninteressant, sie lag einfach irgendwo im Pazifik und wurde besiedelt von vermutlichen Polynesier und Piraten. Denn das Weltbild der damaligen Chinese orientierte sich an das breite endlose Land, anstatt an das unberechenbare Meer. Das Meer trägt die Insel Formosa und bekam internationale Aufmerksamkeit von den sich an Ozean orientierten Engländer und Französen! 1860 wurden vier Hafen auf Formosa für Engländer und Französen geöffnet: Keelung, Kaoshiung (damals Dagou), Tainan (damals Anping) und Dashui.

Meine Mutter brachten uns gerne nach Dashui, als wir klein waren. Für sie war diese kleine Hafen-Stadt voller Geschichte. Sie erzählte uns, dass Französe ein Jahr lang Taiwan besass und viele junge Männer ihr Leben auf unsere Insel verloren. Einmal lass sie uns ein Brief von einem jungen Mann, der einen fast Abschiedbrief an seine Mutter schrieb. „Mama, ich glaube, dass ich es nicht schaffe…“ Ich weinte heftig, als ich diese Geschichte hörte und hätte wohl nie gedacht, dass ich selbst heute unter den Fremden lebe. Und freiwillig.

Die Taiwanese brachten die verstorbenen Französen zusammen in einem Tempel. Auch die Fremden sollten gebetet und gesegnet werden – dachten die mitgefühlsvollen Inselbewohner. Dieses französischen Tempel wird bis heute gepflegt.

1860 wurde Taiwan offen für Handel nach Europa. 1861 kam John Dodd nach Danshui und brachte die Idee, Teepflanzen aus Anxi an die Einheimischen zu geben, sie zu beauftragen, Tee anzubauen. 1964 wurden chinesischen Teemaker aus Anxi nach Taiwan per Schiff gebracht, da die Taiwanstrasse heftig und gefährlich war, beteten die Fremdlinge aus Anxi die Meeresgöttin Masu! So wurde Masu die Göttin des Tees auf Formosa. 1869 kam das erste Schiff nach Amerika mit Formosa Oolong. Seitdem wurde ein Weltstar geboren. Formosa Oolong schreibt die Geschichte des Tees.

Es ist die Zeit, zu wenden. Es ist die Zeit, etwas zu machen, was wir schon immer wollen, aber nie getrauen. Denn es wird nicht besser, unsere Wirtschaft wird nicht besser, unser Leben wird nicht glücklicher und unsere Zeit wird nicht mehr. Wozu warten? Worauf warten wir? Warten wir auf eine Wende, die auf uns wartet?

Ich freue mich auf den Besuch von Teefreunde am 13.02 in Shui Tang. Wir werden gemeinsam eine Zeitwende erleben zwischen Ochsen und Tiger. Wir werden auch eine Geschichte voller Wende mit erleben, wie ein Getränk die Welt verändert!

Gruezi, Tiger! Das Neujahresfest in Shui Tang

am 13.02.2010, Sa. 19 Uhr – 21 Uhr

Shui Tang. Liquid Delicacies.

Spiegelgasse 26, 8001 Zürich

Formosa Oolong Abend –

Geschichte eines Tee-Legende, begleitet mit Formosa Volkslieder aus den vergangenen Jahrhunderten und Teedegustation

Sängerin: Teresa Chen

Geschichte : Menglin Chou

Eintrittsfrei, Anmeldung erforderlich.

 +41-44-5559161

oder info@shuitang.ch

Worauf wartest Du noch eigentlich??

Gruezi, Tiger

Sechs Monate sind schnell vergangen. Shui Tang freut sich auf das Neujahr! Das harte Ochsenjahr verabschiedet sich langsam im riesenden Schnee, während sich der Tiger mit leisen Schritte uns immer nähert .

In der alten Tradtion, in der ich aufgewachsen bin, versammeln sich Menschen vor der Zeitwende. Das Clan versammeln sich um das Alte zu verabschieden, um das Neue gemeinsam zu betreten. Das Clan-Fest erlebte ich als Kind mit großen Freude und Begeisterung. Feste mit mehr als 50 Menschen, die gemeinsam mehr als 5 Tage feierten waren großartig! Im Auge des Kindes gehören Menschen stets zusammen!

Gestern gehört das Clan in Sinne der Blut-Verwandtschaft. Heute lebt das erweiterte Clan als eine geistige Seelenverwandte…

Shui Tang wird getragen von vielen Gönnern, Teeliebhaber und Freunde. Ohne die freundschaftliche Unterstützung und Mithilfe wäre Shui Tang nur ein Traum, nicht eine Wirklichkeit; ohne euch bleibt Shui Tang nur als Luftschloss, nicht als Vision. Ich danke viele Teefreunde, die mir freundschaftlich schreiben und schrieben. Auch wenn ich nicht immer gelinge, Euch zu beantworten und mich zu bedanken, weiss ich es innerhlich sehr zu schätzen, dass es Euch gibt! Vielen Dank, Herzlichen Dank!

Es ist ein bescheidener Erfolg, dass Shui Tang fröhlich ins Tigerjahr startet. Erfolg zu erleben setzt vieles vorraus. Man muss weise sein, muss hart arbeiten und muss viel Glück haben – vor allem Glück. Man erlebt Erfolge, nicht weil man selbst super ist, sondern weil man von vielen wohlwollenden Hände getragen wird!

Shui Tang möchte sich bei diesen Händen bedanken. Vielen Dank, dass Ihr das Neuling in der Teelandschaft Zürichs tragt! Am 13.02 Samstag lädt Shui Tang alle Teefreunde ein, gemeinsam das Ochsenjahr zu verabschieden und das Tigerjahr willkommend zu heissen!

Gruezi, Tiger! Das Neujahresfest in Shui Tang

水美堂的除夕茶會

am 13.02.2010, Sa. 19 Uhr – 21 Uhr

Shui Tang. Liquid Delicacies.

Spiegelgasse 26, 8001 Zürich

Formosa Oolong Abend –

Geschichte eines Tee-Legende, begleitet mit Formosa Volkslieder aus den vergangenen Jahrhunderten und Teedegustation

Sängerin: Teresa Chen

Geschichte : Menglin Chou

Eintrittsfrei, Anmeldung erforderlich.

+41-44-5559161

oder info@shuitang.ch

Gedanke in der ersten Vollmondnacht im Neujahr

Die erste Veranstaltung von Shui Tang im Neujahr ist erfolgreich gelaufen! Erika hat die Tees für Winter und Sommer auf wunderbarer Weise erklärt und wir haben die folgenden Tees degustiert und probiert.

Longjing Meijiawu, Qilan Oolong Mingjian, Da Hongpao Premium, Dianhong Premium und Pu Er Grenztee 1990. Natürlich waren viele Therapeuten und Ärtzte dabei, die sich für das Thema Yin und Yang im Tee interessieren.

Rückblickend war ich recht froh, das so genannte Januar Loch anders zu erleben. Viele fragen mich, „Und?“ Ich dankend glücklich bei dem Kosmos für das angenehme und gute Start ins 2010. Alles ist neu für Shui Tang. Ich bin dankbar.

Obwohl diese Woche recht ruhig war, gab es paar lehrreiche Erlebnisse für mich. Ein Klient kam zu mir und wollte sich über Grüntee informieren. Ich zeigte ihm drei Grüntees von drei verschiedenen Richtungen. Anji Baicha – subtil und verbindlich; Emei Maofeng – klärend und erfrischend; Bai Maohou – schön und geschmedig. Dann fragte er mich, „Haben Sie keine Rarität?“ „Wie bitte?“ Ich war erstaunt über seine Aussage. Er sagte, „ich will Rarität!“ Rarität… Ist Anji Baicha keine Rarität? Ist Emei Maofeng in dieser Qualität keine Rarität? Für ihn gilt die Rarität nicht als Rarität, er wollte Sensation… Wie kann ich jemandem Rarität zeigen, der die Rarität nicht erkennt? Ich dufte ihn nicht belehren und auch nichts Negatives äussern. Höflich bat ich ihm um Verständnis, dass ich ihm Raritäten zeigte. Er fragte nach dem Preis. Der Preis des Tees hörte sich wie Rarität an und er kaufte die „Rarität“. Dieser Herr hatte kaum Zeit und war in Eile. Dann wollte er von mir wissen, wie ich das berühmte Nachbargeschäft kommentiere. Er beschwerte sich über die unkompetente Beratung. Ich sagte ihm, Raritäten können nicht in paar Minuten beraten werden und für den schnellen Einkauf ist die Beratung von dort gut genug. Wie könnte ich denn über das Geschäft von anderen äussern? Jeder macht sein gutes Job und jeder hat seinen Platz. Zürich ist gross genug! Ich sagte dem Herrn, dass sich die wirkliche Raritäten nicht einfach „manifestieren“. Dafür könnte der Klient auch Zeit nehmen…

Ich machte mir nach diesem Erlebnis richtig Gedanke. Was Menschen unter Raritäten verstehen und wie ich mich hätte anders verhalten können.

Christoph sagte mir, dass man gewisse Mut braucht, die Tür von Shui Tang zu eröffnen. Dann wird man glücklich dabei, am Tisch zu sitzen. Mut haben, um die Schwelle zu überwinden… Manche sagen mir, „Wow, was für ein exklusives Geschäft?“ Ich fragte zurück, was ist an Shui Tang exklusiv? Schöne Aufmachung? Schöne Interio, schöne Design und schöne Waren?

Das Exklusive an Shui Tang ist:

Time is not Money!!

und

jeder, der die Tür öffnet, wird als Mensch so wie er ist, angenommen, anstatt als „Kunde“ gehandelt!

Lishan Hochlandsoolong – Eine Alchemie

Meine Schwester und ich streiten immer auf der Reise, vor allem in Japan. Ich muss bei jedem Lackwaren und Keramik Geschäft rein schauen, wärhend sie bei jedem Kosmetik und Mode-Geschäft gestolpert ist. Sie belächert meine Zuneigung für „Hobby von reicher Tochter“, weil Teatoys für sie eben Freizeitsgeschäftigung für reiche Kinder sind. Ich verteildige mich damit, dass ich selten Geld für Kosmetik ausgebe, eben nur für Teatoys.

Ich habe nichts gegen Kosmetik, nur etwas gegen die verkaufte Vorstellung, wie eine Frau sein muss. Ich glaube nicht an die Illusion von weissen jungen Haut, sondern an eine andere. Ich kaufe Kosmetik von Alchemie. Ich glaube an Zauberstab und geerntete Blüte nach Sonne- und Mondphase. Eine treue Kundin bin ich von Lunasol. Zu Weihnachten habe ich mir Blütecremen von dem neuen Zauber gekauft. Eigentlich war ich ein wenig enttäuscht von den leisen Töne der Duft im Cremen. Ich liebe Rosen über alles, aber dieses Rosencremen duftet nur „latent“. Ganz anders als Weleda – ich rieche sofort ein Hauch von Rosenmeer…

Trotzdem trage ich ganz fleißig das Creme ein, denn es eine Konsistenz ist, die einfach für sich selbst spricht! Ob das Creme der Alchemie tatsächlich besser ist, war ich recht unsicher.

Genau so verstehe ich nicht, warum man auf Lishan Hochlandsoolong abfährt. Der Hochland aus Alishan ist für mich gut genug und rate stets meine Klienten diesen zu bevorzugen. Wozu Lishan? So teuer und nicht wesentlich viel besser als der Alishan! Bis vor zwei Tagen war ich fest der Meinung.

Walter kam mit seinem guten Kumpel ins Shuitang. Der unbekannte Mann war schwer zu knacken. Walter warnte mir davor – er sei ein Fall für Menglin. Er war mit Alishan Hochland nicht zufrieden, denn dieser Oolong mit ihm sprechen wolle. Er will aber keinen Tee, der ihn stört! Dann kritisierte er an Fancy Nostalgie, „Was für einen schweren Tee! Ich will etwas Leichtes!“ Ich bewegte mich nicht von all seinen Kommentaren. Ein Tee zum Bücherlesen, mehr nicht, sagte er. Einfache Formulierung verbirgt einen Anspruch auf Absolutheit – der Tee muss das machen, was ich will. Naja, so ein Typ wird nicht einen Tee begegnen, der genau so „einfach“ ist wie er.  

Ich packte den Lishan aus – nun sind wir bei Top-Ende gelandet. Langsam stieg der Duft in unsere Nase und errecihte unser Herzen. Sie seufzten. „Wie schön, schön elegant und voller Bergblütehonig!“ sagte der vorhin klagende Mund. Ich roch noch keine Blütenhonig, ich befand mich noch im Blütenmeer. Blumenwiesen an einem Berghang, waren es Birnenblüte oder Apfelblüten? Mein Vater hebt bis heute ein altes Foto von mir auf. Es war vor 32 Jahren, ich lächelte herzig unter einem Birnenbaum auf Lishan (Berg der Birne) neben dem Villa von Jiang Jieshi. Mein Vater eröffnete gerade sein eigenes Büro und lud alle Angestellte ein, eine gemeinsame Reise zu machen. Meine Schwester erbrach während der ganzen Autofahrt und mein Bruder schlief immer wie ein Angel im Muttersarm… Leicht, unbeschwert und entspannend wurden die Augen wieder geöffnet, blumige Süsse hüllte den Mund und die florale Frische klärte die Nase. Ich sass in Shui Tang, aber mein Herz bekam Flügel und war dort, wo es sein wollte…

Der Gast war glücklich, so glücklich zu wissen, dass sein Geschmack eben so teuer ist! Das ist auch eine Bestätigung für ein Ego, nicht wahr? Als ich wieder allein war, roch ich noch an die kalt gewordene Tasse. Ich hing immer noch an den Bergduft, an die Bergblumen und an die zarte Erinnerung der unbeschwerten Zeit. Plötzlich erinnerte mich der leise präsente Duft an den Duft auf meine Haut. Das leise Creme, gewonnen aus der ständigen Rühren zwischen Sonne, Mond und Blüten, durch die so genannte Alchemie wird es zu einem Vermittler zwischen Menschen und der Natur. Ich weiss nicht, ob die Alchemie wirksam ist. Mir ist es eigentlich egal. Es ist eine schöne Illusion zu glauben, ich sei auch in Blumen und Blumen in mir. Es ist ein wunderbares Moment den Lishan Hochland zu verstehen, dass dieser Tee auch wie ein Zauber wie Alchemie sein kann, Raum und Zeit zu versetzen. Ich bin in Zürich, in Shuitang und gleichzeitig mit meiner Familie in meiner Kindheit!

Meine Literaturliste

Peter möchte meine deutsche Literaturliste haben. Gerne. Ich denke allerdings, dass diese Liste nicht der Vorstellung entspricht. Ich bin nun Mal so wie ich bin – eine Soziologin und mein Bild vom Tee ist sehr gesprägt durch diese Wissenschaft. Es ist mein Zugang, wie ich sehe, was Tee ist – nicht nur aus Blätter aus China, sondern ein Projektionsfläche der menschen Wünsche und Begierde und das Resultat von ihrer Handlungen und Wechselbeziehungen.

Adrian, Hans G.; Temming, Rolf L.; Vollers, Arend: Das Teebuch. München 1983.

Barlösius, Eva 1999. Soziologie des Essens. Weinheim und München: Juventa.

Berger, Willy R.: China-Bild und China-Mode im Europa der Aufklärung. Köln 1990.

Brand-Lederer, Ruth: Der Tee kommt nach England. In: Tee. Völkerkundemuseum der Universität Zürich (Hrg.). Zürich, 1990, 27-48.

Forrest, Deny: Tee und die Engländer. Braunschweig 1980.

Grösser, Helmut: Tee für Wissensdurstige. Das Fachbuch vom deutschen Teebüro. München 1999.

Jarry, Madeleine: China und Europa. Stuttgart 1981.
 

Kaufmann, Gerhard: Zur Kultur- und Wirtschaftsgeschichte des Tees. In: Tee. Zur Kulturgeschichte eines Getränks. Altonaer Museum in Hamburg (Hrg.). Hamburg, 1977, 7-26.

Küster, Christian L.: Teegeschirr und Teegeräte. In: Tee. Zur Kulturgeschichte eines Getränks. Altonaer Museum in Hamburg (Hrg.). Hamburg, 1977, 28-36.

Reimertz, Stephan: Vom Genuss des Tees. Eine Kulturgeschicht. Leipzig 1998.

Okakura. Das Buch von Tee. Inselverlag.

Schivelbusch, Wolfgang 1980. Das Paradies, der Geschmack und die Vernunft. Wien und München: Karl Hanser.
 

Storey, John 1999. Cultural Consumption and Everyday Life. London: Arnold.