Sonntag Morgen

Wer steht am Sonntag morgen gerne früher auf? Vor allem ich?

Atong weckte mich auf und wollte mit mir skypen. Wir diskutieren on line über die neuen Tees, die wir jeweils bekamen und degustierten. Als er 2009 hier zu Besuch war, hinterlass er mir einen namenslosen Tee. Dieser Tee war wunderbar im Geschmack und ich verstand ihn als ein gelagerter Hochlandsoolong aus Alishan zwischen 10 bis 15 Jahren. Er bestätigte meine Vermutung.

Dann erzählte ich ihm von Peijen, die einen Traum hat in München ein Schnick-Schnack-Haus mit Tee zu eröffnen und sie wohl im Frühling ihn besuchen kommt. Er sagte ja ja. Vor kurzen bekam er auch einen Anruf aus Texas von einer Dame, die bereits ein Teeshop innehat und auch gerne private Unterrichte bei ihm nehmen würde. Er erklärte ihr, wie er sich vorstellte von Programmen und Umkosten. Sie sagte, sie habe bereits Verständnis des Tees und wollte das Basic nicht lernen. Atong sagte ihr, wenn sie bei ihm einsteigern will, muss sie ihm folgen. Er sei nicht scharf und verpflichtet, sie zu unterrichten.

Er sagte mir im Skype, „Ich brauche das Geld von ihr ja gar nicht. Wenn ich ihr Lehrer sein sollte, dann sage ich, was sie lernen sollte. Wenn sie bereits so viele Lehrer hat, soll sie bei den anderen Lehrern bleiben. Wozu bei mir? Wenn sie bereits so viel vom Tee versteht, wozu kommt sie zu mir?“

Die Damen im Telefon war leicht nervös und wollte weiter mit ihm diskutieren. Sie kritisierte viele Teelehrer in Taiwan und beschwerte sich über die Unkompetenz des anderen. Atong stoppte ihr sofort und sagte ihr, er habe mit anderen nichts zu tun und sie sollte direkt bei denen beschweren. Er wollte das Telefon beenden, aber sie sagte, „nein, das Telefon sei nicht teuer und sie können weiter sprechen.“ Atong erwiderte, „Ihr Telefonkosten sei ihre Sache. Er habe keine Zeit.“

Ich musste ganzer Zeit lachen, als er mir die Story erzählte. Ich lachte und freute über das Wahrhaftige meines Lehrers und seine Art, selbst treu zu bleiben. Ihn kann man mit konventionelle Höflichkeit nicht schnappen. Es geht nur um Tee. Ich weiß sehr wohl, warum wir Lehrer und Schüler sind. Ich habe ein tiefes Vertrauen in meinen Lehrer. Mir macht selten etwas aus, wenn er mich tadelte und kritisierte. Er akzeptiere stets, dass ich so, wie ich bin. Er mache sich Sorgen um meinen Zustand und warnte mir immer wieder vor zu viel Arbeit.

Obwohl Jürg und Carola nicht viel Zeit mit ihm verbrachten, all das was die beiden ihm auf seine Reise Europas gaben, bleibt ganz tief im Herzen. Er sagte, dass er Carola und Jürg vermisse. So wunderbare Personen gebe in dieser Welt ganz selten. Ich sollte die beiden ganz herzlich grüssen!

3 Gedanken zu „Sonntag Morgen

  1. Peter

    Hallo,

    da fällt mir die Geschichte von dem (Kunfu) Meister ein, zu dem jemand kommt, der unbedingt Kampfkunst lernen will und diesen so lange bedrängt, bis der Meister einwilligt. Der Meister gibt ihm eine Teeschale und gießt ein. Selbst als sie voll ist, gießt er noch weiter. Als der andere sich darüber beschwerte, sagte der Meister zu ihm: Dein Geist ist wie diese Teeschale. Sie ist schon gefüllt. Wie soll ich da noch etwas lehren können. Komme wieder, wenn du deinen Geist geleert hast. Diese Geschichte gibt es in unzähligen Varianten, hat aber immer den gleichen Sinn.
    Gerade die Grundlagen kann man nicht oft genug bewegen. Und wenn man zum Lehrer kommt und der Meinung ist, dass man schon genug Bescheid weiß, kann man nichts Neues mehr aufnehmen. Das ist schwer, aber man sollte es immer versuchen.

    Gruß Peter

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  2. Menglin

    Lieber Peter,
    es ist leicht erzählt, nicht wahr? Wir kennen alle diese Geschichte. Aber wenn wir tatsächlich etwas von jemandem lernen will, sind wir gefangen von unserem Muster.
    Als ich Nojiri Sensei zum ersten Mal traf, war ich noch ehrgeizig und war gewöhnt mich selbst darzustellen. Das funktionierte bei ihr nicht. Sie schickte mich ins Nebenzimmer. Wenn ich mich an heutigen gängigen Verhaltensmuster orientieren würde – ich bin ein Individuem, Probleme als ihres zuschriebt und mich als Verstandene feierte, hätte ich die wichtigste Lektion meines Lebens verpasst. Ich habe von ihr das Demut gelernt. Ich bin ihr mein Leben lang dankbar.

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  3. Peter

    Hallo

    ja, ich selbst hab schon solche Erfahrungen gesammelt. Wenn ich statt einfach zu beobachten, zu lernen, Wissen mit Wissen verglichen habe und mir letztendlich andere Dinge dadurch entgangen sind, statt einfach nur da zu sein und mich zu bewegen.
    Richtig leer werden und dann die Ideen des anderen anzuwenden ohne das der eigene affenartige Geist dazwischenredet, vergleicht, ist so schwer zu verwirklichen.

    Gruß Peter

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