Alte Blätter aus Yiwu

Als ein junger Mensch wollte ich immer weg. Weg von meinem Zuhause. Das heißt nicht, dass ich mein Heimat nicht liebe. Ich wollte bloss weg. Das heißt, dass ich mit dem Ich in dem Spiegel sehr unglücklich war.
Später merkte ich, dass ich nicht nur weg von Zuhause rennen wollte. Ich renne auch vor Unangenehmigkeit, vor Problemen und vor mir selbst.
Nun bin ich in Shuitang gelandet. Ich wurde ein Haustier. Weg rennen geht nicht mehr. Ich will nicht mehr vor mir weg rennen.
Das Leben wurde nun einfacher.

Ich besuchte Zhou Yu. Am einen kalten Tag.
Das Haus Wistaria war angenehm besetzt. Ich brachte ihn die Matcha-Praline. Er konnte nicht bis nach Hause warten. Wie ein Kind öffente er das Schachtel und schluckte das ganze Stück. „Ach, schön!“ er seufzte. Wir verabredeten uns zur eine Degustation.

Für mich ist er ein Tee-Philosoph aus der alten Schule – genau vor dieser alten Schule wollte ich nach Europa fliehen.
Wir vergleichen zwei alt gelagerten Tees – einer aus einer Blend von 60er und 70er Jahren und einer aus der 60er Jahren. Er sagte in seinem Haus degustiert man immer 4g in einer kleinen Gaiwan und 6g in einer kleinen Yixing Kanne.
Die Farbe des Tees verraten uns sehr schnell seine Herkunft. Ist er ein Blend!
Der Blend war sanft und intensiv. Die Intensivität des Aufgusses offenbarte mir der Sandelholzduft aus feuchtem und dichtem Wald! das Holz ist noch nicht ganz trocken. Sehr intensiv, aber nicht so rein, so frei, um zu schweben. Die zarten 70er PuEr verleiht ihn Spuren der Leichtigkeit und der reifen Blätter der einfachen 60er Pu Er bildet einen soliden Körper. Ich roh die Lichtung in dichten Laubbäumen. Der Geruch der Sonne nach dem tropischen Regenguss. Ich erinnere mich an meine Kindheitstage auf dem Land. Unter dem Pamelo-Bäume meiner Großmutter sammelte ich die Laubblätter und kleine Holzstücke, um mein Zuhause zu bauen.

Der andere Tee… nur aus alten reifen Blätter. Zhou Yu sagte, „Weiß Du, so einen einfachen Tee machte der Teebauer für sich selbst.“ So alt. Die Blätter waren so alt, dass man sie nicht wollte. So alt, dass die Teebauer selbst trank. Er kaufte diesen Tee damals im Esstrich eines alten Restaurant in Hongkong. Ihn hat seine Einfachheit nicht gestört.
Aber in der Jugend der alten Blätter aus Yiwu hat für ihn etwas gefehlt. So mischte er ihn mit den zarten Blätter von späteren Jahrgang um ihn aufzupeppen. Ist er durch diese Mischung bereichert?

Wir schüttelten unseren Kopf. Dieser reinen Aufguss aus nur reinen alten Blätter von Yiwu-Bauer ist so einfach und rein geblieben. Sein Wesen öffnete sich sofort, aber Schicht für Schicht, ein Wort nach dem anderen. Er hat keine Eile, er hat keine Zeit – nein, er hat kein Zeitgefühl, weil er ein Teebauer ist. Er erzählte beständig, die Aufgüsse sind reich, ein Aufguss nach dem anderen. Die Erzählungen reichen von puren eleganten Sandelholz, zu vegitalen Feinheit und der duftende Erdetöne. „Menglin, er kann so rein und einfach schön, weil er aus einer reinen Natur stammte. Ach, es war eine andere Zeit!“ er fuhr fort, „das ist das, was wir in der chinesischen Kultur von Zeit und Raum sprechen!“ Endlos und undefiniert. Ein Tee in dieser Art kann Dich zu einer anderen Zeit tragen und versetzen. Was bedeutet schon die Zeit und der Raum? Tee selbst ist Zeit und Raum zugleich.
Die Zeit hat die einfachen alten Blätter aus Yiwu zu einer Schönheit verwandelt. Er ist treu zu sich selbst geblieben. Was ist denn das, was die Zeit überdauert?
Vor was bin ich aus dieser Kultur geflohen?

Zhou Yu erzählte mir, dass er wohl im Sommer im Westeuropa sein wird. Ich rate ihn nach Zürich zu kommen. Ich sollte frisch umgezogen sein und er kann so lange aufhalten wie er will. Ich bat ihn einen Vortrag in Shuitang zu halten. Ein Vortrag nicht nur über Pu Er und Tee. Ich werde der Übersetzer sein, auch wenn es bestimmt nicht einfach wird!

Was lernt man von einem Teelehrer?

Ich war sehr nervös. So nervös, dass ich nach diesem Vortrag verschnupft wurde.
Am Montag staunte ich in dem Raum vor der regen Teilnahmer an unserer Tee-Triologie. Ursprünglich sollte doch nur 12 Anwesenden sein. Das Vortragssaal war voll! Kaum Stuhl war frei.
Ach, was machen die Leute bloss hier? Ist Tee tatsächlich trend geworden?

Meine akademische Sprache ist nicht mehr so gut wie vor drei Jahren. Ich bemühte mich, die Kulturgeschichte des Tees so vielschichtig erzählen zu lassen. Aber eigentlich hat es mir der letzte Teil am besten gefallen, als ich mit Frage konfrontiert wurde.
Ich wurde gefragt, was man eigentlich vom einen Teelehrer lernt?

Meine Augen wurden feucht. Ich erinnere, was Atong mir vor meiner Abreise sagte, „Menglin, Du kannst Menschen und Tees nie von einem jetzigen Zeitpunkt beurteilen…“

Was habe ich von einem Teelehrer gelernt? Ich erinnere mich, wie ich anfing, nach einem Lehrer zu suchen. Überhaupt spürte ich in mir ein Drang nach einem Lehrer zu suchen, denn ich wußte, mein Wissen basiert bloss auf Literatur und Geschwätz. Ich brauche einen Spiegel, ich will korrigiert werden. Ich will weiter kommen – mit Tee.

Durch Landschaft der Scharlatanen begegne ich viel Möchte-Gerne-Menschen, die versuchen mich einzubinden. Sie gab mir kein Werkzeugt, weil sie meine Autorität bleiben wollen. Diese Abhängigkeit ist für mich kein Weg. Ich will Freiheit, will nicht manipuliert werden. Ich möchte selbst Tee erfahren, und nicht nur wissen, dass dieser ein guter Tee ist, sondern selbst erfahren, wie ein guter Tee sein kann!
Bis ich Atong gefunden habe. Ich habe ihn zu meinem Lehrer gemacht. Als mein Lehrer zu sein war er nicht scharf.
Was heißt ein Lehrer und was heißt ein Schüler?

Damals sagte er mir, ich sollte diesen und jenen Tee als Referenz-Tee kaufen, um zu lernen. Ich tat es bloss aus Respekt. Ich dachte, es ist schon komisch, dass die Tees von Atong immer süss schmeckt. Ich kaufte damals paar Spezialitäten aus seinem eigenen Garten. Überzeugt war ich nicht wirklich. Weil ich nicht wirklich überzeugt war, lagen sie im Schachtel.

Vor einem Jahr entdeckte ich sie wieder bei der Inventar. Ich entdeckte eine Schönheit voller Überraschung. Die fünf Jahren sprachloser Vergessenheit brachten die beiden schönen Tees zur einer staunenden Sprachlosigkeit. Was für eine Verwandlung, oder Transformation? Der Tee oder ich?
Meine Augen werden feucht, wenn ich diesen Tee heute trinke. Ich sehe meine eigene Entwicklung und meine Entwicklung mit Tee und mit meinem Lehrer.
Ich erzählte Atong als ich diesmal bei ihm war.
Er sagte in dem Moment nichts, aber ich hatte das Gefühl, dass er feuchte Augen bekam.
Ach, auch ein Lehrer kann nicht immer verstanden werden!

All diese kostbaren Tees wurden in kürzesten Zeit in Shuitang verkauft, ohne ich viel dafür sprechen musste. Der Rougui 2005 war so rasch weg, dass ich schmerzhaft vor der leehren Dose stand. Ich hätte gerne welche für mich behalten!

Diese Tees sind nicht nur eine Schönheit zu bewundern, sondern auch eine Dokumentation. Er sagte mir, dass er sich heute häufig fragt, wie der Tee 30 Jahren später werden kann!
„Weiß Du, ich mache, sammele und verkaufe seit 30 Jahren Tees. Ich habe beobachtet, wie ein Tee sich entwicklen und verändern kann! Du kannst nie festlegen, was für einen Menschen oder einen Tee so ist oder so sein wird! Wir können sie nie nur von jetztigen Zeitpunkt beurteilen. Aber wenn Du das Gesetz der Entwicklung verstehst, dann weiß Du wie ein Tee werden kann. Und wenn Du das Tao verstehst, wirst Du ungefähr wissen, wie das Leben sich verläuft.“
Was lerne ich von einem Teelehrer?

Zu Hause sein

Massimo fragte Balthasar, weshalb er zum Tee kam. Er antwortet, dass er sich hier im Alpenland nicht zu Hause fühlt. Er glaubte sein Zuhause in China zu verorten. Er hatte vielleicht keine Mut das Alpenland zu verlassen. So fühlte er sich fremd in seinem eigenen Land. Seit er Shuitang und mich kennen lernte, hatte er das Gefühl, er müsse nicht mehr nach China reisen.
Als ich es hörte, lachte ich ganz laut. Denn es bei mir genau umgekehrt war.
Ich wollte immer weg.
Am besten weit weg von meinem Zuhause.
Das Zuhause meiner Eltern, das Zuhause meiner kulturellen Zugehörigkeit und das Zuhause meiner Kindheit war mir vertraut, aber fremd. Für mich war es ein Korsett.
Später entdeckte ich, dass mein Korsett für die anderen Fremden eine vermeintliche „Rettung“ erscheint – zu meinem Erstaunen!

Ich erzählte von meinem Flucht am den Teetisch in Shui Tang. Ich wollte immer weg und mein Vater fand es zuerst gut. Jeder sollte einmal weg von Zuhause sein und in die weite Ozean fahren – so denken viele Inselbewohner. Ich hatte das Mut und mein Vater gab mir das Geld. Ich floh nach Europa. Zuerst fand ich die Fremden schrecklich barbarisch. Ich fühlte mich oft missverstanden und gedemütigt. Irgendwann fand ich die Freiheit einer maginalen Mensch zu geniessen. Ich werde nie Deutsche und bleibe nicht dieselbe wie im 1992. Eine absolute Freiheit, zu akzeptieren, dass man anders ist! Ich bin anders. Andersdenkend, andersaussehend und andershandelnd.
Ich begriff irgendwann, dass das Zuhause nicht das Haus meiner Eltern ist. Mein Zuhause kann ich nicht materiell verorten. Mein Zuhause ist in mir, in meinem Herzen, im Tee. Also, ich habe bei dem Fremden mein eigenes Zuhause gefunden!
Nach dieser sehr langen Reise, viel Kämpfe und viele Schmerzen habe ich mein Korsett, was meine Eltern, meine Erziehung mitgegeben haben, abgelegt! Ich bin frei.
Ich bin frei, weil ich kein ander Korsett mehr tragen will. Nicht einmal vom Tee!

Nun kommen viele Fremde zu mir. Sie wollen etwas vom Tee lernen, der vermeintlich aus einem festen kulturellen Rahmen stammt. Ach, ich seufze, „möchtet ihr mein früheres Korsett tragen?“ Mitgefühlsvoll verweigere ich es. Weshalb projizieren Menschen die Erlösung auf eine fremde Kultur, auf eine fremde Religion und auf eine fremde Person?
Will ich mit einem Buch, Menschen im Westen „missionieren“? Ist es besser, was ich mache? Ehrlich gesagt, ist es mir doch egal, wie die anderen Leute ihren Tee zubereiten und was sie trinken. Ich trinke meinen und sie ihren! So ist der Geist des Tees! Auch wenn man sich mit Tee beschäftigt, ist man nicht besser! Ach, warum will man sich besser als andere Menschen fühlen?

Zum Glück habe ich Schlitzaugen. Diese Schlitzaugen machen mich glaubwürdig und ich sei ein Expert des Tees… Ansonsten hätte ich komische Kleider aus dem imaginären China tragen und komische Attribute aneignen müssen!

Teegespräch?

Liebe Frau Chou was sagt man dazu? Die smarten Schweizer Tüftler und Erfinder haben da wohl völlig verkannt, worum es beim Teetrinken geht, oder täusche ich mich? Ob ihnen die Chinesen das abkaufen? Vielleicht ist heute ja alles möglich. Herzlich P. M.

Der Artikel hier lesen.

Gestern kamen Massimo und Balthasar zum Besuch. Sie hatten eine dringende Bitte. Unsere Vorlesungsreihe über Tee findet am kommenden Montag statt und sie spüren ihre „Lampenfieber“. „Menglin, bist Du vorbereitet?“ „Nein. Aber ich bin zuversichtlich.“ lächelte ich. Balthasar sei sehr skeptisch. Massimo sehr unruhig. Vor allem bei der letzten Veranstaltung, wenn wir zu Dritt sprechen.
Warum sollte ich kritisch sein? Ein Teegespräch ist eben ein Teegespräch. Man kann es nicht planen. Entweder wird es spannend, oder geht es in die Hose. Es entwickelt sich organisch, wie der Tee.
Was soll man mit menschlichen Kalkül dort manipulieren? Wenn wir nicht über Tee sprechen, sondern über das sprechen, was der Tee mit mir macht. Dann bin ich bei mir selbst, ich habe keine Angst!
Und das ist das, was ich von Teetrinken versteht. Das ist das, was Teetrinken ausmacht!
Es geht nicht nur um dem Akt des „Tee-Zubereitens“, es geht darüber hinaus. Es geht beim Teetrinken mehr als das technische Können – es geht vor allem um „die Wirkung“ des Tees. Was macht der Tee mit Menschen? Was macht der Tee mit Dir, so dass Du jeden Tag freiwillig früher aufsteht, paar Tasse aufgiesst? Was macht der Tee mit mir, so dass ich manchmal fast weinen muss und so dankbar bin, so viel Geld für diese Sud ausgeben darf?
Es lässt sich nicht mit Funktionen und Skills erklären. Es ist eine manchmal schwer auszudrückende Beziehung zwischen Menschen, Teatoys und Tee! Es handelt sich hier nicht um Presitige und um Trend oder Schnelligkeit! Es geht hier primär darum, „Ach, so ist es schön! So ist das Leben schön! Ich muss nicht noch mehr haben!!“
Balthasar hatte etwas dagegen, wenn er wie interviewt an diesen Abend behandelt wird. Massimo dachte, er müsste uns um Wissen fragen, so dass die Zuhörer das Gefühl von Bildung bekämen. Aber das wäre ja kein Teegespräch. Das wäre ja ein Vortrag. Außerdem gibt es überall so viele „Ratgeber“ im Internet und solche Bücher.

Ein Teegspräch ist eben ein Gespräch zwischen Menschen, die sich Gedanke machen, was Tee mit Ihnen macht. Tee spricht für sich selbst. Ich möchte nicht über Tee sprechen. Am kommenden Montag spreche ich überdas, was Tee mit unserer Welt macht! Tee als Ferment in der Weltgeschichte. Und am diesen gemeinsamen Abend sprechen wir über unsere Beziehungen zum Tee und lassen uns vom Tee führen!

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Lieber P.M.

Ja, die smarten Schweizer verstehen die Prinzip von Kapiltalismus und Globalisierung. Es scheint tatsächlich so, als ob everything goes. Aber die Zeit wird uns zeigen, was tatsächlich überdauert.
Ein japanischer Spruch: faule Pflaumen fallen selbst vom Baum ab.
Man muss nichts dagegen kämpfen.
Ist es nicht die schweizer Werte, sich mit dem Innern zu besinnen und immer denken, was in Hundertjahren noch existiert? Vielleicht ist es besser nicht mit den schweizer Werte auseinanderzusetzen. Denn das heutige China ist schnelllebig und oberflächlich – dies sehe ich in der chinesischen Mainstream Teeproduktion. Und diese herrschenden Werte in China passen sehr gut zum „Tpresso“ und dem Geschmack ihrer mittreibenden Teeexperten!

NZZ Online: Nespresso-Erfinder lanciert Kapseltee für China

Diesen Artikel aus NZZ Online, der Website der Neuen Zürcher Zeitung
12. Januar 2011, 14:41

Nespresso-Erfinder lanciert Kapseltee für China
Maschine für zahlungskräftige Mittelschicht als Konkurrenz zur Teetradition

Nach dem Erfolg mit Kaffee aus Kapseln haben Hersteller verschiedener Systeme die Teetrinker im Visier. Nestlé führte im letzten Frühling in Frankreich ein eigenes Tee-System ein. Nun lanciert der Westschweizer Nespresso-Erfinder Eric Favre speziell für den asiatischen Markt «Tpresso».

Den vollständigen Artikel finden Sie auf NZZ Online unter:
http://www.nzz.ch/nachrichten/wirtschaft/aktuell/nespresso-erfinder_lanciert_den_kapseltee_fuer_china_1.9072957.html

http://www.nzz.ch

Copyright (c) Neue Zürcher Zeitung AG

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Ich bekam die Hinweise von diesem „schrecklichen und zugleich spannenden Nachricht“.
Schrecklich, weil man glaubt, dass everything goes. Spannend, weil der Boden der Teekultur in heutigen China getestet wird. Werden Chinese sich an den Westen orientieren, weil eine durch und durch designte Maschine Prestige und Internationalität bedeutet und die Köpfe der so geannten „Mittelschicht“ dadurch durchdrehen wird? Moment, gibt es eine Mittelschicht in China?

Teeexpert

Ploetzlich bin ich der so genannte Teeexpert geworden.
Das bin ich nicht.
Mein Onkel ist ein hochkaratiger Manager. In einem edelen Restaurant, wo man Visitenkarten gegenseitig austauscht, sagte er heute, er habe keine Visitenkarte und sei ein Hausmeister. Natuerlich hat man ihm nicht geglaubt. Aber er gab sich einfach keinen Preis. Es ist eher meine Erziehung, selbst nicht anzugeben und auf dem Boden zu bleiben. Und der Ruf im Internet ein Expert zu sein, scheint mir nicht besonders interessant.
Was fuer einen Ruf hat der Atong? Einmal traf ich die Cheredakteurin von Pu Er Art (chinesische Version). Als sie hoerte, dass Atong mein Lehrer sei, war sie nicht besonders begeistert. Sie sagte, Atong sei zu sturr. Es gibt nicht nur eine Richtung von Oolong. Es gibt etliche verschiedene Interpretationen von Oolong. Atong habe nicht Recht. Scheinbar ist diese Dame eine Teexpertin.
Atong ist selten begeistert, wenn Leute als seine Schueler angeben. Das stimmt. Das kann seinen Ruf schaden, wenn ich hier stets behaute, ich sei seine Schueler.
Vor paar Jahren, als ich erst angefangen habe, mich ernsthaft mit Tee zu beschaeftigen, dachte ich, ich suche mir Tees aus, die mir gefallen. Viele Tees von Atong gefielen mir nicht. Ich dachte, komisch, seine Tees haben immer die gleiche Ausspreagung. Vor einem Jahr entdeckte ich manche im Keller und entdeckte die praechtige Schoenheit Atongsoolong! Ich finde bis heute keine Worte, es zu beschreiben!
Manche Leute lernen Tee, indem sie mit verschiedenen Leute sprechen, Buecher lesen und reisen. Ist Tee verstehen eine Art von Puzzle-Spiel? Ist ein Teeexpert, der viele Leute interviewt hat, vieles gelesen hat und viele Orte bereiste?
Ich bin auch sturr. Fuer mich moechte ich einen Lehrer haben. Ich schenke ihm einfach mein Vertrauen. Bevor ich ihm vertrauen kann, ueberprufe ich ihn. Ist er jemand, der mich an ihn bindet? Oder ist er jemand, der mir von Konzepten befreit und mir den Weg weist, wie ich selbst zum Tee komme, anstatt fuer mich zu gehen. Ich vertraue ihn und lerne viel Werkzeuge. Dann lerne ich Weisheiten, um selbst auf den Weg unbeirrt zu gehen. Aber zuerst, das Vertrauen.

Ich weiss, ich bin wie der Oolong. Wir entwickeln uns immer weiter. Was mir heute gefaellt, kann morgen anders sein. In diesen Sinne kann ich nicht viel dazu sagen, was der Titel Teeexpert bedeutet. Morgen entwickle ich mich weiter und werde wohl gestehen muessen, was fuer einen Schwachsinn, den ich heute schreibe!

Chinesisch lernen in Zuerich?

Kollegin Deby, ebenfalls aus Taiwan, hat es geschafft, in Zurich eine private chinesische Schule zu eroeffnen. Sie meochte gerne, dass ich Werbungen fuer sie mache – das tue ich so gerne! Menschen, die Mut haben und etwas wagen, finde ich immer grossartig. Was ist denn schon Erfolg? Der so genannte Erfolg in fremden Augen ist nie das Ergebnis einer harten Arbeit, sondern der Schein. Die innere Erfuellung durch die Arbeit ist die beste Belohnung.
Die Adresse von Debys Schule:
http://www.sprachschule-yang.ch/

Gruesse aus Taiwan

Alles Gute zum 2011!
Im Schaufenster vom Shui Tang stehen bereits viele Hase. Dank Ursula, sie brachte am 24.12 die besten Weihnachtsgeschenk zu Shuitang. Die Hase gruessen die Passanten bereits das Hasejahr! Es waren auch bereits Kaeufer fuer die schoenen suessen Hase da…
2010 war ein sehr hartes Jahr fuer mich und ein gutes Jahr fuer Shui Tang. Sehr viel Arbeit, viel Experimente und viele Neuigkeiten. Irgendwann – wenn ich Zeit und Musse finde, moechte ich gerne einen Beitrag als einen Rueckblick schreiben.
Und irgendwann in naechster Zeit moechte ich so gerne schreiben, was ich wieder neue Tees entdeckte und gelernt habe – vielleicht bei einer Tasse Tee in Onsen (heisse Quelle). Onsen – unverzichbar in dieser kalten Insel!

Liebe Freunde, Euch wuensche ich ein vitales und erlebnisreiches Hase-Jahr!
Es wird nicht unbedingt besser, aber anders!

Wenn Ente das Donner hoert…

Martin moechte gerne wissen, wie es mir auf einer fernen kalten Insel geht?
Ich habe in letzten zwei Tagen nur geschlafen. Sher gluecklich ungestoert. Mir geht es nicht schlecht. Auf dem Flughafen in Bangkok habe ich doch fuer meinen Vater und Bruder zwei BOSS-Hemden gekauft. Es wurde ohne Kommentare angenommen.

Von dem Buch habe ich meiner Familie nichts erzaehlt. Mitgenommen habe ich welche, weil ich zumindest ein Exemplar daheim lassen wollte. Aber meine Schwester war schnell mit dem SMS. Sie war bis vor kurzen in Zurich und hat meinem Bruder gleich per SMS mitgeteilt, als NZZ ueber Blaetter vom Teeweg schrieb.
Der erste Satz, was mein Vater sagte, war „AA tia-lui“, das bedeutet auf Taiwanesisch etwa wie “ wenn Ente Donner hoert, eine Ente versteht die Sprache vom Donner nicht.“ Aber er sagte, das Buch sei meine Dissertation – das Ziel, was mein Vater mich nach Europa schickte.
Ein Doktor bin ich nicht gworden. Scheinbar macht es ihm nicht mehr so viel aus.

Am naechsten Tag ging ich zu Atong. Er war hell begeistert von meinem Geschenk. Was wuenscht denn mein Lehrer? Mais. Ziehmais. Wegen diesen komischen Mais ging ich paar Male in den Blumenladen auf dem Paradeplatz, nur um die Mais sicher zu stellen. Er lachte. Es gefaellt ihm, alles was mit Essen und Pflanzen zu tun hat.
Zu diesem Buch sagte er genau wie mein Vater, „wenn Ente das Donner hoert.“ Aber es wird jemand lesen koennen, behauptete er. Er hobt das Buch samt der Rezesion von NZZ auf.
Naja, ich kann nicht sagen, ob die beiden Maenner von dem Buch begeistert sind. Weiss Du, Martin, fuer bestimmte Menschen sind die Gefuehle manchmal schwer zu entziffern. Aber sie waren sehr gluecklich, mich wieder bei sich zu haben. Sie sagen oft, eigentlich haetten wir lieber, dass Du nicht so hart hast bei den Fremden…

Schöne Bescherung

Selten fühle ich mich so nah an meinen Vater. Heute zum ersten Mal verstehe ich, dass mein 70jähriger Vater auch ein inneres Kind hat und pflegt.
Jedesmal wenn ich nach Hause ankomme, fragt er mich, was hast Du mir gekauft?
„Papa, was hast Du mir gekauft?“ fragte das kleine Menglin ihrem weit bereisten Vater. Der Vater enttäuschte sie nie. Er kaufte ihr Bonons, Uhren und Schokolade, somit konnte sie vor ihren Freunde wie ein stolzer Pfauen führen.

Aber was habe ich meinem Vater gekauft?
„Papa! Sei nicht so kindisch. Was hätte ich Dir kaufen sollen? Du hast ja alles und ich habe doch keine Zeit!“

In Shui Tang, seit mehr als einem Jahr bin ich die Teefrau, die sich um Bedürfnisse des Anderen kümmern. Jeder, der kommt, wird empfangen. Ich packe und mache Gescnenke für die anderen. Ich überlege und denke, was ich besser machen kann. Ich gebe mir Mühe, eine Atmosphäre zu schaffen, die Menschen einen Raum gibt.
Ja, ich bin „DIE“ verständnisvolle und liebvolle Frau. Eine erwachsene und reife Frau.
Zu Weihnachten bekommt jedes Mitglied in Shui Tang ein Geschenk. Ein Geschenk, das ich mit viel Mühe mache.
Das habe ich sehr gerne gemacht. Denn ich diese Leute liebe und schätze.
Aber, mich hat nur Erika gefragt, „Menglin, was wünscht Du Dir?“
Ich war sprachlos. Was wünsche ich mir?
Menglin, auch Du, kannst Dir etwas wünschen. Du bist auch ein Kind.

Es war ungefähr um 15 Uhr. Ich fing an zu weinen. Mein inneres Kind weinte. Ich habe kein Geschenk bekommen, auch wenn ich so Mühe gebe für anderen. Ich weinte gerade heftisch und Natascha kam. Sie war erschrocken, denn ich ihr sehr direkt sagte, weshalb ich weinte. Wozu sollte ich mich vor einem jungen Menschen verstecken, der von mir Tee lernen will? Auch ihre Lehrerin hat auch eine kindliche Seite, die Aufmerksamkeit will. Sie sollte mich genau hin schauen, ob ich sie wirklich etwas zeigen kann. Sie rennte sofort aus der Tür – sie ging natürlich Geschenke kaufen.
Dann kam die Jeanine. Ahnungslos brachte sie mir ein kleines Geschenk und eine wertvolle Karte. Ich war zutiefst berührt. Ein Geschenk ist halt ein Geschenk. Wer kümmert sich um die Grösse?

Dann kam Georgia, sie brachte mir essbare Geschenke, denn sie nicht für mich Weihnachtsessen kocht und mir doch ein Apero vorbereitet. Ich weinte vor meiner lieben Freundin und sie lachte über meine Kindlichkeit. Es ist schön, sich zeigen zu dürfen und vor Menschen weinen zu können.
Ja, Papa, ich verstehe Dich jetzt. Auch Du, ein starker Mann, ein Partiarch, der allen Wünschen seinen Untertanen berfriedigt, freut sich auf ein Geschenk seiner Tochter. „Was kaufst Du mir, meine Tochter?“ Leztes Mal kaufte ich ihm extra Polo-Hemde von sehr bekannten Marke. Er schimpfte natürlich wieder über meine Verschwendung. „Das macht nichts. Das war reduziert.“ erwiderte ich. Er grinste.
Nach einer weinenden Reinigung fühlte ich mich wieder freier. Ich habe den Kontakt zu dem Kind in mir nicht verloren. Meine Verletzlichkeit und Naivität sind noch nicht „taub“. Ich kann sie noch spüren und mich artikulieren. Gerne sagte ich zu Erika, dass ich mich über einen guten Kochmesser freue.
Ich schreibe diese Zeile, nicht um mich zu beschweren, sondern um mich zu befreien. Befreiung von dem Image einer reifen und einer erwachsenen Frau zu sein, die immer verständnisvoll und tolerant ist. Auch ich lebe gerne mein inneres Kind. Ich bin das Kind.

Morgen fahre ich zum Flughafen. Dann werde ich wieder ein Kind. Nein, dort bin ich ein Kind. Dort habe ich meine zwei großen Schutzengel, die mich mit Ärmer empfangen.