Wieder ist der Frühling gekommen

Liebe Meng-Lin
Danke noch einmal für die Begegnung mit Ihrer Teekultur, meine Gedanken sind noch immer bei den Wahrnehmungen, die sich um diese Tassen herum organisiert haben und ich glaube, meine Frage ist, wie immer wieder, auch bei anderen Dingen als Tee, nach der Orientierung in einer endlosen Vielfalt.
Ich praktiziere die Craniosacrale Biodynamik, das ist eine Körpertherapie, die etwas mit Meditation gemeinsam hat. Es gibt in der CB die Haltung der gleichmässig verteilten Aufmerksamkeit und des wertfreien Raums, das Neutral, das der Practioner zu erreichen hat, damit die „Arbeit“ stattfinden kann. Zum Practioner Neutral gehören weitere Dinge, wie die die Ruhezentren, um die herum sich Bewegung organisiert, die Wirbelsäule, das Herz, die dritte Hirnkammer und andere weniger strukturelle Zentren, wie die Flüssigkeitsmittellinie und die Quantenmittellinie. Ich erkenne in dem was Sie den Weg des Tees nennen Ähnliches. In der Biodynamik üben wir uns als Practioner so gut wie möglich darin, alles gleichzeitig wahrzunehmen, nichts zu fokussieren und zu bewerten. Es ist ein Versuch, dem anderen System die Möglichkeit zu geben, sich zu zeigen – und er funktioniert, es gibt die Erfahrung, dass er funktioniert. Wir „machen“ aber nichts mit dem was sich zeigt. Es kommt als weitere Wahrnehmung hinzu und dann warten wir, mit der wir uns wieder ins Neutral setzen. Etwas kann dann geschehen, wovon wir nicht im Voraus wissen, was es sein wird, was wir aber als Bewegung, Wachstum, Entfaltung oder auch Heilung erkennen. Der Unterschied ist, dass wir nicht eine Tasse Tee und das Trinken zwischen uns und den Klienten platzieren, sondern der Klient legt sich auf den Tisch oder setzt sich neben dran und wir legen unsere Hände auf seinen Körper und lauschen, so sieht das von aussen aus.
Macht dieser Vergleich etwas Sinn für Sie?
Herzliche Grüsse
S.

Wie können wir je die Lust am Leben verlieren?
Wieder ist der Frühling gekommen,
Und – Kirschbäume blühen in den Bergen.

So sang der Ryokan einst. So bewundere ich den Duft jedes Mal vor einer Tasse Tee!
Viele viele Leute fragen mich, wie bin ich zum Tee gekommen; wie bin ich hier her gekommen…
Was hat Tee in mir bewegt, so dass ich hier her gekommen bin?
Ich erkenne in der ersten Begegnung mit Cha No Yu, auch wenn ich noch nie ähnliche Praxis hatte, eine Tür, die mir zu etwas öffnen könnte – was ich bis heute immer noch nicht ganz weiss. Trotz Schmerzen und Konfrontation mit der Fremdheit spürte ich eine Kraft, zu glauben, dass es schön sei, zu leben!
Es ist schön am Leben zu bleiben. Es ist schön als eine Frau in dieser Welt zu leben!

Korkussen unter dem Schnee

Der meiste Jinxuan (eine Oolongsorte) ist nicht von Bedeutung. Er ist bloß ein moderner Formosa oolong.
Die meisten Tage im Leben vergehen bedeutungslos, in den wir nichts vom Anfang und Ende wissen. Die meisten Gespräche verlaufen belanglos, indem bloss Vermutungen und Vorstellung reproduziert werden. Außer wenn sie etwas Neues darstellen. zum Beispiel das erste Mal, jemanden zu begegnen, oder zum ersten Mal ein Muster zu brechen.  Oder in dem nichts Außergewöhnliches  etwas Liebvollste zu erkennen?
Als ich wieder im Büro an der Xinsheng (das neue Leben) nanlu – das Atongs Buero eintrat, bekam ich eine Tasse seltenem Geschmack. „was kann wohl das sein?“ fragte ich so hilfslos. Atong sagte, dass er mir ein Kyosaku ( ein Zenschlag) mit einem Kochlöffel geben sollte. Die anderen gringsten. Ein Jungfrau Wuyi, sagten sie. Diese Jungfrau Wuyi aus den ersten Schnitt der jung Wuyi- Busch. Jungfräulichkeit? Ich schmecke hinter dieser Roestung die Vieldeutigkeit und die Möglichkeit dieses Tees und entschied die ganze Partie zu kaufen und zu lagern. Aber es gibt auch noch ein „Jungmann-Jinxuan“ verraten die Anwesenden.
Wenn unsere Mutter nicht krank wäre, wäre ich nicht auf der Insel. Wenn sie nicht krank wäre, hätten wir alle in dieser Familie das Leben so bequem wie möglich weiter geführt. Und ich als eine abwesende Tochter zugleich eine abwesende Schwester hätte so weiter fehlen können. 
In den Tagen hatte ich nie eine gute Nacht. Alle sind beschäftigt, Männer arbeiten wie gewöhnt weiter und Frauen konzentrieren sich um die Kranke Mutter. Nicht dass mein Herz kalt ist, aber ich fühlte mich in solche Rolle recht absurd. Vier Menschen drehen sich jeden Tag um eine Person. Liebe ist keine Verlust der eigenen Identität. Obwohl ich zu Hause war, waren wir nur nebenaneinder da.
Natürlich habe ich diesen Jinxuan nicht erkannt. Frühlingshaft! Blumenwiese pur. Geschmückt mit dem frischen Tau. Ich hätte das Gefühl ich sähe ein Gletscher unter der zarten Sonnenschein, und neben diesem Eis blühen gerade die ersten Krokusse! Das Bild versetzte mich in einer gefährlichen Abenteuer in einem Frühling als wir geirrt zwischen Schneedecke und zerstörten Wanderwege fast verloren gingen. Ich gab einfach nicht auf, glaubte an einen Ausweg, der Weg das Eis bricht. Dort zwischen schmelzenden Schneedecken blühten die schönsten Krokussen meines Lebens.
Unser alte Vater fuhr mich zum Flughafen. In seinem alten großen Mercedes sagte er, dass er seit dem Tag dieses Auto nur noch ganz selten fuhr. Wir brachen in der Dunkelheit auf. Ich vergaß meinen Scluessel. Wir kehrten noch einmal zurück. Ich vergaß wieder mein iPad, wir kehrten zum zweiten Mal. Dann fing er an mich zu schimpfen und zweifelte daran, wie ich überhaupt allein überlebe. Dann schwiegen wir. Die Autobahn schien unendlich lang zu sein. Eine Ruhe, ein Brise glückliches Gefühl und das ganz einfache Zusammensein füllten den Raum. Er begann irgendwann über seine Sorgen zu erzählen, über jedes Familienmitglied. Das Leben ist so vergänglich, weinte er fast. Ich bat ihm nicht über Zukunft zu denken. Das Denken an Zukunft macht uns immer Angst. Step bei Step gehen wir immer weiter. 
Er machte sich Sorgen wegen meinem Gepäck und insistierte unbedingt noch zu warten. Dann wollte ich plötzlich etwas tun damit die wenige Momenten, inden ich mit dem Vater allein waren, noch länger werden können. Wir liefen auf den falschen Pfad und landeten plötzlich bei Burgerking. Als es mir klar wurde, dass es spät für seinen Augen sein könnte, war es schon spät. Wir liefen zu Passkontrolle.  An diesen Ort standen immer meine ganze Familie seit 20 Jahren um Abschied von mir zu nehmen. Ich drehte mich um, aber nicht wirklich. Er lief paar Schritte weiter und stand dort, wo er schon immer stand – früher mit meiner Mutter und winkte zu mir – wie er es immer tut.

Der Dianhong

Ich leide unter Jetleg.
Gegen 15 Uhr war ich erst bei Atong.
Atong, unser Teelehrer erzählte mir von einem Schwiegersohn Taiwans, der gegen Mittag kam und eine kleine Tüte von Dianghong brachte. Ein junger Deutschen sagte er. Ich weiß nicht wer es war.
Dieser Dianhong haben wir gleich desgustiert. Dieser Tee ist nicht mehr ganz frisch und zu feucht. Aber man erkennt an ihn den typischen Charakter des roten Tees und Dianhongs – anders als viele andere trendy Dianhong oder Ganz teueren roten Tee!

Im Flug

Von der Tradition nicht abgesichert und von Option überfordert stieg ich als ein schwaches Subjekt wackelig und wehmütig ins Flugzeug.
Ich fliege sehr gerne und fühle mich von einer Welle treiben ins weiten Ozean.  Als Mädchen nahm unser Vater uns gerne mit aufs Auslandsreise, es war immer die Erinnerung wo Vater bloß Vater war.
Freundin Sara, eine Jungche Psychologin vergleicht mich gerne als die Herrin von dem Film New Dragon Inn (1992). Ein Herberge Mitte in der Wüste angrenzend zur Mongolei. So eine Frau kann auch nur an der Grenze leben, genau so wie ich unter den Fremden. Vielleicht ist die Geldstadt Zürich tatsächlich nicht anders als Wüste. Und Shui Tang lebt tatsächlich überwiegend von großzügigen männlichen Publikum. Und Tee war bis vor letzten Jahrhundert eigentlich eine sehr männliche Welt. Schon als Kind fühlte ich mich nie heimlich in dieser männlich dominierten Tradition und lehnt das Karma ab als ein weibliches Subjekt und wusste nicht dass das Karma abzulehnen gar dagegen zu kämpfen auch eine Übertragung eines weiblichen Karmas. Letztes Jahr wollte man mich vorschlagen eine Auszeichnung zu erhalten, denn ich unter den Fremden für unsere Kultur plaediere. Eine Ehre für meine Person, eine Ironie für mein weibliches Ego.
Der weg zu dem früheren Ich, die Schritte zur Vergangenheit führen mich immer wieder zu dem großen dunklen Haus, wo meine Familie seit Generationen lebten und nicht mehr existiert. Ich erinnere mich an die Frauen die das Haus regierten, die alles unverdaut in ihren Rucksack auf dem Rücken steckten. Männer brachten das Geld heim, aber sind den weiblichen Kriegen ausgeliefert. Kriege fuehrt man aus Mangel. Das sollte nicht mein Leben sein, aber was könnte aus mir werden? 
„Hattest du ein weibliches Vorbild als Du jung warst?“ ich schüttelte meinen Kopf, normalerweise wäre es die Mutter. Ich wollte wie ein Mann leben. Sara hat ihre älteren Frauenvorbilder, als sie merkte aelter zu werden. Zum Beispiel Pina Bausch. Ich schüttelte wieder meinen Kopf. „Dann ist es vielleicht die Zeit.“ die Worte sind wie Blitz. Es blitzte in meinem Kopf während das Fluhzeug über Ozean flog Richtung zu Mutter.

Uebung der Wiederholung

Ein Abendtraum – es muss wohl alles
eine Illusion gewesen sein;
Nicht einmal einen Teil dessen, was ich sah,
kann ich erklären.
Und doch schien mir im Traum, als ob die Wahrheit direkt vor meinen Augen läge.
Heute morgen, wach – ist das nicht derselbe Traum?
Ryokan 1758 -1831 Zen-Wandermönch

Als ich zum allen ersten Mal zu der Yoga Stunde ging, fragte die Lehrerin nach der Stunde, wie lange ich es bereits praktiziere. Ich sagte, noch nie. Sie war verwundert. Das gleiche Gesicht zeigte auch einmal meine Bauchtanzlehrerin. Ich kannte keine Erklärung.
Sport hat mich noch nie interessiert. Mein Körper ist starr und mein Geist ist faul, aber das Denken ist immer on. Jede Stunde in Yoga kämpfe ich gegen mich selbst genau wie ich in jeder Stunde des Teeunterrichts gegen mich selbst kämpfte. Ich vergass immer die Abläufe, merkte nicht die Feinheiten der einzelnen Bewegung und spotte den Fleiss, was man unbedingt einbringen muss auf den Weg.
Es sind immer Wiederholungen. Ich wiederhole immer die gleichen Abläufe der Bewegung, immer die gleiche Art der Handlungen und immer denselben Muster des Kampfs. Diese Wiederholung sollte mich auf einen Punkt bringen, dass ich es einmal anders machen kann… Vielleicht anders als besser, weil ich nicht mehr gegen mich selbst kämpfen muss? Nur anders und nicht besser.
Mein Leben ist wie ein Ameisen. Ein Ameisen sucht immer nach dem Süssen des Lebens. Das ist nicht das Problem eines Ameisens. Das Problem ist, dass ein Ameisen immer eine Strasse baut, die genau eine Linie ist zwischen Nahrung und seinem Nest. Immer demselben, immer dieselbe und immer dasselbe.
Sehr langsam wurde es nicht mehr so mühsam für mich die gleichen Abläufe zu tätigen. Mein Geist schimpft nicht mehr so über die toten Teemeister, was sie alles erfunden haben. Sehr allmählich sitzen die Bewegung in meinem Körper und ich kämpfe nicht mehr so gegen meinen Fehler und der Wünsch, zu denken verschwam. Der Körper wiederholt die Bewegung und mein Geist ist im Off-Modus. Plötzlich merke ich wie der Ryhtmus meines Körpers mich selbst ausdrückt. Mein Herz gibt dem Rythmus an, genau wie es schon immer schlägt. Dieser Rythmus stosst auf den Rythmus des anderen und von dort aus entsteht ein gemeinsamer Rythmus. Unser gemeinsamer Rythmus antwortet wohl auf den, der von weiten her kommt – vom Meer.
Das Herz gibt vor.
Irgendwann realierte ich in Yoga, wie mein Körper anders dreht. Plötzlich bewegen sich meine Aermer anders. Mein Körper kommuniziert mit mir, ich denke nicht, was ich jetzt schaffe, sondern realisiere einfach, dass es sich anders bewegt. Anders in dieser Wiederholung.
In der Wiederholung sturzen wir gleich in einem wiederholten Muster. Auch in dieser Wiederholung bekommen wir eine Chance, es anders zu machen.
Heisst diese Wiederholung nicht etwa wie Karma?
Heisst diese Chance es anders zu macen, nicht etwas wie Hoffnung?
Alle Wege führen nach Rom. Teeweg ist nicht anders als der Weg des Tänzers oder Yogis.
Ich beoachtete die Ameisenstrasse im Garten hinter Shuitang, genau wie ich ein Kind war. In dem grossen dunklen Haus, wo ich aufgewachsen bin, sah ich die gleichen Strassen von Ameisen. Die Ameisen täten immer das Gleiche, und ich?
Ich sass am Sonntag bei Ulrich im Teeraum und machte die Uebung Shiki (Tee im Schnee) zum ersten Mal. Ich werde noch paar Male wiederholen, bis mein Körper es gelernt hat, es anders zu machen – jedes Mal anders.
In jeder Wiederholung begegne ich den alten toten Meister, der die gleichen Wiederholung taten wie ich es tue. Das ist das Karma. Der Raum hat uns getrennt, aber die Zeit nicht. In dieser Wiederholung teilen wir die gleichen Möglichkeit, unseren Tee mit unseren Herzen selbst zu füllen.
Ganz sicher ist es auch, dass es paar Male gleiche Geschichten sich wiederholen bis ich diese Wiederholung in der Wiederholung als Karma verstehe und mich endlich entscheide, es anders zu machen. Ich weiss, dass es anders sein kann.

http://teeseminar.blogspot.com/2012/04/ubung.html#more

Der Sternhimmel

Tianmu (Tenmuku) 天目 Teeschale geniesst seinen Ruhm seit 12 Jahrhundert. Diese Glasur sollte dem Betrachter das Bild vom Sternhimmel vermitteln. Im Kloster der Songdynastie wurden diesen Teeschalen verwendet, den Mönchen zu helfen, die Grenze von Zeit und Raum zu überwinden. Dies verstand ich nie. Meine Art diese Sache zu verstehen war durch das Konsum, ich sammele Schalen.
Vor einem Jahr beginne ich Yoga neben Shui Tang zu praktizieren, nur weil meine Freundinnen zu dieser Lehrerin gehen. Für mich war es egal, ich wollte nur kein Qigong oder Taiji machen. Ungefähr im November letztes Jahres am Ende von der Stunde, als wir allen auf dem Boden ruhten, schlief ich fast ein. Dann ist etwas Merkwürdiges passiert. Plötzlich war ich im Sternhimmel und die Sterne waren greifbar nah – beziehungsweise wollte ich ja gar nicht Sterne greifen – ich war einfach glücklich. Die Zeit und der Raum schienen keine Rolle mehr zu spielen. Es war ein sehr sehr kurzes Moment, in dem der Sternhimmel und ich ineinander verschmelzten. Auf einmal verstand ich Tianmu Chawan (Teeschale von Tianmu Glasur). Auf einmal verstand ich den Sternhimmel in meinem Herzen zu erleben, nicht mehr im Aussen.
Jeder von uns hat den Sternhimmel im Herzen. Es ist allerdings so, dass wir es nicht wissen, nicht sehen und nicht wahrhaben wollen. Manchmal denke ich, wenn wir wissen würden, wie reich und vielfältig unser Schatzkammer ist, wenn wir mit diesem Reichtum die aussere Welt gestalten würde – nicht nur im Denken und im Kalkül kreisen würden, wären wir mit uns selbst einheitlich und das Reichtum genau in der materialen Welt erleben! Das Armut ist kein Tugend!
Abin kenne ich seit fast einem Jahr. Ein junger Mann aus Süden Taiwans, hat Träume und kommt in die Schweiz, um seine Träume zu verwirklichen. Er lernt seine Kochkunst durch den bescheidene Familiebetrieb und wollte unbedingt die westliche Küche lernen und sich verwirklichen. Tapfer, fleissig und stark. Abin erzählte mir von seinem Traum. Aber er hat ein Komplex, weil er keine besondere Bildung hat, weil sein Vater kein Vorbild ist.
Eine Chance ist „zufällig“ auf seinem Schoss gefallen. Ein sehr gutes Hotel (vielleicht das beste in Zürich) durch unsere Zusammenarbeit fragte mich nach einem jungen asiatischen Koch. Als er zum ersten Mal zur Vortsellung ging, schrieb er mir, dass er kotzen wollte – er hat Angst. Nach der gelungen Vorstellung sagte er mir, „Schwester, weiss Du, all diese Leute haben Krawatten an!“ Und? Meldet sich nun sein Komplex zur Wort? „Abin, das ist Deine Welt in der Zukunft.“
Er hat Zweifel. Er hat Angst. Wer steht in seinem Weg? Sein Komplex.
Wer kennt das nicht? Wer hat kein Komplex? Wir unterstellen immer anderen Menschen, was sie über uns denken – zwar negativ. Anstatt anderen Menschen eine Chance zu geben, uns direkt mitzuteilen, kreiieren wir eine Katastrophe im Kopf.
Wenn Chance kommt, ist man tatsächlich auch bereit?
Der Sternhimmel ist greifbar nah – immer – wenn wir es wollen.
Ich verstehe es nur zu gut. Weil ich nicht mit meinem Angst und Zweifel kommunizieren will, stecke ich in einem negativen Spiral. Genau weil ich die Chance nicht bejahen kann, passieren gerade Dinge, die mich richtig behindern und die als Ausrede nun verfügen.
Als Michel noch lebte, redet er oft über Phänomenen von Unfällen und Tragödie. Seine Lieblingsgespräch waren über Börse und den Erfolg vom Amstrong (Radfrofi von Frankreich). Er mahnte uns immer, die Samen des Geistes zu erkennen, anstatt Phänomenen zu kreiieren und verfolgt zu werden.
Das zweite Vorstellungsgespräch von ihm wurde wegen plötzlichen Ereignis sehr ungünstig verzögert. Als ich es hörte, war ich sehr traurig. Wer von uns kennt keine negative Spiral des Gedankens? Und wo fängt unsere Welt tatsächlich an? Von Samen unseres Denkens!
Wenn unser Muster von Gedanke und von Gewöhnheit gesteuertes Verhalten immer bewusst werden und verändert werden, erleben wir den Geschmack der Freiheit – die Zeit und der Raum können uns nicht mehr begrenzen, der Sternhimmel ist im Hier und Jetzt. Angst und Zweifel bekommen keine Bedeutung, weil wir nicht mehr an Zukunft und Vergangenheit denken. Ich lebe jetzt und will meine Welt nach meinem Herzen gestalten.
Ich wünsche, ich könnte ihm eine Tenmuku Schale schenken. Ich wünsche, dass er weiss – der Sternhimmel ist immer in ihm – er muss es nur bejahen!

Ziehende Wolken

Ich beschreibe Tee intuitiv.
Ich nehme Menschen intuitiv wahr.

Wie beschreibe ich Sencha? Ich lass mich intuitiv von dem Duft verführen.

Flora und Blaka, zwei zarten schöne Blumen aus Taiwan und freuen sich mit mir die Welt des Düftes kennen zu lernen. In ihrer Welt ist es klar und heiter und träumen von duftenden Blumenwiese.

Meine Mutter war streng und warf mir oft vor, dass meine Schrifte hässlich sind. Wer keinen Pinsel richtig beherrscht, beherrscht nicht einmal sich selbst. Ich lernte mit grossen Mühe mit dem zu grossen Pinsel Striche für Sriche dem grossen Kalligraphen nachahmen. Es war zuerst Hass. Heute verstand ich es als eine Lebenshaltung. Das Leben steht aus Strichen zu Strichen. Wenn ein Strich nicht ganz gerade ist, korrigiert man einfach immer ein bisschen, immer nur ein bisschen bis die Strichen wieder gerade werden. Die schönesten Kalligraphie sind nie perfekte Vorlage, sondern Ausdrücke von vielen schrägen Strichen.
Das erste Striche, das ich lernte war, das Horizontale „______“. Es war ein Ausdruck vom fliessenden ziehenden Wolken.
Den Duft des Senchas beschreibe ich gerne als der wolkenfreien Himmel – klärend, frisch und blau. Es war mir nie sympatisch. Der klare Himmel ist ausser hell und sonnig, was sonst? Nur als Schülerin freute ich mich, wenn wir Ausflüge hatten. Aber heute?
Unklar, unsauber und ambivalent wird das Leben für eine erwachsene Frau.
Den zwei jungen schönen Mädchen erzählte ich von Düfte, die nicht nur schön und erhellend duften, sondern auch die Tiefe eines Menschen eindringen. Ich vertrage deswegen kein Parfum an meinem Körper. Sie staunten mit grossen Augen. Die Vielschichtigkeit des Lebens wird genau von den Düfte widerspiegelt, wenn der Parfümer seinen Abgrund gut kennt.
Wenn Wolken von Wind verführt werden, wenn Wolken ziehen, ziehen sie in grossen Linien. Diese grossen Linie, die eigentlich endlos weiter verlaufen kann, erweitert unser Dasein. Der Raum kann unseren Körper begrenzen, aber die Zeit nicht. Ich übte als Kind Striche für Striche, ziehe weiter und weiter bis hier her. Das Ziehen vom Wolken geschieht oft langsam. Der Himmel wird plötzlich wie eine Sumie. Wenn das Papier und Pinsel übereinander einstimmen, dann entstehen leicht verschwommene Wasserflecken. Das Wasserflecken ziehen dem Strichen entlang wie die ziehenden Wolken. Es ist wie das Patina an einem Wand, erklärte man mir. Das Patina ist nie sauber und klar, aber wahrhaftig. Es sind Spuren in unserem Leben.

Es war einmal im Mai, ich erinnere mich an ein Gespräch mit Hubert, als wir uns über die Düfte der Städte unterhielten. Ich erzählte meinen jungen Freundinnen, dass eine Stadt auch einen Duft hat und dass der Duft uns in eine unbekannte Welt zieht!

Ein passende MusikStücke habe ich sogar zur Hand:
http://www.youtube.com/watch?v=BkoprPo2Zpk&feature=related

Der ewige Frühling, Sijichun

Reinhard erzählte mir von seinem neuen Plan, dass er bei seinem nächsten Heimreise einmal seine ganz kleine Tochter auf seinen Schulter auf dem Hügel gehen wollte, wo sein Grossvater ruht. Eigentlich sind wir beide sehr müde, aber wir arbeiten zu gerne und trafen sich noch am Freitagabend zur Arbeitsitzung. Als er mir von diesem Hügel erzählte, sah sein Gesicht einmal anders. Es sei Frieden, sagte er, was er mit seinem Grossvater auf diesen Hügel erlebte. Diesen Frieden bewahrt er sorgfältig in einem kleinen Ecke seines geheimen Garten und gibt ihm unter den Fremden viel Kraft. Und er möchte alleine mit seiner Tochter in diesem Frieden verweilen.
Ich nickte meinen Kopf. Was ist denn das schönste des Zusammenseins? Plaudern, Lachen oder flirten? Ich weiss es nicht. Ich erinnere mich an die Zeit, als ich intensiv Michel (mein verstorbener Zenlehrer) assisterte und ihn vor seinem Tod pflegte. Auch er erzählte mir von den ruhigen Momente als er als Kind neben seinem Grossvater in den Walliser Bergen sass und einfach gemeinsam den Sonneuntergang betrachteten. Es war die schönen Momenten seines Lebens. Ich erinnere mich an Sesshins, an seinem kranken Bett und an unser Spaziergänge. Oft sprachen wir nicht und waren einfach zusammen. In diesem freien geschwiegendem Moment, wo Sprechen selbstverständlich überflüssig wurde, hatte ich das Gefühl, angekommen zu sein. Ich begleitete meinen Lehrer auf seinen Weg zum Tod und ohne etwas zu erwarten. Er starb in dem Frühling vor drei Jahren.
Heute sollten wir Sijichun – der ewige Frühling degustieren.
Sijichun, ein schöner blendenden moderner Oolong. Berauschender Duft nach dem frühlingshaften Maiglöckchen und so markant wie Honig schmeckendes Süsse kennzeichnen seinen Charakter. Diese Eigenschaft macht ihm populär. Wer hätte nicht gerne duftende Blumen und süsses Lächeln?
Zwei Muster wurden vorbereitet. Eins ist recht grün, das andere stärker fermentiert. Der grüne Sijichun, erzeugt unter klimatische Bedingung – niederiges Temperatur, lange Fermentation und Welkenszeit. Frisch, blumig und charmant. Süss wie Marzipan – dicht und intensiv. Er gefielt sofort.
Das andere eindeutig eher traditionell orientierte Muster zeigt mir einen sehr klaren Geschmack, nektarsüss ohne gefällig zu sein. Präsent und zugleich zurückhaltend. Im Mund schmeckte ich unter dem süssen Neklar eine sehr klare Botschaft dieses Tees: in einer sehr kalten Nacht erzeugten Schönheit – distanziert, elegant und schön. Sie hat vieles erlebt und durchgemacht – sie spricht für sich selbst.
Er gefielt auf Anhieb nicht. Für wem ist es denn wichtig?
Ich hatte keinen Zugang zu meinem Grossvater, als er lebte. Für mich war er ein Trottel, der nicht einmal für sein Besitz kämpfte und in der Vergangenheit lebte. Sein Geschmack und der Geschmack von traditionellem Tie Guanyin sind so identisch: alt, fremd und verbraucht. So ein Tie Guanyin ist gerade ein Gegenteil von diesem grünen Sijichun. In meiner Erinnerung sass er immer alleine im dunklen Raum und trank im Schweigen seinen Tie Guanyin. Zu seiner Lebzeit waren wir zwei Fremden in einem Raum. Sein Tod hat mein Leben entscheidend in einer anderen Richtung bewegt. Für ihn war das Nutzlose im Leben das schönste. Für mich war das Leben ein Kampf meiner eigenen Identität. Durch meinen Teeweg komme ich wie geplant näher zu ihm, auch wenn er schon lange vergangen ist. Der Raum hat uns begrenzt, aber die Zeit nicht. Es sieht irgendwie so aus, als wir das Karma reparieren könnten. Ich verehre diesen Tie Guanyin wie ich meinen Grossvater andenke. Es ist ein Tee, der dem moderne Trend nicht entspricht, der altmodisch und selbsttreu ist, und der bleibt.
Tee ist nutzlos. Er gibt nich einmal Kalorien. Wozu trinken wir ihn? Gerade weil er nutzlos ist? Wenn der Frühling ankommt, freue ich mich auf einen einfachen Sijichun. In seinem klaren Aufguss wie Neklar enthält eine Prise Kühle, wie der frische Wind.

Karma

Mit Freunden ging ich zu einem Vortrag von dem Autor “ The Diamond Cutter“
Geshe Michael Roach war da, als ich kam. Alex wartete an der Strasse, ich grüsste ihn und sah im Augenwinkel Roach mich grüssen. Ich lächelte und ganz natürlich ging ich zu ihm – warum nicht? Dann erzählte ich ihm, dass meine Mutter mir vor drei Jahren das Buch schenkte, weil ich ein Geschäft in Zürich eröffnete. Meine Mutter kaufte mehrere seine Bücher und verschenkte Menschen weiter. Er hätte gerne meine Mutter kennen gelernt, sagte er. Irgendwie lächelten wir uns an und dann fragte er mich, ob ich Diamond Sutra nicht kenne? Ja, klar. Ich rezitiere es immer wieder. Dann fingen wir an an der Urania-Strasse mitten in Zürich das Herzsutra in Chinesisch zu rezitieren. Wir lachten.
Es war ein Karma, nicht wahr? Weshalb begegneten wir in Zürich und fingen an Sutra zu singen? Ich erzählte Yvonne von Sutrasingen, sie staunte, dass ich einfach so mit ihm sprach. Es ist Karma.
Roach sprach von Samen des Karmas. Für ihn ist Erfolg und Glück kein Zufall. Es ist Karma – wir ernten das, was wir säen.
Karma hat so ein komisches Touch in der heutigen Zeit. Man glaubt, das sei etwas esoterisches. Etwas, was von Anfang an bestimmt ist.
Aber Roach versuchte uns klar zu machen, dass Karma eben im Hier und Jetzt verändert werden kann!
Ich bin nicht so begeistert von seiner Idee, Menschen zu erfolgreichen Menschen zu helfen. Für mich ist der Erfolg ein natürlicher Vorgang, wenn wir die richtige Dinge aus unserem Herzen tun. Erfolge haben ist schön, aber nicht absolut im Leben.
Als meine Mutter krank wurde, hörte ich die meisten absurdesten Kommentare am kranken Bett: „Wie kann so etwas passieren bei Dir? Du bist so ein guter Mensch!“ “ Wie kannst Du so ein Karma haben! Was hast Du getan?“ Ich wurde immer wütend und flüsterte zu meiner Mutter, egal ob sie mich hörte: „Mami, Du hast kein Probleme, Du bist in Ordnung. Auch ein guter Mensch wird krank. Du hast gutes Karma, deswegen wirst Du wieder gesund!“
Ich haben Vertrauen in das, was geschieht. In jedem Moment des Leben können wir uns anders entscheiden. In jedem Moment auf den Weg werden wir vor neuen Situation gestellt, um zu vergewissern, wohin nun. Karma, ist wohl ein Verständnis einer Ordnung, um zu wissen, dass die Dinge sich zum Guten wenden können – wenn wir es wirklich wollen!

Geshe Michael Roach ist am 01.& 02. Juli wieder in Zürich. Ein Glück für die Schweiz.

Karmic Management: What Goes Around Comes Around in Your Business and Your Life [Hardcover]
Geshe Michael Roach (Author), Lama Christie McNally (Author), Michael Gordon (Author)