Der Sternhimmel

Tianmu (Tenmuku) 天目 Teeschale geniesst seinen Ruhm seit 12 Jahrhundert. Diese Glasur sollte dem Betrachter das Bild vom Sternhimmel vermitteln. Im Kloster der Songdynastie wurden diesen Teeschalen verwendet, den Mönchen zu helfen, die Grenze von Zeit und Raum zu überwinden. Dies verstand ich nie. Meine Art diese Sache zu verstehen war durch das Konsum, ich sammele Schalen.
Vor einem Jahr beginne ich Yoga neben Shui Tang zu praktizieren, nur weil meine Freundinnen zu dieser Lehrerin gehen. Für mich war es egal, ich wollte nur kein Qigong oder Taiji machen. Ungefähr im November letztes Jahres am Ende von der Stunde, als wir allen auf dem Boden ruhten, schlief ich fast ein. Dann ist etwas Merkwürdiges passiert. Plötzlich war ich im Sternhimmel und die Sterne waren greifbar nah – beziehungsweise wollte ich ja gar nicht Sterne greifen – ich war einfach glücklich. Die Zeit und der Raum schienen keine Rolle mehr zu spielen. Es war ein sehr sehr kurzes Moment, in dem der Sternhimmel und ich ineinander verschmelzten. Auf einmal verstand ich Tianmu Chawan (Teeschale von Tianmu Glasur). Auf einmal verstand ich den Sternhimmel in meinem Herzen zu erleben, nicht mehr im Aussen.
Jeder von uns hat den Sternhimmel im Herzen. Es ist allerdings so, dass wir es nicht wissen, nicht sehen und nicht wahrhaben wollen. Manchmal denke ich, wenn wir wissen würden, wie reich und vielfältig unser Schatzkammer ist, wenn wir mit diesem Reichtum die aussere Welt gestalten würde – nicht nur im Denken und im Kalkül kreisen würden, wären wir mit uns selbst einheitlich und das Reichtum genau in der materialen Welt erleben! Das Armut ist kein Tugend!
Abin kenne ich seit fast einem Jahr. Ein junger Mann aus Süden Taiwans, hat Träume und kommt in die Schweiz, um seine Träume zu verwirklichen. Er lernt seine Kochkunst durch den bescheidene Familiebetrieb und wollte unbedingt die westliche Küche lernen und sich verwirklichen. Tapfer, fleissig und stark. Abin erzählte mir von seinem Traum. Aber er hat ein Komplex, weil er keine besondere Bildung hat, weil sein Vater kein Vorbild ist.
Eine Chance ist „zufällig“ auf seinem Schoss gefallen. Ein sehr gutes Hotel (vielleicht das beste in Zürich) durch unsere Zusammenarbeit fragte mich nach einem jungen asiatischen Koch. Als er zum ersten Mal zur Vortsellung ging, schrieb er mir, dass er kotzen wollte – er hat Angst. Nach der gelungen Vorstellung sagte er mir, „Schwester, weiss Du, all diese Leute haben Krawatten an!“ Und? Meldet sich nun sein Komplex zur Wort? „Abin, das ist Deine Welt in der Zukunft.“
Er hat Zweifel. Er hat Angst. Wer steht in seinem Weg? Sein Komplex.
Wer kennt das nicht? Wer hat kein Komplex? Wir unterstellen immer anderen Menschen, was sie über uns denken – zwar negativ. Anstatt anderen Menschen eine Chance zu geben, uns direkt mitzuteilen, kreiieren wir eine Katastrophe im Kopf.
Wenn Chance kommt, ist man tatsächlich auch bereit?
Der Sternhimmel ist greifbar nah – immer – wenn wir es wollen.
Ich verstehe es nur zu gut. Weil ich nicht mit meinem Angst und Zweifel kommunizieren will, stecke ich in einem negativen Spiral. Genau weil ich die Chance nicht bejahen kann, passieren gerade Dinge, die mich richtig behindern und die als Ausrede nun verfügen.
Als Michel noch lebte, redet er oft über Phänomenen von Unfällen und Tragödie. Seine Lieblingsgespräch waren über Börse und den Erfolg vom Amstrong (Radfrofi von Frankreich). Er mahnte uns immer, die Samen des Geistes zu erkennen, anstatt Phänomenen zu kreiieren und verfolgt zu werden.
Das zweite Vorstellungsgespräch von ihm wurde wegen plötzlichen Ereignis sehr ungünstig verzögert. Als ich es hörte, war ich sehr traurig. Wer von uns kennt keine negative Spiral des Gedankens? Und wo fängt unsere Welt tatsächlich an? Von Samen unseres Denkens!
Wenn unser Muster von Gedanke und von Gewöhnheit gesteuertes Verhalten immer bewusst werden und verändert werden, erleben wir den Geschmack der Freiheit – die Zeit und der Raum können uns nicht mehr begrenzen, der Sternhimmel ist im Hier und Jetzt. Angst und Zweifel bekommen keine Bedeutung, weil wir nicht mehr an Zukunft und Vergangenheit denken. Ich lebe jetzt und will meine Welt nach meinem Herzen gestalten.
Ich wünsche, ich könnte ihm eine Tenmuku Schale schenken. Ich wünsche, dass er weiss – der Sternhimmel ist immer in ihm – er muss es nur bejahen!

4 Gedanken zu „Der Sternhimmel

  1. Stephane

    Diesen (und die meisten) Artikel finde ich sehr schön und voller Inspiration. Du hast eine Gabe Dein Herzen voll auszusprechen! Also wünsche ich Dir viel Glück und geschmeidige Tees in diesem Frühling. Die letzten Tage waren in Taiwan fantastisch für die Ernten: Sonne ohne Hitze und eine sehr trockene Luft. Fast wie in Europa!
    Danke für Deinen Blog.

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  2. Tom

    Hallo Menglin,

    Danke für Deine Worte! Klar, greifbar und doch manchmal so weit weg – wie der Sternenhimmel auch sein kann.

    Tom

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    Antwort
  3. Christoph

    Liebe Menglin,

    du hast hier wieder einen wunderschönen Betrag auf deinen Blog gestellt.
    Und mit dem was du schreibst absolut recht. Viele Jahre wusste auch ich nicht was ich tun soll.
    Habe meine Zeit in einer dunklen Spirale des Karma, wie du es vielleicht nenne würdest zugebracht.

    Aber im Rückblick fällt mir einiges ein. Als Schüler vor vielen Jahren wollte ich Zeichnen können, Bilder mit Bleistift, von Landschaften und anderen Dingen, nach einer Zeit konnte ich es.
    Heute ist es ganz ähnlich – ich will ein Buch schreiben und nach ein paar Versuchen klappt es auch.

    Ich wollte mich von deinem Beitrag inspirieren lassen, ein Gedicht dazu schreiben. Als ich mein Notizbuch aufschlug viel mein Blick auf die letzte Seite die ich beschrieben hatte. Nach langem überlegen hatte ich das Gedicht „Meisterlied“ genannt. Seltsamen ist das ich es genau einen Tag vor deinen Beitrag schrieb – und es doch genau dazu passt.

    Meisterlied

    Lass die Welt in Trümmer fallen,
    Reise durch den Raum, die Zeit.
    Sterne leuchten dir vom Himmel,
    Wie Träume aus Unendlichkeit.

    Sieh alles Leben, alles Streben,
    Alles Denken, aller Sinn,
    Ist wie Nebeldunst am Morgen,
    Bei leichtem, warmen Frühlingswind.

    Von den Bergen, bis zum Meer,
    Trinkt mein Lachen, trinkt mein Weinen.
    Kein Wort kann je die Wahrheit treffen.
    Dennoch ist’s in jedem Einen.

    Was ich für echt und stark gehalten,
    Zerfällt zur Wahrheit ohne Sinn.
    Und lachend steh ich in dem Reigen,
    Derer, die ohne Grenzen sind.

    27.03.2012

    *

    Die Sterne sind immer greifbar nah!…

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