Archiv der Kategorie: Gongfu Cha (Kungfu Cha) 工夫茶

Fragen zur Gongfu Cha II

Ich bin sehr beeindrückt von den ernsthaften Fragen des Teefreunds aus dem hohen Norden.

1. Die traditionelle Gongfu Cha wurde in dem Gegend von Fujian und Chaozhou praktiziert. Insofern ist es ein Kult des Oolongs. 

Heute praktiziert man diese Zubereitungsart ebenfalls mit Grüntee (in Glaskanne oder Gaiwan) und mit Pu Er (Zisha).

2. Dass das hohe schmale Duftglas nur für Tie Guanyin verwendet wird und nur beim 1. Aufguss, ist mir unbekannt. Aber mein Wissen ist auch spärlich.

3. Sollte man tatsächlich eine Kanne nur für eine Sorte Tee reservieren?

Wenn man sich das leisten kann, warum nicht?

Ich mache fast alle Oolongs in einer gleichen Yixing-Kannen. Den Pu Er nehme ich allerdings eine andere. Mit mener Jadekanne bin ich bestens zufrieden. Pu Er, Oolong kommen gut miteinander klar in dieser Kanne.

Sorry, ich mache daraus kein Geheimnis. Ich sehe keinen Grund, warum man sooo viele verschiedene Teekanne braucht, außer man sei süchtig – wie ich. Ich sammele gerne Teekanne, aber nicht wegen Tee, sondern wegen meiner „Sucht“.

4. Man kann Tie Guanyin in allen Kanne zubereiten, vorausgesetzt: der Tee ist gut. Tee passt situativ in unserem Alltag wunderbar an. Man kann Tie Guanyin in der Schale, in der Glaskanne oder in Tonkanne zubereiten. Wer sollte mir denn vorschreiben, was richtig sein sollte?

Auf anderer Ebene passt eine Yixing-Kanne gut zum einem guten Tie Guanyin, der hohen Temperatur verträgt. Andererseits schmeckt ein schöner Tie Guanyin in Porzellan ausgesprochen elegant und duftend. Die Unterschiede festzustellen gehört der Kunst des Tees. Entdeckung, Freude und Genuss spielen dabei die wesentliche Rolle anstatt dem Gedanke von richtig oder falsch.

Der heutige grüne Tie Guanyin verträgt nicht mehr den hohen Temperatur. Insofern ist es fraglich, ob eine Yixing-kanne empfehlenswert ist.

Ich bereite Tie Guanyin sowohl in Ton, in Porzellan als auch in der Jadekanne.

5. Tie Guanyin braucht viel Platz in der Kanne. Nicht nur Tie Guanyin, sondern auch die gerollten Oolongsorten.

Mein Faustregel ist: den Boden der Teekanne mit Tee leicht bedecken. Je nach Sorte 1-3 Minuten ziehen lassen. Diese Menge reicht für 4-5 Aufgüsse.

Wenn Sie die Hälfte der Kanne füllen, dann freuen sich ihr Teehändler sehr.

Wenn die Teeblätter gar nicht entfalten, dann wissen Sie, wo Sie nicht mehr einkaufen sollen. Verkohlte Blätter entfalten sich nie. Solche Blätter werden von manchen europäischen Teehändler als Spezialität verstanden.

6. So original wie möglich Tie Guanyin zuzubreiten – das möchte ich auch können!

Ich bin kein Teemeister oder irgendein Guru. Ich könnte mit Ihnen nur meine Erfahrungen austauschen.

Als Romeo zu Besuch war, erzählte er mir von You Tube, wo er vieles über Gongfu Cha gesehen hat. You Tube ist kein Bildungsstätte!! Aber es liegt nicht an meinem Interesse hier zu verkunden, was richtig oder falsch ist, was original oder Fälschung sei sollte.

Tie Guanyin bereite ich so zu. Das Wichtigste ist dass mein Tie Guanyin selten der moderne grüne ungeröstet ist. Ich trinke überwiegend geröstete, gelagerte Tees. Gern habe ich den Aufguss intensiv und aromatisch. Nicht leicht oder mild.

Ich nehme eine Teekanne, sei es Porzellan oder Ton oder Jade – in unterschiedlicher Phase habe ich unterschiedliche Tick…  Den Boden der Teekanne leicht bedeckt. Wasser gleich nach dem Siedpunkt giesse ich die Kanne auf und gleich ab. Wenn die Teekanne warm ist, fülle ich den Tee. Dann geniesse ich den Duft, der aus der Kanne steigt. Anschliessend mit dem heißen Wasser aufgiessen. 1.10 Minuten ziehen lassen. (1 Minuten bei Muzha Tie Guanyin, Sie könnten ihn gerne um 10 Sekunde verlängern, wenn Sie noch kräftiger haben möchten). Je stärker der geröstet ist, desto kürzer.

Traditionell trank mein Großvater diesen Tee aus einem Porzellan-Becher mit Deckel…

Ich hoffe, meine Antwort war hilfsreich…

Fragen zur Gungfu Cha I

Liebe Frau Menglin-Chou

ich wenden mich heute an Sie mit ein paar Fragen zur Kung Fu-Teezeremonie. Ich selbst bin seit Jahren Tee-Enthusiast und erfreue mich immer wieder an dem wohltuenenden, reichen und komplexen Teegeschmack der Oolong-Tees. Damit sich der Tee voll und ganz entfalten kann, möchte ich in der Zubereitung alles richtig machen und gerne die traditionelle chinesische Vorgehensweise einhalten.

Hier meine Fragen hierzu:

  • Ist es richtig, dass zur traditionellen Kung Fu-Teezeremonie nur Oolong verwendet wird?

  • Ist es richtig, dass das hohe schmale Duftglas nur für Tie Guan Yin verwendet wird (und nur beim 1. Aufguss)?

  • Ich verwende eine echte Yixing-Kanne. Ich habe gehört, dass man nur den gleichen Tee in einer Kanne zubereiten soll, weil mit der Zeit die besondere Teeeigenschaften vom Ton aufgenommen werden. Wie ist das zu verstehen? Soll ich beispielsweise nur immer einen Dong Ding darin zubereiten, nicht aber mal einen Tie Guan Yin oder Da Hongpao (für diese Sorten ich dann zwei weitere Kannen benötigte)? Oder kann ich innerhalb der Oolongs mal den einen, mal den anderen darin zubereiten?

  • Kann man Tie Guan Yin auch in einer Yixing-Kanne zubereiten? Ist das (traditionell) üblich oder verwendet man dafür lieber einen Gaiwan (oder gar etwas ganz anderes)?

  • Tie Guan Yin benötigt beim Aufbrühen sehr viel Platz, um sich zu entfalten. Es heißt, dass bei der traditionellen Zubereitung mit einer Yixing-Kanne ziemlich viel Tee hinzugegeben werden soll (Kanne bis zur Hälfte gefüllt). Die Ziehzeit ist dann entsprechend kürzer. Meine Frage:

  • Wie mache ich das nun mit dem Tie Guan Yin? Ein Beispiel: Meine Kanne hat ein Fassungsvermögen von 150ml. Rechnerisch müssten 2 Gramm reichen, um einen schmackhaften Tee zu bekommen. Der Tee schmeckt so aber ziemlich schwach. Fülle ich die Kanne nun bis zur Hälfte (in diesem Falle ca 8 Gramm, können sich die Blätter garnicht entfalten und der Tee schmeckt auch nicht richtig…

  • Können Sie mir einen Tipp geben, wie ich Tie Guan Yin am besten nach der traditionellen chinesischen Weise zubereiten kann (Kanne/Menge/Wassertemperatur/Ziehzeit)? Ich möchte sehr gerne auf die traditionellen Aspekte Rücksicht nehmen, um es so “original” wie möglich zu machen


Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mir bei meinen Fragen helfen könnten und bedanke mich schon jetzt für Ihre Zeit und Mühe! Ich bin immer wieder fasziniert von den vielen spannenden Antworten, die Sie auf Ihrem Blog geben. Vielleicht wären diese Fragen auch für die übrigen Besucher lesenswert?

Mit besten Grüßen

Ch.

Frage zu Gongfu Cha

In dem letzten Seminar gab es immer wieder paar interessante Fragen.

Dirk fragte, mich, ob man den Tee Bi Luochun beim 1. Aufguss mit heißem Wasser spülen sollte. Denn dieser Tee wächst zwischen Obstbäume. Um den Geruch von anderen Bäumen zu vermeiden, sollte man diesen Tee bei der Zubereitung zuerst spülen. Ich war sehr erstaunt über diese Frage und konnte nur sagen, dass man selber ausprobieren sollte. Warum sollte der Duft von Obstbäume diesen Tee nach der Herstellung noch beeinflussen? Warum sollte das Spülen über diesen „schlechten“ Einfluss – wenn er tatsächlich gäbe, noch helfen können?

Wie sollte man denn das Wasser überhaupt in die Kanne eingiessen? Manche haben bereits in Bücher gelesen, dass man drei Male mit dem heißen Wasser in die Teekanne eingiessen – auf Chinesisch heißt es Fenghuang San Dian Tou (Phönix verbeugt sich drei Male, um Respekt vor Gäste zu zeigen.) Wasser in die Kanne einzugiessen sieht eigentlich einfach aus, aber um es elegant und präzise zu tätigen, ist eine Körper-Beherrschung erforderlich. Das Wasser sollte nciht aufspritzen, das Wasser sollte langsam fließen und das Geräusch des Wasser ist die Musik des Tees. Wie muss das Wasser denn klingen? Japaner sagte, das Wassergeräusch im japanischen Tee sollte wie Flüstern des Baches. In Japan gibt es ja eigentlich im chinesischen Auge nur Bächer. Auf Chinesisch würde ich behaupten, dass das Wasser könnte beim Tee wie ein kleiner Fluß, langsam oder kontinuiertlich fließen – wie die menschliche Beziehung. Wie man das Wasser eingiesst, wird der innere Zustand widerspiegelt. Unter Uhruhe tropft oft das Wasser aus dem Bambuslöffel beim Tee. In diesem Moment wird mir jedes Mal bewußt, dass ich mein Zentrum verliere, aber versuche jedoch den Tee weiter zu machen möglichst nicht von dieser Tatsache berührt werden. Man könnte sagen, dass der Tee und die Zubereitung des Tees stets ein Spiegel des Ichs zur Verfügung stehen. Rein anschauen oder nicht, ist eine individuelle Sache.

Mit tanzenden Finger. Wie im Bild sieht man wie ein hübsches Mädchen Gongfu Cha mit „aufgespritzten“ Finger zubereitet. Mario machte mir im Seminar auf diese Details aufmerksam. Meine Einstellung ist eine andere als die Finger in der Luft tanzen zu lassen. Als ich versuchte, Peking-Oper zu lernen (leider war ich zu faul, zu unbegabt und zu dumm), lernte ich verschiedene Frauenrolle im diesen Theater kenne. Die Frauenrolle werden so verstanden: aufrichtige Ehefrau – Qingyi, lebendige unkonventionelle – Hua Dan (oft Konkubine) und sportliche Frauen Dao Ma Dan, die Gongfu können und für Vaterland selbst aufopfern. Ich lernte Qing Yi – keiner hat damals verstanden, ich selbst auch nicht. Nach einem Semester gab ich auf, eine kluge Entscheidung. Der Unterschied zwischen Qing Yi und Hua Dan auf der Bühne war durch das Make-Up und Kleidung zu unterscheidung, vor allem die Gestik – wie man die Finger verwendet. Qing Yi, eine aufrichtige Frau zu ihrem Mann, zu ihrem Vaterland und zu ihrem Ideal steht, hält ihre Finger stets ruhig und zueinander geschlossen. Dagegen hält Huan Dan, eine Rolle von Aufmerksamkeitsträger, hält ihre Finger „aufgespritzt“.

Gong Chaoshan Cha

Nun kommen wir zurück zum Tee. Sollte der Tee im Vordergrund der Zubereitung stehen, oder der Mensch – Ego? Beruhige ich meine Gäste, wenn ich im Vordergrund stehe oder der Tee? Warum möchte ich die Aufmerksamkit erregen? Meine Antwort ist klar, den Blick senken, das Herz meiner Gäste spüren, eine ruhige entspannte Atmosphäre zu schaffen. Die Finger halte ich stets beisammen und möchte nur den Tee zubereiten, eine Stunde mit Gäste mit oder ohne Wörter geniessen. Eigentlich schätze ich die schönen Stunde am liebsten ohne viel Wörter im Zusammensein.

Notiz zum Gonfu Cha Seminar

Viele Menschen lernen Gongfu Cha um Teegeräte zu bedienen, um eine ritualisierte Teezubereitung einzueignen oder um stilvoll den Teegenuss zu gestalten. Ich verstehe Gongfu Cha eigentlich anders. Je mehr ich es verstehe, desto freier fühle ich mich von Teegeräte oder von den ritualisierten Handlungen.

Das war eigentlich mein Herzenswunsch, diesen Gedanken mit anderen im Seminar zu teilen. Wenn wir anhand verschiedenen Material die Vielfalt des Tees zum Ausdruck bringen könnten, wenn wir die feinen Nuance einzelnen Tee durch unterschiedenen Teegeräte zur Geltung bringen könnten, wenn wir durch Manipulation von Ziehzeit, Menge und Wasser das Gesicht des Tees unterschiedlich verfeinern könnten, verstehen wir dass es illusorisch ist, fest an einer bestimmten Vorstellung zu klammern.

Ein Jade Oolong aus einer Glaskanne hinterließ bei Dirk einen interessanten Abgang, während er von dem duftenden Aufguss einer Porzellan Kanne fasziniert war. Nico, unser 17järiger anwesender Teenachwuchs war fest überzeugt von dem Süße des Jade Oolong aus dem Glas, während Mario und Bettina von dem facettenreichen Aufguss aus der Steinkanne gefesselt waren. Was für Material wäre besser für welchen Tee? Muss man unbedingt einen bestimmten Tee in einer bestimmten Teekanne zubereiten?

Eine Vision braucht Geld und Zeit und eine Entdeckung ebenfalls. Meine Steinkanne aus dem schwarzen Jade gefiel allen Anwesenden. Fast allen, die sie erlebten. Marion äußerte mit seinem „Macho-Ausdrucksweise, dass diese Steinkanne den männlichen Geschmack entspricht, während das Porzellan eher dem weiblichen. Es ist eigentlich wieder eine Vorstellung. Diese Kanne ist schön, rar, einzigartig und kostbar. Aber muss man sie unbedingt haben, um einen bestimmten Tee und bestimmten Geschmack zu befriedigen? Meine Antwort ist Nein. Bist Du ein wirklicher Teekenner, wenn Du einen bestimmten nur in einer bestimmten Teekanne zubereiten musst und nur so kannst?

Ich möchte gerne alle Tees in einer einfachen Schale zubereiten können. In der Einfachheit den Tee zum Sprechen bringen zu können ist für mich die höchste Kunst des Tees. Natürlich kommt man erst dahin, wenn man das Labyrinth verstanden hat, was für Material für welchen Tee welche Einflüsse erzeugt. Genussvoll oder nicht, ist eine individuelle Sache.

In den ersten zwei Stunden versuchte ich den Teilnehmern die Haltung sowohl körperlich als auch geistig zu erklären. Solche Haltung wird in Taiwan eigentlich innerhalb der Familie bereits vermittelt, die Art wie man sich bewegt, läuft, Gäste empfängt und Respekt erbringt. In Deutschland beobachte ich ein anderes Verständnis von Erziehung in Bezug auf die Körperhaltung und menschliche Beziehung. Diese Differenz wird oft durch den Tee widerspiegelt. In diesem Sinne ist Tee wohl auch eine kulturelle Brücke.

Nachmittags experimentieren wir, wie das Material, Ziehzeit und Temperatur auf die Zubereitung des Tees beeinflusst. Die Gruppe wird zu drei Unterguppe geteilt: eine Gruppe für Glaskanne, eine Gruppefür Porzellan und eine Gruppe für Steinkanne.

Romeo und Mario „verschwendeten“ meinen Jadeoolong, um ihre Experimente zu machen. Sie versuchen die Menge zu manipulieren, um mögliche „Geschmack“ zu finden. Zwei Spielfreunde.

Romeo und Mario 1

Nun schreibe ich paar Notizen auf, vielleicht ist es aufschlussreich für andere abwesenden Teefreunde

Teemenge 1/3 von der Teekanne bedeckt

Ziehzeit gleich

Teesorte bei allen  bei jedem Vergleich identisch

 

Phönix Dancong 2005 Nantou: in Steinkanne – ölig, Duft nach frischer Bäckerei, rund, wohltuend; in Porzellan – Duft elegant, sauber, heiter, erhebend, fröhlich, in Glas – nicht nennenswert.

Zhenshan Xiaozhong Tongmuguan 2008: Ein sogar schmeckender Rauchtee! Glas – fein, nicht so rauchig, lieblich; in Porzellan – starker Marzipan-Duft, Süß! In Stein – charaktervoller Abgang. Beim 2. Aufguss: in Steinkanne – leicht nach Pfefferminz duftend, frisch, rund; in Porzellan – rauchig; in Glas – der Duft sehr deutlich, aber nicht nachhaltig.

Fotos von 22.06.08

Foto von Seminar am 22.06.2008 in Berlin. Es war eine kleine aber harmonische Gruppe.

Ich hoffe, ich finde heute noch Zeit nach dem Tee im Knien, (lieber Cenk, versuche es Mal?) noch paar Notizen von dem Seminar zu schreiben.

Heute ist es warm, feucht und drückend in Zürich. In Berlin war es windig, frisch und bewegend.

Kurz vor einem Gongfu Cha Seminar

Beim Packen für das kommende Seminar in Berlin überlege ich stets, was mitgenommen werden sollte. Meine Teekanne, natürlich meine Lieblingskanne. Kostbar, schön und rar aus Schwarzenjade. Werden Teilnehmer enttäuscht von meinem dekadenten Geschmack? Ich liebe diese Kanne, nicht nur seine Linie, perfekte Zusammensetzung zwischen Deckel und dem Körper, sondern das wunderbare Material – der Stein schimmert im Licht und ist durchlässig.
Teezeremonie wird zugeschrieben von Reinheit, Respekt, Harmonie und Ruhe. Ein Ort des Innenschau und Heiligkeit. Diese Illusion pflegt man spätestens nur bis zu dem Akt des Tee-Geräte-Schaus. Dort wird ausgetauscht, wie rar und selten oder kostbar dieses verwendete Teatoys ist. Auch hier wird Wert getauscht, moralisisert und demonstriert.

Kostbar und rar. Schön und einzigartig. Die Instinkte des Jägers und das Begierde des Sammlers manifestieren sich nackt in der Welt des Tees. Ohne Geld, kein Besitz von Rarität. Rarität verspricht keine Garantie von Schönheit und Ästhetik. Schönheit berührt nur Menschen, die Zugang dafür halten. Keinen Zugang zur Ästhetische (theoretisch sollte jeder ihn haben) verfällt das schöne Besitztum für einen zur einen Etikette. Kein Geld und nur die ästhetischen Empfänglichkeit zu haben könnte das Leben mit Begierde ziemlich grausam machen.
Die Welt des Tees wird in Medien oder in Phantasie oft als Refugium betrachtet. Refugium für einen Raum des Ichs. Wer sich es leisten kann, baut ein Teehaus. Wer sich es nicht leisten kann, leistet sich eine Teestunde. Ist der Tee, der Retter? Oder ist der Retter die Entscheidung des Einzelnen, der sich einen Raum schafft, innere Freiheit zu pflegen?  Die Welt des Tees ist keine Rettungsreifen am Ufer. Wer in der Außenwelt nicht zurecht kommt, kommt hier mit seinem gewöhnten Muster auch nicht weiter. In dieser Welt begegne ich stets meinen eigenen Abgrund, meine Begierde und meine Illusion – der Jagd nach Perfektion, nach dem Außergewöhnlichen und nach dem Selbstverständlichen. Wenn man eigene Begierde nicht einmal kennt, es nicht thematisieren kann, wie könnte man überhaupt wissen, wohin man gehen will? Wenn die Richtung klar ist, bereite man sich vor für den richtigen Zeitpunkt und verwirklicht sie.
Kostbarer, rarer und schöner Tee und Teegräte sind wie solcher Mensch, einzigartig und selten. Man will solche Chance nicht verpassen. Trotzdem möchte man die wirkliche Freiheit zu behalten, mit Gewöhnlichen und Einfachen zufrieden zu sein. Darin liegt wohl die Kunst der Balance.

Die materielle Welt ist nicht sündhaft. Die Vision braucht Geld und Zeit. Der Jagd nach dem Geld ist nicht immer effizient, mit Willen erreicht man nicht die Kunst des Tees. Geld und Zeit sollte jeder mitbringen, wenn man die Welt des Tees betreten will – diese Aussage zu machen, vor einem Teeseminar dufte provokativ genug sein, vielleicht sogar entmutigend.

Mut ist die Sache und die Entscheidung des einzelnen. Jeder bekommt das, was er für seinen Herzenswünsch einsetzt – das bin ich sicher.

Wann sollte Tee geerntet werden?

Teefreundin aus Freiburg wurde stutzig, als ich ihr erzählte, dass die beste Erntezeit für Oolong mittags ist. Sie sagte mir, so hat sie nicht gelernt.

Gelernt über Tee hat sie bei einer Tee-Sommelier-Ausbildung in Bonn im diesen Herbst und Winter. Um einen Teesomelier zu sein musste sie paar Block-Seminare besuchen und verschiedene Marketingscoach mitmachen. Aber die Degustation erlebte sie nur von Grüntee und Schwarztee. Seminargebühr war nicht wenig, aber wertvoll, wenn man viel Wissen ums Tee authentisch vermittelt wird. Ihr wurde erzählt, dass der Tee immer morgens gepflückt wird, weil die Sonne die Oxidation beeinflusst.

Ich lachte, als sie mir davon erzählte, ein bisschen unhöflich – denke ich nachhinein. Tee als Überbergiff zu nehmen ohne ihn zu differenzieren, könnte man es machen, wenn man sich nicht mit Tee beschäftigt. Aber ein Teesommerlier… Sie fragte ich, wie sie ihr Gemüse im Garten pflückt, oder Kräuter sammelt. „Würdest Du an einem Regentag gehen?“ Sie schüttelte ihren Kopf. Ich fragte, wenn die Feuchtigkeitsverlust für die Herstellung eines Tees sehr wichtig wäre, wann würde sie denn die Blätter pflücken gehen? Ihre Augen leuchteten hell. „Mittags.“ „Welche Teesorten gehören zu diesen Kategorien?“ „Oolong und Schwarztee.“ Ich nickte meinen Kopf. (Darum kritisiere ich den Darjeeling, der im kalten Frühling geerntet und verarbeitet wird. Die Fermentation bei ihm ist für mich selten ausreichend, aber dem Trendgeschmack entspricht.) „Aber warum wurden uns so erzählt?“ „Ich kann nicht für andere Leute sprechen.“

Wie wird Grüntee dann gepflückt? Ich bin kein Expert in dieser Gattung und würde keine Kommentare abgeben. Ich könnte es mir vorstellen, dass die Aussage in ihrer Ausbildung sich eigentlich nur auf Grüntee bezieht.

Heute rief der jung L. (Doktorand im Fach Teeanbau und Herstellung an der Uni) aus China wieder an und wollte mit mir über die Ernte von Anji Baipian besprechen. Ich liess ihn nicht mit seiner Sache anfangen und fragte sofort  „Könntest Du mir bitte sagen, ob der Grüntee morgens gepflückt werden sollte und warum?“ Er lachte über meine aufdringliche Art, „Morgens wird der Grüntee in China gepflückt, weil die Oxidation von dem Sonneschein negativ beeinflusst wird.“ „Meinst Du, dass die Feuchtigkeit des Blattgutes die Herstellung des Grüntees nicht beeinträchtigt?“ „Doch, darum wird das Blattgut vor dem Erhitzen 30-60 Minuten – je nach Ausstattung des Produzenten und der Wetterlage – dünn ausgelegt und ruhen lassen. Durch das Ruhen tritt das grassige Geschmack des Teepflanzens im Hintergrund und die blumigen Duftnote kommen zur Geltung.“ „Das heisst, wenn ein Grüntee eine grassige Note erhält, hängt es mit dem Ruhen-Prozess zusammen?“ „Nicht nur, sondern auch mit dem Erhitzen.“ Wenn die Feuchtigkeit des Blattgutes zu hoch ist, dann wird der Tee vergelbt – er verliert die grüne Farbe. Darum wurde es immer vermutet, dass der gelbe Tee ursprunglich ein schief hergestellter grüner Tee war. Dann sprachen wir über den Röstkastanien-Geschmack, wie dieser Geschmack entsteht und den Prozess über den grünen Tee, der für Export und Massen-Produktion bestimmt ist.

Ich war zufrieden und liess ihn über das geschäftliche Details sprechen. Er sagte, dass er sich sehr freut, meine Frage zu hören. Er merkte, dass ich anders bin als viele Teeimporteur, die sich meistens nur für Trendsetter interessieren. Für mich gehe es immer um die klassischen Sorten und die möglichst beste Auswahl. Naja, er wollte damit sagen, dass ich ein schwieriger Kunde bin. Aber wenn ein Lieferant in der Lage ist, möglichst die beste Auswahl anzubieten, macht er sich auch unentbehrbar. „Wie Du.“ sagte ich zu ihm. Er lachte.

Es geht nicht um die beste Auswahl, eigentlich. Ich will nur meine Arbeit gut machen. Wenn ich einen Tee nicht verstehe, wie könnte ich ihn denn vorstellen? Darum könnte ich keine Riesensortiment anbieten. Andererseits ist es mir egal, ob dieser ausgwählte Tee gut ankommt oder nicht. Schwierige Personen sind keine schlechte Menschen. Sie brauchen mehr Verständnis und unser Geduld. Ebenfalls wie beim Tee. Ein schwer zu verstehender Tee liess sich nicht gut verkaufen, aber er wird seinen treuen Liebhaber finden. Meine Aufgabe ist nur, die Arbeit gut zu machen, anstatt mit meiner Zu- und Abneigung Tee zu beurteilen.

Der Regenbogen

2005 wurde ich von Länggass Tee arrangiert im Gourmesse Zürich Gongfu Cha vorzuführen. Drei Tage lang konzentrierte ich mich darauf, Menschen ins Teeland einzuführen und sie mit sinnlichen Aspekten des Tees zu begeistern. Es war mir nicht bewusst, dass ich von anderen beobachtet wurde und was rings um mich geschah. Ich wusste nur, dass neben uns verschiedene Weinstände waren. Ein besonderer Stand gegenüber unserem war von Familie Feurstein und mir wurde immer gegen Abend ein Glas Sekt gebracht. Aus Dankbarkeit besuchte ich am letzten Tag ihren Stand und kaufte für meine Asienreise Geschenke ein. Meine Leute in Taiwan lieben Eiswein und süße Versuchungen. Frau Feurstein degustierte mir persönlich und ließ mich allen Köstlichkeiten probieren, wie ich wollte. Ihre Herzlichkeit und Wärme überraschte mich und konnte fast nicht erwidern. Weshalb habe ich es verdient? Sie behandelte mich so, als ob ich zu ihrer Familie gehören würde. Ich wollte aus Dankbarkeit Tee schenken und sie sagte mir, dass sie keinen Schwarztee trinkt. Tee habe ich doch nicht geschickt und meldete mich in nächsten drei Jahren auch nicht. Ich konnte nicht glauben, dass man mich einfach so ins Herz geschlossen haben könnte. Jedes Jahr bekomme ich von ihr Gutscheinen für Gourmesse, die ich seitdem nicht mehr besuchte.

 

Heute wurde ich zu MuBa mitgeschleppt. Eigentlich hatte ich keine Idee, was ich dort machte. Als ich Weinallee sah, wusste ich warum, dass ich hier war. Ich suchte Frau Feurstein und dachte an meine Asienreise in vier Wochen. Sie erkannt mich sofort wieder und umarmte mich, als ob wir uns erst vor kurzen sahen. Ich trank Eiswein 2004 aus Burgenland. Ach, ich kann wieder schmecken! Ich schmecke Phönix Shuixian Nantou in diesem edlen Tropfen. Der Traminer Beerenauslese 1999 mit Holunderblüte und Quitten Note erinnert mich an Sijichun Premium. Als ich Frau Feurstein davon erzählte, war sie fasziniert. „Ich kann mich noch so gut erinnern, wie Menschen in diesen drei Tagen von Tee verzaubert wurden. Wir schauten immer zu, wie die Leute Euren Stand glücklich verließen. Eigentlich hätten wir es auch gerne probiert!“ Ihre Leute hörten immer wieder zu, während wir uns unterhielten. Sie wollten, dass ich einen guten Tee zu ihrem Weinstand in Gourmesse 2008 mitbringe. Mir wurde es reichlich beschenkt, dass es mir peinlich wurde. Sie sagte mir, wenn ich den Wein aus diesem Weinglas trinke, werde ich wieder an sie denke. Ich versprach, jedenfalls sie im Oktober wieder zu besuchen und ihnen eine Tasse Tee – im Weinstand zuzubereiten.

Torlo Das Geschirr Set von Torlo, das mich anzog.

Ich ging weiter. Plötzlich zog mich ein Teller magisch an. Ich dachte, was für einen Gericht auf diesen Teller serviert werden sollte und wie dieser Teller für mich den Bauch meiner Gäste wärmen könnte! Eine zarte junge Frau näherte sich mir an. „Sie sind wohl die Künstlerin.“ „ Ja“ sie zeigte mir gleichzeitig die schlichte Teeschale voller Schönheit „ ich würde sehr gerne schöne Teeschale machen.“ Das hörte sich nicht wie ein Verkaufsgespräch an. Woher weiß sie, dass ich mich mit Tee beschäftige? Sie schaute mich fragend an. „Ich würde drei Fragen aufklären, bevor ich eine Teeschale kreiere.“ Ich bemühte mich, ihr zu erzähle, wie ich es sehe: 1. was für einen Tee sollte darin sein? Matcha oder Blatttee; 2. wie sollte diese Teeschale in der Hand aussehen; 3. wie sieht diese Linie aus, wenn der Teetrinker die Schale aus dem Tisch nimmt und zurück stellt. Ihre Augen wurden größer.  Meine Direktheit schien ihr nicht zu stören. Eine schöne Teeschale sieht in Schrank mit Lichtstrahlung wunderschön aus, aber verleiht dem Teetrinker nicht immer eine harmonische Linie, wenn er diese Schale in der Hand hält.

Das gleiche gilt bei Teekanne. Eine gute Teekanne macht nicht nur einen guten Tee, sondern einen harmonischen Regenbogen zwischen dem Körper, Teekanne und dem Wasserstrahl. Eine runde harmonische Linie zwischen dem Arm, der Hand, der Kanne, dem Wasserstrahl und der Tasse ist das, was ich unter Gongfu Cha verstehe. Kein Show, kein Folklore, sondern ein Regenbogen, der alles umfasst. Eine schöne Linie eben! (Ich hoffe, dass meine Wörter Verständnis schaffen!) Gestern hatte ich eine antik Silberkanne, die zwar Macke hatte – sie war zu heiß für normalen Benutzer. Aber sie fühlte sich sehr schön im Arm, in Hand und der Wasserstrahl gelang so harmonisch in die Teetasse. Mit Freude genoss mein Körper diese herrlichen Momente. Ästhetik einer Teekanne bedeutet für mich nicht nur die Form und Verarbeitung einer Kanne, sondern diese schöne Linie zwischen unserem Körper, der Kanne, Wasserstrahl und der Tasse! Das ist ähnlich wie bei Schuhen. Unsere Wirbelsäule spürt sofort, wenn wir gute Schuhe tragen. Wir stehen gut, die Schritte sind leichter und der Körper fühlt sich voller Würde! Mit dieser Würde könnten wir anderen Menschen würdig behandeln – das ist das Geheimnis einer guten Kanne und einer schönen Tasse! (so eine Teekanne ist oft kostbar, leider)

TeteDie feine Porzellan-Tasse von Simone.

Ihr Gesicht wurde sanft und anmutig. „Machen Sie Taiji oder Qigong?“ „Nein, nur Tee.“ Man kann nicht alles machen und überall dabei sein, oder? Sie sagte, dass meine Erscheinung wie gerufen war. Sie wollte seit langen mehr mit Teeschalen und Tee auseinandersetzen und traf mich, unerwartet. Ich lobte ihr Kunstwerk und würde mich sehr freuen, auf ihre neue Teekanne. Sie lächelte leicht schüchtern und wir verabredeten uns zu einer Tasse Tee.

Ich ging weiter und war entzückt von der Begegnung. Drei Primarschüler mit Migrationshintergrund pfiffen mich nach. Sie übten bereits das Erwachsenspiel, aber ich bin leider zu alt für sie. Ich lächelte sie ganz herzlich an. Sie wurde gleich wieder zu drei niedlichen Junge, die einfach zurück lächelten.

Darjeeling Makaibari Silver Tips

Vor Durst habe ich reichlich Sake getrunken;

    unter dem Krischbaum liegend –

Wundervolle Träume.                     Ryokan

Vor Durst trank ich den Darjeeling, anstatt Sake und erhielt dabei wundervolle Träume.

Darjeeling ist in diesem Blog ein Fremdwort. Nicht, dass ich etwas gegen den indischen Tee hätte, sondern weil ich bis jetzt keinen richtigen Darjeeling für mich fand. Dieser typische Darjeelinggeruch, der für mich eher eine erfolglose Fermentation bedeutet, stoßt mich eher ab. Das so genannte Frische erinnert mich nur an Heu.

Am letzten Tag im Jahr 2007 bevor ich weiter nach Bern reiste, besuchte ich Thomas in seinem verlassenen Teegärtli in Burgdorf. Er brachte mich zu dem Teegärtli, der seinen letzten Tag bereits hatte und leer verlassen aussah. „Überlege Dir Mal richtig, bevor Du einen Laden aufmachst! Du hast nur mit dem Früchtekunde zu tun und Deine Präsenz wird nicht belohnt. Aber Du wirst gebunden wie ein Hund an der Leine.“ Schwer und Wehmutig warnte er mir, als er das Licht im Teegärtli einschaltete.

Leere Dose, halbgefüllte Früchteteeflasche und einsame Teekanne standen noch auf dem Regal. Er erzählte mir, wie schwer es war, diesen Entschluss durchzusetzen. Ich sagte ihm, dass ich es verstehe, wie es ist, selber allein vor einem Projekt zu stehen. Aber, Tee bringt doch immer einen Energie-Wechsel, wenn wir mit Weggefährte zusammen trafen und eine Tasse teilen. Er seufzte, hier im Emmental ist er wohl ziemlich allein und einsam. 

Trotz allem, für diese Stunde, in dem wir uns trafen, möchte er in diesem Teegärtli noch eine gute Tasse Tee für mich zubereiten. Eine Tasse Silver Tips aus Makaibari Garten! Ein Darjeeling… Eigentlich lieber nicht. Aber ich sagte nichts. Wer weiss, warum gerade jetzt eine Tasse Darjeeling, dachte ich. Ich folgte dem kosmischen Regal und liess den Tee geschehen.

Doch ein Wolke stieg. Ich sah dem Jungle. Noch keine Blume, noch keine Früchte. Nur der frische Wind aus dem Nebel im Jungle. Die Tasse gold, die Farbe Sunshine und der Geschmack geschmeidig wie Seide. Was für eine schöne Überraschung am Ende 2007! Ich spürte eine tiefe Dankbarkeit. Als die Tasse leicht erkaltete, duftet es nach Blumenwiese. Was für einen Traum? Bin ich in dem Traum oder der Traum in mir?

DarjeelingJungle von dem Makaibari Teegarten

Thomas gab mir eine Tüte von diesem zauberhaften Darjeeling. Dieser Tee hat meine Vorstellung von Darjeeling grundlegend verändert! Wie ein Frosch im Brunnen, der endlich die anderen Teile des Himmels außerhalb dem Brunnen gesehen hat, sprang ich weiter zu meiner nächsten Station. Glücklich, unbeschwert und aufgeklärt.

Nachtrag: Thomas Grimm beschäftigt sich weiter mit dem Tee. Man kann mittels Internetseite seine Tees bestellen oder mit ihm kontaktieren. So ein kreativer Mensch wie er, ist eher ein Tee-Designer als ein Tee-Verkäufer. Ich hoffe, dass wir in Europa so ein Tee-Talent nicht aus unseren Augen verlieren!

Der Geist des Tees

Der Geist des Tees

Liebe Menglin,

vielen Dank für das tolle Seminar und die Übernachtungsmöglichkeit. Der Abend bei dir war mindestens genauso schön wie das Seminar. Ich habe vorhin etwas in deinem Blog gelesen, auch in den älteren Beiträgen, und kann mit den Begriffen endlich etwas anfangen. Ich werde versuchen die Bezeichnungen der Teesorten zu lernen. Es muss ja nicht von heute auf morgen sein. Einfach aus Neugierde und weil nun ein Bezug dazu vorhanden ist. „Schneeflocken Oolong“ ? – jaaa kenne ich 🙂 Ich glaube, wenn man anfängt ein wenig zu verstehen wird der Reiz immer größer mehr herauszufinden. Danke, dass du mir (uns) diese Gelegenheit gegeben hast und gibst. Es ist wie mit dem Feinstaub (in München ein wichtiges Thema, weil die Belastung groß ist“. Was die wenigsten wissen ist, dass ohne Feinstaub kein Leben stattfinden könnte. Ohne Feinstaub gäbe es keine Wolken, weil die Wassermoleküle etwas benötigen um das sie sich herum anordnen können. Im übertragenen Sinne habe ich nun Feinstaub geatmet und bin gespannt was sich drum herum bilden wird und freue mich auf die Entwicklung.

Sich mit Teesorten und Qualitäten auszukennen ist sicher nur ein Aspekt. Ein anderer Aspekt, sich selbst kennenzulernen und zu reflektieren hat mir ebenfalls sehr imponiert. So hatte ich es noch nicht gesehen, zumindest nicht bewußt. Die Demonstration, wie ich die Teekanne auf den Tisch gestellt habe war sehr einprägsam. Es geht nicht einfach nur darum etwas dahinzulegen. Nein, die Art und Weise wie es gemacht wird sagt anscheindend etwas über die Person und ihre Haltung gegenüber anderen Anwesenden aus. „Leise und unauffällig“, damit man sein Ego nicht in den Vordergrund stellt.

Es gibt noch viele Eindrücke, aber ich denke deine Geduld genug strapaziert zu haben. Ein letzter Kommentar noch zu der Gruppe. Sie waren einfach alle herzenslieb!

Herzliche Grüsse aus München
Cenk

Was für einen Sprung muss jemand wagen, aus einer völlig fremden Kultur zuerst auf eine fremde Gesellschaft wie die deutsche einzulassen und weiter in eine anderen einzutauchen? Was für einen Unterfangen könnte es bedeuten, diesen Schritt zu versuchen?

Ich kannte Cenk nicht, bevor ich irgendwann im Frühjahr ein Email von ihm erhielt. Er lobte das Tee Erleben Blog. Dann schrieb er mir wieder Emails, um endlich ein Teeseminar-Termin von mir zu bekommen. Er sagte, er würde den Termin sehr gerne freihalten, wenn er früher wissen könnte. Ich dachte zuerst, „Ach aus München? Wer macht sich diese Mühe wegen Tee?“ Da er hartnäckig daran blieb, habe ich endlich Termine festgelegt. Also er war der Geburtshelfer der vergangenen Veranstaltungen.

Innerhalb drei Stunde, die normalerweise kaum eine Rolle im Leben spielt, könnte etwas passieren, um das Leben in einer ganz anderen Richtung zu bringen. Er entdeckte plötzlich einen Weg, der zur Selbstbefreiung führt. Selbstbefreiung, wenn man sich selbst sein kann, das schreiende Ego beobacht und sich dabei nicht mehr bewegt - man kann sein Ego sehen und ihm nicht mehr befolgen muss. Dieser Wechselprozess von Sehen und Gesehen werden, begegnen wir immer wieder im Praxis des Tees. Wir könnten das Ego des anderen im Alltag sehr gut beobachten, während wir im Tee permanent das eigene sieht. Leise und unauffällig, Menschen eine Schale Tee zu servieren, ist für mich das Wichtigste, das ich im Praxis des Tee lernte und meine Leben grundlegend veränderte!

Mich hat das Email sehr berührt. Mit paar Sätze fasste Cenk den Geist des Tees zusammen, innerhalb drei Stunde berüht er den Geist des Tees. Ich freue mich sehr, dieses Moment dabei sein zu können!

Foto: von links: Carola, Cenk, Antje, Menglin, Madleine, Anja am Gongfu Cha üben.