Kurz vor einem Gongfu Cha Seminar

Beim Packen für das kommende Seminar in Berlin überlege ich stets, was mitgenommen werden sollte. Meine Teekanne, natürlich meine Lieblingskanne. Kostbar, schön und rar aus Schwarzenjade. Werden Teilnehmer enttäuscht von meinem dekadenten Geschmack? Ich liebe diese Kanne, nicht nur seine Linie, perfekte Zusammensetzung zwischen Deckel und dem Körper, sondern das wunderbare Material – der Stein schimmert im Licht und ist durchlässig.
Teezeremonie wird zugeschrieben von Reinheit, Respekt, Harmonie und Ruhe. Ein Ort des Innenschau und Heiligkeit. Diese Illusion pflegt man spätestens nur bis zu dem Akt des Tee-Geräte-Schaus. Dort wird ausgetauscht, wie rar und selten oder kostbar dieses verwendete Teatoys ist. Auch hier wird Wert getauscht, moralisisert und demonstriert.

Kostbar und rar. Schön und einzigartig. Die Instinkte des Jägers und das Begierde des Sammlers manifestieren sich nackt in der Welt des Tees. Ohne Geld, kein Besitz von Rarität. Rarität verspricht keine Garantie von Schönheit und Ästhetik. Schönheit berührt nur Menschen, die Zugang dafür halten. Keinen Zugang zur Ästhetische (theoretisch sollte jeder ihn haben) verfällt das schöne Besitztum für einen zur einen Etikette. Kein Geld und nur die ästhetischen Empfänglichkeit zu haben könnte das Leben mit Begierde ziemlich grausam machen.
Die Welt des Tees wird in Medien oder in Phantasie oft als Refugium betrachtet. Refugium für einen Raum des Ichs. Wer sich es leisten kann, baut ein Teehaus. Wer sich es nicht leisten kann, leistet sich eine Teestunde. Ist der Tee, der Retter? Oder ist der Retter die Entscheidung des Einzelnen, der sich einen Raum schafft, innere Freiheit zu pflegen?  Die Welt des Tees ist keine Rettungsreifen am Ufer. Wer in der Außenwelt nicht zurecht kommt, kommt hier mit seinem gewöhnten Muster auch nicht weiter. In dieser Welt begegne ich stets meinen eigenen Abgrund, meine Begierde und meine Illusion – der Jagd nach Perfektion, nach dem Außergewöhnlichen und nach dem Selbstverständlichen. Wenn man eigene Begierde nicht einmal kennt, es nicht thematisieren kann, wie könnte man überhaupt wissen, wohin man gehen will? Wenn die Richtung klar ist, bereite man sich vor für den richtigen Zeitpunkt und verwirklicht sie.
Kostbarer, rarer und schöner Tee und Teegräte sind wie solcher Mensch, einzigartig und selten. Man will solche Chance nicht verpassen. Trotzdem möchte man die wirkliche Freiheit zu behalten, mit Gewöhnlichen und Einfachen zufrieden zu sein. Darin liegt wohl die Kunst der Balance.

Die materielle Welt ist nicht sündhaft. Die Vision braucht Geld und Zeit. Der Jagd nach dem Geld ist nicht immer effizient, mit Willen erreicht man nicht die Kunst des Tees. Geld und Zeit sollte jeder mitbringen, wenn man die Welt des Tees betreten will – diese Aussage zu machen, vor einem Teeseminar dufte provokativ genug sein, vielleicht sogar entmutigend.

Mut ist die Sache und die Entscheidung des einzelnen. Jeder bekommt das, was er für seinen Herzenswünsch einsetzt – das bin ich sicher.

4 Gedanken zu „Kurz vor einem Gongfu Cha Seminar

  1. Andreas

    Grr,

    und ich kann schon wieder nicht kommen…so ein Ärger!
    Hoffe,Du bist mal wieder in Berlin und ich schaffe es,teilzunehmen.Eigentlich bin ich nicht sooo busy,anscheinend nur,wenn Du in Berlin bist.

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  2. romeo

    hallo bin auch schon aufgeregt,freue mich dich zu sehen,mal nicht in zürich oder basel,freue mich neues und neue leute kennenzulernenen.
    gruss romeo

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  3. Madeleine

    Hallo Menglin

    Du schreibst mir aus dem Herzen! Auch ich seufze oft wenn ich mir vorstelle, was es alles kostet, die perfekten Teegeräte zu besitzen. Ob ich wohl zufrieden wäre, wenn ich alles geschenkt bekommen würde? Bestimmt nicht! Manchmal braucht es eine lange Wartezeit bis man schliesslich entdeckt, was man beim Teeweg alles gewinnen kann. Halt eben rares und kostbares.
    Gruss, Madeleine

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