Frage zu Gongfu Cha

In dem letzten Seminar gab es immer wieder paar interessante Fragen.

Dirk fragte, mich, ob man den Tee Bi Luochun beim 1. Aufguss mit heißem Wasser spülen sollte. Denn dieser Tee wächst zwischen Obstbäume. Um den Geruch von anderen Bäumen zu vermeiden, sollte man diesen Tee bei der Zubereitung zuerst spülen. Ich war sehr erstaunt über diese Frage und konnte nur sagen, dass man selber ausprobieren sollte. Warum sollte der Duft von Obstbäume diesen Tee nach der Herstellung noch beeinflussen? Warum sollte das Spülen über diesen „schlechten“ Einfluss – wenn er tatsächlich gäbe, noch helfen können?

Wie sollte man denn das Wasser überhaupt in die Kanne eingiessen? Manche haben bereits in Bücher gelesen, dass man drei Male mit dem heißen Wasser in die Teekanne eingiessen – auf Chinesisch heißt es Fenghuang San Dian Tou (Phönix verbeugt sich drei Male, um Respekt vor Gäste zu zeigen.) Wasser in die Kanne einzugiessen sieht eigentlich einfach aus, aber um es elegant und präzise zu tätigen, ist eine Körper-Beherrschung erforderlich. Das Wasser sollte nciht aufspritzen, das Wasser sollte langsam fließen und das Geräusch des Wasser ist die Musik des Tees. Wie muss das Wasser denn klingen? Japaner sagte, das Wassergeräusch im japanischen Tee sollte wie Flüstern des Baches. In Japan gibt es ja eigentlich im chinesischen Auge nur Bächer. Auf Chinesisch würde ich behaupten, dass das Wasser könnte beim Tee wie ein kleiner Fluß, langsam oder kontinuiertlich fließen – wie die menschliche Beziehung. Wie man das Wasser eingiesst, wird der innere Zustand widerspiegelt. Unter Uhruhe tropft oft das Wasser aus dem Bambuslöffel beim Tee. In diesem Moment wird mir jedes Mal bewußt, dass ich mein Zentrum verliere, aber versuche jedoch den Tee weiter zu machen möglichst nicht von dieser Tatsache berührt werden. Man könnte sagen, dass der Tee und die Zubereitung des Tees stets ein Spiegel des Ichs zur Verfügung stehen. Rein anschauen oder nicht, ist eine individuelle Sache.

Mit tanzenden Finger. Wie im Bild sieht man wie ein hübsches Mädchen Gongfu Cha mit „aufgespritzten“ Finger zubereitet. Mario machte mir im Seminar auf diese Details aufmerksam. Meine Einstellung ist eine andere als die Finger in der Luft tanzen zu lassen. Als ich versuchte, Peking-Oper zu lernen (leider war ich zu faul, zu unbegabt und zu dumm), lernte ich verschiedene Frauenrolle im diesen Theater kenne. Die Frauenrolle werden so verstanden: aufrichtige Ehefrau – Qingyi, lebendige unkonventionelle – Hua Dan (oft Konkubine) und sportliche Frauen Dao Ma Dan, die Gongfu können und für Vaterland selbst aufopfern. Ich lernte Qing Yi – keiner hat damals verstanden, ich selbst auch nicht. Nach einem Semester gab ich auf, eine kluge Entscheidung. Der Unterschied zwischen Qing Yi und Hua Dan auf der Bühne war durch das Make-Up und Kleidung zu unterscheidung, vor allem die Gestik – wie man die Finger verwendet. Qing Yi, eine aufrichtige Frau zu ihrem Mann, zu ihrem Vaterland und zu ihrem Ideal steht, hält ihre Finger stets ruhig und zueinander geschlossen. Dagegen hält Huan Dan, eine Rolle von Aufmerksamkeitsträger, hält ihre Finger „aufgespritzt“.

Gong Chaoshan Cha

Nun kommen wir zurück zum Tee. Sollte der Tee im Vordergrund der Zubereitung stehen, oder der Mensch – Ego? Beruhige ich meine Gäste, wenn ich im Vordergrund stehe oder der Tee? Warum möchte ich die Aufmerksamkit erregen? Meine Antwort ist klar, den Blick senken, das Herz meiner Gäste spüren, eine ruhige entspannte Atmosphäre zu schaffen. Die Finger halte ich stets beisammen und möchte nur den Tee zubereiten, eine Stunde mit Gäste mit oder ohne Wörter geniessen. Eigentlich schätze ich die schönen Stunde am liebsten ohne viel Wörter im Zusammensein.

5 Gedanken zu „Frage zu Gongfu Cha

  1. Suzanne

    Der Bi Luochun ist im Moment mein Lieblingstee … er hat ein so herrliches Aroma, ist kein bisschen bitter …

    Der erste Aufguß ist so gut, den würde ich niemals weggießen … ich lasse meist den ersten Aufguß etwas weniger als eine Minute ziehen, danach dann etwas länger.

    Überhaupt bin ich viel „cooler“ beim Aufbrühen geworden, ich halte mich fast gar nicht mehr an vermeintliche „Regeln“ sondern probiere viel selbst aus.

    Nicht mal mehr die Wassertemperatur messe ich ab … (ich habe eigentlich ein Thermometer). Irgendwie habe ich es jetzt im Gefühl, wann das Wasser die richtige Temperatur hat, ich warte einfach ein bisschen ab …der richtige Moment kommt dann schon von selbst …

    Dabei wird der Tee eigentlich immer gut !

    Ich brauche auch sicher bald wieder Nachschub von dem schönen Bi Luochun, liebe Menglin! ICh melde mich dann sofort …

    Viele liebe Grüße!

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  2. romeo

    hallo suzanne durch deine anregung ist der taiwan bi lo chun einer meiner lieblinge geworden, von den grüntees. von den oolongs ist es der da hong pao
    gruss romeo

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  3. Suzanne

    Oh wie schön – das freut mich, Romeo!

    Der Bi Luochun ist himmlisch, nicht?

    Und den Da Hong Pao muss ich noch kennenlernen … hoffentlich bald!

    Viele Grüße! Suzanne

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  4. romeo

    hallo suzanne,
    menglin hat viele andere gute tees.es lohnt sich immer in ihrer schatzkiste zu entdecken.
    gruss romeo

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  5. Suzanne

    O ja, Menglins Schatzkammer … die (und nicht nur die!) ist schon eine Reise wert! :)))

    Ich habe im Moment so etwa … 10 verschiedene Tees aus besagter Schatzkammer 😉 und bin total glücklich mit jedem von ihnen …

    Liebe Grüße! Suzanne

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