Archiv der Kategorie: Formosa Oolong Tea 台灣烏龍茶

Bergkirschblüten 山櫻

Auch ohne den Wind kaze narade
zerfällt die Pracht im Regen – ame ni kudaku ya
Bergkrischenblüten. yamazakura
Tessui

Vor fast 20 Jahren bracht Atong schöne rare Teebaumsorte aus Fujian nach Taiwan. Es war eine Schmuggelaktion. Darunter war auch Rougui. Dieser ganz kleine Teebaum wurde sorgfältig gewickelt von seiner stinkenden Unterwäche. So konnte er die wachen Hunde des Zolls am Taipeher Flughafen täuschen.
2003 bin ich meinen Lehrer begegnet und begann meine Reise mit Tee. Dann machte eine Schüler was der Lehrer sagte, auch wenn er seinen Lehrer nicht immer verstand. Der Schüler hatte Vertrauen und lernte den Tee Rougui aus Mingjian kennen. Diesen Tee mochte ich damals nicht. So liess ich ihn irgendwo im Ikea-Blechdosen liegen.
Jahren sind vergangen. Ich bin nicht mehr dort, wo ich einmal war. Und der Rougui?
Ich fand ihn ganz zufällig wieder irgendwo in dieser Ikea-Blechdosen. In jenem Moment des Wiedersehens erinnerte ich mich wieder an die Worte des Atongs. Also, ich kochte Wasser und nahm den zweiten Anlauf.

Dieser fremde Rougui war in meiner Erinnerung geheimnisvoll und undecodierbar! Er war halt süss und fruchtig und mehr verstand ich eben nicht. Und in der zweiten Begegnung? Ich schmeckte zarte Blüte, feine reife Früchte und bilde mir ein, ein Hauch der Nektar von Bergkirschblüten zu trinken! Mit großen Augen betrachte ich die Veränderung. Was ist denn dabei anders geworden? Ich oder der Tee?
Sorgfältig hob ich den Rest von Rougui 2005 auf. Sorgfältig wurde er in dem Schrank verschlossen. Ich hob meine Veränderung auf. Ich hob einen verändernden Tee auf, so dass ich immer wieder zurückgreifen kann – dachte ich. Aber ich vergass die Unabhängigkeit der Zeit, die ohne mich auch weiter läuft.
Gestern kam ein Besucher mit einem würdigen Begleiter. Wir sprachen über die Musik, die Mathematik und den Tee. Ich wollte einen schönen Tee zubereiten und fand plötzlich diesen Rougui in der Hand. Als der schöne Rougui in der Tasse war, bemerkte ich, dass etwas nicht mehr stimmt. Der zweite Aufguss verlor an seiner Intensivität und sein Volum. Was ist los?

Heute kam Bruno und wollte wissen, was er vielleicht falsch macht mit der Zubereitung. Ich sagte ihm, „Mache bitte einen Tee für mich und ich kann Dich korrigieren.“ Er bereitete den Rougui 肉桂 zu. Schon wieder zeigte dieser einst wunderschöne Tee, der mich an das Pracht der Bergkirschen erinnert – zwart, faccettenreich und voller Leichtigkeit, sein Schweigen im Gaiwan! Wo ist die Pracht? Wo ist der Frühling geblieben? Und das Nektar meinen Blüten im Traum?
Achhhhhh….
Ich seufzte. Eine Schönheit nach dem Regen der Zeit ist nun nicht mehr dieselbe! Und ich?
Auch ich werde irgendwann wie der Tee… Auch ohne den Wind zerfällt die Pracht im Regen!
Wozu den Rest einer Schönheit aufheben? Wozu an die Schönheit eines Tees anhaften? Nur weil das Volum dieses Tees geringfügig ist, verändert sich der Tee in der Tüte weiter und zu seinem Nachteil. Ich hätte ihn einfach an seinem Höhepunkt weg trinken sollen!
In diesem Moment war es nicht mehr schlimm, einen toten Tee zu begraben. Es ist viel elender, einen hinfallenden Tee zuzusehen!

Dazwischen

頻相顧
餘歡未盡
欲去且留連
秦觀
Ich sollte gehen, blicke aber zurück.
Die Freude sollte schon längst vergangen sein, bleibt aber zurück.
Ich sollte gehen.
Meine Schritte schreiten nicht.
Qin Guan (1049-1100), Song Dynastie China

Er hatte Liebeskummer. Bedrückt und depressiv.
Ich lernte ihn an eine Veranstaltung kennen. Eine Veranstaltung, die mich sehr viel bewegte und nachdenklich machte. Eine Massenveranstaltung, wo ich als Entertainerin auftrat und viel Geld verdiente. Aber glücklich war es nicht.
Wir haben gemeinsame Bekanntschaft. So kam er mich in Shuitang besuchen.

Gerne sass ich am seinen Rostoffen. Es war zu kalt, aber ich war zufrieden. Selten fühlte ich mich so zufrieden mit dem, so wie es ist. Ich war wieder zu Hause, wieder bei Atong und wieder unter den Düfte des Tees. „Was röstest Du?“ „Mein privates Glück.“ antwortete er mit Schalk. Privates Glück? Ich weiß, dass er die Einsamkeit und Nichts-Tun selten aushält. Ein privates Glück für die Stile des chinesischen Neujahr. „Bist Du einsam.“ scherzte ich zu meinem Lehrer. „Nein. Ich habe meinen Tee.“ Ich sass immer neben dem Ofen und roch an den enstehenden Tee. „Was ist dieses Mal?“ „Ein Rougui. Ein Gift.“

Diesen Gift bekam ich zuerst nur 600g. Ich bekam ihn, weil ich frech genug war. Warum will er denn nicht mehr rösten und mehr Geld verdienen? „Gute Dinge sind rar, mein Mädchen.“
Für die kummervolle Seele bereitete ich einen Gift.
Er sagte, er wolle ein BMW kaufen. Seine Freundin sei von einem BMW-Fahrer entführt. Ich lachte und möchte ihn zwei Fragen stellen. „Wenn Du diese zwei Fragen beantworten kannst, finde ich auch gut, einen BMW zu besitzen: 1. welche Frauen möchtest Du mit BMW anziehen? 2. Sind diese Frauen, die so angezogen werden, Deine Herzensdamen?“ Sein Kopf hing.
Rougui hat laut Atong leicht prickelnde Note wie Zimtrinde, der uns in einem Garten von Wärme und Sinnlichkeit versetzt. Dieser Gift – Rougui duftet nach Früchteparadies. Wir rochen Banana, Ananas und Guaven. Auch Lichee war in greifbarer Nähe. Oder Longgan war gerade auf meine Zunge. Der Abgang des Giftes wirkt wie die Spuren der Weihrauch und Mochus. Die Vielschichtigkeit dieses Tees verführte meine Gäste in einer unbekannten Welt. Ihre Gesichter strahlen Freude! Eine Dankbarkeit steigt in unser Bewußtsein.

„Weiß Du, in meiner Position geht es nur um das Geld. Um immer weiter zu kommen geht nur über die Leichen.“ „Du hast sehr wenig Vertrauen in Menschen.“ „Nein, ich bin selbst nicht ehrlich.“ er gestand diese Eigenschaft, die ihn zur Karrier-Leiter führt. „Ich bin so unglücklich. Aber wenn man weiter kommen will, kommt man nicht ohne Manipulation und Machtspiele aus.“ „Warum willst Du weiter kommen?“ Er fing an zu weinen.
Er sagte, dass er seine Energie 80% an die Arbeit investierte und 20% seiner Energie für seine Freundin. Nun merkte er, dass er so unglücklich ist mit der Arbeit und wußte, dass er bald für seine Firma als „verbraucht“ gilt. Und seine Freundin ist weg. Was hat er falsch gemacht? „Wo warst Du denn? Was hast Du für Dich selbst gemacht?“ fragte ich ihn mitgefühlsvoll. „Ich?“ er fragte sich selbst, „ich weiß es nicht. Ich kenne mich eigentlich gar nicht.“ er heulte. „Wie finde ich mich wieder?“
Ich antwortete sehr vorsichtig. „Für manche ist es der Tee.“
Tee?
Ja, Du muss einfach nur jeden Tag 10 Minuten nehmen – zuerst jeden Tag nur 10 Minuten. Das Wasser kochen, die Teeblätter nehmen und langsam aufgiessen. Abwarten und geniessen. Wir investieren jeden Tag zuerst 10 Minuten in uns selbst. So langsam gehen wir auf den Weg nach Hause durch Tee. Bryan nickte seinen Kopf neben ihm. Er kaufte paar die Spielzeuge von Shuitang und spielte an einem Abend eine Stunde lang mit Tee und dann lag glücklich eingeschlafen im Bett.
Meine Hand streichelte sein zitterndes Schulter. Worte waren nicht nötig. Das Verlustgefühl bringt uns einfach Schmerzen und nicht mehr. Schmerzen halten uns immer vor weiteren Schritte zurück. Ach, wozu! „Was ist Liebe?“ Jemanden ein Blumenstrauss zu schenken, wenn er geht.“
Sie wollte alle den Gift kaufen. Ich wollte zuerst nicht. Warum sollte ich? „Noch nie so einen Tee erlebt.“ er seufzte, „so kann ich nicht nach Bern zurückfahren!“
Der Tee wurde schon längst getrunken, aber die Wirkung bleibt.

Annai Nashi ni – Unangemeldete Überraschung

Unangemdelte Überraschung erlebte ich gestern. Gestern in dem Oolongseminar.
Für viele Leute bin ich ungewollt jemand geworden, der sich mit Tee auskennt, ein so genannter „Meister“. Für mich ist dieser Status nicht sehr bedeutend, manchmal ehr lästig, denn es eine Projektion bedeutet und ich diese Menschen bestimmt enttäusche. Ich schreibe dieses Blog, weil ich es will, weil es mir Spass macht. Manche meinen die Länge des Blog ist zu lang – ich lächele meistens entgegen – geht es mir dabei etwas an, wenn sie es zu lang finde? Lese es einfach nicht, sagte ich. Manche finden es ganz toll. Ich finde es auch ganz toll, weil ich es gerne mache. wenn meine Arbeit nicht nur mich inspiriert, sondern auch viele anderen. Was will man mehr?

Den Ärmel als Hut –
ganz unangemeldet kam ein
kühler Regenguss.
SADA

Im späten Herbst geniesst man noch die letzten Sonnentagen. Aber wenn ein kühle scheuer kommt und uns den Winter verkündet, zeige ich das Überrascht-Sein. „Ach, tatsächlich. Es ist vorbei…“ Ich stehe im Shui Tang schaue die vorbei ziehenden Menschen an, die ihren Ärmel als Hut nehmen. Manche kommen in die Tür und seufzen.

In diesem spätherbstlichen Oolongseminar wollte ich die Vielfalt des Formosa Oolongs veranschaulichen. Damit die Teilnehmer nicht nur intellektuell imaginiert, die Power Point anzuschauen, sondern selbst zu erleben, gab ich mir Mühe eine Runde zu degustieren. Irgwndwie wollte ich zu viel und diese Runde war mit 9 verschiedenen Sorten ausgestattet. Es war richtig grausam!

Nicht nur grausam für die Anwesenden, sondern auch für mich! Aber ich dachte, das schaffe ich schon. Schliesslich kenne ich ja meine Metier. So glaubte ich es.
In diesem Runde gibt es auch der frisch eingetroffene Ernte von Muzha Tie Guanyin, der fest in meiner Erinnerung sitzt. Da ich keine Zeit hatte, ihn vorher zu verkosten und so fest davon überzeugt bin, dass ich diesen Tee kenne, gab ich ihn in diese Runde.

Dann kam die unangemeldete heftige Überraschung! Ich erkannt diesen Tee nicht! Fast verzeifelte zählte ich die Schalen und der Muzha Tie Guanyin war nicht zu finden! Die vielen Augen schauten mich an, ich konnte nichts anders zugeben, als so wie es war. Es stimmt was nicht, sagte ich – eigentlich stimmte es etwas nicht mit mir, anstatt mit dem Tee! Dieser unerkannte Tie Guanyin ist überraschend wenig fermentiert. Dieser unerkannte Tie Guanyin ist nicht so stark geröstet wie ich ihn in der Erinnerung hatte. Was ist los mit mir?

Nachdem meine Migräne heute morgen langsam abklingte, rief ich meinen Lehrer Atong an. „Ist dieser neue Tie Guanyin aus Muzha?“ „Ja.“ „Aber er ist so anders.“ „Er ist nicht anders. Er ist anders als Du denkst!“lachte er „ja, das Material ist anders, Menglin. Er wurde nicht so stark fermentiert und das Material duftet unglaublich schön, so dass ich ihn nicht so stark röstete. Du muss nicht das Endergenis lernen, sondern den Prozess!“ Ich dachte Tee zu lernen, ist die Erscheinung zu speichern. Nun zeigt mein Lehrer mir eine andere Dimension, die ich bis jetzt verweigert zu sehen. Das Material lernen, nicht statisch an die Erscheinung festhalten. Wenn ein Tie Guanyin schön blumig gemacht wurde, kann man ihn leichter rösten, so dass diese Schönheit anders glänzt. Aber ein Tie Guanyin ist ein Tie Guanyin, wenn man seinen ursprünglichen Duft und Geschmack tatsächlich speichert, wird man nicht verwirrt durch die bizzaren Erscheinungen. Man erkennt die Essenz! Dann muss ich jetzt sagen, ich bin noch nicht so weit!

Nach dieser kühlen heftigen Schauer, geht das Leben weiter. Der Anfängergeist ist so von Bedeutung, dass einige Überraschungen mich noch auf dem Weg warten werden. Diese Überraschungen werden mich immer wieder auf dem Boden holen und ich werde jedesmal seufze, „Ach, Anfängergeist!“

Banana, grüne Banana!

Atong und meine Mutter teilen ähnliche Schicksale als ein Kind aus dem armen Südtaiwan. Sie kannten den Hunger und Verhungern. Ich nicht.

Wenn Atong von dem grünen Banana spricht, wenn er einen schlechten Oolong erwischt, schimpft er über meine Generation und wird sentimental. Er sagte mir immer, dass dieser Oolong schlecht sein, weil er nach grünem Banana riecht und den rauen Nachgeschmack eines schlechten Banana im Mund hat. Für mich bedeuten solche Worte nichts. Ich mag Banana nicht!
Es gibt und wächst überall Banana auf Taiwan. Es ist nichts besonders an dieses Frucht! Meine Großmutter kaufte immer ein ganzes Stauden und lagerte sie im Reistopf. Sie, Bananas und Reis helfen sich gegenseitig, meinte meine Großmutter.

Meine Großmutter hatte 7 Kinder als eine Alleinerziehende. Drei Kinder sind verhungert. Vier überlebten. Eine Schwester meienr Mutter starb wegen Banana. Es wurde erzählt, dass sie eine reife Banana fand und Angst hatte, dass andere Kinder sie vor ihr wegschnappen konnten. Sie ass dieses Frucht so schnell und sie hatte so ein Hunger, dass sie erstickte.
Ach, wie könnte ich diese Geschichte vergessen? Wie kann ich das Frucht mögen?

Wenn Atong zu viel von seiner grünen Banana erzählte, fragte ich ihm zurück, „wie so isst Du nicht die reife Banana? Warum quälst Du Dich mit solchen unreifen Früchten?“
Er wurde sentimental. Er sagte, er habe nur solche unreife Früchte finden und essen können. Er fand sie noch unreif am Baum, bevor andere Kinder sie wegschnappten. Er grabte ein Loch im Garten, versteckte er seine Banana, die grünen. Als ein ungeduldiges Kind schaute er jede Stunde an diesem Loch vorbei, um zu kontrollieren ob die Banana schneller reifer werden konnte. Er sagte, die Banana wurde so oft gedrückt, so oft kontrolliert, dass sie zwar immer noch grün bleibt, aber so weich wurde. Er musste sie so schnell essen bevor die Insekten und andere Kinder sie finden konnten!

Manchmal denke ich, dass er seine Abneigung gegen die grünen Banana auf die bestimmten Oolong übertragen hat. Ich wurde einmal gezwungen, die grünen Banana zu kauen. Er stoppte mich, als ich sie schlucken wollte. Er stoppte, weil er es ungesund fand, solche Früchte zu essen. Auch meine Mutter wollte nicht, dass wir die Dinge essen, wie sie als Kind. Sind Ihre Kindheitserfahrungen für eine bestimmte Generation reserviert? Ich weiß es nicht.

Aber ich weiß, dass es bestimmte Dinge vorbei sind, weil es vorbei ist. Und es gibt bestimmte Dinge im Leben, salzig schmecken kann wie die Tränen – sie kristarisieren sich und so sauer und süss wie Ferment riechen – sie fermentieren im Körper weiter.

Atongs special

Jedesmal wenn Atong uns versucht zu erklären, wie ein schlechter Oolong sein kann, gibt er uns ein Stück unreife Banana! Alle Mitreisende im letzten Jahr mussten ein Stück unreife Banana essen, um ihn zu verstehen. Jedesmal wenn er mir erklären wollte, wann der Zeitpunkt der Fermentation beendet werden sollte, gab mir zu wissen, es sei wie reife Banana duftet. Mein Lehrer versteht nicht viel von Pädagogik. Aber er versteht, dass man eine Kultur nicht in eine andere verpflanzen kann und man eine Lebenserfahrung nicht einem anderen erzwingen kann.

Seit Wochen hört er nichts mehr von mir. Ich habe zu wenig Ruhe, zu wenig Raum für ein Gespräch mit jemandem, der mir viel bedeutet. Seit ich mich nur mit Shui Tang beschäftigt bin, beschäftige ich mich nicht mehr viel mit meiner Entwicklung des Tees. Ich mache kaum noch Fortschritte. Ich schwimme im Routine. Mit diesem Zustand kann ich mit meinem Lehrer nicht sprechen. Er rief an und fragte nach mir. Sicher hat er keine Erwartung von mir, aber ich habe meine.

Meistens bereite ich den Tee zu, was mein Gegenüber verlangt. Für mich selbst mache ich nur noch Dianhong daheim und Pu Er im Hintergrund. Mein Körper verlangt nach der Einfachheit, nicht nach Vielfalt. Die Vielfältigkeit des Oolongs bekommt er nicht. Der Körper ist im Moment müde.

Viele Leute sagen, dass Shui Tang ein Oase ist. Ich verneine es.
Wenn es ein Oase gibt, gibt es auch eine Wüste. Ist die Stadt Zürich eine Wüste, so dass Shui Tang ein Oase bedeutet? Wenn es so ist, dann sind wir alle mitverantwortlich für die Wüste!
Nein, Shui Tang ist ein Nebenraum, ein Wohnzimmer oder ein Nebenzimmer in Zürich. Jeder kann in den Raum eintreten, sich dem Tee widmen und dann wieder in den anderen betreten! Fliessend.
Ich will kein Oase in der Schweiz schaffen – denn es würde bedeuten, etwas Fremdes in einem fremden Kontext zu verpflanzen. Einfach nur ein Nebenraum neben einem anderen Raum. Es gibt nichts Dualistisches.

Mein müder Körper erholt sich gut, wenn er zwischen den Räume übergehen kann. Wenn alles fliesst. Wenn der Geist nicht mehr viel unterscheidet. Dann riecht er wieder gerne Faccetten von Oolong! Heute kam Holger wieder, immer extra eingereist aus Tübingen. Für den seltenen Gast holte ich gestern frisch eingetroffenen Atongs Specials! Atong hat in diesem Sommer zwei wunderschönen Oolong gemacht, kostbar und wunderbar. Er möchte, dass diese beiden Tees gelagert werden sollen. Denn sie gewinnen noch mehr durch die Reifung, und mit der Zeit!
Ich goss Holger den schönen Special Fancy Oolong. In dieser Gelassenheit und Harmonie- wenn ein Teefreund aus der Ferne, Dich extra besuchen kommt, dachte ich in den schönen Tropfen die Banana zu trinken! „Ach, Reife Banana!“ seufzte ich. „Ja, sehr reif.“ sagte er. Ich höre wieder, wie mein Lehrer spricht…

Der Duft des Paochungs 包種的茶香

Was ist Deine Muttersprache? Deutsch oder Schwizerdusch?

Was ist meine Muttersprache? In Taiwan meinen wir nicht Muttersprache, sondern die Sprache von meiner Großmutter – A Ma e wei 阿媽的話.

Paochung ist ein Tee, den selbst meine Großmutter ihn auch kannte. Aber sie kannte ihn noch als ein duftender klarer Tee, der nach leicht öffnender Blüte – zart, subtil duftet.

Wie jedes Kind aus Taiwan meiner Generation wuchs ich bei meiner Großmutter. Sie sprach nur Taiwanesisch und schrieb nicht. Während meine Mutter tagsüber die Kinder des anderen erzog, waren wir daheim zwischen den Häusern. Meine Großmutter war streng und herzlich; launisch und lieb; gemein und großzügig. Ich wusste nicht, wie ich sie einordnen sollte und war überzeugt, dass sie es selbst nicht konnte. Sie hatte Zuckerproblem und konnte das Süße des Lebens nicht genießen. Wenn sie anderen Menschen zum Spielball ihrer Laune machte, wenn sie selbst zu ihrem eigenen emotionalen Spielball wurde, schwor ich als ein kleines Mädchen NIE so zu werden wie sie. Aber ich habe sie in mir. Ich weiß.

Großmutter hieß „A-pang 阿香“, auf Taiwanesisch „der klare Duft“. Sie wurde zwei Male als Kind an andere Familie übergeben und wusste eigentlich nicht ganz genau, wer ihr tatsächlicher Vater war. Ihr Schicksal war genau wie viele andere Mädchen in ihrer Zeit – als ein kleines Mädchen an andere Familie weiter gegeben. Hat sie eine Heimat?

Mein Leben in Shui Tang ist schön und hart. Ich hatte vor allem sehr viel Zweifel – Zweifel an dem Teller, wo ich darin stecke, mein Zweifel an meine Handlungen, ob sie in dem mittleren Weg liegen, Voller Zweifel ging ich mit HP essen, sehr gut essen an einem sonnigen Abend. Mein Mentor merkte es und fragte mich nach meinem Heimat. „Hast Du eine Heimat?“ Er habe welche, sein Zuhause, seine Musik und seine Literatur. Dort schöpft er seine Kraft und erfrischt seinen Geist.

Habe ich eine Heimat? An jenem sonnigen Tag in Zürich, roch ich die frisch blühenden Wistaria, zarte Flieder und viele leicht öffnende Knospe. Der Frühling ist angekommen in meiner neuen Heimat, Zürich. Shui Tang ist mein Versuch, Wurzel in einem Boden einzuschlagen. Und vielleicht kommt paar kleine zu öffnenden Knospe bald hervor. Wo habe ich sonst meine Heimat? Ich weinte und die Tränen tropften in die gefallene lila Blüte der Wistaria. In Zazen bin ich zu Hause, im Tee bin ich angekommen. Wo habe ich sonst meine Heimat? In dem Zuhause meiner Großmutter.

Der Tee Paochung (Baozhong) verbindet mich stets mit meiner Großmutter Apang. Dieser traditionsreiche Tee riecht heute häufig nach Gemüse oder Grass. Er wird zum Grüntee konvertiert. Grün, grasig und utra leicht. Mit Hilfe von Klimaanlage versucht man heute den Welkensprozess zu übertreiben, um das „Grüne“ im Aufguss zu erzeugen. Weil das Welken sehr lang dauert, so dass die Blätter vertrocknet sind und nicht richtig erhitzt werden! Deswegen sind der Aufguss häufig trüb, grasig (was man im Europa mit „Frisch“ verwechselt) und fade. Und dieser Tee wird nun überall nachgeahmt – in Thailand, in Indonesien und in China. Hat Tee auch eine Heimat?

Als es dem Großvater gut ging, begleiteten meine Großmutter viele Dienstpersonal und das Haus war in dem berühmten japanischen Vierteil Zhongshan Beilu. Als es dem Großvater bergab ging, kehrten sie wieder zu dem alten Stammhaus zurück und dort starb sie. Wenn ich meine Schwester fragte, ob sie ähnliche Erinnerungen von diesem alten muffigen Haus wie meine hätte, schüttelte sie ihren Kopf. Waren wir tatsächlich aus dem gleichen Haus? Unsere Kindheit ist bereits vergangen, aber die Erfahrungen mit meiner Großmutter bleiben in meinem emotionalen Speicher. Das alte Haus ist eine imaginäre Heimat geworden. Je älter ich werde, je präsenter es wird. Langsam bin ich fähig, meine Kindheit zu verarbeiten, zu artikulieren und sie in einem Zusammenhang zu verstehen. Ich bin nicht anders als alle anderen Taiwaner auf dieser Insel. Unsere Geschichte ist miteinander verflochten.

Tee dient als ein Ferment in diesem ganzen Prozess. Als ich dem Paochung Premium vor paar Wochen endlich auspackte und selbst ihn aufgoss, stand meine Großmutter wieder vor mir. Diesmal in Shui Tang. Zart duftend wie Flieder, klar wie der Frühlingsbrise und so charmant wie die Wistaria am Hauswand von Shui Tang! Geschmeidig und sanft wie Seide!

Ich kenne meine Großmutter in mir, aber ich habe mich anders entschieden als sie. Ich bin freiwillig auf diesen Weg nach Europa gekommen und finde hier eine neue Heimat. Auch der Tee, hat nicht nur in China, in Japan oder in Indien seine Heimat gefunden, sondern auch im Hier und Jetzt.

Zheng Dongding Wulong Cha 正凍頂烏龍茶

Männer meiner Vaters Generation verwechseln Liebe und Pflichten. Männer wie er können nie nette Worte als Liebesbeweis aussprechen. Sie können das Negative und das Liebvolle nie auseinander nehmen.

Auch Männer in seiner Generation in der damaligen Gesellschaft Taiwans hatten ihre Romantik und Sentimentalität. Mein Vater heiratete meine Mutter aus Liebe. Er verpflichtet sich, die Familie zu ernähren, uns ein Zuhause zu geben, uns zusammenzuhalten, indem er auch gehalten wird. Eine Einheit, die zusammengehörig ist und sein sollte bis die Kinder mit ihren Flügeln das „Zuhause“ aufbrechen.

Für ihn ist die Liebe Pflicht. Pflicht, jemandem ein Zuhause zu versprechen, mit jemandem gemeinsame Wurzeln in einem Boden einzuschlagen. Nicht weiter zu wandern.

Viele Leute kamen zu Shui Tang verlangen nach Formosa Dong Ding Oolong. Dong Ding Wulong ist heute nicht mehr ein Name eines Tees, sondern eine Bezeichnung eines Wulong-Types. Eine Art von leicht fermentierten halbkugeligen Wulong, der heute sogar aus Thailand oder China kommen könnte. Was ist denn ein Dong Ding Original Wulong? Was sollte überhaupt ein „Zheng Dong Ding Wulong“ (Zheng bedeutet das „Originale“ )sein?

Ehrlich gesagt konnte ich diese Frage auch nicht beantworten. Was ist daran so besonders einen richtigen originalen Dong Ding zu erleben oder anzubieten. Nur Atong insistiert unbedingt diesen Tee als „Muss“ zu betrachen. Auf der Reise 2009 wollte er die Gruppe unbedingt in den Dong Ding Berg führen und unbedingt mir diesen Tee beibringen. Er sagte, „Dong Ding hat einen Dong Ding QUI 凍頂氣 – einen besonderen Geschmack, den nur Dong Ding hat!“ Er meinte, dieser Geschmack ist etwas Heimisches, etwas – für ihn, Taiwanesisches!

Mein Vater spricht nicht viel mit seinen Kindern. Überhaupt wenn ich nach Hause telefoniere, schiebt er das Telefon gleich an meine Mutter. Wenn er mit mir überhaupt spricht, dann schimpft er über die Entwicklung Taiwans. Er habe Sorgen, sehr viel Sorgen. Er sagte, wozu hat er sein Leben lang gekämpft, wenn seine Enkelkinder auf dieser Insel nicht mehr glücklich lachen und frei atmen können! Er verstand nicht, was die Menschen auf dieser Insel überhaupt zusammen hält! Er kann nie über Gefühle sprechen. Für ihn muss Dinge nie ausgesprochen und besprochen werden. Er unterdrückt sogar seine Emotion und trägt Trauer und Seufzer in seinem eigenen Bauch. Sehr ungesund und irrational für die anderen um ihn. Für ihn, gibt es nur das Einzige, was Menschen zusammen hält – Versprechung. Versprechung ist wie Pflicht – ich will dass Du hier sein kannst…

Atong weiss ganz genau, wo das Problem von Dong Ding ist. Das Gesicht von Dongding ist verwässert. Es kann nun alles sein – leicht fermentiert, grün wie Grass, aus China oder aus Taidong. Das spielt keine Rolle mehr, was der Tee schmeckt, hauptsächlich – er ist halbkugelig! Ja, die Form….

Die Form muss stimmen. Wer erinnert sich noch an dem Geschmack, den Dong Ding einst hatte und haben kann!!

Wer verspricht uns denn diesen Geschmack zu verpflichten?

Atong schimpfte einmal, wenn ich doch Yan-Yun 岩韻(FelsenGeschmack) verstehe, warum nicht Dong Ding Qui! Ich roch an den Tee, typisch Qingxin Wulong-Baum, elegant, lieblich und doch leicht distanziert. Selten gefällig und eher in sich geruht. Dongding ist nicht bekannt für seinen atemberaubenden Duft, er ist bekannt für seinen tiefgründigen Geschmack… Ich spüre einen Muskel auf meine Zunge, voller Kraft der Erde und Steinen. Vollmundig, aromatisch und kraftvoll. Es kann einfach nicht verwechselt werden mit dem Felsen in Wuyishan. Es ist etwas Einmaliges, was – diese Insel und nur diese Insel haben kann! Ich weinte.

Egal, wer Du bist; egal woher Du kommst, wir wollen irgendwie einfach nur sein. Irgendwie irgendwo wie zu Hause sein. Wir suchen das, was wir häufig als Zugehörigkeit verstehen.

Egal was für einen Tee, was für eine Zeit. Egal wie die Zeit sich ändert und wandert, wir suchen einen Geschmackt, der den Wechsel der Zeit und den Wechsel des Trends überdauert. Was ist das, das als Gegenpol in der Wechselhaftigkeit des Lebens sein kann?

Mein Lehrer Atong sucht und vergiss den Geschmack des alten Dongding nicht. Für ihn ist die Veränderung des Trends und Verschiebung der Vorliebe der Gesellschaft unbedeutend. Er sucht, eine Zugehörigkeit in dem Geschmack dieses Tees, der in seiner Erinnerung fermentiert ist – ein Geschmack wird zu seinem Gefühl des Glückes fermentiert.

Auf meiner Zunge ist die Kraft dieses Berges immer noch präsent. Der Geschmack ist bereits vergangen. Glücklich und zugleich traurig. Auch ich fühle mich wie mein Vater, der viele Dinge nicht mehr aussprechen kann und mag, und Liebe ist manchmal einfach wie ein Pflicht.

Dongding Su

Reisegruppe 2009 in Taiwan bei Teebauer Su im Dong Ding Berg.

Gestreckter Formosa Oolong

In der taiwanesischen Zeitung The Liberty Times machte es vieles klar, was die jetztige taiwanesische Regierung über Formosa Oolong denkt.

http://www.libertytimes.com.tw/2010/new/feb/22/today-fo5.htm

Formosa Oolong ist kein Kulturgut einer Tradition oder einer Gesellschaft. Formosa Oolong ist bloss ein Ware.

Die Beamte sind dafür, den Import Tee aus China zu erlauben. Es ist nichts dagegen einzuwenden. Erlaubt ist auch, den importierten Tee mit Formosa Oolong beizumischen. Auch eigentlich nichts dagegen einzuwenden. Erlaubt ist auch, die gestreckten Mischung als Formosa Oolong zu verkaufen, sofern die Händler die Proportion „klar“ deklarieren!

Was ist denn eigentlich Formosa Oolong? Eine Illusion!

Was bedeutet Identität? Was heißt Kulturgut?

Was kann Formosa Oolong noch werden? Ein Ausstellungsobjekt im Museum des Gedächtnis!

Wie kann noch ein Land werden unter solcher politischen Führung?

Die Teebauer auf Formosa weinen. Ich auch? Nein, ich bin wütend.

Ich danke Tsai-Weis Hinweise von diesem erschreckenden Nachricht.

Lishan Hochlandsoolong – Eine Alchemie

Meine Schwester und ich streiten immer auf der Reise, vor allem in Japan. Ich muss bei jedem Lackwaren und Keramik Geschäft rein schauen, wärhend sie bei jedem Kosmetik und Mode-Geschäft gestolpert ist. Sie belächert meine Zuneigung für „Hobby von reicher Tochter“, weil Teatoys für sie eben Freizeitsgeschäftigung für reiche Kinder sind. Ich verteildige mich damit, dass ich selten Geld für Kosmetik ausgebe, eben nur für Teatoys.

Ich habe nichts gegen Kosmetik, nur etwas gegen die verkaufte Vorstellung, wie eine Frau sein muss. Ich glaube nicht an die Illusion von weissen jungen Haut, sondern an eine andere. Ich kaufe Kosmetik von Alchemie. Ich glaube an Zauberstab und geerntete Blüte nach Sonne- und Mondphase. Eine treue Kundin bin ich von Lunasol. Zu Weihnachten habe ich mir Blütecremen von dem neuen Zauber gekauft. Eigentlich war ich ein wenig enttäuscht von den leisen Töne der Duft im Cremen. Ich liebe Rosen über alles, aber dieses Rosencremen duftet nur „latent“. Ganz anders als Weleda – ich rieche sofort ein Hauch von Rosenmeer…

Trotzdem trage ich ganz fleißig das Creme ein, denn es eine Konsistenz ist, die einfach für sich selbst spricht! Ob das Creme der Alchemie tatsächlich besser ist, war ich recht unsicher.

Genau so verstehe ich nicht, warum man auf Lishan Hochlandsoolong abfährt. Der Hochland aus Alishan ist für mich gut genug und rate stets meine Klienten diesen zu bevorzugen. Wozu Lishan? So teuer und nicht wesentlich viel besser als der Alishan! Bis vor zwei Tagen war ich fest der Meinung.

Walter kam mit seinem guten Kumpel ins Shuitang. Der unbekannte Mann war schwer zu knacken. Walter warnte mir davor – er sei ein Fall für Menglin. Er war mit Alishan Hochland nicht zufrieden, denn dieser Oolong mit ihm sprechen wolle. Er will aber keinen Tee, der ihn stört! Dann kritisierte er an Fancy Nostalgie, „Was für einen schweren Tee! Ich will etwas Leichtes!“ Ich bewegte mich nicht von all seinen Kommentaren. Ein Tee zum Bücherlesen, mehr nicht, sagte er. Einfache Formulierung verbirgt einen Anspruch auf Absolutheit – der Tee muss das machen, was ich will. Naja, so ein Typ wird nicht einen Tee begegnen, der genau so „einfach“ ist wie er.  

Ich packte den Lishan aus – nun sind wir bei Top-Ende gelandet. Langsam stieg der Duft in unsere Nase und errecihte unser Herzen. Sie seufzten. „Wie schön, schön elegant und voller Bergblütehonig!“ sagte der vorhin klagende Mund. Ich roch noch keine Blütenhonig, ich befand mich noch im Blütenmeer. Blumenwiesen an einem Berghang, waren es Birnenblüte oder Apfelblüten? Mein Vater hebt bis heute ein altes Foto von mir auf. Es war vor 32 Jahren, ich lächelte herzig unter einem Birnenbaum auf Lishan (Berg der Birne) neben dem Villa von Jiang Jieshi. Mein Vater eröffnete gerade sein eigenes Büro und lud alle Angestellte ein, eine gemeinsame Reise zu machen. Meine Schwester erbrach während der ganzen Autofahrt und mein Bruder schlief immer wie ein Angel im Muttersarm… Leicht, unbeschwert und entspannend wurden die Augen wieder geöffnet, blumige Süsse hüllte den Mund und die florale Frische klärte die Nase. Ich sass in Shui Tang, aber mein Herz bekam Flügel und war dort, wo es sein wollte…

Der Gast war glücklich, so glücklich zu wissen, dass sein Geschmack eben so teuer ist! Das ist auch eine Bestätigung für ein Ego, nicht wahr? Als ich wieder allein war, roch ich noch an die kalt gewordene Tasse. Ich hing immer noch an den Bergduft, an die Bergblumen und an die zarte Erinnerung der unbeschwerten Zeit. Plötzlich erinnerte mich der leise präsente Duft an den Duft auf meine Haut. Das leise Creme, gewonnen aus der ständigen Rühren zwischen Sonne, Mond und Blüten, durch die so genannte Alchemie wird es zu einem Vermittler zwischen Menschen und der Natur. Ich weiss nicht, ob die Alchemie wirksam ist. Mir ist es eigentlich egal. Es ist eine schöne Illusion zu glauben, ich sei auch in Blumen und Blumen in mir. Es ist ein wunderbares Moment den Lishan Hochland zu verstehen, dass dieser Tee auch wie ein Zauber wie Alchemie sein kann, Raum und Zeit zu versetzen. Ich bin in Zürich, in Shuitang und gleichzeitig mit meiner Familie in meiner Kindheit!

Eine Verwandlung eines Tees

Eine Verwandlung eines Tees

Kalt, nass und grau ist es im Moment in Taipei.

Zart, frisch und leicht ist ein Tee, der bei Atong gerade eintrifft. Was ist passiert und was wird danach, wenn er sich von Atong praegen laesst?

Wie wird ein Mensch, wenn er beginnt über seine Vergangenheit zu reflektieren und sich von Lebenslauf prägen laesst, anstatt davor zu fliehen?

Aiping lernt sehr fleissig Tee und wird gefordert, weil Atong immer mehr an seinen Rueckzug und seine weitere Entwicklung denkt. Er moechte sich irgendwann zurueckziehen. Gestern brachte Ceng, sein Schueler – der Fondmanager, ein Prospekt zu ihm und stellte ihm die Frage: Du hast nun zwei Wegen: 1. Geben Dein Know-How offen weiter und unterrichte allen Teebauer in Taiwan, um den Formosa Oolong in eine andere Dimension zu ermoeglichen: oder 2. Du verstaerkst Dein kommerzielle Interesse und beginnt tatsaechlich dein eigenes Marke zu vermarkten. DU hast nur eine Wahl. Atong lachte und sagte, er wolle sein Leben selbst steuern…

Heute gab er uns 4 Teemuster zu testen. Aiping gab stets ihre Kommentare, was fuer Probleme diese 4 Tees haben koennten. Sie dachte, diese Tees haben alle Makel. Er schlief im Stuhl, waehrend wir testeten. Ich weiss, dass Aiping besser ist als ich und wusste sehr gut, mich zurückzuhalten. Fuer mich haben diese Tees nicht unbedingt Probleme. Sie sind halt leise, aber ich bin eher der Unwissende in dieser Runde. Sie kommentierte ganzer Zeit und stellte stets fest, dass diese Tees langweilig und problematisch seien. Ploetzlich gab uns der schlafende Meister Kommentare: „Die Tees haben kein Problem, aber Du schon.“ Wir lachten zwar, aber verstanden nichts.

Eines war klar, dass diese beiden Tees Tie Guanyin waren, und aus sehr hohen Lage. Ich betrachte die wunderschönen Blätter und ihren festen Körper. Der Duft ist zwar leise, aber sehr präsent. Ich kann nichts dagegen und auch wenig dafür sagen. Atong lachte über unsere Vorurteile und Vorbehalt. Er sagte, diese beiden Tees seien sein Glück. Sie sind elegant und leise. Die kleine Fehler koennte er durch seine Roestung verbessern. Und das schlechte wird besser werden…

Wir, die kleinen Schüler schauten uns gegenseitig an und lachten über unsere Unfähigkeit. Ich bat noch mehr Lektion zu Roestung. Atong grinste und holte zwei Muster aus seinem Zimmer.

Man merkte sehr schnell, wo der Unterschied liegt. Ein Tee, der leicht noch nach geroesten Bohne duftet. Wenn man diesen Geschmack ueberwindet, oeffnet sich eine unglaublich farbhafte Welt voller Blumen, Furchte und Farbe! So nachhaltig! Ich rief, „Meister (Laoshi), hen Chijiu Ye (sehr ausdauernd…)“ Aiping lachte:“Ja, Meister freut sich, dass Du weiss – er sei ausdauernd…“ Diese sexuelle Anspielung brachten uns richtig zu lachen. Diesmal wurde der Meister zum Schweigen gebracht.

Der andere Tee zeigt uns sein zartes Glieder, feine Figuren und schmeidige Lächeln. Frisch, sehr blumig, leise und präsent… Aiping sagte, sie würde den ungeroesteten dem geroesteten bevorzugen…. 

Diese beiden Tees, von edeler Herkunft – dies ahnten wir von Blattform und seinem Aufguss. Wie sollte man denn einen edelen geroesten Tee beschreiben?

Jeder, der Atong kennt, weiss, dass er von politischem Korrektheit nichts versteht. Er sagte, dieser schoene ueber Holzkohle geroestete Lishan sei wie eine elegante Dame, von edeler Herkunft, intelligent, gebildet und hat vieles im Leben erlebt. Sie weiss, wie sie vom Leben gleiten laesst und was sie will und nicht will… Er schaute zu mir, „wie Du…“ Aiping ergaenzt, „Aber sehr teuer!“ Wir lachten zusammen.

Atong zeigte seine Feuerstelle. Er roestete gerade noch eine Partie von Lishan Hochland. Die weissen Stelle auf dem Korb wissen wir bereits, was das ist -  das durch Hizte in der Roestung kristalisierte Teein.