Dazwischen

頻相顧
餘歡未盡
欲去且留連
秦觀
Ich sollte gehen, blicke aber zurück.
Die Freude sollte schon längst vergangen sein, bleibt aber zurück.
Ich sollte gehen.
Meine Schritte schreiten nicht.
Qin Guan (1049-1100), Song Dynastie China

Er hatte Liebeskummer. Bedrückt und depressiv.
Ich lernte ihn an eine Veranstaltung kennen. Eine Veranstaltung, die mich sehr viel bewegte und nachdenklich machte. Eine Massenveranstaltung, wo ich als Entertainerin auftrat und viel Geld verdiente. Aber glücklich war es nicht.
Wir haben gemeinsame Bekanntschaft. So kam er mich in Shuitang besuchen.

Gerne sass ich am seinen Rostoffen. Es war zu kalt, aber ich war zufrieden. Selten fühlte ich mich so zufrieden mit dem, so wie es ist. Ich war wieder zu Hause, wieder bei Atong und wieder unter den Düfte des Tees. „Was röstest Du?“ „Mein privates Glück.“ antwortete er mit Schalk. Privates Glück? Ich weiß, dass er die Einsamkeit und Nichts-Tun selten aushält. Ein privates Glück für die Stile des chinesischen Neujahr. „Bist Du einsam.“ scherzte ich zu meinem Lehrer. „Nein. Ich habe meinen Tee.“ Ich sass immer neben dem Ofen und roch an den enstehenden Tee. „Was ist dieses Mal?“ „Ein Rougui. Ein Gift.“

Diesen Gift bekam ich zuerst nur 600g. Ich bekam ihn, weil ich frech genug war. Warum will er denn nicht mehr rösten und mehr Geld verdienen? „Gute Dinge sind rar, mein Mädchen.“
Für die kummervolle Seele bereitete ich einen Gift.
Er sagte, er wolle ein BMW kaufen. Seine Freundin sei von einem BMW-Fahrer entführt. Ich lachte und möchte ihn zwei Fragen stellen. „Wenn Du diese zwei Fragen beantworten kannst, finde ich auch gut, einen BMW zu besitzen: 1. welche Frauen möchtest Du mit BMW anziehen? 2. Sind diese Frauen, die so angezogen werden, Deine Herzensdamen?“ Sein Kopf hing.
Rougui hat laut Atong leicht prickelnde Note wie Zimtrinde, der uns in einem Garten von Wärme und Sinnlichkeit versetzt. Dieser Gift – Rougui duftet nach Früchteparadies. Wir rochen Banana, Ananas und Guaven. Auch Lichee war in greifbarer Nähe. Oder Longgan war gerade auf meine Zunge. Der Abgang des Giftes wirkt wie die Spuren der Weihrauch und Mochus. Die Vielschichtigkeit dieses Tees verführte meine Gäste in einer unbekannten Welt. Ihre Gesichter strahlen Freude! Eine Dankbarkeit steigt in unser Bewußtsein.

„Weiß Du, in meiner Position geht es nur um das Geld. Um immer weiter zu kommen geht nur über die Leichen.“ „Du hast sehr wenig Vertrauen in Menschen.“ „Nein, ich bin selbst nicht ehrlich.“ er gestand diese Eigenschaft, die ihn zur Karrier-Leiter führt. „Ich bin so unglücklich. Aber wenn man weiter kommen will, kommt man nicht ohne Manipulation und Machtspiele aus.“ „Warum willst Du weiter kommen?“ Er fing an zu weinen.
Er sagte, dass er seine Energie 80% an die Arbeit investierte und 20% seiner Energie für seine Freundin. Nun merkte er, dass er so unglücklich ist mit der Arbeit und wußte, dass er bald für seine Firma als „verbraucht“ gilt. Und seine Freundin ist weg. Was hat er falsch gemacht? „Wo warst Du denn? Was hast Du für Dich selbst gemacht?“ fragte ich ihn mitgefühlsvoll. „Ich?“ er fragte sich selbst, „ich weiß es nicht. Ich kenne mich eigentlich gar nicht.“ er heulte. „Wie finde ich mich wieder?“
Ich antwortete sehr vorsichtig. „Für manche ist es der Tee.“
Tee?
Ja, Du muss einfach nur jeden Tag 10 Minuten nehmen – zuerst jeden Tag nur 10 Minuten. Das Wasser kochen, die Teeblätter nehmen und langsam aufgiessen. Abwarten und geniessen. Wir investieren jeden Tag zuerst 10 Minuten in uns selbst. So langsam gehen wir auf den Weg nach Hause durch Tee. Bryan nickte seinen Kopf neben ihm. Er kaufte paar die Spielzeuge von Shuitang und spielte an einem Abend eine Stunde lang mit Tee und dann lag glücklich eingeschlafen im Bett.
Meine Hand streichelte sein zitterndes Schulter. Worte waren nicht nötig. Das Verlustgefühl bringt uns einfach Schmerzen und nicht mehr. Schmerzen halten uns immer vor weiteren Schritte zurück. Ach, wozu! „Was ist Liebe?“ Jemanden ein Blumenstrauss zu schenken, wenn er geht.“
Sie wollte alle den Gift kaufen. Ich wollte zuerst nicht. Warum sollte ich? „Noch nie so einen Tee erlebt.“ er seufzte, „so kann ich nicht nach Bern zurückfahren!“
Der Tee wurde schon längst getrunken, aber die Wirkung bleibt.

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