Archiv der Kategorie: Formosa Oolong Tea 台灣烏龍茶

Duft von Narzissen

Bevor Sven nach Freiburg zog, pflanzte er mir paar Zwiebel auf meinem Balkon. Er sagte, es sei eine Ueberraschung.
Eine schöne Ueberraschung, wenn dieser Frühling so früh anklopft, sah ich eines Tages blühende Narzissen vor meinen Augen.
Ich wollte nie ein Haus haben, weil es viel Kompliziert ist, sich mit einem Haus zu beschäftigen. Sehr wahrscheinlich liegt irgendwo in meinem Schatten aus einem Haus zu stammen, wo man seit 6 Generationen wohnte.
Eine ideale Form des Lebens ist für mich irgendwie ohne zu viele Unbewegtes bei sich zu haben, zum Beispiel ein Haus, ein Grundstück oder ein Stück wertvolles Möbil. Ich bin gerne eingeladen von Menschen, die irgendetwas besitzen. Sie besitzen es und müssen sich darum kümmern, während ich jeder Zeit abhauen kann.
Sich mit Pflanzen zu beschäftigen tue ich nur mit Kamelia Sinesis. Bei mir überleben aber nur die trockene Form von dieser Gattung oder die selbstständigen Orchideen, die mit mir klar kommen und immer blühen.

Es gibt eine speziele Art von camelia Sinesis, sie heisst Narzissen – Shui Xian, eine Gottheit des Wassers.
Aus diesem Pflanzen des Camelia Sinesis macht man meistens Oolongs und neulich immer mehr Schwarztee. Bekannter Shui Xian kommen aus Guangdong, auch angepflanzt von spezieler Minderheit in China, meistens in Hochland und wenn er von dort stammt, hat er einen wunderbaren Abgang, der uns an das Unbewegte des Lebens erinnert, an Bergen, an Felsen und an einem Halt. Natürlich gibt es auch in Fujian Shui Xian, zum Bespiel aus Zhangping, wo man diesen Tee zu einem viereckigen Ziegel presst und im Papier wickelte.
Aus Taiwan werden diese Pflanzen oft in der Nähe von Taipei angebaut, denn Wenshan-Gebiet (der Bergregion um Taipei) ein ältestes Teeanbaugebiet Taipeis ist. Dort kommt wunderschöner Shui Xian in Oolong und auch als Schwarztee, der ganz selten ist und seit zwei Jahren wieder nicht verfügbar ist.
Sicher kommt auch Shui Xian aus Mingjian von Atongs Garten. Dort ist der Shui Xian als ein allein stehender Baum und wird als Shui Xian Dan Cong bezeichnet. Ich nenne ihn in Shui Tang der Garagebaum – jenseits von jeder Tee-Romantik. Der Shui Xian Dan Cong von Atong steht halt vor dem alten Garage!
Romantik bei Namen des Tees zu suchen ist überflüssig. Der Duft von Shui Xian versetzt mich nach meinem Heimat, wo im Moment ganz heisst in der politischen Auseinandersetzung steht und die Menschen müssen sich überlegen, wohin wir weiter gehen – gemeinsam weitergehen. Ich rieche die schönen Narzissen, nehme eine Tasse Shui Xian aus Shiding und mein Heimat ist nicht so weit.

Der Rest von Asche

Der Rest von Asche

(Fortsetzung von gestrigem Beitrag)
Natürlich weiss ich wie man mit dem Slogen „Der gute alte Geschmack“ sich profilieren kann. Was ist denn schon der alte Geschmack?
Mein Lehrer Atong, Chen Huang Tang, hat ein kleines Geschäft versteckt zwischen den Gassen Taipeis. Das kleine Geschäft ist in Japan recht bekannt, auch wenn er auf eine sehr taiwanesische Art von Japanisch spricht. Sein Hobby ist gutes Essen zu spionieren.
Das kleine an der Dan-An-Distrikt sitzende Geschäft ist nicht nur der Ort, wo berühmte Weinhändler aus Nappa oder Europa um Rat suchen, sondern auch das Mensa, wo sich an jeden Mittag uneingeladene Freunde und Kollegen versammeln. Das, was mein Lehrer täglich kocht ist der so genannte alte Geschmack. Mit reifen Sojasosse geschmorte traditionellen Gerichten, von besten Fleischteile zubereitetn Einstöpfe oder fast verschwundenen eingelegten Gemüsen…
Der Tee, den wir machen, ist genau der alte Geschmack und aus der traditionellen Herstellungsmethode. Aber, das, was er macht, stiesst keine grosse Resonanz auf dem grossen kommerzielen Markt Taiwans. Er ist zwar berühmt, aber hat mit dem Geld nicht sehr viel Erfolg. Was hat er eigentlich verdient mit dieser aufrichtigen Haltung?
In „Zone pro Site“ hat der Kochlegende der jungen Xiao-Wan gesagt: „

Ein Wanderkoch bekommt Freundschaft und Wärme von seinen Essern. Das ist nicht nur das, was er verdient – das wichtigst ist, der Freude voller Herzen!

Du kannst nicht etwas kochen, um allen zu gefallen. Aber etwas zubereiten, was Dir Freude macht. Das, was Dir Freude macht, schmeckt am meisten!

Atong hat immer Freude an Tee und sein Tee macht uns Freude.
Bei meinem jetzigen Rückflug gab er mir eine Tüte voller riechenden gestrockneten alten Rettich… was angeblich eine unglaublich gute Suppe verfeinert und paar Flaschen sehr reifen traditionellen Sojasosse. Ich stand dort orientierungslos. Ich habe die geistige Haltung nicht, um einen alten guten Geschmack wieder auf den Tisch zu bringen. Wie komme ich denn zu diesem alten Geist?
Er sagte, den Tee abzuwarten und so zu verarbeiten – mit viel Zeit und Aufwand wie unser Vorfahren – ist der alte Geist.

Der alte Geist… ich suchte in meinem Gedächtnisspeicher im Flugzeug.
Ist das, was meine Grossmutter in meiner Kindheit an jeden Morgen ein Topf voller Paochung zubereitete? Mein Vater musste den Tee zwei Male am Tag an die Strasse bringen. Ein Topf voller Paochung mit zwei Tassen war wahrscheinlich ein Freude von durstigen Passanten und eine Herzensangelegenheit meiner Grossmutter.
Oder ist der alte Geist in dem Geschenk, was Adrian mir gestern aus Kyoto brachte – Ein Rest Asche von Jack.
Bei jedem Tee, bei jedem Treffen und bei jedem Jahr wird Asche immer wieder mit Tee und Sake besträubt und mit neuen Kohle durch und durch neu vermengt und vermischt. Jahr zu Jahr entsteht immer mehr Asche, Mal zu Mal immer wieder neu verteilt. Asche ist praktisch das Wichtigste, was ein Teemensch bei Hausbrand mitnimmt und das, was als Rest der Erinnerung an Tee bleibt.
Jack sagte, diese Asche sei auch gemischt mit der Aschen seiner zwei Meister.
„War es nicht schwer?“ das ist ein Pack von fast 2 Kilos!
Adrian zuckte sein Schulter. Ein Auftrag des Meisters – „Ich sollte Dir diese Asche bringen.“

Zone Pro Site

Das wieder aufgeweckte Geschmackserlebnis kehrte plötzlich auf meine Zunge, begleitet von der sehr taiwanesische Musik und Gesang – bitter, sauer, salzig, süss und unbeschreibbar!
https://www.youtube.com/watch?v=7cLFV1Nzv2o
https://www.youtube.com/watch?v=qj9yjzOjvS0&list=PLBi7XfVlh86lIrVzWF_8JXDsnByZ0u5WS&index=6
Die kurze Beschreibung von Zone Pro Site lautet:

Vor 20 Jahren gab es in Taiwan drei Legende bei dem Strassen-Catering. Die drei Köche bereicherte kulinarische Landschaft von Taiwan.
Mit der Veränderung der Gesellschaft, die Strassen-Catering verschwindet sich immer mehr aus den Augen und die Meister lassen sich selten hören. Einer von diesen drei Legende wollte sein Können seiner Tocher weiter geben, aber sie, Xiao-Wan wollte nur Model werden. Sie wollte nur schön vor dem Publikum glänzend anstatt schmutzig auf der Strasse beim Kochen gesehen zu werden.
Xiao-Wan konnte ihr Geschicksal jedoch nicht ganz entfliehen…

Xiao-Wan ist ein dummes Mädchen… sie fragte, was bringt einem, wenn man einen Tisch voller Teller kochen kann?
Ein Koch von Strassen-Catering wandert von Ort zum Ort, von Strasse zur Strassen. Ihr Vater hinterlässt ihr gar nichts ausser einem per Handgeschriebenen Kochbuch, was ihr egal sei. Was hat er bekommen von seinem Leben ausser einem Kochbuch, was seine Tochter nicht einmal wollte? Was ist eigentlich der gute alte Geschmack, was er konnte und was sie nicht mehr schaffte?

Der Ziehvater meiner Grossmutter war auch ein Wander-Koch. In der Teisho-Periode wanderte er mit einem Lehrling auf den Landstrassen Taiwans von Dor zu Dorf und von Familie zur Familie. Irgendwann gab er meiner Grossmutter an meine Familie. Das Schicksal meiner Grossmutter war eins von vielen in der damaligen Zeit. Meine Grossmutter kochte hervorragend. Exact gesagt, sie kann sehr gut bewirten und Bankett zaubern. Wenn sie sich auf Kochen konzentriert, gleichte sie ein Samurai. Meine Tante erbten ihre KOchkunst, während ich mir sagte, „was bringt mir, wenn ich einen Tisch voller Teller bezaubern kann!“
Heute macht man immer den Begriff „den alten guten Geschmack“ zu einem Werbeslogen. Ich bin eine Verkäuferin und weiss natürlich sehr gut, wie man Geschäft mit diesen Dinge macht. (Fortsetzung kommt…)

Die Letzte Rest-Suppe

Die Letzte Rest-Suppe

Bein Essenszeiten tauchen immer plätzlich Esser bei Atongs Geschäft auf. Uneingeladen und unangeldet. Zwischen den Teller gibt es immer eine Suppe, die von den Rest von Gestern und von Vorgestern.
In Bodman, wenn wir uns zum Tee in der anderen Hälfte des Jahres treffen, mischte Detlef auch immer ein Ursucha von dem Rest des Tees. Alle Tees, die wir zur Uebung gesiebt haben, mischte er zu einem Blend, nennte ihn als der Jahresrückblickende Tee!
Jahresrückblickend.
Manchmal Lebensrückblickend, nicht wahr?
In meiner Kindheit, packten wir immer nach einem Bankett essen unser Geschirr aus und holte den Essensrest auf den Tisch mit nach Hause. Die Strassen wurden gesperrt und Chef-Koch, der so genannte Zong Pu Shi wurde abholt, Küchehilfe arbeiteten und das Essen wurden gerade an Strassenecke zubereitet.
Die Suppe, die meine Grossmutter mitnahm, wurde immer wieder erwärmt und geschmorrt. Diese dicke Flüssigkeit auf den Reis schmeckte unglaublich Appetit-Treibend, als ob diese Suppe das Beste von Bankett wäre!
Später fand meine Mutter so eine Rest-Suppe unhygenisch und das immer Auferwärmtes ungesund. So eine Suppe verschwindet aus unserem Esstisch und auch aus den Szene von Kindheit meisten Menschen.
Auf meinen Rücklfug kehrte plötzlich dieser Geschmack der Rest-Suppe wieder auf meine Zunge als ich den Film Zone Pro Site (Zong Pu Shi) anschaute.

Bilder: Das letzte Essen vor meinem Abflug bei Atong. Der Fisch machte er extra für mich, weil es so selten ist im Europa gute Fische zu essen.

Teemensch beim Nudel-Stand in Nantou

Teemensch beim Nudel-Stand in Nantou

Nantou, ein Städtchen. Nur bekannt fuer Menschen die guten Tee lieben.
Abseits von Mainstream sucht mein Lehrer immer nach dem richtig guten Essen!
In dunklen Gassen und über feuchten Flur gelanten wir endlich unser Ziel. Einfach eine gute Nudelsuppe wie sie sein muss, zu essen!

Auf dem wand haengen immer noch Fotos von den bekannten Gesichter meiner Teefreunde! Die letzten Reisen hinterlassen deutlich Spuren bei einem Nudelstand in Nantou!

Ein Aermel voller Düfte – Oolong aus Shan Lin xi

Shan Lin Xi
Ich habe wirklich viele guten Tees in meinem Leben getrunken. Oft handelt sich nicht mehr um einen so gegannten guten Tee, vielmehr geht es mir um einen Tee, der mich bewegt und inspiriert.
Oft habe ich meinen Lehrer Atong gefragt, weshalb er keinen Oolong aus Shan Lin Xi hat. Seine Antwort war immer, wenn er einmal einen guten findet! Wie schmeckt ein guter Shan Lin Xi?
Man sagt oft, dass es im Sommer bei Teegeschäften ein Sommerloch gibt. Sommerzeit, Eis-Zeit. Auch Besucherzeit. An so einen warmen Tag kommt nur gewollter Besucher. Letzte Tage empfange ich viele Besucher aus der Ferne, wegen Tee wegen Menschen. Für meinen Besucher bereite ich den neuen Shan Lin Xi. Einerseits weil ich ihn näher kennen lernen möchte – es ist schön mit Teefreunde gemeinsam ohn zu erkunden; andererseits weil er unbekannt ist unter den Teefreunden.
Von den entzückten Augen und begeisterten Miene beobachte ich den Erfolg dieses Neuankömmlinge. Ein Aufguss nach den anderen, Ein Atmenszug nach einem anderen. Düfte betörten unsere Sinne – Blüte aus Süden… waren es Osmanthus, Rosen und Lilien? Sanft im Gaumen, dickflüssig auf der Zunge, Nachklang wie Balsam. Angenehm und ungewöhn zugleich. Fremd und vetraut gleichzeitig.
Gegen Abend nachdem letzte Gäste aus Amerika Shui Tang verliess, draussen auf den Neumarkt herrschte noch Lärm – Samstagabend im Sommer gefüllt von Gespräche und Gelächter, schaute ich die bergvolle Blätter aus Shan Lin Xi erinnerte ich mich an einen Ausdruck, wie ich diesen Tee beschreiben würde…
紅袖添香 Hong Xiu Tian Xiang
Roter Aermel voller Düfte
Ich liebe Düfte und sammle gerne verschiedene Düfthölzer und Harz. Nicht wegen esoterischem Spass, sondern aus reiner Liebe. Ich liebe den Aufwand, wenn ich Duftkugel aus Dufthölzer, Honig und Harz knete, wenn ich Asche siebe, wenn ich so aufwendig den Duft geniesse. Ein Hauch von Ruhe und Frieden. Meistens brenne ich auch Rächerstäbchen, nur weil es Fremdgeruch vertreiben soll. Aber für Spass und für mich, bringt der Aufwand mir innerlich viel mehr. Bei jeder Schritt der Vorbereitung wird der Ärmel immer wieder von Duft gefüllt.
Ähnliche Handlung, ähnliche Frieden und Freude wiederholten und beglückten wohl auch Menschen in alten China. Es wurde gerne erwähnt in der männlichen Phantasie der alten Zeit. Bei einem Buch begleitet von einer Schönheit, dessen Aermel voller Düfte – was will man mehr von Leben?
Shan Lin Xi Hochlandsoolong von Atong begleitete mich und meine Gäste an jenem Samstag bis spätem Abend. Er wird wie der Aermel voller Düfte noch weitere Menschen bei einem Buch, bei einem Besuch oder bei einem Sonneuntergang begleiten.

Ein gelagerter Shui Xian aus Shiding

Ein gelagerter Shui Xian aus Shiding

Dank Teeclub habe ich meine Lager neu sortieren müssen, weil wir uns zusammen über die Lagerung von Oolong vertiefen wollten. Auf einmal wurde mir bewusst, dass ich viele gelagerte Tees aus dem Jahrgang 2009 aufbwahre. Warum nicht eine Runde von diesen Tee degustieren? Diese fünf verschiedenen Tees von verschiedenen Röstung, Oxidationsgrade und Pflückgut (von Zikaden befallen) zeigen uns verschiedene Gesichter nach 4 Jahren…
Es waren: Jinxaun stakr geröstet, Oriental Beauty von Da Man Zhong (meine private Sammlung von einer seltenen Baumsorte – diese Sorte treibt sehr langsam im Frühling und ist deswegen sehr unbeliebt. Heute werden diese Buschart aus dem Teefelder ausgerottet, weil sie zu langsam sind. Ich machte dann Anspieglung auf die typische schweizer Art… und erntete Lachanfall! Also die Anwesenden hatten echt Humor. Ich denke SVP hätte sicher das Gefühl, dass das Alpenvolk ein vor Aussterben beschutzt werden soll. Ansonsten würden sie nicht so viel Angst verbereiten.), Zheng Dongding, Shui Xian, Huang Jin Gui. Zheng Dong Ding hat allen gefallen. Aber mir hat der Shui Xian besonders angesprochen.

Das stimmt, dass ich im Moment nur arbeite. Zwei Traumprojekte, die Vorbereitung für eine Traumreise mit 18 Wilden, ein laufendes Ladengeschäft, ein Saison von Teeeinkauf und so weiter – machen mich total zur Stimmung voller Jammer. Manchmal traume ich schon, dass ich alles nicht schaffe und mein Flugzeug verpasse. Ich versuche mir stets zu sagen, Step by Step – auch ich werde ankommen. Aber die innere Zeigefinger lass einen nicht immer in Ruhe. Wir sind manchmal der schlimmste Feind und der strengste Kritiker von uns selbst.

Ich sagte Carola, dass es schön wäre, wenn wir diese Tees noch einmal degustieren. Sara kam heute zum Zazen und wir degustierten zu viert noch einmal die 5 Tees. Der Shui Xian sprang sofort für uns beiden aus dem Rahmen. Wir fühlen uns sehr angesprochen von diesem Oolong. Sie sagte, dieser Tee ist so reich an Faccetten, stark im Ausdruck und voller Power! Eine junge Seele sagte sie. Ich schüttelte meinen Kopf…
Ein Shui Xian von Shiding kannte ich als ein Mauerblühmchen. Nicht mehr.
Ein Oriental Beauty hingegen ist eine Päonie, die immer im Vordergrund steht und nie übersehen werden kann. Ein Oriental Beauty ist schön zu trinken. Aber… Sara und ich würden etwas anderes vermissen an diesen Glanz und Schönheit.
Ein Mauerblühmchen, der schweigsam an dem Rand steht und sich zurückhält, ist heute reich an Aromen und Faccetten und voller Ausdruck von Stärke. Ich erzählte Sara, dass so ein Shui Xian kann nur gelagert sein. Die Erlebnisse und Schmerzen machen einem Menschen stark – wirklich stark, nicht stolz. Reich an Erfahrungen und Vertrauen in das eigene Tun macht einem Mauerblühmchen zu einem selbstbewussten Blüte.
Sara sagte, dass ich eine „Lifestory about a tea“ erzähle. Was ist daran so anders zwischen einem Tee und einem Menschen?
In dieser sehr harten Zeit bekomme ich auch verschiedene Kommentare zu hören. Manche fragte mich, ob ich nicht wieder zu Yoga gehe – Yoga würde mich super erden und Energie stärken. Oder Zazen sei richtig für mich, um mich runter zu holen. Diese Kommentare wirkten immer zuerst wie ein Stich – als ob ich etwas nicht gut genug machen würde und nicht gut genug wäre. Meine Reaktion war zuerst immer, „Könnten andere Menschen es besser meistern?“ Wahrscheinlich können andere Menschen es tatsächlich besser. Ich bin einfach nur ich. Ich mache mein Bestes und lerne es zu gestehen, dass ich auch nur das kann. Nicht mehr.
Es ist schwer nur zufrieden mit sich selbst zu sein. Es ist hart, zu akzeptieren, dass man ein sehr gewöhnlicher Mensch ist. Mit der Zeit möchte ich nur eins lernen – nicht mehr Shui Tang besser zu machen oder noch mehr aus Shui Tang zu machen – sondern lerne, Frieden mit mir zu schliessen.
Dieser Shui Xian ist genau so alt wie Shui Tang. Ich bin inzwischen auch 4 Jahre älter. Gelagert, gereift und vielleicht ein Stück weiter gekommen mit sich selbst. Ein Mauerblühmchen wird zu einem ausdruckstarken Blüte. Und ich?
Hoffentlich nur friedlicher mit mir selbst.
Vielleicht wenn wir aufhören können, an uns verbessern zu wollen, sondern nur mit uns selbst in Einheit zu kommen, dann werden wir friedlicher und die Welt endlich voller Frieden!

Like Oriental Beauty from Formosa

Like Oriental Beauty from Formosa

Es ist oft so, dass Menschen im unseren Leben plötzlich kommen und auf einmal gehen.
Wir wissen nicht, warum sie kommen und weshalb sie uns verlassen.
Weil wir gerne den Grund wissen, sind wir misstraurisch. Wir wollen einen Grund haben, warum diese oder jene passieren. Ich hätte aber das Gefühl, dass das Wesentliche darin nicht an dem Grund des anderen liegt, sondern an dem Zeitpunkt in unserem Leben. Jemand ist an einem bestimmten Zeitpunkt aufgetaucht, der unseren Zustand etwas reflektiert, und ich freue mich auf diese Begegnung.
Und vielleicht ist diese Vorstellung zu asiatisch.
Alexander bracht mir einen Oriental Beauty am Freitag. Als ich den Herkunftsort Fujian sah, war ich sofort misstraurisch! Ah! Oriental Beauty aus China! Natürlich ist der Oriental Beauty, ein berühmter Formosa Oolong nicht ein geschützer Name. Und wenn dieser Oriental Beauty aus Fujian ein wunderschöner Oriental Beauty ist – warum nicht?
Unbedingt wollte ich diesen Tee aufgiessen und unbedingt verglich ich diesen mit dem gleichen preis-kategorischen von Shui Tang.
Das kann sein, dass manche Leute diese sofort erkenntbare grobe Süsse gleich mit Oriental Beauty identifizieren. In meinem Mund schmeckt dieser Tee schlicht als verwässert, schlecht gelagert und ein vertuschter Oolong, der wie ein Oriental Beauty sein soll, aber nie sein kann! Für Menschen, die Oriental Beauty kennen, ist es fast eine Beleidigung so etwas als Oriental Beauty zu bezeichnen! Es ist die Intention, something like Oriental Beauty from Formosa vorzutauschen!
Im Kino sagte Josef, dass er nur mir zuliebe diesen Film mit angeschaut hat. Mein guter Freund Josef wusste vorher schon, dass dieser Film „Like Someone in Love“ von Abbas Kiarostami einfach schräg ist. Wie kommt ein Iraner auf die Idee ein Film in Tokyo zu drehen und so süss japanisch klingen zu lassen? Diese süsse weibliche Akzente und Tonhöhe, die ich als typisch japanisch verstehe, wurde sehr gut zum Ausdruck gebracht – aber der Rest? Doch er hat recht – die ganze Welt ist so wie die Akteure in diesem schrägen Film, sie wissen nicht, was sie tun und verwechseln Liebe mit Gewohnheiten und Besitztum! Der junge Mechaniker will die Akiko heiraten, weil er glaubt, dass sie ihm dann immer eine Antwort schuldig ist, wo sie ist. Die Akiko glaubt diesen Mann zu lieben, kann aber ihm nie die wirklichkeit mit ihm teilen, wo sie ist. Er wurde am Ende gewaltätig weil er glaubt, weil er sich in sie verliebt ist.
Und der alte Professor – niemand weiss warum er sich so um diese junge Frau kümmert und woher er kommt. Niemand weiss auch, wie der Film beendet wird. Der Film endet einfach.
Muss man unbedingt etwas von anderen wollen, um anderen zu begleiten und Kontakte zu halten? Muss menschliche Handlungen immer begründet in einem Wollen und muss alles enden mit einem Ziel?
Wir wissen nicht, warum diese Story angefangen hat und weshalb es nun endet – nur visuell auf dem Leinwand beendet. Wir wissen aber, dass jeder von uns nie wirklich verstehen, was mit uns geschieht und ob wir tatsächlch lieben.
Unser Leben enden oft einfach so, ohne zu wissen, warum. Buddhismus lehrt uns oft, was hinter dem Zeichen und Geschehenisse zu verstehen ist – aber wollen wir es tatsächlich wissen? Es ist bequemer – für mich – einfach so tun als ob —
„Like Someone in Love“ findet überall statt und auch ein Iraner kann einen Film in Tokyo über Japaner drehen! Denn was Kiarostami uns aufzeigen will, ist nur zu menschlich. Und Gewalt hat nichts mit Bösheit und Armut zu tun. Gewalt liegt ganz tief in jedem Menschen…
Auch ein Oriental Beauty kann aus Fujian und woanders kommen. Es muss einfach so aussehen wie…
Die Kunst liegt dann an das Wie!
Ich hoffe ich begegnen nächtest Mal einen richtigen guten Oriental Beauty – Like Oriental Beauty from Formosa! Entzückende florale und nektarsüsse Duft und aprikose-pfirsich-Aromen im Mund – das kann nur der Oriental Beauty sein, nachdem das Teebusch von Zikaden befallen und lange sorgfältig fermentiert wurde!

Palimpsest II

Jeder Tee ist ein Palimpsest. In jedem Blatt verbirgt ein Mensch, ein Ort, eine Tradition und ein Zugeständnis zum Tee.
Durch Tee kam ich in die Schweiz. Als ich nach einem Bleibe suchte, schaute ich verschiedene Wohnungen an. Manchmal war ich so erstaunt über die einwandfreie Badewanne eines alten Hauses! Ich dachte immer, was machen die Frauen in dieser Gesellschaft? Haben sie nichts anders zu tun als zu putzen? Oder vielleicht sind es die Männer, die putzen?
Mit der Zeit verstehe ich, dass diese Phänomenen gewisse Mentalität und Merkmale bestimmten Millieu aussagen.
Meine Kunde in Shui Tang verehren gerne glatte glänzende Porzellan und sind immer beeindruckt von der dünnen Schale vom Meister Hsu. Oft schmälen sie die dicke Steinzeug. Es sei zu grob. Wenn ich solche Kommentare höre, fühle ich mich plötzlich so nah zu meinem Grossvater, der hässliche Orchideen und hässliche Steine gesammelt hat. Er sagte gerne, „Nur gewöhnliche Menschen haben gerne einwandfreie Schönheit…“ Wenn alle die perfekte Edelsteine haben wollen, dann – dachte er wohl – sammelt er eben hässliche Steine. Er sammelte nicht nur solche komische hässliche Sache, die mein älteste Onkel erbt, sondern auch Kalligraphie. Die Kalligraphie in unserer Familie verkörpert keine Kunst und gar keine künstlerische Fähigkeit, sie ist – wage ich es zu sagen, eine Lebenshaltung, wie man zu sich, zu Kosmos und zu allen anderen steht.
Ich mag die Kalligraphie von Su Dongpo, vor allem das Stück Han Shi Tie, als er aus dem Gefängnis entlassen wurde und im Süden aus seinem Amt herabgesetzt wurde. In einer traurigen depressiven Stimmung versuchte er sein Leben nicht zu verschönern, ohne es zu jammern, gab einfach die Tatsache wieder, wie er sich fühlte. Jedesmal wenn ich es lese, versetzt die Schrift mich in einer anderen Zeit und in einer anderen Lebenslage. Jeder von uns bekommt Möglichkeiten von Leben die Höhe und die Tiefe zu erleben. Alles was geschieht hinterlassen Spuren in uns. Da wir eben nur gewöhnliche Menschen sind, wollen wir in unser Palimpsest nur das Schöne und Fröhnliche aufbewahren, während die Schmerzen und Enttäuschung wie Müll irgendwie weg radiert werden soll. Die Kalligraphie von Su und wie der Lishan Hochland Holzkohle wirken wie Schlüssel zu meiner Palimpsest, es ist die Zeit, es mit dem Finger durch das Blatt zu spüren, was alles überlappert wurde…
Auf dem Exemplar von Han Shi Tie kann man tatsächlich die Spuren dieses geschätzten Stück suchen. Mit jedem Siegel erfahren wir seine Liebhaber, die ihm zeitlang aufbewahrten. Mit jedem Strich kommunizierte der Autor mit uns, wie er sein Leben als schwer und ohnmächtig beschrieb und wie er in der scheinbaren Ausganglosigkeit immer noch zu sich selbst stand. Es ist keine schöne Kalligraphie, indem sie uns mit Schönheit entzückt und die Wörter von Su verschönern nicht das realen Leben. Es ist „die“ Kalligrahpie in der chinesischen Kultur, die uns vermittelt, was Wahrhaftigkeit und Selbst-Sein schön ist. Es ist schön, weil es Palimpsest ist – in jeder Kratzer oder Schmerzen vielschichtiger wird.
Zhuangzi, der taoistische Philosoph erzählte gerne eine Geschichte von Menschen, die gerne etwas aufbewahren wollten. Jemand wollte sein Schiff gut vor Diebstahl aufbewahren. Er versteckte sein Schiff sorgfältig in einem Tal und glaubte es sehr klug gehandelt zu haben. In der Nacht regnete es zu stark und es wurde überall überflutet. Das Schiff wurde in dem Flut mitgerissen und verschwand noch bevor der Man es retten konnte!
Das Schiff ist wie die Zeit, die ihren eigenen Lauf hat. Das Schiff ist wie unsere Vorstellung, die scheinbar wertvolle Dinge so aufbewahren will, was in der Wirklichkeit keine Substanz hat! Meine Finger streichelen über das Teeblatt, als ob ich ein Palimpsest streicheln würde. Nichts ist aufzuhalten. Nichts ist zu verbergen.