Archiv der Kategorie: Der Teeweg

Tee und Lärm

It is sommer time! Wir fahren heute nach Freiburg zum Teemeister Ulrich Haas. Über Höllental und Hirschsprung, durch den Schwarzwald und über die Donau dauert die Fahrt gut zwei Stunde.
Detlef und ich plauderten während der langen Fahrt über die Borniertheit der Schweizer Medien (bevor er mich in Radolfzell abholte, habe er gut 20 Minuten lange SF Radio zugehört), über das „wohlwollende“ deutsche Steuergeld in Einsatz im Ausland, die Scharia in Afghanistan und den zum Tod verurteilten Christ Abdur Rahman. Plötzlich fragte er, der einstiger Universitätsgelehrte mich, was ich über den neuen Streit von Ärzten – gesellschaftliche Elite von oberer Schicht und Müllabfuhrmänner – Elite von unterer Schicht denke. Ich lachte über seine Formulierung. Er sagte, „es sind interne Ressourcen – Verteilung, nicht?“ Der innere Verteilungskampf auf Kosten der immer dünner gewordenen Mittelschicht. Alle wollen mehr Geld. Woher sollte mehr Geld her fließen. Irgendwo wird gemelkt – wir sparen sicher nicht bei der Gesundheit! Wir brauchen Ärzte das Problem der gestopften Müllabfuhr im Körper zu lösen und andererseits die Müllabfuhrmänner die stinkenden Abfälle des Haus abzutransportieren! Hat der Mittelschicht so viel abzugeben? Wie lange halten sie in Deutschland noch aus? Dass Herr Oettinger mit seiner Idee, den Lohn des älteren Arbeitsnehmers zu kürzen, um die Wirtschaft zu fürdern, noch eine absolute Mehrheit in Baden-Württemberg erreichte und weiter seine Macht ausübt, zeigt, wie selbstverständlich diese Art von Denken im Lande verbreitet ist. Der Zeitgeist unserer Gesellschaft ist, das reicht, dass es mir noch gut geht. Massen Entlassung in Unternehmen, wo Rekordgewinn gefeiert wird! Wie lange muss der Mensch noch warten und erleben, bis er endlich realisiert: wenn es Dir gut geht, geht es mir auch gut!

Bald kamen wir in den Teeraum an. Dort hing eine Schriftrolle: das grenzlose Glück! Auf dem Tatami steht ein Gestell im Stil von Yoshino Dayu. Der Kessel summt und schwingt in der Luft. Der Duft des Sandelholzes hebt uns in eine andere Welt.
Ein ruhiger Nachmittag, die Sonne schien und der frische Wind der Frühling wehte. Detlef schlug eine Schale Tee. Ich atmete ganz ganz leise. So Stil… So friedlich, als ob es schon immer so wäre.
Detlef
Detelf mit Yoshino Gestell

Chajin – Teemensch 茶人

Freundin Karin kam heute zum Besuch. Eine Frau, die gleichzeitig, Köchin, Schneiderin und allein erziehende Mutter ist, hat das Leben nicht einfach in einer reichen Stadt wie Zürich. Das Schicksal meinte nicht immer gut mit ihr. Der Vater der Tochter starb durch unheilbare Krankheit und hinterließ ihr den harten Überlebenskampf mit dem Kind allein. Später wiederholte das Schicksal: der Vater des Sohnes verließ sie und sie musste wieder allein ihr Leben anpacken – mit zwei Kindern. Sie wusste, dass das Schicksal sich wiederholt, wenn Menschen nicht aus ihrem Fehler lernen. Sie wurde als ein dreijähriges Mädchen von ihrer Mutter ins Heim geschickt, weil der Vater die Familie verließ. Als ein dreijähriges Mädchen litt sie immer wieder an Blasenentzündung, weil das Schuldgefühl an dem Geschehen sie nicht losließ. Selbst das Schicksal nicht immer gut mit ihr meint, bemüht sie diesen Kreislauf zu brechen. Allein hat sie ihre Kinder aufgezogen.
Ich lernte sie richtig kenne, als wir zusammen Tee tranken. Eine Frau, die mir ganz fremd erscheint – aus einer anderen Welt, in der der nackte Überlebenskampf den Alltag herrscht. Sie spricht eine andere Sprache und bewegt sich in einen anderen Habitus. Als eine Akademikerin im Elfenbeinturm spüre ich eine Kluft, die mir auf meiner Grenze der „tatsächlichen“ Lebenserfahrungen aufzeigt.

Als mein Lieblingsdancong – Phönix Dancong vom Teetaster Chen aufgegossen wurde, strahlte sie in einer kindlicher Begeisterung: „Ach, ich bin in einem Garten von Pfirsich! Licht, Wärme und Duft von reifen Früchte“ Eine gute Köchin mit unglaublich feiner Sensibilität und Empfänglichkeit! Anschließend habe ich Buddha Hand Oolong aufgegossen. Sie lachte und erzählte mir, von dem Mandelblütemeer in La Gomera und der Duft der gebrannten Mandel. „Doch er duftet nun nach Zitrusfrüchte. Kann das sein?“ Sie fragte mich nach paar Minuten nach dem Aufguss. Ich bewundere ihre Nase, die die Grenze überspringt. Bis jetzt hat noch niemand mir gesagt, dass Buddha Hand nach Zitrusfrüchten duftet. Buddha Hand duftet tatsächlich in taiwanesischer Vorstellung nach eine Art Zitrusfrüchten, die jedoch in Europa nicht wachsen und unbekannt bleiben.
Karin ließ sich gern von Tee und Duft verzaubern. Wir machten eine Duftzeremonie zusammen. Die Düfte des warmen Sandelholzes und eleganten Adlerholzes hoben uns ab und füllten die Lücke der Lebenslage. Menschen aus verschiedener Kulturen, Lebenslage und Erfahrungshorizonte begegnen sich in einer Welt des Tees und Duftes, wo die Sprache überflüssig wird. Was für ein großartiges Geschenk vom Kosmos!
Teehüte Gehen wir Tee trinken? 吃茶去

„Geisha“ im Teeweg

Dayu Yoshino 吉野大夫 ist eine berühmte Figur in der japanischen Geschichte in der Edo 江户-Zeit. Dayu ist eine Art von heutiger Bezeichnung „Geisha“, aber sicherlich viel edeler und nur für sehr gehobenes Publikum. Normalerweise gehen solche historische Figuren aus der Welt der Liebrei nicht in die Teegeschichte. Aber Yoshino ist eine Ausnahme.
Ihre Schönheit und künstlerische Talent beeindruckte ganze Kyoto und eroberte Herzen vieler edler Männer. Sie verliebte sich in Herrn Joeki Haiya 灰屋绍益, Sohn einer edlen Familie. Joeki wurde von der Familie enterbt, während Yoshino sich von ihrem Geisha-Haus trennte. Sie stürzten von Glanz plötzlich ins Elend. Yoshino liess sich nicht von dem Geschehen beeindrucken und munterte und unterstützte ihren frustrierten Gatten. Ihr Mut und Stärke gewann Sympathie von ganzer Kyoto. Später kehrten sie zurück zur Familie nach einer Versöhnung durch einen Vermittler. Yoshino starb sehr bald darauf. Joeki sang seine Schmerzen mit seinem Gedicht: “ Ich habe keine Erinnerung mehr in meinem leidvollen Leben. Alles was Schön war, verschwindet mit Yoshino in die andere Welt!“, während er ihr Asche in Sake trank…
Yoshino ist berühmt für Ihre Gedichte und Geschmack. Ein Gedicht von ihr wird auch im Teeraum aufgehängt.
„Der Mond ist im Westen, 月在西
Während Du nach Osten schreitet, 君則往東
im Morgen Dämmerung. 將明之晨“
In Kyoto der Edo-Zeit. Edle Männer und ihre Entertainerinnen feierten bis ins morgen früh. Man verabschiedete sich und verabredete für die nächsten Tage. In Heiterkeit, in Schmerzen der Trennung oder in einer Bewusstlosigkeit durch Alkohol? Der Mond stand gerade noch im westlichen Himmel, während heimkehrende Menschen in die andere Richtung schreiteten.
Schöne Frauen werden gerne bewundert. In unserer Gesellschaft, wo jeden Tag viele Stars produziert werden, gehören schöne Frauen mit schöner Figuren unseren medialen Erfahrungen. Wie viele schöne Stars werden wohl in 100 Jahren nur wegen ihrer Schönheit noch erinnert?

Yoshino praktizierte auch Teezeremonie. Ihr Gatte Joeki Haiya ebenfalls. Sie gehörten zu der Teeschule Seshishu 石川流.

Liebe und Glück im Teeweg

„Happiness does not exist except as sweet memories of the Past…“ sagte heute Mein Tee-Papa Detlef zu mir, als wir zusammen zum Tee trafen. Tee-Mama Ingrid konnte nicht richtig auf dem Tatami knien, weil ihr Knie erst vor drei Wochen operiert wurde. Wir tranken von ihm zubereitetem Koicha – einen dicken Tee und plötzlich sagte er mir, „Menglin, Du wirst von uns bestimmt die Holzkohle erben, die ich gestern gewaschen und geschnitten habe.“ Sie schauten sich an und lachten. Ja, der Körper ist hinfällig und die Zeit wartet auf uns nicht.
An der Wand hing eine Schriftrolle, die normalerweise etwas Philosophisches und Dimension des Zens darstellt. „Warum nie etwas von der Liebe?“ Ich fragte sie. „Denn, Menglin“ er schaute mich an „das Glück von Menschen existieren meistens nur in ihrer Erinnerung. In Moment des Glücks können wir es gar nicht wahrnehmen.“ Er führt weiter fort, „wer weiß, wie ich mich glücklich fühlen werde, wenn ich mich in paar Jahren an unsere jetzige Teezusammenkunft erinnern werde!“
Jedes Treffen ist einmalig! Nach jeder Teezusammenkunft verabschieden Gastgeber und Gast nach der Tradition im Schweigen. Jeder geht auf seinen Weg. Wortlos und unaufhaltsam. Der Gastgeber kehrt allein zurück in den Teeraum und sitzt vor den gelöschten Feuern. Jeder Treff ist einmalig! Was hätte ich vorhin noch sagen sollen? Was hätte ich gesagt? Der Freund ist fort. Die Momente kehren nie mehr zurück. Wäre es möglich – in der ungewissen Zukunft – sich wieder in diesem Raum zu begegnen?
Das ist auch das Gefühl der Liebe, nicht wahr? Jemanden so zu lieben, das Leben so zu leben, als ob es der letzte Tag wäre. Die Intensität des Lebens zu spüren und das Leben im Hier und Jetzt zu betrachten und so zu leben, lernt man konkret im Teeweg.
Vor dem Teeraum legten Samurais ihr Schwert vor einer niedrigeren Tür. In dem Moment, in dem man in den Raum eintritt, ist jeder sein selbst. Kein Kaufmann, kein Samurai und kein Fürst. Jeder musste sich vor der niedrigeren Tür beugen – sich demütigen lassen, so dass man in einem gleichen Raum miteinander Herz zu Herz begegnen konnte. Das ist die höchste Dimension der Liebe, wenn man sich selbst vergessen könnte, was man sein sollte und wollte, nicht wahr?
Detlef und ich
Mein Tee-Papa Detlef und ich im zürcher Völkerkundemuseum im Sommer 2001

Raku Chawan 樂燒茶碗- Teeschale für Matcha

Viele Leute fragen mich, was für eine Schale braucht man für den Matcha? Eigentlich alle Schale, in der sich der Bambusbesen gut bewegen kann, kann als Matchaschale genommen werden. Müslischae, Reiseschlae oder normale Teeschale sind alle geeignet.
Viele Leute erzählen oft von Raku-Schale 樂燒 und viele Teeläden verkaufen Raku-Schale. Was ist eine Raku-Schale?
Die erste Raku-Schale sollte unter der Anleitung von Sen Rikyu 千利休 (der Gründer-Teemeister von jetzigen japanischen Teeschulen) um 1579 gefertigt worden sein. Die Ästhetik dieser Art von Keramik gewann die Anerkennung des damaligen Herrscher Hideyoshi 豐成秀吉. Er gab dem Ziegelmeister Chojiro, der Raku Technik entwickelte, das Siegel „Raku“ (Freude) und Jokai als Familiename übernommen werden dufte. Als Raku-Schale könnte man eigentlich nur für bestimmte Teeschale bezeichnen, die von dieser „Raku“ Familie hergestellt werden. Alle andere Schale könnte man nur als mit Raku-Technik gebrannte Schale bezeichnen. Hinter diesem Name verbirgt eine Tradition und Wissen, was sich nicht verwechselt werden könnten und sollen.
Diese Raku-Technik hat sich bis heute nur geringfügig verändert. Der zum Raku-Brand eingesetzte Ton muss schnellem Erhitzen und plötzlichen Abkühlen standhalten. Für rote Raku benutzt die Raku-Familie einen feinen eisenhaltigen Ton, während für schwarzen Raku eine raue Masse mit Sandanteilen. Der Ton spielt in der ganzen Herstellung eine wichtige Rolle. Er wird von der Raku-Familie für die folgenden Generationen gegraben und gelagert. Die jetzige 15. Generation verarbeitet das von der 12. Generation vorbereitete Material.

Also Raku ist nicht einfach Raku. Es wäre eigentlich ein Ideal, dass sich verschiedene Kunst und Kulturen begegnen und gegenseitig lernen. Das Verständnis des Traditionsbewusstseins und das Respekt vor einer anderen Kultur wären Früchte dieser Begegnung. Während hiesige Künstler behaupten, dass ihre Schale Raku-Schale sei, hätten sie gedacht, dass die Bezeichnung „Raku“ 樂 Freude bedeutet und ganz zu einer Tradition einer Handwerksfamilie gehört?
Eine wirkliche Raku habe ich gehabt. Der grüne Matcha schimmert an dem schwarzen Rand, der Ton ist weich und die Schale ist leicht. Eine Raku ist eben eine Raku.
Raku

Elixirs

Ich kenne Lily seit paar Jahren. Getroffen habe ich sie vielleicht fünf Male. Unser Treffen gab mir immer ein Gefühl, als ob ich sie schon immer kennen würde, als ob Zeit und Raum keine Rolle spielen würden.
Wir lernten uns über Tee kennen. Sie verkaufte im tiefen Winter gerade ihren Hexentrank vor ihrem Laden, als ich Gruyeres zum ersten Mal besuchte. Ich entdeckte diesen kleinen charmanten Kräuterladen in einem uralten Haus mitten in Gruyeres. Ich fragte sie, ob sie sich für chinesischen Tee interessierte? Wir schauten uns an und machten gleich einen Termin ab.
Einst war sie eine Kunsthistorikerin und arbeitet in einem Museum. Irgendwann entschied sie sich, mit ihren selbst gesammelten Kräuter und selbst fabrizierten Marmelade und Sirups einen Laden zu öffnen. Sie pflegt im Sommer einen eigenen Kräutergarten, geht in die Bergen Kräuter sammeln, trocknet sie sorgfältig im Estrich ab und mischt sie nach traditionellen Rezepten. In anderen Tagen bereitet sie ihre Marmelade und Sirup, sucht Rezepte in alten Büchern, entwickelt zusätzlich eigene Kreationen.
Ihr Laden heißt „Elixirs“. Man findet hier alles, was die Seele und Leib gut tut! Elixir ist gleichzeitig ein Name von ihrer alkoholischen Kreation, die nach dem mittelalterlichen Rezept mit Kernen und Fruchtfleisch von Aprikose hergestellt werden. Lily sagte mir, dass dieses Getränk gegen Alterserscheinungen sei. Ich sicherte mir sofort drei Flaschen!

Bei Lily
Es ist immer so gemütlich und heimisch bei Lily!

Sie hat nicht einfach mit ihrem Laden. Lily ist mehr eine Künstlerin als eine Geschäftsfrau. Meine Familie und Freunde in Taiwan lieben und schätzen ihre Sirups und Kräutertee, während meiste Leute lieber Fabrikware kaufen. Im Sommer möchte sie den Platz auf ihre Terrasse zur Teestube verwandeln. Vielleicht kommst Du auch vorbei, bei ihr eine Tasse Tee zu trinken!

Elixirs
Lilianne Perroud
Grand Rue
Ch 1663 Gruyeres
0041-26-921 3516
Ich empfehle: Käutersirup mit Schafgaben und Frauenmantel!

Teefreunde in Bern

Am Wochenende reiste ich ins „Ausland“. Ich war in der Schweiz bei Teefreunde Gerhard und Kathrin. Sie führen einen exzellenten Teeladen in Bern. Es gibt selten Teeläden in Europa, die sich bemühen, wirklich mit der Teekultur auseinanderzusetzen und Tee nicht bloß als Ware zu versehen. Familie Lange gehört zu dieser seltenen Ausnahme.
Wir kennen uns schon lange. Einmal besuchte ich Oliver in Bern und er brachte mich zu einem Teeladen. In diesem Laden erkannte ich verschiedene Teesorte, die ich nur in Bücher kannte und nie gedacht hätte, dass ich sie auch in Europa kosten könnte! Kathrin war „zufällig“ da. Es sind Zufälle des Lebens, die Geschichte schreiben. Sie erkannte einen Teefreund in mir und lud mich ein, sie noch einmal zu besuchen.
Gerhard im Gongfu Cha
Gongfu Cha in Bern

Wir trafen uns wieder, tranken zusammen Tee und sprachen über Tee. Sie vertrauten mir und beteten mir, Tee für sie direkt von taiwanesischen Teebauern zu besorgen. Teesorte, die eigentlich nur in den klassischen Teebüchern stehen, weder aromatisiert noch Umsatz versprechend, möchte sie in einem anderen Erdteil – Bern ihrer Kundschaft vorzustellen. Es geht um die Liebe zu Tee, der Grenze der Nationalität, Sprache und Vorstellungen überschreitet.
Wir suchen nach originalen Teebaumsorten, nach originaler Machart und nach originalem Geschmack, was die Zeit überdauert. In unserer schnell wechselnden Zeit sollte es einen Ruhepunkt geben, wo Menschen sich mit seinem Weg rückbesinnen können. Tee ist ein Medium, das uns wieder auf das Wesentliche zurückführt. Die Erde, das Klima und das Handwerk bilden eine Einheit. Der reine Tee, der nicht aromatisiert ist, bringt uns einfach auf die Einfachheit der unverfälschten Dinge und schlussendlich auf uns selbst zurück, wenn wir mit unseren Sinne den Duft und den Geschmack entdecken und kosten!
Wir tranken gestern zuerst einen Runde verschiedener Dongding, einen Runde verschiedener Fenghuang Dan Cong und anschließend eine Runde Tie Guanyin. In Dschungel der Angebote und verschiedener Meinungen versuchen wir die Sprache des Tees zu verstehen und eine Klarheit für uns zu schaffen.
Im Duft des Tees war der Winter draußen plötzlich nicht mehr so kalt. In der Dunkelheit ging ich auf dem Heimweg und kehrte in ein anderes Land zurück.

Ausflug mit Länggass Tee in Paris 2005
Paris 2005

Teekultur, was ist das? 什麼是茶文化?

Was ist Teekultur? Haben wir hier in Europa eine Teekultur? Wir sehen die Werbung von Tee, indem Tee eigentlich nicht die Rede ist, sondern Botschaften, die bestimmte Bedeutungen mit Tee assoziiert werden. Z. B. „Heilkraft des Tees“, „geheimnisvoller chinesischer Tee“ oder „gesund werden mit Tee“ etc. Geht es wirklich um Tee oder um eine Projektion auf Tee?

Manche Menschen eifern dem Japaner oder Chinesen nach, den Tee so zuzubereiten, wie in Asien. Müssen wir in Europa einer anderen Art und Weise des Teetrinkens in vermeintlichen Ursprungsländern aneignen, damit wir hier eine Legitimation haben, es zu sagen, wir haben eine Teekultur? Kann man eine Kultur transplantieren?
Ich wage mir nicht zu sagen, was eine Teekultur sein sollte. Ich möchte hier auch nicht für eine wahre Teekultur plädieren, was richtig oder falsch ist. Der Weg des Tees geht in Europa auf die eigene Richtung. Selbst wenn ich hier vieles über Kungfu Zeremonie oder Chado schreibe, geht es nicht darum, für etwas zu plädieren. Es geht es nur um Vermittlung bestimmtes kulturelles Wissen und interkulturelles Lernen. Schluss endlich gibt es keine Kultur, die nicht von einer anderen berührt wird und „rein“ ist. Das Verständnis, die Erkenntnis und Praxis schaffen ein eigenständiges Werk, das eigene Geschichte erzählt. Niemand würde sagen, dass Japaner keine Teekultur haben, obwohl der Tee aus China kam.

Kann man das Verstehen des Tees durch einen Zugang von Bewertung schaffen? Eine Hierachie von gutem und schlechtem Tee? Bewertung von was? Teesorte Note zu geben würde man kein Verständnis schaffen, außer die fehlenden Reflexion der eigenen Überheblichkeit zu steigern. (ich war überrascht von Teeblogs, die Teesorte Note geben) Brauchen wir hier Autoritäten, uns zu sagen, wie viele Sterne oder Note welcher Tee bekommen sollte? Oder möchten wir eine andere Weltanschauung lernen, die Dinge so, wie sie sind, selbst zu entdecken und anzunehmen? Wollen wir weiter an Autorität glauben oder selbst lernen, an das eigene Gefühl und dem Körper zu vertrauen und den Tee, so wie er ist, zu verstehen?
Möchten wir eine Skala von Teenote entwickeln oder eine Teekultur, die anderen Inhalte enthalten, die anderen Menschen auf anderen Erdteilen auch berühren?

1999 St. Ottilien
1999 lernte ich die jap. Teezeremonie lernen. Durch Nojiri Sensei habe ich gelernt, dass man Tee nicht nur durch Wissen verstehen kann, sondern durch leben. Ich kam mit volles Eifern zu dem Seminar und wollte nur lernen. Sie erlaubte mir, keinen einzigen Schritt während des Seminars zu machen. “ Tee braucht die Zeit.“

Teefreunde

Ich kenne Stefans. Zwei über dieses Blog und zwar ein Stefan aus Düsseldorf und ein Stefane aus Elsass, aber in Taipei lebt. Beide schreiben Teeblogs. Sie sind im wahrsten des Wortes virtuelle Teefreunde.
Ein dritter Stefan, den ich in meinem „realen“ Leben kenne, ist verheiratet mit einer Chinesin und schreibt über chinesisches Kino. Er trinkt leidenschaftlich gerne Tee – natürlich chinesische Tees! Seine zynische Bemerkung über meine kolonialisierte Herkunft und sarkastische Tone über den Instant-Tee – Matcha sagen sehr viel über seine Loyalität aus… Früher trank er gerne Lungjing, nun mit steigendem Alter, wie er sich selbst oft bemitleidet – trinkt er Oolongs. Meiner Zuneigung zum japanischen Teeweg wirft er nur mit einen verächtlichen Blick zu. Von seiner Reise aus China brachte er mir jedoch oft schöne Yixing 宜兴壶 Kanne.

Yixing Kanne werden oft als „die Teekanne“ angepriesen. Den Wert der Yixing Kanne wird erst verliehen durch das Benutzen und die Pflege. Eine neue Yixing Kanne hat wenigen Wert, der erst durch täglichen Gebrauch und Pflegen gewinnt. Wenn ich seine Kanne benutze, nehme ich zum Schluss nach der Reinigung gebrauchte Teeblätter, um die Teekanne zu polieren. Anschließend trockne ich sie mit Baumwolletücher und lass sie richtig trocknen. Ansonsten wird sie muffig! Durch dieses Pflegen bekommt die Kanne einen eigenen Glanz und wird ein „Leben“ verliehen. Eine Beziehung wird zwischen dem Menschen und der Kanne aufgebaut, so dass die Kanne ein Teil der eigenen Teekultur wird. Ein Gegenstand, den nur als Gegenstand betrachtet und im Schrank aufbewahrt wird, ist „tot“.
Eine Teekanne erinnert man oft an verschiedene Anlässe, wann man mit wem Tee damit getrunken hat und von wem man sie erhalten hat. Diese Kanne und Stefan ist für mich eine Ganzheit geworden. Ich trinke mit dieser Kanne nur Pu Er, der ihm eigentlich gar nicht schmeckt – aber mich an ihm erinnert. Pu Er und Stefan haben etwas gemeinsam: bei ihrer guten Laune, schmecken sie klasse, ansonsten besser abwarten.

Die Sprache des Tees

Es war ein Zufall, dass Roger mich kennen lernte. Es war ein Zufall, dass ich auf seinem Blog gestossen bin. Es war ein Zufall, dass er mir anbot, einen Blog über Tee zu führen. Er war die Geburtshilfe dieses Teeblogs.

roger
Roger

Eigentlich kannte ich Blog gar nicht und hatte vorher nie gebloggt. Eigentlich bin ich weder ein Meister noch ein Fachmann des Tees. Ich bin einfach ein Übersetzer des Tees. Jeder Tee erzählt etwas von sich. Einen Übersetzer bräuchte man, wenn man die Kodes seiner Sprache noch nicht vertraut ist, z. B. was bedeutet die Farbe des Aufgusses und was bedeutet diese Duftnote etc. Das wichtigste von allem um seine Sprache zu verstehen ist Gespür und eine Art von kindlicher Unschuld, die Welt so zu entdecken und anzunehmen, wie sie ist.
Jede Sorte von Tee hat bestimmte Merkmale, die sich von Sorten zu Sorten unterscheiden und manchmal widersprüchlich sind. Z.B. ein grüner Tee sollte man möglichst frisch geniessen, während ein Pu Er seine Charakter erst durch die Lagerung gewinnt. Die Fermentation bei einem grünen Tee sollte gar nicht stattfinden, während sie bei einem Oolong notwendig ist. Die Grade der Fermentation verraten uns die Farbe der Blätter vor und nach dem Aufguss.
Jeder Tee hat eigene Duftmerkmale, die erfahren und entdeckt werden möchte. Durch die Zusatzaroma wird diese authentische Erfahrung leider ausgeschlossen. Die Duftnote hängt mit dem Fermentationsprozess und Röstung zusammen. Ein Lungjing duftet einfach anders als ein Bi Luochun. Ein Bi Luochun aus Taiwan duftet einfach anders als der aus Zhejian oder Yünan. Die Globalisierung kann die Authentizität des Herkunftsorts nicht täuschen, nur den Preisunterschied. Ein Oriental Beauty aus China kostet weniger als der aus Taiwan, kann allerdings die authentischen Düfte dieses Oolongs aus Taiwan nicht wiedergeben…

Der Tee spricht für sich und lügt niemals. Aber der Mensch, der diesen Tee anpreist, konstruiert eine eigene Wirklichkeit. In Taiwan würde man Tee nicht kaufen, bevor man ihn gekostet hat.
Ich möchte einfach nur versuchen, die Sprache des Tees in diesem Blog zu vermitteln. Ihn zu geniessen muss man selbst mit seinen Sinnen!