Archiv der Kategorie: Der Teeweg

Abfall oder Schätze?

Wir haben uns fleißig in Zhushan die Bambus gesägt und fleißig geputzt. Mit großer Mühe nach Taipei transportiert. Ich vergaß das feuchte Klima in Taiwan und nach paar Tagen waren alle Bambus verschimmelt. Epi, unsere indonesische Pflegerin und kleines Schwesterchen unserer Familie half mir sie zu putzen und zu trocknen.

Vor meinem Abflug beobachtete sie, wie ich sorgfältig die Bambussache einpackte. Sie sah verständnislos und fragte mich, „Grossschwester, weshalb betrachtest Du diese Dinge wie ein Schatz?“

„Sie sind meine Schätze.“

„Wirklich? Eigentlich ist es doch Abfall. Bei mir zu Hause in Sumatra hast Du es überall. Niemand wollte es!“

„Wirklich?“ meine Augen leuchteten.

„Ich bringe Dir welche, wenn ich wieder in Sumatra bin.“

Ich nickte meinen Kopf und sah, wie meine Schwester grinste. Ich weiß, dass sie mich nicht verstehen.

Nach der Ankunft in Zürich legte ich sie sorgfältig aus und ließ sie vollständig trocknen. Leider fehlt es Sonne in Zürich. Wozu nehme ich diese „Abfälle“ nach Zürich? Ich möchte sie für die Gongfu Cha II Kursteilnehmer aufheben. Jeder Charen, der Teemensch, sollte mindestens einmal selbst einen Bambuslöffel schnitzeln. Bambuslöffel hat eine alte Tradition in Tee.

Im Museum können wir die berühmten Teelöffel aus Silber und Elfenbein betrachten. Diese Objekte gleichen wie Kunstwerke. Trotzdem wird eine andere Tradition zwischen Literaten und Intellektuellen gepflegt, dass man aus Bambus – ein vergängliches Material eigenen Teelöffel herstellt. Es geht nicht um künstlerische handwerkliche Fähigkeit, sondern um die eigene Auseinandersetzung mit dem Tee an sich. Der Teelöffel ist der Zugang eines Charens, der die Teeblätter zu sich nimmt.

Das heisst, dass man anstatt einen Teelöffel von einem „Künstler“ erwirbt, einen eigenen selbst herstellt.

Gelungener Teelöffel ist ein Ausdruck einer Person. Ihr Verständnis von Schönheit und Tee kommen zur Sprache und kommuniziert mit den Betrachtern. In Chanoyu wird es zu Höhepunkt gebracht, indem man dem Löffel einen „Namen“ – einen Ausdruck verleiht. Um diesen Namen aus diesem Löffel zu lesen erfordert ähnliches ästhetisches Vermögen, somit wird es zu einem geistigen Austausch zwischen Charen.

Mein Lehrer kommentierte nebenbei wie ich kraftlos sägte, fragte mich ob ich zum Frühstück keinen Reis gegessen habe.

Tasse aus Stein?

Ich fuhr gestern zu Meisterin Lijiao, von ihr lernten wir Teetasse aus von ihr gemischten Ton und Gestein herzustellen. Die Gruppe war sehr lieb, spendierte mir Taxigeld. Im Moment regnet es ununterbrochen in Taipei- es ist sogenannten Pflaumen Regen Zeit!

Unterhaltung zwischen zwei alten Herrn

„Ich erinnere mich, dass er ein Kind war, als er zum ersten Mal kam.“ sagte der Hausherr Lin zu meinem Lehrer.

Er meinte Tim. Es war 2013.

„Er wächst.“ Nickte Atong seinen Kopf.

„Heute ist er schon ein Mann.“

„Ja. Nächstes Mal kommt er vielleicht mit einer jungen Frau.“

Herr Lin nickte sein Kopf, „vielleicht sogar mit seinem Kind.“

Sie schauten zu den Bergen. Ich hörte keine Seufzer. Es ist so. Wolken kommen und gehen. Woher sollen wir wissen, ob Tim jemals wiederkommen wollen?

Herr Lin führt sein Restaurant seit mehr als 20 Jahren. Immer wieder musste er aufgeben und neu anfangen wegen dem befristeten Mietvertrag und dem Küchenchef, der gerne sein eigenes Geld verdienen wollte.

Nun hat er ein Refugium gefunden für seine Ideen und Wanderung des Lebens.

Es gibt zahlreiche Kopies von Shiyang. Es gibt Leute die paar Monaten bei ihm schaffen und dann selbstständig machen. Trotzdem merkt man sofort die Originalität, die aus dem langem Praxis des inneren Wegs herausbildet. Diese Echtheit muss aus dem Alltag herauskristallisiert werden. Kopie ist eine Kopie. Es berührt mich nicht.

Ich kam aus dem Toilette. Er rief mich. „Ich habe dich gesehen in Taibei Shuyuan.“ Ach, es war vor drei Jahren. Ich nickte höflich meinen Kopf. “ Es ist nicht einfach mit so vielen fremden Menschen zu reisen.“ sagte er mit leuchtenden Augen. Herr Lin schaute zu mir. Ich spürte eine Brise Wind. „Wirklich nicht einfach. Viele Menschen brauchen Aufmerksamkeit.“

Wir schauten zu den Garten. Es regnete gerade nicht. Insekten summten.

„Besuche mich, wenn Du wieder zurück bist.“

„Ja, meine Ehre.“

„Haben sie das gesehen was sie sehen wollten?“

„Wahrscheinlich.“

„Verstehen sie das, was wir hier machen?“

„Wahrscheinlich. Es gibt etwas was aller Menschheit berührt. Zum Beispiel dieser Ort.“ ich lächelte, „ich bin ein Provisorium. Darum bringe ich sie hier her, damit sie die Quelle sehen.“

Wir schauten wieder Richtung in die Bergen.

Wahrscheinlich kommt Tim wieder. Vielleicht mit seinem Kind. Es ist wunderbar, dass die Samen weiter gehen!