Archiv des Autors: Menglin

Der Teeladen ist da! Teagschwendner in Zürich

Seit 5 Uhr bin ich wach, da Anna ihr EasyjetFlug nach Berlin hatte. Ziemlich bald darauf rief Schwesterchen an: „Du, faule Schwester, bist du noch nicht wach? Hast Du schon Dein Flug im Januar? Wir brauchen Dich dringend!“ Ja, ja, sie brauchen meine Stimme für die kommende Wahl, hat gestern mein Teelehrer mir schon gesagt. Nein, das Fliegen ist Januar ist untersagt. Aber der Flug in März muss sofort besorgt werden. Im Internet ist bereits alles ausgebucht, laut meinem Reisebüro gibt es nur noch C-Class möglich. Ich eilte in die Stadt.

Ich verstehe diese Welt wirklich nicht. Bin ich zu komisch oder die anderen? Für meine Reise im November sollte ich bereits jetzt ein Flug buchen. Für meine Reise im März, bekomme ich nichts mehr. Das Muss früher zu buchen bindet Kunden, die sich wiederum binden müssen, wohin und wann sie reisen. Wir werden immer unflexibeler, immer mehr unter den Zwängen und immer mehr unter den Klemmer. Andererseits verlangt unsere Wirtschaft, dass wir immer sportlicher, flexibler und beweglicher werden müssen, um den Arbeitsplatz zu sichern. Wir werden immer mehr wie Maschine, die nur funktionieren und laufen nach dem Gesetz, was uns vorgeschrieben ist. Ich verweigere dieses Spiel mitzumachen und lehne diesen Mechanismus ab. Wie kann ich jetzt wissen, wann ich im Nov. auf die Reise gehe? Soll ich besser pendeln können oder eine Versicherung kaufen? Ja, ja, ich sehe das Lächeln eines Versicherungskaufmanns. Sein Villa an der Goldküste haben wir eigentlich finanziert.

In der Stadt…

Trotz dem Jahreswechsel sahen Menschen hier nicht besonders glücklich aus. Alle schauten aneinander vorbei. Der Blickkontakte wurden extrem vermieden. Das ist ein Machtspiel zwischen den Menschen in dem urbanen Millieu, in dem man vergißt, einen normalen Kontakt zu erhalten. Man trägt das schöne Kleid und macht sich attaktiv, damit man Aufmerksamkeit erregt, aber den anderen Gegenüber ein Blick zu schenken, macht man es nicht. Man erwartet menschliche Kontakte und Wärme, aber als Erste tut man es nicht. Ich machte mit den Zürchern ein Spiel, das ich gerne in einer fremden Stadt mache. Lächelnd schaue ich den Menschen an und warte ab, was passiert. Keine Wirkung. Zürcher wollen meine Blume nicht. Sie möchten ihr Programm durchgeben, das aufgeblasene ICH auszuleben, bloss nicht einen Zufall einem Raum zu geben. Ein Lächeln ist für mich eine gute Tat, die anderen Menschen winzige schön Momente schenkt. In Berlin erhielt ich viele schöne „Blumen“ zurück, auf der Strasse und von Fremden. Einmal in Spanien wurde ich sogar von einem Polizist mit Rosen beglückt. Somit zeigt mir jede Stadt ihr Gesicht und ihre Würde.

Es ist schwer auf diesem Niveau zu bleiben und ich ging zum Lindenhof, wo ich sehr gerne verweile. Schnell frische Luft ein und ausatmen. Von dieser Höhe sieht man das Niederdorf in einem anderen verhältnis an, vertraut und nah; und auch das kleine Limmat, das dieser Stadt Anmut verleiht wirkt wie ein gewöhnlicher netter Fluss. Ohne diesen Ort wäre schwierig hier auszuhalten. Nach dem Reisebüro ging ich auf der Suche nach dem TEELADEN, den Dill’icious mir bereits verpetzte.

An der Pelikanstrasse wurde im November ein Teeladen von Teagschwender geöffnet. Der Laden liegt sehr zentral und ist deutlich zu sehen. Ein eindeutlicher Teeladen-Geruch grüßte mich herzlich. Personale sind sehr freundlich. Der Regal in klarer Linien. Der Tee ordentlich abgepackt und verspricht immer die gleiche exklusive Qualität! Was für ein Luxus in unserer Zeit, in der alles unsicher wird. Das Konzept und die Linie dieses Ladens antwortet auf die Erwartung von Gleichheit, Gleichmässigkeit und Kontinuität. Egal wo wir den Teagschwendner begegnen, könnten wir die gleichen Qualität, fast identische Sortiment und das gleiche Aussehen erwarten, wie das Macdonauld. Menschen erwaten das Gleiche, um die Energie für die Entscheidung zu ersparen, um die Unabhängigkeit zu sichern von der Schwankung der Natur. Man will alles unter den Kontrolle haben. Man will nichts anders haben, als das Gewöhnte, das Vertraute und das Organisierte. Andererseits vermisst man, das Aussergewöhnliche, das Zufällige und das Fremde. Das Exotische umzufunktionieren liefert die perfekte Therapie für die trostlosen urbanen Bevölkerung. Durch den Konsum vom Exotische bekommt man den Schein an Etwas teilnehmen zu dürfen, was man schon längst versperrt wurde – das Fremde und das Abenteur.

Mir gefielt der kleine aber klare Laden, dessen Teeraum im Februar eröffnet wird. Zur Degustation gab es Sencha Organic, Rooibush Vanille und noch einen Kräutertee. Ich trank den Sencha Organic, der nach Termosflasche schmeckt und leicht grün gefärbt war. Eine schöne blonde Zürcherin im Peltzmantel erzählte am Ladentisch, wie sehr sie das Vanille Geschmack am Tee schätzte, denn der Duft sich stets an ihr letzte Indienreise mit ihrem Ehegatte erinnert. War es Vanille oder Vanillin? Ein alter Herr mit französischem Akzent kam hinein. Er wollte unbedingt zum Teeraum, der erst im Feb. zu besichtigen wäre. Er insistierte und wurde laut. Die Verkäuferin bemüht sich noch freundlich zu bleiben. Der Herr liess sich nicht von der netten Freundlichkeit ablenken, er wollte in den Teeraum, der nur noch Mobiliar hat. Das brachte mich zum lachen. Denn solche Gestalt machen das Leben in dieser Stadt wieder erträglich und lebendig anstatt wie das Leben im sauberen Schaufenster. Die Passanten sahen mein Lachen und blickten gleich in die andere Seite der Strasse.

Die Lebenslage von alten Teebäume in Yunan

Zufällig entdeckte ich diese chinesische Seite, die die Lebenslage von alten Teebäume berichten. Solche alte Teebäume sind nun das absolute Hit des Pu Er Teemarktes. Aber wie sieht es eigentlich aus mit solchen Bäume?

Bedroht und Orchideen und andere Schmarozen-Pflanzen. Der Titel dieser Foto-Serie lautet: „Die weinenden alten Pu Er Bäume 哭泣的古茶树“.

der weinende alten teebaum

 

Darjeeling Makaibari Silver Tips

Vor Durst habe ich reichlich Sake getrunken;

    unter dem Krischbaum liegend –

Wundervolle Träume.                     Ryokan

Vor Durst trank ich den Darjeeling, anstatt Sake und erhielt dabei wundervolle Träume.

Darjeeling ist in diesem Blog ein Fremdwort. Nicht, dass ich etwas gegen den indischen Tee hätte, sondern weil ich bis jetzt keinen richtigen Darjeeling für mich fand. Dieser typische Darjeelinggeruch, der für mich eher eine erfolglose Fermentation bedeutet, stoßt mich eher ab. Das so genannte Frische erinnert mich nur an Heu.

Am letzten Tag im Jahr 2007 bevor ich weiter nach Bern reiste, besuchte ich Thomas in seinem verlassenen Teegärtli in Burgdorf. Er brachte mich zu dem Teegärtli, der seinen letzten Tag bereits hatte und leer verlassen aussah. „Überlege Dir Mal richtig, bevor Du einen Laden aufmachst! Du hast nur mit dem Früchtekunde zu tun und Deine Präsenz wird nicht belohnt. Aber Du wirst gebunden wie ein Hund an der Leine.“ Schwer und Wehmutig warnte er mir, als er das Licht im Teegärtli einschaltete.

Leere Dose, halbgefüllte Früchteteeflasche und einsame Teekanne standen noch auf dem Regal. Er erzählte mir, wie schwer es war, diesen Entschluss durchzusetzen. Ich sagte ihm, dass ich es verstehe, wie es ist, selber allein vor einem Projekt zu stehen. Aber, Tee bringt doch immer einen Energie-Wechsel, wenn wir mit Weggefährte zusammen trafen und eine Tasse teilen. Er seufzte, hier im Emmental ist er wohl ziemlich allein und einsam. 

Trotz allem, für diese Stunde, in dem wir uns trafen, möchte er in diesem Teegärtli noch eine gute Tasse Tee für mich zubereiten. Eine Tasse Silver Tips aus Makaibari Garten! Ein Darjeeling… Eigentlich lieber nicht. Aber ich sagte nichts. Wer weiss, warum gerade jetzt eine Tasse Darjeeling, dachte ich. Ich folgte dem kosmischen Regal und liess den Tee geschehen.

Doch ein Wolke stieg. Ich sah dem Jungle. Noch keine Blume, noch keine Früchte. Nur der frische Wind aus dem Nebel im Jungle. Die Tasse gold, die Farbe Sunshine und der Geschmack geschmeidig wie Seide. Was für eine schöne Überraschung am Ende 2007! Ich spürte eine tiefe Dankbarkeit. Als die Tasse leicht erkaltete, duftet es nach Blumenwiese. Was für einen Traum? Bin ich in dem Traum oder der Traum in mir?

DarjeelingJungle von dem Makaibari Teegarten

Thomas gab mir eine Tüte von diesem zauberhaften Darjeeling. Dieser Tee hat meine Vorstellung von Darjeeling grundlegend verändert! Wie ein Frosch im Brunnen, der endlich die anderen Teile des Himmels außerhalb dem Brunnen gesehen hat, sprang ich weiter zu meiner nächsten Station. Glücklich, unbeschwert und aufgeklärt.

Nachtrag: Thomas Grimm beschäftigt sich weiter mit dem Tee. Man kann mittels Internetseite seine Tees bestellen oder mit ihm kontaktieren. So ein kreativer Mensch wie er, ist eher ein Tee-Designer als ein Tee-Verkäufer. Ich hoffe, dass wir in Europa so ein Tee-Talent nicht aus unseren Augen verlieren!

Dilemma eines jungen Teetrinkers

Einen jungen Teeliebhaber Bruno lernte ich vor paar Jahren kennen. Wir trafen uns unregelmässig und seit ich in Zürich lebe, finden wir manchmal auch Zeit zu einer Tasse Tee. Ich habe bereits seine Matura-Arbeit (Abitur) im Blog vorgestellt, dass er sich mit Lebensbilder von Teemenschen beschäftigte. Er, ein ruhiger zurückhaltender Schweizer, sass meistens ruhig am Tisch, hörte mir zu und trank seinen Tee. Als wir uns noch kurz vor Weihnachten trafen, erzählte er mir von der Umbruchszeit seines Lebens, wie viele Dinge anfängt, zu verändern. Teefreunde treffen sich zuerst oft wegen Tee. Mich interessiert eigentlich von Anfang an der Mensch, nicht der Tee. Beim Abschied umarmte ich ihn, während er fast „erschroken“ wurde und sich nicht bewegte. Später wollte er sich für seine Introvertiertheit entschuldigen und sagte mir, dass der Tee mit mir immer Freude bedeutet. In der Wirklichkeit war er mir nie fremd, auch wenn er glaubt, sich nicht zu zeigen.

Vor paar Tage schrieb er mir über seine Dilemma, ob das Teetrinken, das Teeverstehen und das Denken sich gleichzeitig miteinander vereinbaren können.

Hallo Menglin

Der Akt des Teetrinkens, einschliesslich der Vorbereitung, ist für mich ein Ritual, das mich für eine kurze Zeit aus dem Alltag befreit und mir etwas Ruhe gibt. Deshalb trinke ich Tee! Aber wie geschieht das? Ich bin zum Schluss gekommen, dass mir der Konsum von Tee hilft, vom Denken abzukommen und zum reinen Empfinden zu gelangen. Was ich damit meine, hat wohl unter anderem damit zu tun, dass der Vorgang immer derselbe ist. Ich hole eine Tasse, eine Kanne und etwas Tee, koche Wasser, wärme die Tasse/Kanne, tu den Tee hinein, rieche, giesse auf und trinke. Ich kenne den Geruch und den Geschmack meiner Tees bereits, ich erlebe (im Gegensatz zu andern Tee-Trinkern vielleicht) selten eine neue Geschmacksempfindung. Das Essentielle dabei ist, dass ich während dieses ganzen Vorgangs kaum etwas denke. Ich mache mir einen Tee und geniesse ihn. Ich denke dabei weder über Alltägliches, noch über den Tee selbst nach. Ich denke so gut wie gar nicht, sondern empfinde nur. Vielleicht sind hier Parallelen zur Teezeremonie zu finden, wobei ich keinesfalls einem streng vorgegebenen Muster folge, sondern frech meinen eigenen Weg gehe.

Jedenfalls entsteht hier das Dilemma, welches ich oben erwähnt habe: Ich kann den Tee nicht mit Worten beschreiben, ohne dabei diesen ruhigen Zustand, in dem ich mich beim täglichen Teegenuss befinde, zu verlassen! Beschreiben heisst vergleichen, nachdenken, erinnern, Worte finden und das geht nun mal nicht, wenn mein Kopf gerade eine Pause macht. Keinesfalls möchte ich die Basis meines Rituals verlieren, nur damit ich eines Tages in der Lage bin, einen schlechten Tee als solchen zu entlarven und einen guten für seine speziellen Eigenschaften zu loben. Andererseits sind es meiner Meinung nach genau solche Fähigkeiten, die einen seriösen Umgang mit dem Tee ausmachen. Natürlich möchte ich einen Schritt weiter gehen und vom reinen „Tee-Geniessen“ etwas mehr in Richtung „Tee-Verstehen“ rücken, doch frage ich mich, ob dann die Gedanken während meines persönlichen kleinen Rituals noch immer so herrlich vorbeiziehen.

Also Menglin, du bist an einem Punkt, wo du wohl schon viele solche Schritte gemacht hast. Sag mir mal, kannst du eine Tasse Tee überhaupt noch geniessen, ohne dass dein Kopf die Kontrolle übernimmt?

Liebe Grüsse und eine gute Zeit über Neujahr wünscht dir
Bruno

Anji BaichaWas geschieht denn alles hier?

Im Alltag merken wir meistens nicht, dass wir nicht bei uns selbst sind. Wir denken immer. Der Kopf dreht sich immer weiter. Wir sind meistens wo anders. Bei der Freundin, bei der Arbeit oder beim Angel vielleicht. Selten sind wir wirklich bei uns selbst. Bei Teetrinken haben wir eine Möglichkeit, endlich bei uns zu sein. Teezeremonie ist eine Hilfe, diesen Prozess zu beschleunigen und das Kopf-Denken eine Grenze zu setzen, obwohl wir ja auch dort nicht aufhören, zu denken. Wenn Du nun bereits geschaft hast, eine Denkpause beim Teetrinken zu haben, ist es richtig beneidenswert!

Was machst Du, wenn Du einen schönen Tee beschreibst? Denkst Du dabei es „richtig“ zu tun? Kannst Du tatsächlich durch das Denken, diesen Tee beschreiben? Ich erlebe es anders. Durch das Denken bin ich eher brockiert. Der Duft und der Geschmack des Tees wirken wie Inspiration. Sie sprechen durch mich anstatt ich will etwas über sie sprechen. Es gibt keine Trennung zwischen uns. Wir haben die gleichen Identität. Also ich lass mich begeistern, die Begeisterung bringt mich zu einem Punkt, etwas zu schreiben oder zu artikulieren. Manchmal vergesse ich es, aber es wird wieder wach gerufen durch einen „zufälligen“ Duft. Der Duft, der Tee ruft mich, nicht umgekehrt.  Wir könnten gar nicht durch Denken, uns von etwas begeistern zu lassen oder etwas zu beschreiben. Es geschieht ganz allein. Wir lassen uns begeistern, es geschehen und zusammen geniessen. Es ist für mich die Teekunst.

Den Geschmackssinn zu trainieren geschieht ohne den Kopf, sondern durch den Körper, der speichert, was er jemals zum Genuss bekommt.

Der Tee und seine richtige Kanne

Lieber Arno hat mir eine schwierige Aufgabe gegeben, die richtige Kanne für einen richtigen Tee zu lösen.

Dass sich der gleiche Tee in der gleichen Menge und in der gleichen Zeit in unterschiedlichen Teegeschirr unterschiedlich entfalten, haben wir in letzten Gongfu Cha Kurs in Zürich bereits festgestellt. Wir habe den gleichen Tee – einmal Yinzhen Baojao, einmal Daye Oolong und einmal Mixiang Hong Cha in Yixing-Kanne, in Glaskanne und Gaiwan und in Porzellan in der gleichen Zeit zubereitet. Das Fazit war, dass der gleiche Tee sich unterschiedlich entfaltete. Jörg (den Du kennst und wir im Blog) war begeistert von dem Porzellan, während der Jürg (aus Zürich) weiterhin an seine Yixing-Kanne festhielt. Gibt es objektiv eine richtige Teekanne für einen Tee? Oder es ist eine individuelle Wahl? Auch der Yinzhen Baihao kam im Glas sehr gut zur Geltung, während die anderen zwei fermentierten Tees nicht zum Ausdruck kamen.

Was die Bücher uns erzählen, ist Theorie. Probieren und den Unterschied schmecken müssen wir selber. Und das richtige Material zu wählen muss Du wohl selbst tun. Ich bin begeistert von Porzellan, nicht weil der Tee in der Porzellan-kanne am besten schmeckt, sondern weil er darin am „ehrlichsten“ schmeckt! Also ich will nicht, dass der Tee besser schmeckt, sondern ich will ihn kennenlernen, so wie er ist. Später möchte ich ihn vielleicht besser zur Sprache kommen lassen, dann probiere ich gerne Mal ihn in einer guten Ton-Kanne aus. Auf dieser Ebene ist es bereits nicht mehr Tee kennenlernen, sondern die so genannte Spielerei oder im anderen Auge – die Teekunst.

Es ist ähnlich wie die Liebe- entschuldige, wenn ich es so vergleiche. Zuerst lernt man zufällig jemanden kennen . Liebe macht aber blind. Also könnten manche Menschen nur den verliebten Partner verherrlichen und glaubten, ihn verändern zu können – Liebe schafft alles! Also man versucht ihn zu verwöhnen und nur die beste Seite zu zeigen. Später trifft man auf die bittere Wahrheit und wird enttäuscht – was mache ich falsch… Aber ist Liebe nicht, jemanden so zu akzeptieren, wie er ist? Jemanden zu verändern könnten wir so wie so nicht. Wir könnten immer nur uns selber verändern. Also die Kunst der Liebe bzw. des Tees ist, die richtige Teekanne zu finden, den Tee in seiner besten Form zur Sprache kommen zu lassen. Aber zuerst lerne ihn richtig kennen und akzeptiere das, wie es ist!

Abgesehen von Fremdgeruchsgefahr – theoretisch schmeckt ein duftender Tee besser in einer Keramik-Kanne, die eine höhe Ton aufzeigt, wenn man die Deckel mit der Kanne leicht schlägt. Persönlich trinke ich gerne Oolong in der Ton-Kanne – wenn ich wirklich Muße habe. Ungerne bereite ich Tee in einer fremden Teekanne, die zuerst kennengelernt werden sollte. Aber anderen Menschen einen neuen Tee vorzuführen oder den Tee erst kennenzulernen, mache ich ihn gerne in einer Porzellankanne. Weil der Teefreund diesen Tee in seinem „originalen“ Geschmack kennenlernen könnte. Wenn ein Tee für die Teefreunde bekannt ist, würde ich ihn als Spielerei in einer Ton-Kanne zubereite. Und solche Momente sind schönund glücklich, weil man auf eine Abentuer gemeinsam geht, etwas Unbekanntes zu entdecken. Leider sind solche Kreise in meiner Umgebung noch nicht entstanden. Teefreunde im Blog sind weit verstreut. Ja, es wäre wunderbar, mit anderen solche Erfahrungen direkt zu teilen! Der Wünsch ein Teehaus zu eröffnen ist die Verwirklichung diees Glück.

Kind und Teelieber Arno, er ist unser jüngsten Weggefährte, der Neffer Jacob von Suzanne trinkt seinen ersten Gongfu Cha!

Ich bin sicher, dass Du den Qilan nicht falsch zubereitet hast. Er ist einfach anders, wenn er in Gaiwan ist. Wenn sein Geschmack in Gaiwan für Dich besser ist, dann hast Du wohl ein Hauch der Teekunst geschnuppert! Gratulation!

Und diese Erfahrungen gehen immer weiter. Eine neue Erfahrung bringt ein neues Neugier. Das neue Neugier bringt wiederum eine neue Erfahrungen hervor! Der Rückkehr kann nicht mehr stattfinden, weil der Geschmack des Tees im Körper eindringt und der Körper nach ihm schreit – Tee und das ich sind eins. Irgendwann entdeckt man, dass der Tee nicht nur Geschmack hat, sondern auch eine andere Qaulität, die wir als „Geist“ bezeichnen. Sich an ihn anzunähren eignet man sich eine bestimmte Haltung an, Tee nicht als Objekt zu betrachten, sondern uns in ihm hineinzusetzen. Subjekt und Objekt haben die gleiche Identität. Der Duft und Geschmack des Tees rufen in uns innere Bilder hervor anstatt unserem Verstand. Den Tee wirklich kennenzulernen setzt eine Bereitschaft und Mut vorraus, das gewöhnte Denkmuster zu überwinden, den immer weiter drehenden Intellekt abzulegen und nur Sinnesorgane anzuwenden. Somit kommen immer mehr andere Erfahrungen zum Vorschein anstatt denken. Wir lernen uns immer mehr anders kennen, als wir konditioniert sind. Wir kommen plötzlich an dem Punkt nicht mehr vorbei, aufrichtig zu uns selbst sein zu wollen. Das ist das, was wir als Chado-Teeweg nennen.

Sorry für den langen Beitrag, eigentlich habe ich Deine Frage nicht wirklich geantwortet. Ich wollte nicht die klassische Antwort schreiben: lieber Arno, für Grüntee und weissen Tee bitte Glas oder Porzellan; für Oolong und Pu Er unbedingt Yixing oder Ton, Gaiwan für Tees, dessen Frische und Duft im Vordergrund steht oder weil Du faul bist, die ganze Kanne zu putzen…

Zhutong Xiang Cha

Liebe Meng-Lin,

Vor einigen Wochen habe ich mir im Internet unter anderem einen Pu Erh
bestellt, der in ein Bambusrohr gepresst ist. Der Tee riecht schon sehr
interessant… nur leider habe ich es immer noch nicht geschafft, ihn aus
dem Bambus zu befreien… Ich will es nicht einfach aufsägen oder so und
dabei den Tee beschädigen. Kannst Du mir da eine elegante Methode
empfehlen? Der Tee ist ca. 1cm im Durchmesser und das Bambusrohr ca. 5mm
dick und sehr hart…

Dann noch eine Frage zu Yixing-Kännchen. Soweit ich das auf dem Blog
mitbekommen habe, bist Du ja eher für Keramikkännchen zu begeistern. Ich
habe hier einen Qi Lan von Madame Tseng, den ich sehr mag und schätze.
Ich habe ihn immer in einem kleinen Yixing-Kännchen zubereitet und war
damit auch sehr glücklich. Bis ich eines Tages ihn dann doch mal in
einem Keramik-Gaiwan gemacht habe und überrascht war, wie frisch der Tee
geschmeckt hat und ganz neue Aromen offenbart hat. Ein anderer Oolong
aus dem Wuyi-Gebiet hingegen scheint in dem gleichen Kännchen
interessantere Aromen zu entwickeln als im Gaiwan. Liegt das nun daran,
dass ich den Qi Lan »falsch« zubereitet habe (Wasser zu heiß/kalt, zu
wenig/zu viel Tee) oder gibt es Tees, die sich in Yixing besser
entwickeln als andere? Gibt es da allgemeine »Richtlinien« oder muss man
es für jeden Tee ausprobieren? Vermutlich muss man es, aber so eine
grobe Richtlinie, vielleicht nach Fermentierung oder so? Ich habe da
noch nicht die Erfahrung, dass ich das beurteilen könnte…

Schließlich möchte auch ich Dir meine Unterstützung zusagen. Sollte ich
mal nach Zürich kommen, würde ich mich sehr freuen, Dein Teehaus
besuchen zu können. Ich wünsche Dir, dass du alles schafftst, was Du Dir
vorgenommen hast…
Wir haben uns zwar noch nie gesehen, aber wenn ich an einem tristen Tag
lese, mit welcher Begeisterung Du über Tee schreibst und dieses einfache
Blättergetränk zu einem ganzen Universum werden lässt, blühe auch ich
innerlich auf…

Ich wünsche Dir ein frohes neues Jahr!

Arno

Lieber Arno,

1. Zhutong Cha. 竹筒香茶

Der Tee, der im Bambus-Rohr gefüllt ist, stammt aus China, Yünan. Traditionell wird er aus Frühlingsernte hergestellt, die nur getrocknet war und nach und nach ins Bambusrohr gefüllt wird. Durch das leichte Rösten übers Feuer samt der Bambusrohr wird der Tee weich und kann weitere Menge gefüllt werden. Aber man zerlegt tatächlich das Bambusrohr, das aufgeschnitten werden muss. Um diesen Tee zuzubereiten bricht man ein wenig von dem runden Tee-Stock ab und bereitet man mit kochendem Wasser.

Eigentlich sollte dieser Tee nicht in dem Bambusroher verkauft. Dieser Tee sollte eigentlich nach der Endproduktion bereits aus dem Bambusroher entfernt und im Bambusblätter oder Papier verpackt und aufbewahrt werden.

Da das Material für diesen Tee von der chinesischen Minderheiten im Südyünan sehr zart ist, wird er auch als „der Jungfrau Tee“ (Guniang Cha 姑娘茶) genannt. Tee ist im chinesischen Auge stets begleitet mit Erotik, nicht wahr?

Zhutong Xiang chaSieht Dein Zhutong Cha auch so aus?

Im Moment wird auch diese Art von Zhutong Cha in Taiwan hergestellt. Wo? Natürlich in dem innovativen Teegegend im Südformosa – Natou Lugu. Es sind zwei moderne Urheber, die nun sich zurück auf die alte medizinische Weisheit besinnen, den Formosa Oolong Jinxuan im Formosa-Bambus aus dem Bergen zu füllen. Diese Art von Formosa-Oolong-Bambus-Tee sollte die Aufmerksamheit der japanischen Gesundheitsministerium bereits erregt haben. Denn dieser Tee hat keine Teein oder kofein. Das so gennante Bambussirup, das man den Bambus durch langes Rösten gewinnt, war in der chinesischen Medizin ein Wundermittel gegen Problem durch innere Hitze wie z. B. Lungen-Entzündung, Schlaganfall etc. (Li Shizhen) Diese wertvolle Flüssigkeit verschmelzt in dem gefüllten Jinxuan-Oolong und wird zusammen mit Tee getrunken. Für Menschen, die im heissen Süden leben und an solche Krankheit leiden, ist es ein Geschenk der Natur.

2. Den Betrag vom Tee und seine richtige Teekanne darf ich morgen erst schreiben. Für heute ist es genug zu lesen.

Dein Bambusrohr wird wohl mit einer elegenaten deutschen Säge geöffnet oder einem richtigen militanten schweizer Messer.

Der Jahresrückblick-Tee

Die Hausmischung Bodman bezeichnet Detlef den Tee, den er die Reste von jeder Zusammenkunft zusammen wirft. Es beinhaltet einen Teil jeder Zusammenkunft und somit schlussendlich ein Rückblick des Jahres. Jahresrückblick-Tee ist die Hausmischung Bodman.

Wir trafen noch im 2. Advent zum Tee, als wir dachten, dass wir uns vor 2008 noch einmal zum Tee versammelten. Der Tag wurde sehr schnell dunkel. Als ich mit dem Koicha Tee beendete, war das Tageslicht bereits vorbei. Kalt, feucht und dunkel. Ich wurde aufgefordert, den poetischen Name des Teelöffels mitzuteilen in einem gewöhnten geregelten Frage- und Antwortwechsel der Koicha-Zeremonie. Ich sollte eigentlich wie erwartet einen intelligenten Zen-Spruch oder irgendeinen chinesischen poetischen Metapher angeben, was diesem Tee einen Rahmen verleihen würde. Ich zögerte. Ich spürte die Spannung. Ich zögerte noch paar Sekunden. „Das Warten auf dem Schnee.“ Schweigen herrschte unerwartet ein paar Sekunden. Die Gäste bedankten sich. Der Teeraum wurde wieder leer.

Schnee kam nicht und wir trafen uns 2007 auch nicht wieder. Ich wartete auf das Schnee, das trotz der Sehnsüchte nicht kam.

Vor einem Jahr beschloss ich endlich nach Zürich anzusiedeln. Die Vorbereitungszeit war über die Jahre, aber ich konnte den Zeitpunkt nicht richtig spüren. Ich konnte mich von meinem akademischen Karma nicht richtig befreien und der Erwartung meines Vaters nicht enttäuschen. Diesen Schritt bedeutete mir wie das Springen ins kalte Wasser. Aber in meinem Herz hegt ein Plan. Nach Zürich zu gehen, damit ein Herzensprojekt endlich vorangetrieben werden kann.

Ich habe einen Traum, ein Teehaus in Zürich zu öffnen. Ein Ort, wo der Tee und Menschen im Mittelpunkt steht, ein Ort, wo Kulturen sich berühren, ein Ort, wo Menschen sich begegnen. Ein Haus, wo authentische Teesorten in ihrer Originalität verkostet und kennen gelernt werden könnten, wo Teeliebhaber ihre Leidenschaft dem Tee widmen könnten und sich weiter bilden könnten, wo das Wissen und Freude an Tee ausgetauscht werden könnten!

Nach Zürich bin ich gekommen und aber nicht angekommen. Das Spiel mit der Bewilligung und der neue doch bekannte Prozess der Anpassung prägten meinen Alltag. Tiefere Ängste und Enttäuschungen brachten mich zur unsichtbaren Depression, die mir wiederum half, meinen eigenen Abgrund zu erfahren. Bitter, schmerzhaft jedoch heilsam. Als Menschen, die grenzüberschreitend leben müssen oder wollen, wird von einer Einsamkeit begleitet – das Gefühl an einem falschen Ort zu sein. Das Weiterziehen zu beenden ist leider noch nicht im Aussicht. Die Zerrissenheit und Inkohärenz der Selbstbilder könnte man nicht selbstverständlich mit anderen teilen. Wie ein Wanderer lebe ich auf der Erde, nur im Tee bin ich angekommen. Dort ist meine Heimat. Vielleicht ist es auch eine Heimat von vielen Unbekannten.

Vor der Verwirklichung dieses Projektes brauche ich sehr viel Mut. Mut, über meine eigene Grenze zu überschreiten; Mut, sich auf etwas Risikoreiches einzulassen; Mut, sich vor anderen Menschen zu stellen, prüfen zu lassen. Ich habe Angst.

Ich brauche sehr viele Unterstützungen, die mir jegliche Hinweise bedeuten, wo, wann und was sich eine geeignete Lokalität befindet. Ich freue mich über jegliche Meldung und HInweise!

Mit Ambivalenz und Entschlossenheit gehe ich langsam auf das Jahr 2008 zu. Die Energie sich gegen das Unbekannte zu wehren und sich zurück in das Gewöhnte fallen zu lassen kostet uns genau so viel wie die Energie unbeirrt auf dem eigenen, vielleicht steinigen Weg weiter zu schreiten. Ich wünsche allen Teefreunden und Blogfreunden zum 2008 viel Mut auf das Neue und viel Kraft für das Durchsetzen unserer Leidenschaft!

Es wäre schön, Euch irgendwann im Jahr 2008 in meinem Teehaus einzuladen, zum Tee, zum Klatsch oder zum Nichtstun.

Anji White Tea 安吉白茶

anji baichashuIst Anji White Tee ein weisser Tee? Oder was er überhaupt?

Sung Kaiser Hui Zong (宋徽宗, reg. 1100-1125) war ein hervorragender Künstler, der begabt in Kalligraphie, Malerei und Tee war und Muse hatte, seiner Begabung verwirklichen zu können! Wenn er ein gemeiner Mensch gewesen wäre, wäre er in der chinesischen Geschichte, „Der Genie“ gewesen.

Leider war er ein Kaiser, der seine Energie sich auf das Wohl des Volkes konzentrieren sollte anstatt auf seine Leidernschaft und Romanzen. Es wurde erzählte, dass er sich trotz vielen legalen Konkubinen im Hof in einer berühmten Edel-Prostituierten (das ist leider keine richtige Beschreibung. denn solche Damen in diesem Beruf in alten Asien sehr angesehen waren und wirklich Künstler waren.) verliebte. Er vertrieb ihren Liebhaber mittels seiner Macht als Kaiser und holte sie in den Hof. Paar Jahren später verlor er alles, was ihm bedeutete: Kunst, Liebe und Heimat, als die nördlichen Barbaren einmaschierten!

Dieser Kaiser war zwar ein politischer Dummkopf, aber ein hervorragender Teeologe! Er hinterliess uns ein grosses Werk über die Tee Herstellung in der Sung Zeit. Er beschrieb über eine eigenartige Sorte von Tee, einen weissen Tee! Dieser Tee sei aussergewöhnlich gewesen und wuch am Felsen, wo Menschen kaum Zugang hatte. Diese Teeblätter sahen weiss aus. Die Sonne hatte jedoch Einflüsse auf die Farbe. Aus diesen weissen Blätter wird der legendäre weisse Tee für den Hof produziert. Dieser natürlich gewachsene weisse Tee verschwam aufgrund seiner Rarität in der Geschichte. Niemand erfuhr wieder etwas von ihm.

1979 wurde diese Legende wieder aufgetischt – vielleicht wegen dem Ende einer Kulturkatastrophe der chinesischen bzw. menschlichen Geschichte. Man sprach wieder von diesem Tee und die Volksregierung entdeckte wieder dieses verschonten Schatz. In Zhejiang, Anji Provinz wurden diese seltenen alten Bäume wieder als Schatz anerkannt und stehen seitdem unter besonders Schutz. In den 80er Jahren wurden viele Experimente durchgeführt, so dass man diese Bäume Dank der Klonen industriell zum einen besonderen Tee verarbeiten und vervielfachen kann!

Anji Baicha (White Tea) wurde wiedergeboren! Er ist weiss nur im Frühling und nur in den 20-30 Tagen. Mit der Veränderung des Tages, der Temperatur und des Sonnenscheins werden die Blätter wieder grün!

Dieser Tee kann ich von seiner Herstellung her nicht als einen weissen Tee bezeichnen, denn er ist nach einem klassischen Grüntee-Verfahren hergestellt. Er ist nur weiss, weil dieser Baum weisse Blätter wächst!

Es wurde nachgesagt, dass Anji Baipian oder Anji Baicha abkühlend wirkt, gegen den inneren Stress und stärkt das Immunsystem. Vielleicht ein Tee gegen den Weihnachtsstress?

Anji BaichaAnji Baicha

Statt einem Weihnachtsgruss

Das Flugzeug fing plötzlich an zu wackeln und Dinge fielen aus dem heiteren Himmel auf dem Boden. Ängstvolle Aufruf und Geschrei machten noch mehr Angst und schreckliche Phantasie… Ich sass gerade in so einem Flugzeug und dachte auch an das kommende Ende des Lebens.

Das vergangene Leben war nun wie ein Film, der vor mir sekundenschnell abspielte. Dringend fragte ich mich, willst Du nun etwas aufschreiben? Muss Du Dich noch bei Jemanden entschuldigen? Ja! Die Liste ist leider zu lang. Hast Du noch etwas Unerledigtes? Ja. Aber es kann auch ohne mich gehen. Hast Du etwas verpasst? Nein. Ich kann jetzt ruhig sterben, aber würde auch gerne noch länger leben, wenn es möglich wäre. Was würdest Du machen, wenn Du noch 5 Minuten Zeit hast? Tee trinken! Was für einen Tee? Buddha Hand!

Nein, ich bin gut angekommen. Nur fühle ich mich wirklich krank. Weiter reisen muss ich leider noch zwei Tage. Aber noch weiter zu reisen kann ich wirklich nicht mehr. Meiner lieben Tante in Amerika sollte ohne mich den Weihnachtsbaum bewundern und den Koffer schöner Kleider anderen verschenken. Meine bescheidene Erscheinung ist in ihrem Auge ein Skandal, so dass sie mir im Herbst einen Koffer Kleider nach Taiwan brachte. Aber diese karierten Kleider und LV-Taschen konnte ich nie an die Uni tragen. Nun passen solche Dinge noch weniger zum Tee. Müde und erschöpft. Der Tag ging aber weiter.

Das einzige erfreuliche an dem Tag war, dass ich einen aussergewöhnlichen Weihnachtsgruss von einem unbekannten Teefreund vom hohen Norden erhielt.

Liebe Meng-Lin Chou,
möchte mich auf diesem Wege für Ihr interessantes Weblog bedanken, in dem ich immer wieder gerne herum stöbere.
Ich finde, Sie haben eine wunderbare Art, die Dinge des Lebens  – und dazu gehört Tee trinken eben auch in großem Maße – in einem anderen Licht
darzustellen. Ich habe jedenfalls durch Ihre Website schon viele gute Anregungen erhalten und viel gelernt!
Als kleines Dankeschön haben meine Tochter Jula und ich einen kleinen Weihnachtsgruß für Sie (Datei PDF im Anhang).
Wir wünschen Ihnen alles Gute – und wer weiß, vielleicht kreuzen sich ja unsere Wege irgendwann einmal …
Mit freundlichen Grüßen
B. B.
aus
Jork
Die Wege kreuzen sich bestimmt, wenn unser Geist sich jetzt darauf vorbereitet. Tee ist die unsichtbare Kraft, die Menschen zueinander zu führen, die zusammen gehören.
WeihnachtsgrussDas herzige Jula schickte uns einen wärmenden Weihnachtsgruss mit ihrer Familie!

Gangkou Cha 港口茶 2002

Teebauer ZhuTeebauer Zhu in Manzhou

Der Meeroolong Gangkou Cha war eigentlich nicht so mein Geschmack, wenn Gerhard von ihm nicht immer schwärmt und kaufen wollte. Dieser Tee hat für mich etwas wie das Wilde, Unangepasst und Schwierige wie das, was man von Südländer auf Formosa denkt.

Ich bin im Süden aufgewachsen – auf dem Rücken meiner lieben Tante, während meine Mutter in der Schule andere Kinder erzog und der liebe Vater ständig auf Auslandsreise war. Meine Tante erzählte mir immer wieder, dass ich auf ihrem Rücken andere Kinder provozierte und sie sich ständig für meine Frechheit entschuldigen musste. Das Südtaiwan war und ist politisch und wirtschaftlich von der zentralen „chinesischen“ Regierung vernachlässigt. Das bracht Vor- und Nachteile. In diesem Milieu habe ich mitbekommen, was das Taiwanesisch heißt: ein bisschen verbrecherisch – das kommt von der Piraten-Zeit; ein bisschen unangepasst – die Unabhängigkeit bewusst; und richtig einfach unkompliziert. In Südtaiwan regiert noch das alte Taiwan, das selbstbewusst mit ihrer Vergangenheit umgehen kann und unangepasst gegenüber den arroganten gestylten Globalplayern in Taipei stehen kann.

Der Geschmack dieses Gangkou Cha ist für mich ein unangepasster Oolong, salzig, direkt und nachhaltig. Heute ist es schwierig geworden, wieder so einen schwierigen Oolong zu finden. Der häufig vorkommende Meeroolong ist wie alle andere Oolong geworden: duftend, fein und kurzlebig. Gerhard beschwerte sich bei mir über dieses Trend und ich beschwerte mich weiter bei Bäuerin Zhu. Sie sagte bedauernd und irgendwie machtlos zu mir, wie schwer es ist, als ein Teebauer in Taiwan zu überleben. Teetrinker in Taiwan haben eben gerne die moderne leichte, duftende Variante – anders als die japanischen Teeliebhaber, die diese Urtümlichkeit schätzen. Ich bat sie, mir in der Zukunft nur diesen altmodischen Gangkou Cha zu schicken, denn es in Europa auch paar sture Köpfe wie Gerhard Lange gibt, die diesen Tee in ihrer Einzigartigkeit schätzen.

Vor einer Woche schickte sie mir einen Gangkou Cha 2002. Überraschend öffnete ich die Tüte und goss ihn auf. Sein „Meer“-Duft war richtig präsent und ich konnte mich wieder an meine Kindheit erinnern – am Meer, unter den Palmen und auf den Korallen. Ich bin ein Kind des Formosas! Der Meerduft begleitet mit einer reifen pflaumen Nunace präsentiert mir einen wunderschönen authentischen gelagerten Meeroolong! Ich schicke ihn sofort nach Bern, erhielt allerdings sehr skeptische Meldungen: weshalb ist er so dunkel, weshalb ist er wirklich gelagert?

Er ist dunkel, weil dieser Oolong durch einen langen Röstungsprozess auf niedriger Temperatur erzeugt wird. Er ist wirklich gelagert, aber nicht sehr lang, weil sein Geschmack uns diese Information bestätigt! Wir könnten nicht über das Paradies sprechen, wenn wir das Paradies nicht erleben! Was könnte ich beitragen, diesen Prozess der Kommunikation und Austausch des Tees zu beschleunigen? Gerhard konnte ich überzeugen, diesen Gangkou Cha 2002 zu würdigen. Aber es ist noch ein langer Weg vor mir, das Wissen verständlicher und zugänglicher zu machen!

Die Geschmäcke salzig, süss und sauer

wie der Geschmack von Heimweh

Tränen sind salzig

Erinnerungen werden süss

Sauer wird der Magen…