Archiv des Autors: Menglin

Das Labyrinth der Namen von Dancongs

Wir kennen einnige Dancongs in Europa, wissen leider oft nicht, was sie bedeuten sollten. Chinesische Namen sind wahrscheinlich nicht nur phonetisch anders aufgebaut und enthält ein anderes Verständnis zwischen Menschen und der Umwelt. Oft wird ein Baum nach dem Charakter des Duftes, mache nach dem Ort, wo der Baum entdeckt wurde, manche nach dem Wachstumscharakter eines Baums (z.b. Baiye – weisse Blatt; Baipian – weisse flache Blatt etc.) und manche aus Zynismus des Teebauers z. b. Qingxin Da Pang – nutzloser Oolongbaum, der nur geeignet ist für einen hervorragenden Oriental Beauty, sonst nutzlos.

Oft werden Dancong nach dem Duft eines Baums genannt. 1996 wurden 123 verschiedene Dancong Baumsorte dokumentiert, die eine bedeutende Rolle spielen. Sie werden zu 10 verschiedenen Duftnote verifiziert. Mittels dem Duft-Charakter dieses Tees wird ein Tee benannt.

1. Huang Zhi Xiang (Duft des Huangzhi – Gardenia grandiflora) – unterteilt von 9 kleinen Differenzen von Duftnuance.

2. Zhilan Xiang (Duft des Zhilan-Blüte) – 5 kleine Einteilungen

3. Milan Xiang (Duft des Honigs und Orchideen) – 3 Einteilungen

4. Guihua Xiang (Duft des Osmanthus)

5. Yulan Xiang (Duft des Magnolia Lilifora Desr. ex Lamx, ähnlich bei Jadeoolong)

6. Jianghua Xiang (Duft des Hedychin yunnanense Gagnep, wohl ähnlich bei Sijichun) – 4 Einteilungen

7. Yelai Xiang (Duft von Yelai Xiang – Michelia maudiae Vietnamensis)

8. Moli Xiang (Duft von Jasmin)

9. Xingren Xiang (Duft von gemahlenden Mandel)

10. Rougui Xiang (Duft von Zimtrinde)

Xiang bedeutet Duft, duftend. Meine Großmutter hiess auch Xiang. Viele chinesische Frauen tragen ebenfalls diesen Name.

Lan – ein Wort, das oft im Teename vorkomme, bedeutet Orchideen. Kein Wunder, dass Orchideen und sein Duft eine zentrale Rolle beim Teekosten spielen und vor allem beim Verständnis vom Oolong entscheidend sind.

Einen Bericht über Qilan Xiang, Milan Xiang lassen sich noch warten. Ich komme noch nicht dazu, einen verständlichen Text zu schreiben.

 

岭头单从 Lingtou Phönix

Phönix Ling Tou 岭头, was bedeutet das? Die chinesischen Namen gleichen einem richtigen Labyrinth!

Einen ausführlichen Beitrag über das Dancong Labyrinth mache ich mir ein anderes Mal die Mühe. Heute schauen wir nur den Lingtou Dancong an.

Dieser Dancong Baum stammt aus dem 60er Jahren aus dem Dorf Lingtou (370 M.ü.M.) in Raoping Pingxi im Phönix Gebirge (Guangdong 广东省饶平县坪溪镇岭头村). Ein Experiment mit einem Baiye Dancong (weisse blätterige Dancong Baum) von einem neugierigen Teebauer während der Kulturrevolution. Während die Welt draussend wütete und Menschen sich gegenseitig beschuldigten und um die Macht scharrten, zog der Teebauer Hsu zurück und konzentrierte sich auf die Suche nach einer Spitzensorte des Dancongs!

Lingtou Dan Cong genannt nach dem Dorfname sollte nur zwischen 14-16 Uhr gepflückt werden. Die Erntezeit: Ende März bis 5.April – früher als alle andere Oolongsorten. Das Balttgut sollte reif sein, weder zu jung noch zu alt. Nach dem Pflücken wird dieser Tee anschliessend unter dem Abendsonne welken lassen und durch die Nacht verarbeitet.

Er sollte ein Tee sein, der geeignet ist, zum Lagern. In der chinesischen Zunge des Teetasters sollte der Tee Blütehonig-Note schmecken – langhaltig und klare Duftnote mit einem Intensiven und lieblichen Geschmack.

Pflücken von Shuixian DancongPflücken bei der Ernte von Shuixian Dancong.

Verkosten von Phönix Ling Tou 岭头单从

Der Sponsor meiner duftenden Orchideen kam nach dem Bankgeschäft zum Tee. Zwei Tie Guanyin aus der Chinareise sollten auch verkostet werden. Das passt wunderbar zu dem Duft der Orchideen, dessen Duft die Note eines hervorragenden Tie Guanyin wiedergeben sollte. Ich wollte allerdings noch zwei Dancongs verkosten lassen.

Ich schnitt die original verpackte Tüte auf und der roch bereits in der Tüte etwas fremdartig. Ich roch drei Duftspuren, während der Besucher lediglich die süsse Note identifizierte. Im Schweigen machte ich den Tee weiter und wartete auf den Aurguss. „ Er ist alt.“ „Woher weiß Du?“ „Wie alt? Ca. 1 Jahr?“ „Ja. Woher weiß Du?“ „Ich muss es schmecken können, genau wie Du den Aktionskurs vorhersehen könnten, oder?“ Dieser Tie Guanyin war bereits pflaumig. Der Duft war schwer, sehr süß. Blendend, aber nicht elegant. Schwer und nicht erhebend. Dominant und nicht „beherrscht“. Dann schnitt ich die andere Tüte auf. Ein Tie Guanyin aus Tian-Fu (Tie Ren Konzern). „Er ist sehr teuer! Er kostete mir 300 Yuan! (50 Sfr. Für 50g?)“ Teekanne wurde aufgewärmt und der trockene Duft des Tees wurde „geprüft“, „ Ja, das ist der Orchidee, die Du mir geschenkt hast! Riechst Du?“ „Ach!“ Ein wunderschöner Tie Guanyin, seltene Sorte! Sein Duft sehr klar, konzentriert, erhebend. Ruhig, präsent und zurückhaltend. So eindeutig und besänftigend schmeckt der elegante Orchideen Duft, klar und süß. Der mystischen Guanyin Yun (der berühmte Abgang dieses Oolongs) war so eindeutig, dass man ihn kaum übersehen konnte! Ich genoss den raren Tee. Wie wunderbar!

Der noch teure Phönix Ling Tou gefiel leider meinem Besucher nicht. Das Gesicht war verzogen. Ja, ein schwer zu verstehender Tee. Eine ungeübte Zunge ist überfordert. Der Phönix Ling Tou, den Stefan so gern wissen möchte, ist interessanter und spannend. Ich roch in den trockenen Blätter drei Duftspuren: Meribel (sorry, wie heisst dieses Frucht, das im Sommer gelblich aussieht und ähnlich schmeckt wie Pflaumen?), Lichee und Frauenmantel (Sorry, ich sammele selbst gerne Kräuter und pflegte bis zum letzen Herbst einen Kräutergarten. Der Duft erinnert mich einfach an diese kleinen Pflanzen in Swiss Mountain.). Aber in einer europäischen Zunge wurde die Duftnote „Kirschen“ festgestellt! Das ist das interessante bei dem Teeverkosten. Aufgrund unterschiedlicher kultureller Referenzen wird ein Tee unterschiedlich dekodiert. Das fasziniert mich immer wieder. Eine taiwanesische Zunge könnte nur Lichee deklarieren, während eine „fremde“ Zunge das Tee-Erleben auf eine andere Dimension bringen könnte.

Der Aufguss ist schön, süß und zugleich bitter – das Problem bei fast allen Dancong, den man hier kaufen könnte! Vor paar Wochen trank ich einen Huangzhixiang, der einen schönen Duft zeigte, aber eine unvermeidliche Bitterkeit hinterließ. Natürlich ist dieser Ling Tou von einer anderen Klasse (50g, 45 Sfr.), aber dieser Tee wird nicht leicht haben, verstanden zu werden. In der Wirklichkeit könnte er noch interessanter und unentbehrbarer werden, wenn er einen „Kenner“ getroffen hätte, ihn zu fördern… Er  ist überhaupt nicht geröstet – das Problem von allen käuflichen Dancong. Warum nicht mehr geröstet? Darüber habe ich bereits einen Beitrag geschrieben. Es ist eben schwierig, jemanden zu finden, der sich wagt, aus einem guten „Body“ einen perfekten Tee mit seinem Handwerk zu verwandeln.

Lieber Stefan, der Ling Tou Phönix hat wirklich faszinierende Duftnote. Und wenn die bittere Note Dich nicht stört, oder bereits nicht mehr merkt – wie ich, könntest Du an dem Aufguss richtig Freude haben! Ob Du für ihn so viel Geld ausgeben möchtest, bleibt Dir selbst überlassen.

Als Vergleich habe ich einen Baxian 八仙 – Mandarin Orchideen von Mingcha aufgegossen. Eindeutige Pfirsich-Note: süß, fruchtig und dezent. Der Besucher freute sich über den angenehmen Aufguss, den ich extra so zubereitete. Es ist wirklich eine Geschmackssache. Jeder fühlt sich zu einem Tee hingezogen, je nach dem Zeitpunkt, wann er den Tee begegnet. Banxian ist sicher ein ausgezeichneter Dancong, der einen annährenden Teeliebhaber den Zugang zum Tee verschafft. „Diesen Tee kannst Du sicherlich nach einem „arbeits (augtrags) – intensiven“ Tag in der Ruhe trinken!“

Frage nach Fenghuang Dan Cong

Hallo Menglin,

Ich hoffe es geht Dir gut und in der Schweiz machen sich ebenso wie bei uns die ersten Frühlingsboten kräftig bemerkbar?

Ich habe mal wieder eine kleine Frage : Da gibt es einen Mi Lan Xiang, einen Qi Lan Xiang und einen Shiguping Huangzhi Xiang. Grundsätzlich kenne ich (andere) Dancongs mit diesen Bezeichnungen und liebe sie sogar mehr als die oft spröden Steintees aus dem Wuyi- Shan. Mein persönlicher Favorit ist dabei der Blütentraum des Huangzhi Xiang.

Könntest Du mir aber bitte nochmal genau sagen, worin sich die Aromen dieser drei Tees unterscheiden?

Und dann gibt es da noch einen “ Phoenix Ling Tou“ – dies sagt mir gar nichts. Er ist weit teurer als die anderen drei. Was verbirgt sich hinter diesem Namen und wie würdest Du seine Aromen beschreiben?

Ich freue mich auf Deine Antwort und danke Dir schon im voraus!

Herzliche Grüße von
Stefan

Am vergangenen Samstag war ich zwischen verschiedenen Terminen unterwegs. Manchmal wünsche ich mir, dass ich ein Klone hätte. In Bern war ich beim Länggass zu Beusch und konnte nach all den Teesorten von Stefan nachfragen. Diese wertvolle Teesorten zu degutieren finde ich leider noch keine Ruhe und Zeit. Außerdem ist es eigentlich Schade, allein diese wertvollen Tees zu verkosten. Auch Teeverkosten ist eine soziale Gelegenheit und bedarf Austausch.

Ich hoffe, morgen oder übermorgen, mehr über diese Tees zu schreiben.

Vor der Abreise

Im Telefon klang es ziemlich gut, wie die politische Lage in Taiwan im Moment aussieht. Teelehrer Chen war in bester Stimmung und sagte mir, dass sie sich auf meinen Rückkehr freuen und die Situation für unsere Lage sehr günstig sei. Mein Vater ist im Moment wieder auf Reise und wird wohl am gleichen Tag wie ich in Taiwan eintreffen. Er schien vergeblich auf meinen Anruf vor seiner Abreise gewartet zu haben. Ich sagte meiner Schwester, dass ich viel zu viel zu tun habe.

Sie freuen sich auf meinen Rückkehr, aber freuen sich wohl noch mehr, wenn ich wieder abreise. Meine arme Familie muss immer ertragen, wenn ich daheim bin, wenn Verwante oder ihre Freunde nach meinem Wohl fragen. Sie lehnen für mich Einladungen ab und geben für mich Erklärungen ab, warum ich immer noch im Ausland aufhalte. Nach dem Hinschmeiss meiner Uni-Karriere habe ich keinen Grund mehr in Europa zu bleiben. Und die Geschichte mit dem Tee? Damit muss man doch nicht studiert haben! Das Milieu meiner Familie versteht das nicht, wie ein studierter und scheinbar intelligenter Mensch sich mit Tee beschäftigen und zum Beruf machen möchte. Ich verstehe ihr Bedenken gut.

Eigentlich habe ich es nicht gewählt. Das ist einfach so entstanden. Warum sollte ich gegen das Geschehende kämpfen. Vor paar Jahren beschloss ich ein einfaches Leben zu führen und gestalte meine zwischenmenschliche Beziehung ebenfalls überschaubar und geradelinig. Ich suche keine Anerkennung und mache einfach im Schweigen meine Arbeit – für mich. Das Geschäft mit dem Tee scheint ganz gut zu passen. Manchmal gibt es Auseinandersetzungen, dass man Vorstellungen klar formulieren muss und Grenze aufweisen muss. Aber diese unangenehme streitige Dingen schaffen Klarheit, die das Leben wieder angenehm macht. Für eine konfuzianisch erzogene Frau ist es nicht einfach auf ein Ersuchen, mit Nein zu reagieren. In einer von germanischen Gesprächskultur dominierten Gesellschaft muss es andererseits stets gelernt werden, Menschen auf die Grenze deutlich hinzuweisen. Es muss hier alles angesprochen, besprochen, ausgesprochen und abgesprochen haben. Deutsche und Schweizer halten zu fest an Wörter, anstatt an das Unausgesprochene und Unsichtbare. Diese Diskrepanz war einst problematisch für mich, inzwischen betrachte ich, als Pech für Menschen, die die andere unsichtbare Welt nicht sehen wollen. Ich glaube nicht an aus- und versprochene Wörter und lerne das Nein zu formulieren auf meine Art. Deutsch werde ich nie, chinesisch werde ich immer weniger. Es ist gut so.

Mein Teevater war sehr enttäuscht, dass ich ihm vor dem Heimkehr nur drei Doese Tee mitbrachte. „Was mache ich dann, wenn etwas passiert?“ „Warum sollte etwas passieren? Wenn, dann kaufst Du halt wo anders.“ Es gibt eine Menge gute Teeläden wie Länggass Tee, Reichmuth von Reding etc. Sogar im Internet bei Tea Home kann man Tee direkt aus Taiwan bestellen. Es ist alles möglich heute. Es war seine Art, mir mitzuteilen, wie sehr er mich vermissen würde. Inzwischen gibt es in diesem fremden Land eine Menge Menschen, zu den ich eine Beziehung pflege, die auf Verständnis, Affinität und Liebe zu ähnlichen Dinge aufgebaut ist, anstatt auf „Blut“ und auf eine imaginäre Vergemeinschaftlichung. Sie sind mir nicht mehr gleichgültig. Dieses Aspekt wird klarer, wenn die Welten sich wechseln und die Frage nach „wo hin gehst Du?“ gestellt wird.

Ich gehe nach Taiwan – nun eher als ein teilnehmender Beobachter. Zuerst leide ich unter Schlaflosigkeit – wie „Lost in Translation“ und dann mache ich meinen gewöhnlichen Gang durch die Gasse. Zu den gleichen Essstände, zu den gleichen Restaurants und zu den gleichen Kaffeeshops. Wenn der Geschmack in diesen Orten sich in meiner Abwesenheit nicht verändert, empfinde ich ein Glücksgefühl – meine Welt ist noch in Ordnung. Aber die Welt dadraußend hat seinen eigenen Lauf.

Zhengshan Xiaozhong (Lapsang Souchong)

L. schickte mir neben den interessanten Felsentees und Anji Baicha einen Zhengshan Xiaozhong aus Tongmuguan in Fujian, Wuyishan.

Zhengshan Xiaozhong, der älteste Schwarztee in der Geschichte, ist allerdings ein rästelhafter Tee, dessen wirkliches Gesicht immer verschwommen wird. Ich kenne diesen Tee erst in Europa und betrachtete ihn als ein stark rauchig whiskyartiger Tee, dessen rauchige Note mich eher abschreckte und zu dominant erschien. Lange verstand ich nicht, weshalb dieser Tee so einen Ruhm besitzt.

Da Hubert in seinem Laden gerne diesen Tee einführt, wurde ich beauftragt diesen Tee zu suchen. Der Zhengshan Xiaozhong, den Suzanne mir einmal brachte sollte laut der Inhaberin des Strassburger Ladens ein Tee aus Sichuan stammen, aber als Zhengshan Xiaozhong deklariert wurde. Insgesamt beauftragte ich drei „Spionen“. Leider waren alle Muster nur nach dem westlichen Vorbild produziert, was man hier bereits überall findet und als selbstverständlich bezeichnet – ein Zhengshan Xiaozhong sollte so sein. Nur diese kleine Packung von L. schien mir ganz anders zu sein.

Seine trockene Blätter sind nach Vorbild Wuyi Yancha gerollt, nicht gehackt oder nadelartig. Sie duften in trockene Form bereits nach roten Dattel und eine unauffällige Longgan-Frucht-Note. Süss, dezent honigsüss und fruchtig. Der rauchige Geschmack bemerkbar aber ausgeglichen. Sein Aufguss zeigt mir einen sehr schönen „Body“, geschmeidig, voll und aromatisch. Der Abgang langhaltig, fruchtig und balsamierend. Ich war ein bisschen unverschämt, dem L. zu sagen, dass dieser Tee noch mehr fruchtige Note haben könnte! Er belächelte mich leicht im Telefon und sagte, „Weiss Du, dieser Tee stammt von dem besten Teemaker in Tongmuguan!“ “ Mir ist es egal von wem. Aber man könnte ihn noch mehr fördern – rösten!“ “ Ausserdem ist er nicht mehr zu kaufen!“ „Wie bitte?“

Dass ich bis Mai warten muss, um auf einen Zhengshan Xiaozhong, den ich endlich gefunden habe, zu warten, ist richtig grausam. Eine zweite Wahl wäre jetzt erhältlich versicherte er mir. Aber was mache ich mit meiner Erinnerung und dem Erkenntnis, dass ein Zhengshan Xiaozhong anders sein kann als diese zu habene zweite Wahl?

Longgang fruchtLonggan Frucht – Longyan auf Chinesisch

Anji Baipian

Anji BaipianAnji Baipian im Aufguss

L. aus China macht tatsächlich gute Arbeit für die Teeliebhaber in Europa. Von ihm werde ich mit ausgewählten Raritäten verwöhnt. Z. B. Anji Baipain (Zhejiang, Anji) und Zhengshan Xiaozhong (der Beitrag kommt morgen).

Dieser Tee war in Sung-Zeit als weisser Tee bezeichnet, weil seine Blätter im März weiss aussehen und im April grün werden. Seine Herstellung ist allerdings eine Herstellung vom grünen Tee. Ich war fasziniert von seiner schönen langen sauberen Blätter und seinen süssen Duft von den trockenen Blättern.

Vor zwei Woche könnte ich das wirkliche Gesicht dieses Tees noch nicht richtig entziffern, weil mein Geschmacksinn noch nicht in der Lage war. Heute bekam ich einen guten Auftrag diesen Tee noch von 2007 einzukaufen, anstatt auf die neue Ernte zu warten. Der Preis erschrak den Käufer auch nicht zurück. Der Grund des Käufers ist, ein guter Tee ist ein guter Tee, wozu warten? Ohne irgendein Werbegespräch fand dieser Tee bereits seinen Liebhaber. Eigentlich bin ich überflüssig, dachte ich. Tee spricht für sich, ohne Wörter.

Ein Hauch von Zitrusblüte und – Schale grüsste mich, als die warme Luft in die Nase hoch stieg. Dann Neroli, aber ganz leise – manchmal find ich Neroli recht dominant, aber dieser Fall nicht. Zum Schluss kam der Röst-Kastanien-Note. Der Aufguss süss, elegant und erfrischend. Schwebend im Himmel wurde ich durch diesen schweren Kastanien-Note auf dem Boden geholt. Was für eine Reise! Was man alles im Tee erleben könnte und mit Tee erleben kann!

Wozu abwarten? Der neue ist nicht unbedingt besser. Der erfahrene Käufer hat recht.

Anji Baipian Blatt

Wann sollte Tee geerntet werden?

Teefreundin aus Freiburg wurde stutzig, als ich ihr erzählte, dass die beste Erntezeit für Oolong mittags ist. Sie sagte mir, so hat sie nicht gelernt.

Gelernt über Tee hat sie bei einer Tee-Sommelier-Ausbildung in Bonn im diesen Herbst und Winter. Um einen Teesomelier zu sein musste sie paar Block-Seminare besuchen und verschiedene Marketingscoach mitmachen. Aber die Degustation erlebte sie nur von Grüntee und Schwarztee. Seminargebühr war nicht wenig, aber wertvoll, wenn man viel Wissen ums Tee authentisch vermittelt wird. Ihr wurde erzählt, dass der Tee immer morgens gepflückt wird, weil die Sonne die Oxidation beeinflusst.

Ich lachte, als sie mir davon erzählte, ein bisschen unhöflich – denke ich nachhinein. Tee als Überbergiff zu nehmen ohne ihn zu differenzieren, könnte man es machen, wenn man sich nicht mit Tee beschäftigt. Aber ein Teesommerlier… Sie fragte ich, wie sie ihr Gemüse im Garten pflückt, oder Kräuter sammelt. „Würdest Du an einem Regentag gehen?“ Sie schüttelte ihren Kopf. Ich fragte, wenn die Feuchtigkeitsverlust für die Herstellung eines Tees sehr wichtig wäre, wann würde sie denn die Blätter pflücken gehen? Ihre Augen leuchteten hell. „Mittags.“ „Welche Teesorten gehören zu diesen Kategorien?“ „Oolong und Schwarztee.“ Ich nickte meinen Kopf. (Darum kritisiere ich den Darjeeling, der im kalten Frühling geerntet und verarbeitet wird. Die Fermentation bei ihm ist für mich selten ausreichend, aber dem Trendgeschmack entspricht.) „Aber warum wurden uns so erzählt?“ „Ich kann nicht für andere Leute sprechen.“

Wie wird Grüntee dann gepflückt? Ich bin kein Expert in dieser Gattung und würde keine Kommentare abgeben. Ich könnte es mir vorstellen, dass die Aussage in ihrer Ausbildung sich eigentlich nur auf Grüntee bezieht.

Heute rief der jung L. (Doktorand im Fach Teeanbau und Herstellung an der Uni) aus China wieder an und wollte mit mir über die Ernte von Anji Baipian besprechen. Ich liess ihn nicht mit seiner Sache anfangen und fragte sofort  „Könntest Du mir bitte sagen, ob der Grüntee morgens gepflückt werden sollte und warum?“ Er lachte über meine aufdringliche Art, „Morgens wird der Grüntee in China gepflückt, weil die Oxidation von dem Sonneschein negativ beeinflusst wird.“ „Meinst Du, dass die Feuchtigkeit des Blattgutes die Herstellung des Grüntees nicht beeinträchtigt?“ „Doch, darum wird das Blattgut vor dem Erhitzen 30-60 Minuten – je nach Ausstattung des Produzenten und der Wetterlage – dünn ausgelegt und ruhen lassen. Durch das Ruhen tritt das grassige Geschmack des Teepflanzens im Hintergrund und die blumigen Duftnote kommen zur Geltung.“ „Das heisst, wenn ein Grüntee eine grassige Note erhält, hängt es mit dem Ruhen-Prozess zusammen?“ „Nicht nur, sondern auch mit dem Erhitzen.“ Wenn die Feuchtigkeit des Blattgutes zu hoch ist, dann wird der Tee vergelbt – er verliert die grüne Farbe. Darum wurde es immer vermutet, dass der gelbe Tee ursprunglich ein schief hergestellter grüner Tee war. Dann sprachen wir über den Röstkastanien-Geschmack, wie dieser Geschmack entsteht und den Prozess über den grünen Tee, der für Export und Massen-Produktion bestimmt ist.

Ich war zufrieden und liess ihn über das geschäftliche Details sprechen. Er sagte, dass er sich sehr freut, meine Frage zu hören. Er merkte, dass ich anders bin als viele Teeimporteur, die sich meistens nur für Trendsetter interessieren. Für mich gehe es immer um die klassischen Sorten und die möglichst beste Auswahl. Naja, er wollte damit sagen, dass ich ein schwieriger Kunde bin. Aber wenn ein Lieferant in der Lage ist, möglichst die beste Auswahl anzubieten, macht er sich auch unentbehrbar. „Wie Du.“ sagte ich zu ihm. Er lachte.

Es geht nicht um die beste Auswahl, eigentlich. Ich will nur meine Arbeit gut machen. Wenn ich einen Tee nicht verstehe, wie könnte ich ihn denn vorstellen? Darum könnte ich keine Riesensortiment anbieten. Andererseits ist es mir egal, ob dieser ausgwählte Tee gut ankommt oder nicht. Schwierige Personen sind keine schlechte Menschen. Sie brauchen mehr Verständnis und unser Geduld. Ebenfalls wie beim Tee. Ein schwer zu verstehender Tee liess sich nicht gut verkaufen, aber er wird seinen treuen Liebhaber finden. Meine Aufgabe ist nur, die Arbeit gut zu machen, anstatt mit meiner Zu- und Abneigung Tee zu beurteilen.

Duft der Orchideen

Michel klagte heute, dass er wieder drei Bücher übers Wochenende geschenkt bekam und nicht wußte, was er mit all den Geschenke machen sollte. „Du bist gut. Du bringst mir nie Öppis mit.“ Das hörte sich bei einem chinesischen Ohr nicht gerade als Kompliment an. „Warum schenken die Leute mir immer etwas? Die Blumen verwelken und Bücher etc. nehmen Plätze weg, am Ende muss ich ins Hotel gehen. Warum tun sie es?“ „Weil wir Dich gerne haben!“ In seinem Bad hängt eine riesige Wanduhr mit Titanic-Motiv und überall sind Bücher, CDs und verwelkten Blumen, die man jedesmal entsorgen muss. Zum Weihnachten bekam er sogar ein Blatt von dem indischen Bodhi-Baum, unter dem der Buddha angeblich erleuchtete. Ich versprach ihm, das Blatt samt dem Rahmen in Ebay zu verkaufen.

Das Problem hat nicht nur er. Ich habe ein ähnliches Problem. Da ich viel Besucher habe und gerne Besucher bekomme, bekomme ich viele Blumen samt Töpfe und Schokolade! Ich bin eine Projektionsfläche von vielen Teefreunde, die denken: eine Teefrau hat bestimmt ein gutes Herz für Blume, vielleicht macht sie sogar Ikebana. Leider bin ich ein Blumekiller. Keine blühende Rasse überlebt in meinen Händen! Nur grüne schweigende Zeuge ertragen mich, aber nur mit dem schweren Herzen. Einmal brachte Hubert mir einen entzückenden Camelien-Strauss, bestimmt kostbar und rar. Er sagte mir, dass es nur Wasser und Licht bräuchte. Nach paar Tagen verliessen mich alle Knospe und Blätter und ich wußte nicht, was ich falsch machte. Und das passiert immer wieder. Ich werde jedesmal frustriert, aber wollte mich auch nicht verändern. Das liegt nicht nur an meine linken Händen, sondern auch an meinem komischen Haushalt. Freundin Kathrin brachte mir einmal einen duftenden Frühlingsstrauss und ich geriet im Stress. Wo konnte ich eine Vase finden, um diese Blumen zu würdigen? Sie stand vor meinem Schrank und seufzte, „Ja, du hast wirklich ein seltsames Haushalt.“ Am Ende ladete der Strauss in einem Plastik-Ikea-Kücheschüssel.

Aus falscher chinesischen Höflichkeit traue ich den Leute nicht zu sagen, dass es mich eher Stress verbereitet – mit dem Blumen. Schokolade kann man schnell weiter verschenken, aber Blume… Ach. Vor drei Wochen bekam ich ein wunderbares Azalee mit rosa und roten Blüte mit Topf. Natürlich freute ich mich sehr für diese Freundschaft, andererseits denke ich an das mögliche Ende dieses Geschenks. Am Sonntag stellte ich entsetzt fest, als ich wieder heim kam, dass diese Azalee bereits aufgrund meiner Fahrlässigkeit vor meiner Abreise starb. Bei wem soll ich denn beichten? Und vor zwei Wochen wurde ich mit einer prächtigen Orchideen beglückt. Als diese Schönheit hoch geschleppt wurde, war ich sprachlos. Sprachlos von der Freundschaft, die man mir beschert; sprachlos weil ich wieder an das mögliche Ende dieses Prachtwerk dachte. Und, wo sollte ich sie denn hinstellen? In meiner bescheidenen Wohnung fand ich kaum einen würdigen Platz für diese Schönheit. Am Ende landet diese Orchideen in meinem Schlafzimmer zwischen Bücher, Dokumente und Kleiderstücke.

Gestern lag ich und ließ das Tagesgeschehen noch einmal vors Augen abspielen. Es war dunkel, stil und man hörte das Tram kaum. Emotionen wurden freier und der Geist beruhgte sich. Eine leise Spur vom unbekannten Duft heimsuchte mich. Wie ein Nymphe mit leichten Schritte füllt dieser Duft den Raum und mich. Was könnte es denn sein? Ist das die Orchideen? Eine klare zurückhaltende Präsenz mit klärendem süssen Duft!

Viele charakteristische Merkmale von Oolong werden mit Duft der Orchideen assoziiert. Die Orchideen ist Symbol der Eleganz, Einsamkeit und Aufrichtigkeit in der chinesischen Zeichenwelt. Ein Mensch, der seine Eleganz und Aufrichtigkeit nicht aufgibt, nur um Menschen zu gefallen, ist zwangsläufig einsam. Aber die Einsamkeit hat eine andere Bedeutung in diesem kulturellen Verständnis als eine schlechte Emotion. Einsamkeit hat etwas Edeles, eben wie die Orchideen.

Der Qingxin Oolong, der in Taiwan das Herz des Teeliebhaber erobert, ist bekannt für seinen zurückhaltend und charakteristischen Orchideen Duft.  Der Milanxiang Shuixian Dan Cong erweist ebenfalls diesen Duft-Charakter. Der bekanntesten Tie Guanyin aus dem originalen Tie-Guanyin-Baum sollte diesen Orchideen-Duft im seinem Aufguss verströmen. Ein bekanntester Oolong, der nach dem Orchideen-Duft genannt wird, ist der Qilan – die seltende Orchideen! Dieser Oolong sollte ursprunglich aus Anxi stammen. Der bekannteste Sorte dieser Gattung ist nun aus Fujian Pinghe, eine neue Züchtung von Qilan奇蘭. Die Blätte von dieser Züchtung sollte leicht weiss sein und hat eine markante Duftnote von Orchideen. Leider bin ich ihm noch nicht begegnet.

Mich fragten Leute oft, wie duftet eigentlich Orchideen. Ich wußte ehrlich gesagt nicht. Heute Mittenacht wußte ich sehr wohl, wie Orchideen duftet. Dankend denke ich an die Leute, die mir diese „Erleuchtung“ beschenkten. Vielleicht überlebt sie diesmal und das wäre wirklich eine Ausnahme.

Bai Mudan

Sehr geehrte Menglin, 
ich möchte mich mit einem „Problem“ an Sie wenden, da ich sie für eine kompetente Experten in diesem Thema halte.
Pai MU Tan dürfte ihnen bekannt sein, er ist sicherlich nicht das Höchste der gefühle, trotzdem beschäftigt er mich schon länger, da er immer als Weißer Tee bezeichnet wird.
Diese Auffassung teile ich nicht. Er ist was Geschmack und Tassenfarbe angeht, doch eher ein leicht anfermentierter – also – Oolong-Tee. oder? Habe gehört, dass das Weiß sich eben auch auf die Tassenfarbe bezieht.
Die Krönung fand ich jetzt beim Pai Mu Tan von – sorry – A. (ein sehr beliebter Grossmarkt). ER wird al Weißer Tee bezeichnet, ist aber nur Bröselzeug, kein Blatt zu erkennen schon gar nicht die feinen, weißen Epitel-Häärchen am Blatt. Wieso nennt man ihn Weißen Tee?!?
Fragt ein ratloser
Frieder

Lieber Teefreund aus dem Norden,

ich kann diese Frage erst beantworten, wenn wir uns zuerst auf den Gebrauch vom Begriff „Fermentation“ einigen.

Die so genannte Fermentation ist ein Ausdruck des Verständnis der westlichen Teewelt. In unserer Sprachgebrauch in Taiwan benutzen wir das Wort nicht sehr geläufig. Das Wichtigste bei der Oolongherstellung ist die Prozesse von Welken und der so genannten Fermentation nicht zu trennen, während man bei einem weissen Tee nur die Prozesse vom Welken und Trockenen geschehen lässt. Bei Schwarztee sind die Prozesse von Welken, Fermentation und Rollen eindeutig getrennt. Durch die deutlichen unterschiedlichen Prozesse entstehen unterschiedliche Teesorten. Der Begriff „Fermentation“ allein reicht nicht, um einen Tee zu bestimmen.

In Taiwan ist es unbestritten, ob ein weisser Tee fermentiert ist. Nach der chinesischen Teetradition ist ein weisser Tee ein nicht „erröteter“ Tee, während ein Oolong „errötet“ ist – sein Blattrand zeigt rötliche Färbung. Dieser Prozess der „Errötung“ – Welken, Ruhen, Fermentieren macht einen Tee zu einem Oolong, während der Prozess vom Welken (bis 60% Feuchtigkeitsverlust) und leichtes Trockenen (am besten unter der Sonne) einen Tee zu einem weissen Tee verwandelt. Das heisst: ein weisser Tee wird nur gewelkt und getrocknet, ohne den Prozess von „Errötung“ – Welken, Ruhen und Fermentieren. Auch wenn man hier im Westen bei Ende des Welkens eine Fermentation bei einem weissen Tee feststellt,  bedeutet dieser Prozess im Verständnis der chinesischen Teewelt noch keinen notwendigen Schritt zu einem Oolong.

Wenn ein Oolong den richtigen Prozess „erlebt“, sollte er nicht mehr den „Heu“-Geschmack eines weissen Tees erhalten – obwohl ein edeler weisse Tee diesen Geschmack auch nicht betont. Ein richtig hergestellter Oolong, dessen Duft die grassige Note verliert, zum Blume und Frucht verwandelt wird, würde ich behaupten – schmeckt ganz anders als ein weisser Tee.

Was dieser so genannte weisse Tee aus dem Grossmarkt sein sollte, kann ich keine Kommentare abgeben. Ich kann hier nicht für andere Leute sprechen, was sie gerne behaupten. Es ist doch ziemlich selbstverständlich, dass man das verkauft, was gerade für Umsatz verspricht. Warum sollen wir uns denn wundern, dass ein weisser Tee vielleicht ein Schwarztee ist? Solange man die Sprache des Tees nicht verstehen will, ist man auch in der Lage die Ignoranz weiter zu pflegen.

Warum sollen wir uns überhaupt aufregen, wenn manche einen „schlechten“ (falschen) Tee trinken und manche zu ihren Genuss kommen? Ich finde es nicht selbstverständlich, dass ein Teeliebhaber einen guten Teelieferant findet oder eine Lieblingssorte entdeckt. Denn er hat sich damit auseinandergesetzt und Zeit genommen – wie Du. Die Menschen müssen es zuerst wollen und sich auf den Weg machen.