Archiv des Autors: Menglin

Gruesse aus Taiwan

Alles Gute zum 2011!
Im Schaufenster vom Shui Tang stehen bereits viele Hase. Dank Ursula, sie brachte am 24.12 die besten Weihnachtsgeschenk zu Shuitang. Die Hase gruessen die Passanten bereits das Hasejahr! Es waren auch bereits Kaeufer fuer die schoenen suessen Hase da…
2010 war ein sehr hartes Jahr fuer mich und ein gutes Jahr fuer Shui Tang. Sehr viel Arbeit, viel Experimente und viele Neuigkeiten. Irgendwann – wenn ich Zeit und Musse finde, moechte ich gerne einen Beitrag als einen Rueckblick schreiben.
Und irgendwann in naechster Zeit moechte ich so gerne schreiben, was ich wieder neue Tees entdeckte und gelernt habe – vielleicht bei einer Tasse Tee in Onsen (heisse Quelle). Onsen – unverzichbar in dieser kalten Insel!

Liebe Freunde, Euch wuensche ich ein vitales und erlebnisreiches Hase-Jahr!
Es wird nicht unbedingt besser, aber anders!

Wenn Ente das Donner hoert…

Martin moechte gerne wissen, wie es mir auf einer fernen kalten Insel geht?
Ich habe in letzten zwei Tagen nur geschlafen. Sher gluecklich ungestoert. Mir geht es nicht schlecht. Auf dem Flughafen in Bangkok habe ich doch fuer meinen Vater und Bruder zwei BOSS-Hemden gekauft. Es wurde ohne Kommentare angenommen.

Von dem Buch habe ich meiner Familie nichts erzaehlt. Mitgenommen habe ich welche, weil ich zumindest ein Exemplar daheim lassen wollte. Aber meine Schwester war schnell mit dem SMS. Sie war bis vor kurzen in Zurich und hat meinem Bruder gleich per SMS mitgeteilt, als NZZ ueber Blaetter vom Teeweg schrieb.
Der erste Satz, was mein Vater sagte, war „AA tia-lui“, das bedeutet auf Taiwanesisch etwa wie “ wenn Ente Donner hoert, eine Ente versteht die Sprache vom Donner nicht.“ Aber er sagte, das Buch sei meine Dissertation – das Ziel, was mein Vater mich nach Europa schickte.
Ein Doktor bin ich nicht gworden. Scheinbar macht es ihm nicht mehr so viel aus.

Am naechsten Tag ging ich zu Atong. Er war hell begeistert von meinem Geschenk. Was wuenscht denn mein Lehrer? Mais. Ziehmais. Wegen diesen komischen Mais ging ich paar Male in den Blumenladen auf dem Paradeplatz, nur um die Mais sicher zu stellen. Er lachte. Es gefaellt ihm, alles was mit Essen und Pflanzen zu tun hat.
Zu diesem Buch sagte er genau wie mein Vater, „wenn Ente das Donner hoert.“ Aber es wird jemand lesen koennen, behauptete er. Er hobt das Buch samt der Rezesion von NZZ auf.
Naja, ich kann nicht sagen, ob die beiden Maenner von dem Buch begeistert sind. Weiss Du, Martin, fuer bestimmte Menschen sind die Gefuehle manchmal schwer zu entziffern. Aber sie waren sehr gluecklich, mich wieder bei sich zu haben. Sie sagen oft, eigentlich haetten wir lieber, dass Du nicht so hart hast bei den Fremden…

Schöne Bescherung

Selten fühle ich mich so nah an meinen Vater. Heute zum ersten Mal verstehe ich, dass mein 70jähriger Vater auch ein inneres Kind hat und pflegt.
Jedesmal wenn ich nach Hause ankomme, fragt er mich, was hast Du mir gekauft?
„Papa, was hast Du mir gekauft?“ fragte das kleine Menglin ihrem weit bereisten Vater. Der Vater enttäuschte sie nie. Er kaufte ihr Bonons, Uhren und Schokolade, somit konnte sie vor ihren Freunde wie ein stolzer Pfauen führen.

Aber was habe ich meinem Vater gekauft?
„Papa! Sei nicht so kindisch. Was hätte ich Dir kaufen sollen? Du hast ja alles und ich habe doch keine Zeit!“

In Shui Tang, seit mehr als einem Jahr bin ich die Teefrau, die sich um Bedürfnisse des Anderen kümmern. Jeder, der kommt, wird empfangen. Ich packe und mache Gescnenke für die anderen. Ich überlege und denke, was ich besser machen kann. Ich gebe mir Mühe, eine Atmosphäre zu schaffen, die Menschen einen Raum gibt.
Ja, ich bin „DIE“ verständnisvolle und liebvolle Frau. Eine erwachsene und reife Frau.
Zu Weihnachten bekommt jedes Mitglied in Shui Tang ein Geschenk. Ein Geschenk, das ich mit viel Mühe mache.
Das habe ich sehr gerne gemacht. Denn ich diese Leute liebe und schätze.
Aber, mich hat nur Erika gefragt, „Menglin, was wünscht Du Dir?“
Ich war sprachlos. Was wünsche ich mir?
Menglin, auch Du, kannst Dir etwas wünschen. Du bist auch ein Kind.

Es war ungefähr um 15 Uhr. Ich fing an zu weinen. Mein inneres Kind weinte. Ich habe kein Geschenk bekommen, auch wenn ich so Mühe gebe für anderen. Ich weinte gerade heftisch und Natascha kam. Sie war erschrocken, denn ich ihr sehr direkt sagte, weshalb ich weinte. Wozu sollte ich mich vor einem jungen Menschen verstecken, der von mir Tee lernen will? Auch ihre Lehrerin hat auch eine kindliche Seite, die Aufmerksamkeit will. Sie sollte mich genau hin schauen, ob ich sie wirklich etwas zeigen kann. Sie rennte sofort aus der Tür – sie ging natürlich Geschenke kaufen.
Dann kam die Jeanine. Ahnungslos brachte sie mir ein kleines Geschenk und eine wertvolle Karte. Ich war zutiefst berührt. Ein Geschenk ist halt ein Geschenk. Wer kümmert sich um die Grösse?

Dann kam Georgia, sie brachte mir essbare Geschenke, denn sie nicht für mich Weihnachtsessen kocht und mir doch ein Apero vorbereitet. Ich weinte vor meiner lieben Freundin und sie lachte über meine Kindlichkeit. Es ist schön, sich zeigen zu dürfen und vor Menschen weinen zu können.
Ja, Papa, ich verstehe Dich jetzt. Auch Du, ein starker Mann, ein Partiarch, der allen Wünschen seinen Untertanen berfriedigt, freut sich auf ein Geschenk seiner Tochter. „Was kaufst Du mir, meine Tochter?“ Leztes Mal kaufte ich ihm extra Polo-Hemde von sehr bekannten Marke. Er schimpfte natürlich wieder über meine Verschwendung. „Das macht nichts. Das war reduziert.“ erwiderte ich. Er grinste.
Nach einer weinenden Reinigung fühlte ich mich wieder freier. Ich habe den Kontakt zu dem Kind in mir nicht verloren. Meine Verletzlichkeit und Naivität sind noch nicht „taub“. Ich kann sie noch spüren und mich artikulieren. Gerne sagte ich zu Erika, dass ich mich über einen guten Kochmesser freue.
Ich schreibe diese Zeile, nicht um mich zu beschweren, sondern um mich zu befreien. Befreiung von dem Image einer reifen und einer erwachsenen Frau zu sein, die immer verständnisvoll und tolerant ist. Auch ich lebe gerne mein inneres Kind. Ich bin das Kind.

Morgen fahre ich zum Flughafen. Dann werde ich wieder ein Kind. Nein, dort bin ich ein Kind. Dort habe ich meine zwei großen Schutzengel, die mich mit Ärmer empfangen.

Ein Weihnachtsgeschenk

Ja, irgendwann fing ich an es zu begreifen, dass es eine Anerkennung ist, wenn NZZ eine Rezesion zu einem Teebuch veröffentlicht. Ein Teebuch, das zu der Reihen von „Cha Ching“ und „das Buch von Tee“ gehören sollte…

Mehr eine eine richtige Überraschung!
Mehr als ein Freude.
Mehr als nur Tränen, die vor Freude runter tropfen.

In unserer Gesellschaft spricht jeder von Netzwerk und von Promis. Deswegen boomt das Facebook und das Xing. Ich bin eher jemand, der gerne in der Stille meine Sache macht. Sicher habe ich einen Anspruch, der manchmal zu hart zu mir selbst ist. Ich habe nicht wenige Eitelkeit, die gerne im gutem Licht erscheint. Aber ich verfolge nicht die Absicht, etwas zu werden. Gerne mache ich die Dinge, die für sich selbst sprechen und die Dinge, die für mich stimmen – egal, was die Aussenwelt predigt und lobt.
Doch, es kann auch funktionieren, wenn sich jemand einfach nur das Wesentliche konzentriert!

Shui Tang hat keine Weihnachtsdekoration. Es ist und war nicht nötig. Die Leute und ein Kamera-Team aus Holland kamen in den Laden, weil es für sich selbst spricht. Viele Touristen machen vor dem Laden Erinnerungsfotos. Ich schaute zu und lachte mit. Die Schönheit berüht jeden, weil es so ist, wie es ist.
Bis heute hat das Geschäft von Weihnachten bereits das Niveau von letztem Jahr übertroffen. Ich bin sehr müde, aber glücklich.

Ja, ich bin sehr glücklich, dass „Blätter von Teeweg“ Aufmerksamkeit von NZZ erhalten hat und dadurch noch mehr Teeliebhaber erreichen kann – dies haben wir heute im Laden festgestellt. Ich habe es nie erwartet. Aber es ist wahr. Meine Eltern wissen von diesem Buch noch gar nichts. Aber ich werde doch paar Bücher nach Taiwan mitnehmen, auch wenn meine geliebte Leute es nicht lesen können!

Im Februar wird eine Lesung und Vernissage von „Blätter vom Teeweg“ geben. Ich werde hier noch ankündigen!

NZZ Tee-Gedanken, Tee-Geschichten

„Liebe Menglin,
und hier kommt die Rezension in elektronischer Form für dich zur weiteren Verwendung.
Habe vor Aufregung mein Handy daheim gelassen …
Ich wünsche dir einen schönen Tag mit vielen guten, entspannenden Begegnungen.
Von Herzen
Martin“

Heute morgen bekam ich gegen 8 Uhr ein SMS von Martin. Er erzählte mir von dieser Aufregung. Eigentlich war ich noch nicht so bewusst, was das bedeutet. Irgendwann bergiff ich, dass es eine Anerkennung ist…

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Neue Zürcher Zeitung
23. Dezember 2010

Tee-Gedanken, Tee-Geschichten

phi. · Von der Zürcher Tee-Expertin Menglin Chou stammt eine Blütenlese geistreicher Gedanken und Reminiszenzen zu Tee und Teekultur. Aus ihrem Blog http://tee.kaywa.com zusammengetragen und sorgfältig lektoriert, sind diese «Blätter vom Teeweg» nicht nur ganz persönliche Bekenntnisse einer leidenschaftlichen Beziehung zum chinesischen Grün- und Oolong-Tee. Das informative Buch rund um die Teepflanze, ihre Verwendung, den Umgang mit Teegeschirr und die Zubereitung gliedert sich auch wunderschön ein in die Reihe der Teeliteratur von Lu Yus «Cha Ching» über Kakuzo Okakuras «Buch vom Tee» bis zu Aleijos‘ «T’u ch’uan – Grüne Wunderdroge Tee». Überdies stellt das Bändchen – immerhin aus einem Blog generiert – eine erfrischend geglückte Form unverkrampften Schreibens im Zeitalter elektronischer Medien dar. Vom Geist des Tees selbst erweckt scheinen die Anekdoten der gebürtigen Taiwanerin: Familienerinnerungen, Begegnungen mit ihrem chinesischen Teemeister, Gespräche mit Teefreunden mischen sich lose mit philosophischen Erkenntnissen, welchen der feine Geschmack des Zen anhaftet. Klug, witzig und informativ erschliesst die Autorin die Teekunst als eine geistige Schulung im Alltag und befreit sie so von ihrem esoterischen Anstrich.

Menglin Chou: Blätter vom Teeweg. Notizen einer Teeliebhaberin.
Edition Spuren, Winterthur 2010. 220 S., Fr. 28.-.

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Martin Frischknecht
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Grenzerfahrung

Wegen meinem vergangenen Blogbeitrag schrieben mir Teefreunde, ob es mir etwas Unangenehmes passiert ist. Mir geht es gut. Das Weihnachstgeschäft läuft im Moment auf hoch Touren. Heute hatte ich kaum Zeit zum essen. Zwei kauffreundige Männer – sehr typisch in Shui Tang liessen die Kasse richtig klingeln.

Es ist halt so in der Realität, dass die Dinge zwei Seite haben. Es ist nicht immer nur schön, in Shui Tang zu arbeiten, sondern auch hart. Ich stosse oft an meine eigene Grenze und oft die klare Grenze auch zu ziehen. Wer ist denn nicht gerne nett und freundlich? Hast Du nicht gehört, dass der Kunde ein König ist?

Vor zwei Wochen an einem regnerischen Mittwoch hörte ich plötzlich zwei junge Menschen vor meiner Tür plaudern und knutshen. Ich dachte, sie wollte vielleicht in die Tür hinein. Nein, sie blieben draussen. Nach paar Minuten wurde ich neugierig und öffnete die Tür. Ein kunges Paar rauchten und knutschten vor meiner Tür. Über die TÜr gibt es ein kleines Dach. In diesen ganz winzigen Platz standen die beiden eng aneinander. „Was machen Sie hier?“ „Es regnet! Wir rauchen halt eine Zigerretteli, es ist harmlos!“ sagte der junge Mann. „Sie stören hier. Sie rauchen.“ sagte ich. „Es regnet!“ bestand er. „Ist es Ihr Problem, oder ist es mein Problem? Meins ist es nicht“ ich sagte sehr klar, „Sie müssen gehen.“ Da ich eine Aisatin bin, schloss ich wieder die Tür und wartete, dass sie von sich aus selbst gehen. Sie gingen nicht. Sie plauderten weiter und rauchten vor dieser Tür. Natürlich kamen die anderen Gäste nicht hinein. Nach 5 Minuten Beobachtung öffnete ich wieder die Tür, „Jezt gehen Sie!“ Sie gingen nach meiner Aufforderung und schmiess die Zigerettli auf den Boden. Eine Minute später kamen zwei Kunde in die Tür und der Rauch war noch zu riechen.
Ich hätte kein Problem, dieses junge Paar in Shui Tang vor dem Regen ein Asyl anzubieten. Aber nicht mit Zigerettli. Außerdem hätten Sie mich fragen müssen! Einfach vor einer Ladentür zu rauchen und zu knutschen, den engen Eingang zu blockieren, war für mich ein Zeichen der Respektlosigkeit!
Ich „musste“ die Grenze klar ziehen.
Ich bin allerdings ungerne in dieser „bösen“ Rolle. Ich bin auch gerne die „gute“ Menglin in Deinen Augen!
Solche Beispiele kamen immer wieder vor. Ich lerne zu meinem Gefühl zu stehen, gutem und schlechten. Ich lerne es auszusprechen anstatt es in meinem Körper gären zu lassen. Ich will dass es mir gut geht. Nur wenn es mir auch gut geht, geht es meinen Mitmenschen gut!
Es sind meine Grenzerfahrungen. Ich lerne über die Grenze von Gutem und Bösen zu überschreiten. Dass ich so bin wie ich bin zu akzeptieren, ist im Moment meine Lektion. Ganz frei bin ich nicht. Ich arbeite daran.

Teschuwa

Ich dachte das Zuhause ist dort wo meine Familie ist.

Nun bin ich ein Fremder unter den Fremden. Wie kann man als ein Fremder bei Fremden ein Zuhause finden?
Als ein Fremder in einer fremden Stadt wie Zürich einen Laden voller Fremdheit zu führen ist es selten einfach. Die Umstände fordern mir oft heraus. Anders als früher betrachte ich es meine Angelegenheit damit umzugehen. Die Anderen sind so wie sie sind. Aber ich kann meine Einstellung beeinflussen, damit umzugehen. Manchmal kann man halt nicht damit umgehen. In solchen Momente fühle ich mich selbst in Weg zu stehen.
Es ist wie auf eine Reise. Es geht nicht mehr weiter und ich bin der Stein, der mich behindert.

Immer wieder habe ich auch das Gefühl, wenn ich einen Tee suchen muss. Oft frage ich mich, wo bin ich nun mit diesem Tee? Nicht immer finde ich den richtigen Tee bei der ersten Sampling. Oft ist es ein sehr mühsamer Prozess – für mich und für meine Teespionen. Und wenn der richtige Tee einmal auftaucht, dann strahlt der Tee mir das Gefühl, ja, angekommen zu sein! Er ist so, wie er ist!

Aber ich fühle mich nicht immer so wohl, wie ich bin. Das Spiegelbild im Spiegel regt mich manchmal auf. Aber egal wie es mich aufregt, ich bin so wie ich bin. Es ist halt ein Spiegelbild.

An einem regnerischen Freitag kamen Natascha mit ihrer schönen Kollegin Judith zu Shui Tang. Die schöne Judith war in meinem Augen ein wenig melancholisch. Ich goss gerade einen Buddhas Hand geröstet 2008 auf, nicht wegen ihr. Es war halt so. Weil ich in diesem Tee viel Licht und Freude spüre. Ich bräuchte an jenem Nachmittag auch Licht und glaubte, woanders finden zu können. Ich goss ihn auf und verteilte den Tee. Ihr schönes Gesicht öffnete sich langsam. Sie lächelte. Sie erwiderte uns mit einem glücklichen Lächeln. Ich lächelte in mir. Es ist einfach Menschen zu beglücken, wenn wir uns selbst verstehen! Sie war wie ich beglückt von diesem Buddhas Hand. Das Glück war wie das Gefühl, zu Hause angekommen zu sein.

Das Gefühl, zu Hause angekommen zu sein – in jenem Zuhause in meinem Herzen. In diesem Zuhause bin ich so wie ich bin und – es ist so in Ordnung. Ich lerne zu meinem Gefühl zu stehen, gut und böse. Zu mir selbst zu stehen in dem Vertrauen, dass ich so wie ich bin, geliebt werde.
Judith war geliebt. Geliebt von der Runde am Tisch. Sie strahlte und freute sich. Von Tee begeistert möchte sie ihre Freunde schöne Tee schenken. Liebe weiter tragen. Das war die Magie, was der Buddhas Hand zu ihr flüsterte. Du bist geliebt, ohne wann und aber.

Plötzlich merkte ich, dass jeder Schritt, den ich tue – eagl wie ich es tue, war nur um nach Hause zu gehen. Tee ist häufig die Laterne auf meinem Rückkehr.
Wie gehe ich nach Hause? Kann ich bloss nur zu Hause bleiben?
Auf meinem Brief antwortet Ulrich, mein geliebter Teelehrer in Freiburg:

Teschuwa…, was soviel bedeutet wie „Rückkehr“. Diese Rückkehr ist ein natürliches Phänomen: Die Jahreszeiten kommen, verweilen, gehen dem Ende zu und verschwinden. Und dann kommen sie wieder, wie die Gezeiten… wir haben überhaupt keinen Einfluss darauf, was morgen geschieht…

Ein Nachwort

„Ich möchte Maler werden. Hilf mir, Mama. Komm mit mir. Komm doch, komm! Es gibt in der Satdt eine Stelle; wenn ich dort zugelassen werde und dann fertig bin mit den Kursen, gehe ich als vollendeter Künstler ab. Ich würde so glücklich sein!“ Marc Chagall, Mein Leben

Einen Kindheitstraum hatte ich auch. Verwirklicht wurde es nicht. Später wollte ich Professorin werden. Mein Vater fand die Idee gut und schickte mich nach Europa. Professorin bin ich nicht geworden, sondern eine Teehändlerin. Dies fand mein Vater nicht besonders toll.
Was ich wollte, bin ich nicht geworden. Was ich nicht wollte, wurde ich. Das ist ein Streich, was das Leben mit mir macht. Oder besser gesagt, das ist so im Leben. Wenn der Weg nach links führt, dann biegt man eben nach links anstatt auf den Boden zu landen.

Stets habe ich Vertrauen in all das was geschieht und geschah. Auch wenn Zweifel immer deneben steht. Ich war eine junge Frau an der Uni Konstanz, fing gerade mit meiner vielversprechenden Promotion an. Nur weil ich zufällig in Bern war und bei Länggass Tee zu Besuch war, nur weil Kathrin Lange eine gute Nase hat, mich zu fragen, ob ich nicht Lust hätte, für sie Tee in Taiwan einzukaufen. So bin ich in die Teewelt reingerutsch, ohne ich es geplant und gewollt hätte.
Als ich immer mehr Aufträge bekam, die Aufgabe immer ernster nahm, begann ich mich selbst hinterzufragen, was tue ich denn da eigentlich? Freizeitsbeschäftigung mit Tee oder eine Professionalität ernsthaft zu erlernen?

Ich bin nicht perfektionistisch veranlagt. Zu faul, zu chaotisch und zu frech. Aber ich habe ein großes Respekt vor den Dinge, die ich tue. Ich habe Demut. Ich begann einen Lehrer zu suchen und fand endlich einen.

Meine Forschung an der Uni und mein vermeintlicher interkultureller Austausch wurden immer fragwürdiger für mich. ZUfällig begegnete ich Roger Fischer, der Chef von Kaywa, ein Mensch mit Visionen und Weitsicht. Er bat mir ein Teeblog zu schreiben – es war 2005. Irgendwann ist es so weit für mich, in die Schweiz zu gehen und meinen Traum und den Traum meines Vaters aufzugeben. Ich sage zu meinem Vater – nur provisorisch. Ich begann ein Leben als Teehändlerin im Großhandel und schrieb gerne Texte über Tee. Das Teeblog von Kaywa gewinnt immer mehr Aufmerksamkeit und stösst an eine TEE-Ressonanz.

Sommer 2008 bekam ich eine Hinweise von einem guten Freund Hubert, dass es eine Lokalität an der Spiegelgasse frei wird. „Du hast doch immer von einem Teehaus gesprochen, nicht wahr?“ Das stimmt. Aber will ich es auch unbedingt umsetzen? Vielleicht wollte ich nur „davon sprechen“? Ich gab mir Zeit, mich selbst zu fragen, ob ich es wollte? Nein, ich brauche es nicht für mein Ego. Aber ich kann und will es tun, wenn das Kosmos mir eine Chance gibt! Ich sagte, JA!

Dann bekam ich tatsächlich das Ladenlokal bei den mehr als 40 Bewerber. Keine Ahnung, weshalb die Familie Tobler einem Fremden so eine Chance schenkte, etwas Ungewöhnliches zu ermöglichen. Nachdem es klar wurde, lernte ich bei einer Pu-Er Degustation dem Verleger Martin Frischknecht kennen. Er entdeckte das Blog!
Er wollte ein Buch aus den Texten von Blog machen. Es war anfangs 2009. Ich lächelte, aber nicht zustimmend. Ein Buch? Das brauchte ich wirklich nicht!
Mein Leben ist so schön, wozu schreibe ich ein Buch? Doch mein schönes Leben verändert sich.
Als ich merkte, dass meine Leben nun sässhafter wurde und ich nicht mehr beliebig reisen kann, verstand ich die Funktion eines Mediums! Ja, ein Buch! Ich bin nun gebunden an diesem reichen Ort, wo Menschen das Teehaus vielleicht kennen und auch nicht kennen. Aber die Teeliebhaber anderswo kann der Geist des Tees, so wie ich es verstanden haben, erreicht werden. Mein provisorisches Dasein vergeht, aber der Geist des Tees und der Tee nicht.
Dass dieses Buch „Blätter vom Teeweg“ entstanden ist, ist ein Augenzeuge einer Entwicklung des Tees im deutschsprachigen Raum. Ein Augenzeuge meiner Entwicklung im Tee. Viele Teefreunde haben mich und das Blog begleitet. Wir haben uns mit Tee entwickelt. Das Blog ist ein fester Bestandteil der Teegeschichte im Mitteleuropa, auch wenn das Blog gerne bescheiden und unauffällig bleibt. Das kann nur funktionieren, weil ich mich nicht als Schriftsteller betrachte und nicht als eine Autorität auftreten möchte. Und das Bekannt-Werden oder sich selbst zu vermarkten entsprechen gar nicht meiner Natur. Das Blog muss niemanden gefallen. Ich schreibe gerne und das stimmt für mich.

Ich pfelge Dinge, die für mich stimmen. Das ist mein Pfad des Lebens. Menschen zu gefallen ist mir nicht wichtig. Das Wichtigste ist, ob ich mit meinem inneren Selbst und meiner Umwelt in Einklang bin.
In diesem Buch habe ich zwei sehr wichtige Menschen meines Lebens verwickelt. Zuerst war es Hanspeter. Er ist für mich ein väterlicher Begleiter auf diesen Weg. Von ihm lerne ich nicht nur etwas von Tee und Geschmack, sondern das Gesetz zwischen Menschen im Handel. Ich bat ihm um ein Vorwort. Ehrlich zugegeben war ich wie ein schüternes Mädchen, das Angst hatte, wenn der Vater Nein sagte… Aber er sagte zu!
Die zweite Person war meine Tee-Ältere in Bodman. Mit Ingrid übte ich Tee seit Jahren. Sie und ihr Gatte begleiten mich auf den Weg des Chanoyus. Wir scherzen immer, sie seien meine Teeeltern. Sie malte jedes Jahr eine Tuschzeichnung, wenn der Teevater Detlef Geburstag hatte. So sind die Zeichnungen entstanden. Sie ist bescheiden und findet die Bilder gar nicht schön. Nicht so schön, um gedruckt zu werden. Wer kümmert sich um das, ob die Bilder schön sind oder nicht? Sie und Ihre Bilder bedeuten mir sehr viel. Das ist alles!
Wenn jemand es unbedingt gewollt hätte, mit Willen erzwungen hätte, dieses Buch zu machen, wäre es schon längst gescheitert. Dieses Buch ist ein Kind der Absichtlostigkeit. Es hat sich so entwickelt.
Ob das Buch viele Liebhaber findet? Ob das Buch etwas bewegen kann?
Das ist nicht mehr meine Aufgabe. Das stimmte für mich, das Buch zu veröffentlichen. Wenn das Buch auf Ressonanz stösst, dann ist es wunderbar. Wenn nicht, dann gibt es Altpapier-Sammlung, die in jeder Stadt monatlich stattfindet. Um das kümmert sich nur meine Eitelkeit.

Fremde Klänge und ein harmonischer Abend

Es ist alles wunderbar gelaufen! Das wunderbare Konzert hat uns alle einen schönen Abend bescherrt.
Zuerst dachte ich, dass die fremden Klänge das Publikum überfordern würde. Selbst das 10järige Valerie hörte ganz gespannt zu und bewegte sich nicht.
Die Verschiedenheit der Sprache trennt die Menschen – vielleicht, aber die Musik vereint uns wieder alle zusammen!

Der kulinarische Teil war wunderbar. Restaurant Lotus Garten schenkte mir zwei Sushi-Platte. Die Natascha und ihre Eltern Daniel und Yanti brachten Bala-Bala (Gemüse-Frikadellen aus Indonesien) und leckere Maki-Sushis! Ich gab mir Mühe mit Jürg am vergangenen Sonntag die Klebreis im Bambusblätter einzuwickeln. Carola backte Kasutella! Unsere Gäste bedankten sich für die Köstlichkeiten!

Es ist für Shui Tang eine große Ehre, drei Musiker einladen zu dürfen. Die Musiker traten in ihrer traditionellen Kimono auf und zeigten Shui Tang und dem Publikum ihr großes Respekt. Die knapp 50 Anwesenden sprachen für die Qualität der Veranstaltung und die Interesse für fremden Klänge in Zürich. Die Klänge mögen fremd sein, aber die Herzen haben eine universelle Sprache. Die künstlerische Fähigkeiten der Künstler und ihre Hingabe an die Musik berührten uns ausnahmenslos!

All das kann auch nur funktionieren, weil Shui Tang sehr viele Engels hat!
Heute kam Christopher, einen Teefreund aus Hamburg. Ihn kenne ich eigentlich nur durch Emails und Telefons. Plötzlich stand der große Mann vor der Tür. Während wir einen Tee tranken, kam die Gabi. Sie ging gleich in den Keller und half mir paar Aufträge im Hintergrund zu erledigen. Als sie wieder kam, sagte er zu ihr, „Ich beneide sie so, dass sie hier in diesem Geschäft arbeiten dürfen.“ Gabi lächelte und erwiderte, „Ja, ich verstehe Sie. Ich bin halt eingeschlichen.“ Gebau vor einem Jahr sagte sie auch zu Carola, dass sie auch so gerne in Shui Tang helfen würde. Dann kam sie, als sie kein Pflicht hatte. Sie bekochte mich, half mir und hütet Shui Tang. Ich weiß gar nicht, wie ich all diese Helfer zurückgeben kann. Oder vielleicht ist es nicht meine Sache. Es ist Shui Tang. Ein Ort, wo Menschen Freude macht und anzieht. Ein Ort, der geliebt und gehütet wird, nicht weil man etwas davon profitieren kann, sondern weil man einfach etwas tun kann, ohne zu wollen!
Auch an NZZ danke ich für die kleine Notitzen. Paar fremde Gästen kamen unangemeldet und verstanden nicht, weshalb keine Plätze mehr geben konnten! Vielleicht ist es die beste Werbung, die man sich wünschen kann!

Eine wahre Überraschung!

Hanspeter und ich gehen immer Essen, wenn wir eine Antik Teekanne verkauft haben. Da schrieb er mir, ob wir am Donnerstag essen wollten. Weil am Donnerstag das Lichtfest im Quartier ist, verschoben wir es auf Heute. Er kam wie immer so gegen 18.20.

Seit Tagen wurde ich immer unruhiger, weil eine wichtige Entscheidung im Leben zu treffen ist und weil ich sehnsüchtig wie ein Kind auf den Weihnachtsmann wartet. Wann wird das Buch „Blätter vom Teeweg“ endlich erschienen? Am Mittwoch schrieb Martin mir ein mystiöses SMS, dass der Eintritt von „Weihnachtsmann“ irgendwie verhindert wurde und ich den Grund doch verstehen wird. Ich antwortete „Wann bringt verdammt noch einmal der Weihnachstmann das Buch?“ Kein Antwort kam danach.

ich schleppte mein Ungeduld in diesen Tagen bei mir herum und schaute immer wieder nach dem Fenster und Tür… Oder vielleicht haben wir an der Spiegelgasse 26 einen Kamin?

Hanspeter kam und ich bediente die letzten Gäste. Er war schweigsam, aus irgendeinem Grund. Ich sollte einen Tisch in seinem lieblingslokal für 3 oder 4 Personen reservieren. Wahrscheinlich kommen seine Freunde dazu, dachte ich. Plötzlich kam Hannes noch kurz vor 18.30. Er holte seine zwei Honig. „Jetzt muss Du die Tür aber schliessen.“ sagte Hanspeter. Ich wollte mich umdrehen, um die Tür zu schliessen. Dann sah ich Martin!

Was! So spät! Ich schrie! Er grinste. Ich habe noch nich richtig verstanden. „Du hättest früher kommen sollen“, beschwerte ich mich. Die beiden Männer lachten. Plötzlich verstand ich, dass sie mich im Hier und Jetzt überraschen wollten!
Ich bekam ein eingepacktest Buch in die Hand, reiste es aus und konnte das Buch, das sonst nur im Internet als Buch abgebildet war, zu berühren! Ach! tatsächlich, so glücklich wie ein Kind. Tatsächlich so schön.

Im Restaurant sagte ich, dass ich zuerst das Vorwort von Hanspeter „verkosten“ wollte. Das habe ich so lange gespart. Ich wollte es nicht vorher lesen, sondern mit dem Buch zusammen! Meine Tränen tropfen während des Lesens fast auf meinen Beinen. Vor Glück war ich sprachlos.
Er sagte mir, dass er sehr skeptisch war. Blog, was ist denn das? Das Medium gefiel ihm gar nicht. Aber das Manuskript war spannend und er liess sich begeistern. Mit zunehmender Spannung las er das ganze Manuskript und war positiv überrascht. Und so entsteht das Geleitwort von ihm.
Beim Abschied sagte Martin zu mir, „Buchautorin!“ Buchautorin? Ein neuer Titel? Für wen?