Teschuwa

Ich dachte das Zuhause ist dort wo meine Familie ist.

Nun bin ich ein Fremder unter den Fremden. Wie kann man als ein Fremder bei Fremden ein Zuhause finden?
Als ein Fremder in einer fremden Stadt wie Zürich einen Laden voller Fremdheit zu führen ist es selten einfach. Die Umstände fordern mir oft heraus. Anders als früher betrachte ich es meine Angelegenheit damit umzugehen. Die Anderen sind so wie sie sind. Aber ich kann meine Einstellung beeinflussen, damit umzugehen. Manchmal kann man halt nicht damit umgehen. In solchen Momente fühle ich mich selbst in Weg zu stehen.
Es ist wie auf eine Reise. Es geht nicht mehr weiter und ich bin der Stein, der mich behindert.

Immer wieder habe ich auch das Gefühl, wenn ich einen Tee suchen muss. Oft frage ich mich, wo bin ich nun mit diesem Tee? Nicht immer finde ich den richtigen Tee bei der ersten Sampling. Oft ist es ein sehr mühsamer Prozess – für mich und für meine Teespionen. Und wenn der richtige Tee einmal auftaucht, dann strahlt der Tee mir das Gefühl, ja, angekommen zu sein! Er ist so, wie er ist!

Aber ich fühle mich nicht immer so wohl, wie ich bin. Das Spiegelbild im Spiegel regt mich manchmal auf. Aber egal wie es mich aufregt, ich bin so wie ich bin. Es ist halt ein Spiegelbild.

An einem regnerischen Freitag kamen Natascha mit ihrer schönen Kollegin Judith zu Shui Tang. Die schöne Judith war in meinem Augen ein wenig melancholisch. Ich goss gerade einen Buddhas Hand geröstet 2008 auf, nicht wegen ihr. Es war halt so. Weil ich in diesem Tee viel Licht und Freude spüre. Ich bräuchte an jenem Nachmittag auch Licht und glaubte, woanders finden zu können. Ich goss ihn auf und verteilte den Tee. Ihr schönes Gesicht öffnete sich langsam. Sie lächelte. Sie erwiderte uns mit einem glücklichen Lächeln. Ich lächelte in mir. Es ist einfach Menschen zu beglücken, wenn wir uns selbst verstehen! Sie war wie ich beglückt von diesem Buddhas Hand. Das Glück war wie das Gefühl, zu Hause angekommen zu sein.

Das Gefühl, zu Hause angekommen zu sein – in jenem Zuhause in meinem Herzen. In diesem Zuhause bin ich so wie ich bin und – es ist so in Ordnung. Ich lerne zu meinem Gefühl zu stehen, gut und böse. Zu mir selbst zu stehen in dem Vertrauen, dass ich so wie ich bin, geliebt werde.
Judith war geliebt. Geliebt von der Runde am Tisch. Sie strahlte und freute sich. Von Tee begeistert möchte sie ihre Freunde schöne Tee schenken. Liebe weiter tragen. Das war die Magie, was der Buddhas Hand zu ihr flüsterte. Du bist geliebt, ohne wann und aber.

Plötzlich merkte ich, dass jeder Schritt, den ich tue – eagl wie ich es tue, war nur um nach Hause zu gehen. Tee ist häufig die Laterne auf meinem Rückkehr.
Wie gehe ich nach Hause? Kann ich bloss nur zu Hause bleiben?
Auf meinem Brief antwortet Ulrich, mein geliebter Teelehrer in Freiburg:

Teschuwa…, was soviel bedeutet wie „Rückkehr“. Diese Rückkehr ist ein natürliches Phänomen: Die Jahreszeiten kommen, verweilen, gehen dem Ende zu und verschwinden. Und dann kommen sie wieder, wie die Gezeiten… wir haben überhaupt keinen Einfluss darauf, was morgen geschieht…

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