Es schneit. Ich habe den Anschluss verpasst. Als ich in Zürich eintraf, war bereits gegen 16 Uhr. Für ein richtiges Essen war es schon zu spät oder zu früh. Ich ging zu McDonald’s. Das Restaurant ist im UMbau. Es herrschte Lärm und Arbeitsamkeit. Paar hungrigen sassen zwischen den Baustelle. Soll ich hier bleiben? Unbehagliche Arbeitsamkeit störte, aber ich brauche eine Pause. Ich teilte einen Tisch mit einem Junge, der seine Ohren an ein iPhone steckte und sich in einer anderen Realität befand. Ich kaute langsam mein „Blötchen“ und liess den Kopf ausseralb dem Lärm versetzen. Mit jedem langsamen Atmungszug und mit jedem Kauen wurde ich immer mehr verschmolzen in dieser Baustelle. Ja, das Leben ist eine ewige Baustelle. Was solls? Plötzlich genoss ich diese Pause, plötzlich genoss ich die Situation, dass die anderen arbeiten und ich zuschaue. Plötzlich spürte ich ein brise von Frieden in mitten diesen Baustelle.
Auf einmal merkte ich, wie anspruchslos die Menschen hier waren. Sie waren wie ich, hungrig und wollte ein bisschen Pause, ein bisschen irgendwo bleiben und ein bisschen Wärme in diesem verschneiten Tag.
Irgendwann ist die Pause vorbei, es geht weiter. Unweit von diesem Provisorium ist das Lunch-Kino. Ich sah meinen Held Mads Dittmann Mikkelsen (Wahnsinn!) und schob wie hypnortisiert die Tür. Während meine Augen weiter nach ihm suchte, sagte eine ältere Schweizerin zu mir, „Sie haben meine Flyer in Ihrer Hand.“ „Ach, Verzeihung!“ ich lächelte leicht verlegen. „Sie sprechen so gut Deutsch! Wie schaffen Sie es?“ „Ich gebe mir Mühe.“ Irgendwie fing die ältere Dame an über die Überfremdung der Schweiz bei mir anzuklagen. Keine Ahnung warum – ich bin selbst doch eine dieser Überfremdung. Ich zeigte mein Verständnis, dass es menschlich ist, wenn man sich in eigenem Land fremd fühlt. „Aber wissen Sie, wenn man die Sprache von unserem Land sprechen würde, würden diese Menschen auch besser akzeptiert.“ Ich schüttelte meinen Kopf. „Wissen Sie, wenn Herzen sich begegnen, braucht es keine Sprache.“ ich schaute sie direkt ins Augen. Sie packte ihre Tasche aus und wollte mir ein Zettel geben, wo Gott liebt Dich auf Chinesisch steht. Ich lachte. „Das müssen Sie mir nicht geben. Das weiss ich! Ich weiss, dass Gott mich auch als eine Heidin liebt.“ „Ach ja? Möchten Sie es nicht mehr erfahren?“ „Nein, es ist nicht nötig. Gott verlässt so einen wie mich auch nicht. Glauben Sie mir, Gott liebt mich.“ Plötzlich umarmte ich diese verwirrte fromme Frau, „Schauen Sie gut zu Ihnen. Versuchen Sie ein bisschen Frieden in dieser kalten Zürich. Wenn es Ihnen wirklich nicht gefällt, wie es abläuft, dann gehen Sie in die Strasse! Ein bisschen Revolution tut allen gut.“ Mit einem verwirrten Blick segnete sie mich „Jesus liebt Dich.“ Ich lachte ein wenig ketzerisch, „Ja, ich weiss. Das hat er mir vorgestern gesagt.“ Ich weiss, sie würde mir niemals glauben.
Ich musste weiter an die Spiegelgasse. Morgen gibt es wieder Sitzung mit Krawatten-Träger. Kurz in Bellevue stand ich, achte auf meinen Atmungszug. Vielleicht stosst dieser Atmungszug einen anderen. So langsam ergibt es sich eine Resonanz in dieser verrückten Stadt und dann möglicherweise eine friedliche Welt.
Archiv des Autors: Menglin
Satie und Buddhas Hand
Liebe Frau Chou
Mein Name ist Julian,und ich bin 13 Jahre alt.
Ich war im Mai in ihrem Laden,und habe dort einen Buddhas Hand A Li Shan Oolong
gekauft.Ich habe eine Yixing Kanne und probierte oft diesen Tee zuzubereiten,
doch bei aller Mühe die ich mir gab,ich nahm sehr heisses Wasser,liess
die Blätter unterschiedlich lange in der Kanne,mal schüttete ich den yi pao qu di
weg,mal trank ich ihn,aber nie gelang es mir diesen Tee befriedigend
zuzubereiten.Nun ist mir dieser Tee fast ausgegangen,und ich probierte
es heute noch mal,das Ergebnis war das gleiche,aber bei einem Schluck
schmeckte ich für einen Augenblick etwas wunderbar blumiges köstliches,
aber ehe ich mich versah,war es wieder verflogen,und ich schmeckte es nie
wieder.Vieleicht können sie als Expertin mir sagen wie ich diesen Tee
richtig zubereiten kann.
Ich danke für jede Antwort.
Vor zwei Jahren bekam ich ein Geschenk von Miriam, ein CD von Satie. Ich hörte das CD einmal und legte wieder weg. Diese Musik war für mich zu langsam, wie eine Art von Background-Musik. Uninteressant für meine damalige Lebenslage. Ich wollte Aktions und Leidenschaft. Diese Pause zwischen den Töne bleibt in meinem Gedächtnis, verwirrend und zugleich fesselnd. Aber ich war nicht bereit ihn anzuerkennen.
Zwei Jahren später, viele Dinge sind vergangen und viele Veränderung finden im Hintergrund statt. Vor kürzen tauchte das CD wieder auf und auf einmal wurde ich wach.
Es sind die Pausen, die mich an etwas erinnern. Eine Pause zwischen Denken und Denken, zwischen Rennen und Rennen und zwischen Zweifeln und Angst, Eine neue Einfachheit wollte Satie ankündigen. Eine Einfachheit von Pause zwischen den Tönen.
Die Pause, die Leere und das zwischen den Zeilen sind vielversprechend als die gesprochenen Wörter!
Buddhas Hand ist mein Lieblingstee. Er verkörpert diese Pause. Ein Reset-Taste, ein Versprechen, dass alles zum Null-Punkt zurückkehren kann. Ein Nullpunkt zwischen Aktionen und Denken, eine Verortung von Hier und Jetzt. Was nun…
Julian ist erst 13 Jahre alt. Neulich kam Tim, ein 15järhiger. Was macht der Tee mit einem? Ich beobachte die Menschen kommen und gehen, die von einer unbeschreiblichen Kraft geführt werden und hier zusammen kommen. Was macht der Tee mit einem?
Wie bin ich denn hier gekommen?
Wo gehe ich dann hin?
Sabine kam am Freitag. Sie übersiedelt sehr bald nach Texas. Sie sagte mir, dass sie erst in der Donnerstagnacht das Link zwischen mir und dem Blog verstanden hat. Wir plauderten und plauderten als ob wir uns schon lange kennen würden. Wir entdeckten in uns den gleichen Weg zum Herzen. Sie ist kurz vor Aufbruch und freut sich. Denn wo das Herz will, ist das Leben im Fluss. Wenn das Leben im Fluss ist, kommen die Dingen von sich alleine. Denn wir wissen, wir können die Verantwortung für uns selbst übernehmen, wir sind in der Lage, selbst aufzufangen und viel Freude zu haben an die Schönheit der einfachen Dinge. Beim Abschied sagte ich zu ihr, dass sie ein Geschenk für mich sei. Sie sagte, dass sie nie wusste, was der Tee ausser den Blätter noch sein kann und dies hat sie sehr viel an mir zu verdanken. Sie gab mir ihre Telefon und freut sich mich nach meinem Rückkehr noch einmal wiederzusehen, bei einem Bier oder Kaffee – sagte sie – eben nicht immer Tee.
Als ich heute das Email von Julian erhielt, dachte ich an Gleichzeitigkeit. Vielleicht ist das, was einem 13järigen beschäftigt, nichts anders das, was mich beschäftigt. Lieber Julian, ich werde in der Ruhe ein Email an Dich schreiben, wie Du mit diesem Tee besser klar kommst. Vielleicht ist Deine Yixing-Kanne schon zu stark von dem vorherigen Tee gefärbt. Vielleicht muss Du eine andere, möglicherweise eine neue für diesen Tee, der anders ist als Deine vorherige Erfahrungen anschaffen. Aber du muss es nicht.
Ein Wolken über uns
Lieber Joseph, ich habe diesen Film noch nicht gesehen, will unbedingt ins Kino gehen…
Yumi kam heute und hat nicht auf mich gewartet – sie hat ihn gestern Nacht bereits im Internet angeschaut. Sie wollte nicht warten. Sie sagte, „Oh, Menglin, viel Schmerzen, viel Schmerzen. Du weiss.“
Als sie kam, räumte ich gerade das Geschäft auf und Men putzt die viele kleine Tassen, die jeden Tag gewaschen werden müssen. Schön aufwendig, das ganze Teespiel. Sie schrie sehr charmant, „Das Leben ist so aufwendig! So aufwendig, das macht das Leben schön.“
Ja, es ist so aufwendig, geboren zu werden, aufzuwachsen, zu reisen, krank werden und zu erleben und dann irgendwann zu sterben, um zu wissen, wo und wer man ist. Ich bin zu gewöhnlich, dass ich mich nur durch meine Schmerzen und Leiden verstehen und nur so wäre ich bereit zu lernen, diese Geschichte bei nächster Wiederholung anders zu gestalten. Wir hätten paar Chance, eine Katastrophe zu stoppen, aber wir haben es nicht wahrnehmen wollen, weil wir gewöhnt sind, den geradeaus Weg zu wählen. Nichts ist zufällig. Alles ist verbunden. Das ist keine Prophezeihung mehr, sondern das Leben. Das Leben ist schön aufwendig. „Will ich wieder geboren werden?“ sie schüttelte ihren Kopf, „Nein, Danke.“
Nein, Danke.
„Das Leben ist so aufwendig, aber wir dürfen etwas wünschen.“ sagte sie, „Menglin, etwas Schönes!“
Ich werde diesen Satz von Yumi in meinem Notizbuch verewigen.
Ob der Film gut und schlecht ist, muss jeder für sich selbst schauen. Und es ist nun einfach ein Film.
Zuckerwattewolken
Liebe Menglin
Alles okay bei dir? Hast du den Film „Cloud Atlas“ gesehen? Falls ja, wie hast du ihn gefunden?
Die Kritik in der NZZ ist gar nicht gut, nur zwei von fünf Punkten.
Liebgruss
Joseph
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Neue Zuercher Zeitung
29. November 2012
Zuckerwattewolken
«Cloud Atlas» – das Regie-Trio aus den Wachowski-Geschwistern und Tom Tykwer hat den als unverfilmbar geltenden Bestseller von David Mitchell adaptiert
Simon Spiegel · Es ist eine Geschichte voller Missverständnisse, die mit der Frage beginnt, was die Qualität des Romans «Cloud Atlas» ausmacht. Das 2004 erschienene Buch des britischen Autors David Mitchell wurde bald als unverfilmbar bezeichnet, da es seine sechs Handlungsstränge quasi halbiert aneinanderreiht: Den Anfang macht ein Reisetagebuch des 19. Jahrhunderts. Es bricht unvermittelt ab, es folgt die erste Hälfte eines Briefwechsels eines jungen Musikers mit seinem Geliebten, und so geht es weiter bis zum letzten Erzählstrang in einer postapokalyptischen Zukunft. Nach diesem kommt die zweite Hälfte der fünften Geschichte an die Reihe, und es geht wieder zurück bis ins 19. Jahrhundert.
Verschiedene Register
Diese Struktur ist zwar ungewöhnlich, ihren besonderen Reiz erhält sie aber erst durch die sprachliche Umsetzung, denn Mitchell hat für jede Episode einen eigenen Stil gewählt: Das Tagebuch des Pazifik-Reisenden Adam Ewing ist deutlich von «Robinson Crusoe» inspiriert, der in den 1970ern spielende Thriller über mörderische Machenschaften rund um ein AKW kommt als rasanter Reisser daher, und in ferner Zukunft spricht ein Ich-Erzähler in einem degenerierten Kauderwelsch-Englisch. Mitchells sprachlichen Spielereien und seiner mitunter überbordenden Freude an den verschiedenen Registern hat der Film wenig entgegenzusetzen. Dass das Regisseur-Trio von «Cloud Atlas», die Wachowski-Geschwister gemeinsam mit Tom Tykwer, die sechs Episoden parallel erzählt, ist dabei eher nebensächlich. Auch ist das Gezeigte visuell durchaus ansprechend, die Vielstimmigkeit der Vorlage, die wohl tatsächlich «unverfilmbar» ist, bleibt aber auf der Strecke.
Dass drei Filmemacher gemeinsam Regie führen, kommt selten vor, «Cloud Atlas» war den Beteiligten aber offensichtlich ein Herzensanliegen. Zugleich waren ihnen die Schwierigkeiten, die sie sich mit der Vorlage einhandelten, zumindest teilweise bewusst. Umso seltsamer das Vorbild, das sie erklärtermassen wählten, um dem Stoff Herr zu werden: Stanley Kubricks «2001: A Space Odyssey». Damit wären wir beim zweiten Missverständnis: Kubricks Science-Fiction-Epos und «Cloud Atlas» haben schlicht nichts gemein, weder strukturell noch inhaltlich. Vor allem aber nehmen die beiden Filme völlig konträre Haltungen gegenüber ihrem Publikum ein. Kubricks Film lässt – anders als der gleichnamige Roman von Arthur C. Clarke – alles offen, erklärt nichts, betreibt vielmehr bewusste Verrätselung. «Cloud Atlas» dagegen drückt einem seine Botschaft rücksichtslos aufs Auge.
«Cloud Atlas» ist unter anderem ein Roman über den fragilen Status des Erzählens. Mehrfach wird der Wahrheitsgehalt einer Geschichte in der folgenden Episode in Zweifel gezogen. Mit solchen Feinheiten halten sich die Filmemacher nicht auf, sie bevorzugen Sentenzen wie die folgenden: «Wir sind alle verbunden. Vergangenheit und Zukunft. Und mit jedem Verbrechen und jeder guten Tat erschaffen wir die Zukunft.» Diese Poesiealbum-Logik – mit der Bezeichnung «Philosophie» will man derartigen Schwulst nicht adeln – ist bei Mitchell durch zahlreiche wiederkehrende Motive, Verweise und interne Anspielungen ebenfalls angelegt, allerdings – nicht zuletzt dank der sprachlichen Kunstfertigkeit – stark abgefedert und ironisch gebrochen. Im Film wird das Reinkarnationsthema vor allem durch ständige Kostümwechsel der Starbesetzung umgesetzt; zu sehen sind u. a. Tom Hanks, Halle Berry, Hugh Grant und Susan Sarandon in multiplen Rollen.
Bitterer Ernst statt Ironie
Und damit wären wir beim letzten Missverständnis, das freilich auf der Seite des Publikums und der Kritik zu suchen ist: Als Tom Tykwer 1998 mit seinem dritten Spielfilm, «Lola rennt», seinen Durchbruch schaffte, wurde dessen Replay-Struktur vielerorts als ironisches Spiel mit Kinokonventionen wahrgenommen. Ähnlich erging es den Wachowskis, als sie in «The Matrix» in einem postmodernen Furor die halbe westliche Philosophiegeschichte plünderten. Wer Tykwers frühere Filme kannte, mochte schon damals ahnen, dass der Regisseur in Wirklichkeit anderes im Sinn hatte. Die beiden unsäglichen «Matrix»-Fortsetzungen liessen ähnliche Zweifel aufkommen. «Cloud Atlas» macht nun aber endgültig klar: Das ist alles todernst gemeint.
Kinos Abaton, Arena, Arthouse Le Paris, Metropol.
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Cloud Atlas
Beim Abendessen erzählte Sandro mir von diesem Film und bracht ein Flyer. Er ist begeistert von der Darstellung des Verlinkens. Ich dachte an Synchronität zu meinem Leben – Yumi fragte mich heute nachmittags, ob wir gemeinsam ins Kino gehen.
http://www.cloudatlas-derfilm.de/#
http://www.youtube.com/watch?v=KgI6EeYbV84
Grossartig, was das Kino machen kann! Ich liebe das Kino!
Ichi go ichi e

Jdes Treffen ist einmalig – Ichi go ichi e. Ein Slogan für Werbung des Tees, ein Spruch im Teeraum, was man als poetisch bezeichnet. Aber jeder weiss, dass es irgendwann wahr wird.
Der Teeraum ist mir vertraut und die Teatoys ebenfalls. Er hat zwei Schale hingestellt, die ich ihnen einst mitbracht. Meine Teeeltern in Bodman sind heute von der Vergänglichkeit geprägt, nur der Raum bleibt, so ich den immer kannte. Bevor Detelf den Tee machte, ging ich zuerst unkonventionell zu meinem Platz vor der Speicherheizung. Ich hatte kalt und war geschwächt, möchte einen Schutz suchen, wo die Dinge vielleicht nicht so schnell wandeln. Plötzlich merkte ich, dass auch ich vergänglich bin.
Ich lernte Deltef vor 19 Jahren kenne, als mein Studium in Konstanz anfing. Ich war ein stolzes Mädchen aus Taiwan und wollte mit dem besten Titel nach Hause gehen. Detlef war mein Magistervater und begleitete mich auf diesem akademischen Weg. Er hat mir immer gesagt, als ich mich noch sehr an die von Abendland dominierte Wissenschaft verhaftete: Frau Chou, vergessen Sie nicht, woher Sie kommen. Das Studium war nicht ein Abenteuer, die Menschen waren es. Wir haben in der Prüfung gestritten und ich bekam das einzige 2 (gut) in meinem Zeugniss von ihm. Nachdem er mir den Umzug von Konstanz nach Zürich half, wollte er mit mir fast nie mehr sprechen. Er war total sauer auf so eine unmögliche Frau aus Fernost, die ihre Finger nicht schmutzig machen konnte.
Er brachte mich auf dem Teeweg. Er ist mein Teevater, scherzen wir. Er schaut im Schweigen die abwechselnde Landschaft meines Lebens zu und verschmähte meinen akademischen Verusch. Und der Laden ist ähnlich wie das Handy oder neue Technik für ihn – er klammert es einfach raus. Er belächelte mein Klosomat, „Menglin, hast Du auch normale Papier für den Stromausfall?“
Jahr für Jahr praktizieren wir zusammen in Bodman unser Teespiel. „Menglin, wann kommst Du wieder, mit uns zu spielen?“ Ich komme. Ich komme so gerne. Wir spielen den behinderten Tee, eine Uebung, die viele komplizierten Schritte ersparen. Wir spielen Kaiseki auf deutsche Art. Wir diskutieren, was der Teeweg wohl im Europa sein sollte. Er reflektierte die selektierte und beabsichtigte Art des Tees und plädierte das spontanen freien Zusammenkommen. Warum sollte der Gast vorher wissen, dass er jetzt zum Tee kommt? Warum sollte der Gastgeber sich vorbereiten, weil ein Gast kommt? Warum sollte es nicht einfach so sein, wenn das Leben ein Fluss ist, einen Fremden eine Schale Tee zu servieren, egal ob und wie er diese Schale annimmt?
Wir machten an jenem Nachmittag tatsächlich nur den behinderten Tee. Mein Fuss war behindert. Er hatte Schmerzen. Ingrid wollte nur einfach dabei sein. Als ich ihm sagte, dass ich nicht knien kann. Seine Augen waren verzweifelt. Ich schluckte meine Schmerzen und nickte meinen Kopf, „Doch, ich versuche es.“ Ich liebe diese Menschen und bin bereit alles dafür zu tun, damit es ihnen gut geht. Denn wir wirklich nicht wissen, wie es weiter geht.
Der Tee in der schwarzen Raku-Schale war wie immer wunderbar. Mein Fuss hat es geschafft, auch wenn die Schmerzen unvergesslich wurden. Wir waren glücklich, nicht in der Erinnerung glücklich, sondern im Hier und Jetzt – wer weiss, wie es weiter geht.
Er hat all seine Holzkohle verschenkt. Irgendwann werde ich einen Auftrag wohl erhalten, unser Spielzeuge zu richtigen Händen zu bringen. Auch das Wasser im Ro musste ich nicht mehr auschöpfen und putzen. Es schien ihm egal zu sein.
Nur den Fisch musste ich noch preparieren. Ein Essen mit mir und mit dem Fisch schien noch heilig zu sein. Das Gespräch war immer noch geistreich, nur bestimmte Themen wurden immer mehr ausgelassen.
Keine Spuren zu hinterlassen. Das war unser Training. Vor jeder Reise bereite ich das Leben so vor, als ob ich nie wieder zurück komme. Keine Spuren zu hinterlassen… Wir wissen nie, wie es weiter geht.
Ichi Go Ichi E, jedes Treffen ist einmalig. Er bracht mir meinen Mantel. Seine Hände fielen paar Sekunde auf meinen Schulter. Wasser tropfte auf meine Hand. Ich stieg in das schwere Auto ein. Es fing an zu rollen. Wir können nichts aufhalten – nicht einmal die Veränderungen. Mutig fuhr ich weiter in die Dunkelheit.
Pestizid-Cocktails in der Grüntee-Tasse – Kassensturz – Schweiz er Fernsehen: SF Videoportal
Rafael schickte mir heute das LInk mit folgendem Kommentar:
Ich weiss, dass für dich Bio
http://www.videoportal.sf.tv/video?id=57bcf713-ed37-4b5d-857f-f6b2ce18e7b9
Von meinem iPhone gesendet
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Das muss jeder selbst wissen, was das Wichtigste für jeden ist. Ich habe kein Recht, die Handlung des anderen zu beurteilen.
Moral ist ein Spiel von Menschen, die ihre Lebenseinstellung in die Welt druchsetzen wollen. Unmoralisch und unbequem wird man, wenn plötzlich entdeckt, dass es ausser dem Kopf noch ein Herz hat. Und das Herz kennt Kompromisse nicht.
Keine Ausbeutung, kein Fairtrade.
Kein Gier nach billigen Produkten und kein Gier nach Reichtum gibt es keine
Massenprodukte.
Keine Illusion, kein Leiden.
Alles existieren in Gegensätze.
Was bedeutet Luxus?
Was bedeutet Moral?
Was ist die rechte Lebensführung?
Ich werde versuchen über diese Thematik zu schreiben.
Anregung für das unbequeme Denken Unfair Trade: How Big Business Exploits
the World’s Poor – and Why It Doesn’t Have To
von Conor Woodmen
Abgesehen von der ganzen Diskussion ist das Teehaus Winterthur ein wunderschönes Geschäft. Frau Amsler eine schone und kompetente Teeliebhaberin.
Ein Film
http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=nqsxs3D4VeY
Alex hat versucht, einen Film von einer Degustation in Shui Tang zu drehen. Ich hoffe, dieses Link würde funktionieren.
Oder – man muss ein Konto bei Facebook haben – das habe ich nicht.
http://www.facebook.com/liquiddelicacies
Ich freue mich auf Euer Feedback.
Geld und der Widerstand
Ich lebe von Sucht des anderen. Oft fühle ich mich verantwortlich, meinen Klienten zu warnen, dass diese Droge, den Sie kaufen, süchtig macht! Ich habe eine nicht zu rettende Sucht von Dianhong und Pu Er. Noch schlimmer – meine Sucht nach Kaffee. Also das Geschäft mit dem Sucht von Menschen…
Die Frage von dem Besucher am Donnerstag klingt immer noch an mein Ohr: „Warum sind Sie denn hier in Zürich!“ er sagte in einer Klarheit, „diese Stadt stinkt!“ Ich antwortet mit einem Schalk, „Natürlich wegen Geld!“ Ich bin niemandem eine Rechenschaft schuldig, weshalb ich hier bin – sicher nicht wegen Liebe. Wegen Geld? Er hat gelacht und sagte, „das Göttliche Wesen ist keck.“
Wenn es sich ergibt, ergibt immer spannende Gespräch am diesen Teetisch. Ich kenne mein Gegenüber nicht, aber irgendwie nichts ist zufällig. Wenn man das Geschäft bewundert, fühle ich mich immer unschuldig. Das Geschäft ist von Ursula Kaspar gestalten. Ich habe nur die Dinge ausgestellt, fertig. Wenn es sich ergibt, kommen die Besucher wieder, manchmal mit einem kurzen Abstand, manchmal mit einem sehr langen Abstand. Es ist freie Willen von jedem. Vor paar Wochen wurde ein prächtiger Besucher von meiner Klientin gebracht. Scheinbar ein Aphaltier. Ich sollte ihm einen Tee machen, was ihm passt. Ich wähle den Dancong Shuixian, faccettenreich, aromatisch und widerstandsfähig. Das Herbe und die bittere Nuance des Tees sind die geradeliniege Eigenständigkeit. Obwohl dieser Tee die geschmeidigen Schönheit gleichzeitig offenbart. Das macht diesen Tee eben widerstandfähig, weil man ihn immer wieder, immer wieder trinken will… Als er wusste dass ich ihm einen „widerstandsfähigen“ Tee machte, wurde er sprachlos. „So wie Sie.“ sagte ich einfach und wusste nicht, was dieser Satz alles bewegte.
Dann kam dieser widerstandsfähige Herr wieder und erzählte mir, dass es schlaflose Nächte gab und seine Widerstand gegen verschiedene Dinge, die er bereits im Leben trug wurde auf einmal sichtbar. Der Satz war eine Art wie Medizin. Ich schaute ihn sehr unschuldig an. Ich kann echt nichts dafür, sagte ich. Dann wollte er wissen, warum ich in meinem Buch über Urangst und Existenzangst schrieb, das sei ja selten. Eherllich gesagt, dass es doch so gewöhnlich, dass wir miteinadner in dieser Welt darüber sprechen. Ist es privat? Die alten Griechen haben darüber philosophiert und Sisyphus hat uns gezeigt, dass wir alle die Ambivalenz von Ja und Nein aushalten müssen. Und jeden Tag vom neu Anfangen zu fragen, Ja oder nein? Warum haben wir alle Sehnsucht nach Einheit und suchen es vermeintlich nach Aussen mit irgendjemandem? Eben wegen Angst. Ich bin da nicht alleine. Wir sprachen viel miteinander, dann kam Sandro, auch ein spezielles Paradiesvögel. Spannend was für Menschen zueinander geführt werden – ich schaue immer mit einem Schmunzeln zu. Beim Abschied wollte er mir für das Gespräch bezahlen. Ich verweigere es. Ich habe kein Mangelgefühl an Geld (aber ich kann Geld immer gebrauchen). Sein Gesicht war sprachlos. Ich scherzte mit einem Schalk – „Mache doch ein Geschenk für mich!“ (ich bin nicht scharf auf ein Geschenk.) Dann rief er, „Ach, jetzt muss ich ein Geschenk für Dich kaufen…“ In seiner Verzweifelung wusste ich, dass da doch etwas getroffen wurde – aber ich bin wirklich unschuldig. Ich wünsche ihm erholsame Nächte.
Ja, es ist einfacher mit Geld die menschlichen Beziehung zu regeln. Ein Geschenk ist zu viel mit Preisgeben. Das tut einem Menschen aus diesem Alpenland schwer. Ein Geben ist oft verknüpft mit einer Erwartung. Eine Erwartung kann hier selten ausgesprochen werden. Aber ich weiss, dass es Dinge in dieser Welt gibt, die nicht an irgendeiner Bedingung verknüpft ist. Ich möchte so leben.
Sandro staunte, was für Leute sich hier versammeln und was für Stories wir später miteinander kauen können. Er seufzte. Dann kam Jörg, mit dem ich etwas zum Nachtessen abmachte. Sandro ging und kam in 15 Minuten, brachte mir ein Geschenk zum Abeschied…
Am nächsten Tag kam Otto, ein gebildeter und gesprächiger Verleger. Ich erzählte ihm was so läuft. Beim Abschied sagte er zu meinem nächsten Besucher, „Viel Spass bei einem Tee-Gottesdienst.“
Veränderungen
Mich fragen Leute oft, wie man Tee richtig lagert. Mich fragen Leute oft, wie lange man einen Tee tatsächlich lagern kann.
Man kann einen Tee lagern, wenn der Tee gut genug ist, zu lagern…
Wozu lagerst Du einen Tee, der sich gar nicht verändert?
Martin Sutter schrieb, dass die Zeit nicht existiert, sondern nur Veränderungen.
Diesen Satz kann ich nur unterschreiben. Die Zeit ist etwas wie ein Konstrukt und wir glauben daran, dass es tatsächlich gibt. Aber die Veränderungen – die können wir nicht aufhalten.
Veränderungen sind aber in unserer modernen Gesellschaft nicht sehr erwünscht, vor allem die natürliche Veränderung. Wir wollen gerne die Dinge sich so verlaufen, wie wir es gerne haben. Warum denn eigentlich? Sehr wahrscheinlich wegen Angst. Angst vor Unkontrollierbarkeit.
Meine Antwort auf diese Fragen, die man mir wöchentlich stellt, ist nicht spektakulär…
Wenn ich den guten gelagerten Pu Er oder Oolong anschauen, weiss ich, dass sie gewisse Kriterien erfüllen. Die Blätter sind lang genug am Baum gelassen, die Herstellung sorgfältig genug, um die Teeblätter richtig zu erhitzen und Teefladen ausreichend in der Luft trocknen zu lassen oder meisterhaft geröstet. Damit diese erzeugten Teeblätter die Witterung und Zeit gut überdauern. Weil die Veränderung an Teeblätter ein fester intergrativer Bestandteil des Teeverständnis war, bereitet man sich für die Veränderungen vor!
Tee verändert sich. Wir auch.
Und die Zeit ist so was von ohne Bedeutung.
Heute wollen wir die schönen Grüntee und Oolong im Kühlschrank aufbewahren und die Pu Ers zum veralten beschleunigen. Was sollte dabei festgehalten werden?
So antwortete ich heute meinen letzten Besucher. Es war Lichterfest, ich wollte früher gehen und Men kann sich um Shui Tang kümmern. Aber ein ansprüchsvoller und frecher Teemensch verhinderte mein Plan. Ich kann mich gut an ihn erinnern. Vor zwei Jahren war er da. Er sagte, wenn der Oriental Beauty nicht gut ist, dann sehe ich ihn nie wieder. Meine Antwort war schnell und klar: „Das ist Ihr Verlust!“
Heute fragte er mich wegen Lagerung und wollte die magischen Tee meiner Lager anschauen. Meine magischen Tees… „Haben Sie es verdient?“ Frech und blitzschnell bin ich auch. Es war natürlich nur der Anfang. Ich schätze Menschen, die frech aber mit Formatt sind, sich preiszugeben. Ich lud ihn ein für eine Tasse Bangwei aus meinen magischen Kiste. Dann wurde es auf einmal stil. Ich geniesse diese Leere am Tisch. Eine Vertrautheit mit einem Fremden. Wörter wurden überflüssig. Also er sagte zu mir, er wollte gar nicht nach Zürich, nur weil der Zug nicht in Talwiel hält. Also sein Pech, sagte ich. Er würde wieder kommen, wenn er es nicht vergesse. Ich sagte, das macht ja gar nichts.
Am Ende des Lichterfestes sagte dieser sehr stolze, freche wortgewandte Besucher zu mir, dass dieser Ort eine unglaubliche Bereicherung sei für Zürich. Den Tee braucht Zürich und hier sei die Hohenspriesterin. Also, eine neue Bezeichnung für das Haustier in Shui Tang. Ich betrachtete diese Veränderung zwischen diesem Stunde, vergesse aber nicht, wo ich herkomme. In Züge der Veränderung fragt man sich dringend, was bleibt? Ich bleibe bei mir.