Meine Yunnan Reise VI – Der Zweifel eines Teeprofis

Inzwischen bin ich so stark von Europa geprägt, dass ich oft nachdenken über meine eigene Herkunftskultur. Das Reichtum der chinesischen Kultur bereichert mein Leben und ermöglicht mir die Grenze zwischen den Westen und Osten zu überschreiten und zugleich Frieden in mir zu finden. Das kann auch nur geschehen, weil ich versuche mit Modernität meine Wurzel zu betrachten. Viele Ballast aus der Vergangenheit nehme ich zwar wahr, entscheide mich für einen eigenen Weg. Aber wenn ich Tee vermitteln will, vermittele ich keinen selbst gemischten Cocktail. Nur wenn man die Wurzel des Tees kennen lernen kann, kann man selbst eine Wurzel in einen fremden Boden einschlagen. Ein Cocktail schmeckt easy, bleibt eben auch nur auf diese Ebene von Easy-Geschmack. Ich kümmere mich nur um das, was bleibt.
You sagte mir, dass wir kleine Fahrzeuge mieten mussten um nach Lao Ban Zhang zu fahren. Ein Tag vor unserem Fahrt, wurden die Fahrzeuge immer noch nicht bestellt. Ein Freund, der ehemaliger Direktor von einem grossen Basis-Station der Menghai Teefabrik organisierten dann allen Fahrzeuge und Fahrer. Alles nur wegen ihm. Wir duften gehen wegen You. You duften uns so mitnehmen wegen dem Direktor.
So fuhren uns 5 fahrer, Freunde des Direktors. Sie machten ein Freundschaftsdienst, ohne uns zu kennen. Sie machen es einfach so – das wird in Europa nie passieren! Wer würde wegen Freunde von Freunde einen Tag frei machen und 5 Stunde Auto fahren – durch so einen gefährlichen Weg? Ich möchte auch wissen, ob unsere Teefreunde im Europa jemals für diese Leute so ein Freundschaftsdienst machen würde!
Es war eine beeindruckende Fahrt durch ausgewaschene Felswege. Ich schnallte mich natürlich nicht an, so dass mein Körper je nach wie das Auto schwingte, hin und her bewegen konnte. Ich habe die 2 stündige Fahrt pro Weg durch Staub und gefährliche Löcher immer sehr gut bestanden, weil ich schlief – allen bewunderten meine Fähigkeit in diesen Fahrten schlafen zu können. Irgendwann kamen wir an.
Das reichste Dorf in den Bergen, Lao Ban Zhang hat viele neue Häuser und am jeden Wochenende fahren das städtische Bürgertum sogar mit ihren Porsche hoch – wie schaffen sie durch diese Löcher?, um Tee einzukaufen. Auch das städtische Bürgertum will direkt bei dem Teebauer einkaufen.
Das Restaurant – ist es überhaupt ein Restaurant? Wenn es regnen würde, würden unsere Füsse im Schlamm stehen. Toilette – da verzichte ich freiwillig zu fragen.
Dann wurden wir von dem Direktor zu einem neuen prächtigen Haus gebracht. Ein Haus von einem frisch verheirateten Teebauer. Wir sassen dort, tranken Tee. Der Direktor bereitete uns verschiedene Tees, die er einen nach dem anderen aus Nebenzimmer holte. Ich versuchte mit ihm zu sprechen – erfolglos. Er sprach nicht mit mir, nur mit You. You ist für ihn einen ebenbürdigen Austausch-Partner.
Wir blieben dort und wussten aber nicht, warum, wie lange und was danach. Meine Teefreunde aus Europa waren so einfühlsam, sie machten mir kein Problem. Sie folgten einfach, weil sie mich vertrauen.
Ich sah, wie der Direktor sein Gesicht immer mehr zusammen zog, die Diskussion immer intensiver wurde und seine Miene schwerer wog. Ich malte mir eine Geschichte, einen Krimi.
Es war wie ein Krimi. Der Direktor, ein Profi von Profis, musste für seinen Mandant einen echten 100% wahren Lao Ban Zhang Tee aus den 600järigen Bäumen kaufen. Er suchte und suchte. Wir trankten mindestens 6 verschiedene Tees, die seiner Vorstellung nicht erreichten. Sie seien nicht echt. Bei einem Muster war er nicht sicher, auch wenn der Geschmack ihn überzeugt, aber die Art des Rollens von diesem Muster nicht. Er holte ein bisschen Muster und musste in Menghai selbst degustieren und vergleichen. Ich fragte You, warum er nicht einfach dem Teebauer fragte. Er müsste doch mit dem Bauer siper befreundet sein, wenn er die Langnasen einfach zu diesem Haus mitnehmen konnte und sie Toilette besuchen konnten. You sagte, „Freundschaft hat wohl nichts mit dem Geschäft zu tun, oder? Freundschaft erreicht in diesem Geschäft mit Pu Er nicht…“
Wenn Du es nicht erkennst, ob der Tee echt ist – das ist doch selbstschuld…
Wenn der Profi von Teeprofi es genug schwer hat, die Echtheit zu erkennen – was mache ich denn da?
Wenn Du hier im Netz googlest, findest Du sooooo vieeeele selbst Reisende nach Yunnan und dort selbst Tee einkaufen. Was passiert da für Geschichte? Oder Krimis?
You sagte mir, ohne Wissen und langjährige Erfahrungen und Beziehungen ist man hier total verloren. Bei Teetasting sagte ich ihm, dass ich mich wie ein Anfänger fühle. Er sagte zu mir, „Auch wenn Du nicht so viel Wissen von diesem Tee hast, Du spürst so gut. Du muss es nicht wissen, Du weiss einfach was gut ist. Du verstehst es eben.“ Das kann nur funktionieren, weil er anders denkt als die Teebauer in Yunnan…
Der Zweifel dieses Teeprofis brachte mich zu einer Klarheit von Fairtrade.
Im Europa verbindet man Fairtrade nur mit dem Geld. In Yunnan muss man eine andere Assoziation mit Fairtrade erweitern: Wissen ist Macht.
Wenn Du keine Ahnung hast, bekommst Du eben das, was Dir ebenbürdig ist…
Diese Vorstellung ist revolutionär!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s