Eine Klause wo Kiefer und Wolken verweilen

Atong zeigte mir im hitzigen Sommer einen seltenen Oriental Beauty. Hässlich, sagte ich – unregelmässige Blätter und zerstückte Erscheinung. Er grinste und machte einfach den Tee in Gaiwan: „Dieser Tee ist so wie so nicht für Dich gedacht.“ Er wollte ihn nach Hongkong verkaufen. Als der Gaiwan abgedeckt wurde, stieg ein unglaublicher Duftwolken auf. Ich atmete tief und fand mich in einerm Sommergarten. Die farbigen Blumen duften nach Marzipan, nach Nektar. Die Bienen summen. Früchte reifen. Es ist die Zeit für ein Fest! Ein Fest der Sinne. Hmmmm, ich schloss meine Augen und machte sie wieder auf. Blitzschnell sagte ich zu Atong, „Nein, das geht nicht. Du kannst ihn nicht nach Hongkong verkaufen. Ich will ihn. Alles.“ Ich bin eine Dealerin, wenn es schnell sein muss, bin ich es eben. Ich weiss, dass man im Leben selten solche Perle treffen kann! Er lachte und streichte mein Ego, „Mädel, Du bist nicht schlecht. Man kann einen Tee eben nicht per blosse Augen und Nase betrachten!“
Als ich You kennen lernte, dachte ich auch, was für einen uninteressanten Menschen? Schweigsam und kaum Gesichtsausdruck. Atong mag ihn nicht besonders. Ich erzählte meinem Lehrer trotzdem, wenn ich ihn besuchen ging. Eine aufrichtige Beziehung möchte ich mit meinen Menschen führen, auch wenn sie es nicht gerne hören. Die Kollegen erzählten mir, dass You ein guter Geschäftmann sei. Seine Kunde seien sehr treu zu ihm. Er habe gute Strategie, Geschäft zu führen. (Während ich diese Zeilen schrieb, bekam ich gerade SMS von Alexander. Er schrieb: „Ein Mann sucht Dich gerade in Shui Tang. Du verkaufst Opium, nicht Tee, oder?“ Sehr wahrscheinlich hat er recht. Ich weiss nicht einmal, was ich wirklich verkaufe.)
Ob You ein guter Geschäftmann sei, ist seine Sache. Mit mir hat er selten gutes Geschäft gemacht. Dank Finanzkrise 2009 habe ich sehr viele wertvolle Teesammlung und Kanne erwerben können. Ohne ihn wäre es alles nicht möglich. Er hätte daraus ein gutes Geschäft erzielen können, aber er hat mir ermöglicht für Shui Tang, eine gute Fundament aufzubauen. Dafür bin ich sehr dankbar. Man lernt sich eben unbefangen kennen, weil man nur achtet, was getan wurde anstatt gesprochen. Er kennt mich nicht gut, besorgte mir alles, was ich ihm bloss einmal erwähnte: die wertvollen Kalligraphie, die Malerei, die in Shui Tang hängen. Die Siegelsteine, die er für mich selbst anfertigte. Die Lernmaterialien von seltenen Pu Er Tees. Auf einmal interessiert er sich für meinen Geschmack von Musik und Pina Bauch, weil ich meine Gedanke um Tee, Musik und Bewegung mit ihm austauschte. Ich weiss, dass er nicht ein Geschäftsmann ist. Er ist getarnt als ein Geschäftsmann, in der Wirklichkeit ist er ein typischer chinesischer Intellektueller aus der alten Zeit.
In der chinesischen Kultur, so wie ich vermittelt wurde, leben Menschen über die Zeit und den Raum. Wenn Menschen sich begegnen, handelt sich nicht um die Dauer und den Ort wo man sich begegnet, sondern den Geist zu Geist, Herz zum Herzen. Wenn es stimmt, stimmen andere Dinge von sich alleine. Im Westen spricht man gerne, um voneinander zu verstehen. Für mich, ist die Kommunikation anders. Ich muss doch keine Frage stellen, um eine Person wirklich kennen zu lernen. Ich muss es nur wahrnehmen. Das, was Menschen uns präsentieren, ist oft nur das Bild, was sie gerne selbst glauben. Das Wesentliche sieht man nur mit Herzen gut.
Ich spüre eine Klarheit und Zartheit, was der Pu Er, den ich in Shui Tang habe, für seinen Produzenten spricht. Ein klarer empfindsamer und in sich geruhter Mensch.
Er trennt sich nun von seinem alten Geschäftspartner. Im Januar eröffnet er sein eigenes Geschäft. Er schrieb mir heute ein SMS und wollte meine Meinung hören, ob der Name „Ein Klause wo Kiefer und Wolken verweilen – Song Yun Cao Tang“ mir gefällt. Ein Refugium, wo er für sich selbst gefunden hat. Ich sollte diesen Name ins Englisch übersetzen – eine komische Idee von ihm. Ich muss Joseph fragen, wie man es richtig übersetzt. Ich wünsche ihm alles Gute und danke ihm als ein Weggefährte.

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