Eine Tasse Tee

1584 brachen vier japanische Adelige auf, um als christliche Repräsentanten Japans nach Europa zu reisen. Es war ein Triumph der Jesuiten Missions in Asien – Voltaire schriebt 1756 über diese Gesantschaft als die „schmeichelhafteste Huldigung, die dem heiligen Stuhl jemals geleistet worden ist. Diese vier japanischen Adeligen sollten im Europa das Glanz und Stärke der katholischen Kirche kennen lernen, ihre Glaube verfestigen und dann nach Japan zurück kehren, um die Mission zu bekräftigen. Als Gastgeschenk an König Philipp II reichten sie eine Schale. Eine Schale… trinken die Japaner heisses Wasser? Diese Frage beschäftigte wohl den spanischen König… „Trinken die Japaner nur im Winter heisses Wasser?“ „Nein… sie tränken das ganze Jahr über heisses Wasser…“
Die Soft-Drink-Kultur war es im Europa einfach nicht bekannt!
Als die vier Adeligen nach Japan zurückkehrten, wurden die Heimkerer Fremde. Valigano, der Missionar warnten seinen inzwischen erwachsenen Schäfer, dass es komische Art um einen Getränk namens Tee zu trinken gibt, dass man sich in einem unglaublich engen Taum versammelt und dass man wertlose Schaben von Töpfe bewundert und dafür Geld ausgibt.
Ja… das ist schon komisch. Was macht man alles für eine Tasse Tee?
Im Europa würde man eine blühende Blüte in die Vase stecken. Dann ist eine Blüte eben nur eine Blüte. Im Teeraum steckt man eine Knospe in die Vase und die Vase vielleicht nicht ganz in der Mitte… dann wird die Vase wie ein Briefträger und diese Knospe wie eine Botschaft…
Stimmt das?
In einem engen Raum, weil es eng ist, muss man loslassen, weil man es loslässt, ist man friedlich. In einem engen Raum wird der Austausch zwischen Menschen intensiver… Deswegen baut man einen kleinen Raum für Tee?
„Warum verehrt man in Japan mit Hand geknetete Gefäss, um Tee zu lagern anstatt Edelsteine?“ Jesuit Valigano sollte es gefragt haben vor Rykyu. Der Teemeister antwortete, dass sei Dummheit der Teemenschen das Nutzlose im Leben zu verehren. Er seufzte, es sei nur die dummen Menschen, die in der Lage sind, die Schönheit aus Stücke von Erde zu entdecken!
Endo Shusaku, selbst Katholik und in Manzhou aufgewachsen, fühlte sich angezogen von dem Schicksal der vier japanischen Adeligen, der Fremde unter den Eigenen. Er machte die Lebenswege der vier Japaner zu Stoffe seines Novellen „Samurai“.
Für ihn bedeuten Chanoyu und Ikebana ein grosses Fragezeichen in der heutigen japanischen Gesellschaft. Er fragte, warum stellt man teuere Teatoys zur Schau und trägt glänzende Kimono zum Tee, während man stets Wabi und Sabi singt? Er sagte, warum bereitet man nicht einfach nur eine Tasse Tee zu und freut sich einfach darüber, beobachtet nur das, was bei und nach einer Tasse Tee, BLEIBT?
Ich habe keine Antwort, aber fühle mich angezogen von seiner Sätzen.
Oft habe ich das Gefühl, dass der Tee nur ein Begleiter ist, um mit dem besten Freund zu treffen – mein Selbst ist mein bester Freund!
Gerne erinnere ich mich an das Bild von Michel, mein gestorbener Zen-Lehrer. Er erzählte mir von seiner Kindheit, auf Walliser Berg, am Genfer See, mit seinem Grossvater beim Sonneuntergang zusammen zu sitzen. Friedlich und glücklich. Mein Grossvater sass allerdings im Dunkel immer alleine mit seinem Tie Guanyin…

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