Das Problem ist der Weg

Am Sonntag sollte eigentlich ein taiwanesische Weise nach Zürich reisen und einen Vortrag halten. Eigentlich hätte ich mich für das Thema Tee und Yiching sehr interessiert. Ich hätte mich sehr gefreut, über die Zusammenhänge zwischen Tee und Mystik zu erfahren. Leider sagt der Weise ab und ich selbst sollte den Vortrag halten.
Das Thema wurde angekündigt mit Pu Er Tee und seine Qualitätsmerkmale. Naja. Was gibt es denn da zu erzählen? Man kann ja soooo viele Informationen über das Internet erhalten. Wozu sollte ich denn Senf dazu geben?
Das reizt mich überhaupt nicht, etwas über Pu Er und seine Qualitätsmerkmale zu erzählen. Tee spricht so wie so für sich selbst. Ich rede ungerne über Tee. Diesmal würde ich gerne paar Frage stellen. Frage, die mich beschäftigen!
Innert paar Wochen kamen zwei Tophotels von Weltrang zu Shui Tang und interessieren sich für eine Zusammenarbeit. Ich bin ein Faulpelz und viel zu arrogant, um Werbebriefe zu schreiben. Ich habe gerne wenn die Dinge sich organisch entwickeln und ihren Lauf selbst nehmen. Ich staune über diese Entwicklung und fragt mich warum jetzt.
Warum jetzt? Warum interessieren sich Menschen im Europa jetzt für Tee? Sogar Top-Hotels fangen an, sich nachzudenken. Nur weil die Chinese reicher werden?
Die Finanzkrise, die Zitterpartie um Euro und die Verunsicherung der Rente lesen wir täglich in der Presse. Deutsche Medien reden von Rezession. Das steile Wachstum ist nun ein alter Traum und er ist definitiv vorbei. Die alte Zeit ist vergangen, während die neue Zeit noch unwillkoemmen geheissen wird…aber er kommt so oder so!
Die grossartigen Anfrage und Interesse konfrontieren mich auf eine sehr brutale Art und Weise. Ich kann nicht mehr in mein gewöhntes Muster denken. Die Zeit ist vorbei. Und ich habe sehr viel Angst. Angst vor Ungewissheit. Wohin führt dieser Zug mich? Ich habe Angst. Nach einem Zazentag kommen viele unbewusste Fragen an die Oberfläche. Sie wollen angeschaut werden. Wo möchte ich denn sein? In der Vergangenheit oder im Gegenwart?
In Zugfahrt nach Bern zog die schweizer Landschaft am Zugfenster vorbei, während ich einen Streifzug in meinem imaginären Pu Er-Tee machte. Erde, Waldbogen und Holz würde ich den Geschmack dieses Tees beschreiben. Warum fesseln ausgerechnet solche einfache Geschmäcke die Teeliebhaber? Tief in einem alten Baum eintauchen – ich dachte, ich wäre im Wald Xishuang Banna – ich spüre einen starken Drang, mein Leben in die Ungeweissenheit zu geben. Das Problem ist der Weg. Ich bin bereit, Probleme zu erkennen und mit ihr zu gehen. Erfolge oder Geld sind zum Glück nicht mein Ziel, aber die Herausforderung und dem Leben auf einer anderen Ebene einen anderen Sinn zu geben, verleihen mir viel Kraft und Mut.
Genau ausgerechnet jetzt feiert das Teeclub sein 10jähriges Bestehen. Gerade jetzt erkennen smarten Geschäftsleute an Tee eine grosse Chance. Das blinde Begehren an unersättigten Materialismus und die Sehnsucht nach dem einfachen Geschmack eines Tees scheinen mir nicht widersprüchlich zu sein. Tee ist bloss eine Antwort auf einen Zeitgeist, ein Spiegel einer Epoche!
Ich werde in dem Vortrag am Sonntag paar Frage in den Raum werfen. Frage, die Teeliebhaber im Europa zum Nachdenken anregen. Eine Antwort habe ich nur für mich selbst.

2 Gedanken zu „Das Problem ist der Weg

  1. Assam

    Ich glaube nicht, dass das erhöhte Interesse an Tee mit dem wirtschaftlichen Wachstums China zusammenhängt, also mit dem Verlangen von z.B. Hotels chinesischen Geschäftsleuten etwas zu bieten, sondern mit den grösseren Möglichkeiten Tee zu beziehen und zu probieren. So geht es zumindest mir.. (mein blog: http://teeologisch.de/) Ich bin ein privater Tee- und Kaffeeliebhaber, der gerne ein bisschen Wissen ansammeln und weitergeben will über ein Getränk, dass vielfältiger nicht sein könnte.
    lg Assam

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