Einladung zur Einweihung

Einladung zur Einweihung

Heute Nacht kann ich nicht schlafen. Was mich begleitet, ist Gedanke. Gedanke, die sich um Kreis drehen und mich nicht loslassen. Nach dem Aufstehen begleitet mich nun eine Tasse Dianhong.

Ich denke an die Einweihung und an das, was alles fertig gestellt werden muss. An die Rede, die ich wohl halten muss, an das Programm und an das Opiumbett und an seine Kissen…

Ich drucke die schönen Karte mit Vorsicht – das entspricht gar nicht meiner Natur (!) und falte sie mit großer Aufmerksamkeit (noch weniger …). Die gefragten Gäste in Shui Tang nahmen ganz vorsichtig die schöne besondere Karte entgegen. „Es ist uns eine Ehre…“ ich höre es seit zwei Tagen. Der beste Lob an Helden, die mein Text korrigierten, an Chragi und an Ursula!

Ach, diese Mühe… 

Mit H plane ich das Programm. Ich bin so dankbar, so einen tollen Mentor haben zu düfren und tolle Freunde wie Teresa, Hitomi und Christoph, die Shui Tang unterstützen und ihre Performanz präsentieren werden. 

Wie viele Leute sollen kommen? Ich wurde mit dieser Frage konfrontiert. 

Wenn es nach mir, eine Person, die durch und durch von der chinesischen Chaos-Theorie gesprägt ist, gehen sollte, würde ich sagen, so viel wie Kosmos mir schickt. Mein Mentor schüttelte seinen Kopf. Er sagte mir, wir sind hier in der Schweiz. Die Leute haben nicht gerne eng in einem Raum zusammen zu hocken. Außerdem – wie ist mit den Gläser und Tassen und dem Kulinarischen… Es muss organisiert sein, liebe Menglin!

Warum denn? Wie könnte ich jemanden wegschicken, der sich Mühe gibt und den Weg auf sich nimmt? Jeder hat doch freie Willen, nicht wahr? Wenn es einem wichtig ist, dabei zu sein, die Zusammenkunft geniessen zu wollen, dann würde er sich Mühe geben. Wenn es einen wichtiger ist, viel Raum für sich zu beanspruchen, dann würde er den Raum verlassen. Es ist doch auch durchaus in Ordnung – ich bin bestimmt nicht beleidigt. Jeder bekommt das, was er will. Warum soll ich mit meiner Hand dabei etwas steuern und blockieren? Ich hätte große Mühe, Menschen vor der Tür abzusetzen, die freiwillig kommen!

Ich respektiere die selbst manifestierten Dinge.

Warum sollte es perfekt sein? Das macht doch kein Spass.

Why not?

Es wird sich selbst manifestieren, oder? – So denke ich eigentlich immer. Man kann das Leben nicht durch und durch organisieren. Auf viele Frage bekommt man einfach keine Antwort, die sich nur durch Taten und Zusammenhänge manifestiert, anstatt mit Kopf zu klären. Außerdem ist unser Handeln meistens sehr unbewußt und von bestimmten Trieben gesteuert. Um Rästel zu „erraten“ kann man oft nur anhand den manifestierten Taten ablesen anstatt zu spekulieren.

Mein Mentor schüttelte noch einmal seinen erfahrenen Kopf. 

Also, auch wenn ich sturr bin, habe ich das Verständnis von meiner Beschränkheit und lerne Vertrauen in Menschen zu haben, die gut mit mir meinen. Also, die Einladung wird abgeschickt und die Teilnahme ist per Anmeldung organisiert. In einer perfekt funktionierten Uhrwerk-Gesellschaft wie hier, muss man weit vorraus planen. Hier geht ein anderes Denken und Handeln – ich bekomme noch meine Lektion.

Trotzdem fällt es mir schwer, herzlichen und Mühe gebenden Menschen vor der Tür stehen zu lassen. Freunde würden diese Aufgabe für mich übernehmen, sagten sie. Ich lachte katzenhaft. Mal sehen.

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