Archiv für den Tag 03/08/2009

Müssen, Wollen und das Lebenstrom

Shui Tang ist seit zwei Wochen im Betrieb. Es war eine trubelente Zeit in jeglicher Hinsicht. Ich habe das Glück vor vielen Freunden weinen zu können, bei vielen Freunde meine Sorgen erzählen zu können und über mich selbst lachen zu können.

So wie Shui Tang heute steht ist nicht meine Leistung. Es steckt viele viele unsichtbare Helden dahinter. Oft wurde ich gefragt, ob ich nich stolz auf das Teehaus bin. Stolz auf etwas sein? Das Gefühl kenne ich nicht. Ich weiß, ich „muss“ Shui Tang nicht tun, ich will es einfach. Ich will es und tue es einfach. Ich fühle mich dabei nicht als etwas Besseres. Ich habe nicht vor Menschen zu erfreuen oder zu gefallen, ich bin einfach da.

Ich sehe Menschen kommen und gehen. Machmal kommt welche kritische edele Dame, die mich ganz kritisch unter die Lupe nimmt, nach etwas Bestimmtes sucht und bei Shui Tang nicht findet. Ich bewege mich nicht. Shui Tang muss niemanden gefallen. Shui Tang ist einfach da. Es ist einfach da für Menschen, die es schätzen. Ein „Müssen“ erzeugt eine Abhängigkeit. Aus einem „Wollen“ entsteht eine Freiheit – für sich selbst sein.

Zwei Todesfälle, ein Krankheitsfall und dann eine Hochzeit habe ich in letzter Zeit intensiv erlebt. Das Leben treibt mich in einer Richtung, vor der ich beängstigt begegnete. Sehr oft dachte ich, dass das Kosmos (der Gott) mich verlassen hat. Später erinnere ich mich wieder, dass das Kosmos immer mit mir in Eins ist. Oft spüre ich mein inneres Selbst nicht mehr, erledige nur die Dinge, ich funktioniere bloss… Bis es mir klar wurde, ich kann nicht gegen etwas kämpfen, nur für etwas.Ich spürte mein Feuer nicht mehr, irgendetwas wurde zu viel zugelassen, was mir nicht gut tut.

Einmal unterhielt ich mit Atong und Onkel Zhong. Onkel Zhong war ein Big Boss von Textilien-Industrie. Seine Geschichte erzählt er nie. Wie ertägt er, immer im Hintergrund zu bleiben und diesen kleinen Laden täglich zu hüten? Die beiden alternden Männer sagten mir, „Nur um selbst treu zu sein. “ Sie suchen keine Anerkennung, wollen nur Freude, Freude an Tee, Freude an Teilen mit Freunden.

Die Geschichte mit Shui Tang ist gleichzeitig mein Selbstfindungsprozess. Ich sehe, wie ich meine Umgebung „beseele“ und von meiner Umgebung „beseelt“ werde. In diesem Eins-werdenden Prozess erkenne ich mein inneres Feuer wieder, das lichtvoll brennt, auch wenn ich es nicht wahrneme. Ich spüre das Lebensström wieder so stark, dass ich fast weine. Auf der Zugfahrt an den Bodensee ertaunte ich wieder die saftigen grünen Wiesen, die lässigen Kühen und die feuchte Luft. Die Blumen wollen mich nicht unbedingt erfreuen, sie sind einfach nur da. Alles geschieht von sich selbst – durch das Lebensströmen.