Paul und meine Schuhe

Paul und meine Schuhe

Isis konnte den Mord von Osiris nicht einfach hinnehmen und suchte das Leichen ihres Gattes im Nils. Sie beschloss sein zerlegtes Leichenstücke zusammen zu nähen, weil sie glaubte, dass der zusammengesetzte vollständige Körper die Göttern berühren würde und das Leben ihres Gattes wieder erweckt werden könnte. Sie glaubte, den Körper zu bewahren, um gegen die Zeit aufzuhalten und vor dem Tod zu schützen. Osiris wurde tatsächlich wieder aufgeweckt und wurde der Gott der toten Welt. Durch den Tod des Körpers entdeckten die alten Ägypter die Bedeutung der Ewigkeit des Körpers!

Durch die Gegensätze werden Wahrheiten plötzlich klar. Durch die Ewigkeit des Todes entsteht die Hinfälligkeit des schönen Körpers. Durch das Aufbewahren des vergänglichen substanzlosen Körper wird dem Tod ein Zeitgefühl verliehen. Irgendwann hat der Tod auch ein Ende… Eigentlich möchten Menschen mit dieser Vorstellung nur eins ausdrücken, weil wir Körper besitzen, können wir fühlen, sehen und schmecken, obwohl diese Empfindung vergänglich ist, ist es schöner als das göttliche Dasein. Denn selbst Engel können nicht riechen, tasten und schmecken. Auch wenn der Tod uns immer wieder einholt, haben wir viel erlebt und gelebt. Weil wir Körper haben, können wir das Leben erkünden. Wir können mit anderen Menschen austauschen mit Sprechen, Anfassen, sehen und riechen. Der Körper wird zum Speicher der Erinnerungen. Erinnerungen von Begegnungen und Liebe.

Ein Körper ohne Erinnerung der Berührungen und Schmerzen ist fast wie eine Wüste. Eine Wüste ohne Leben.

Ich sah das Sarg von Ulla immer tiefer in die Erde gesenkt. Der Priester predigte für das jüngste Gericht und Wiederauferstehung. Der Körper wird so lang aufbewahrt, bis der Tag der Gerechtigkeit sich nährt. Meine salzige Tränen tropften immer tiefer in die Erde. Die Pflanzen würden diese Flüssigkeit gar nicht vertragen. Der ältere Herr neben mir, fing an, mit mir zu plaudern. Er ist der Onkel Ullas. Zuerst plauderten wir über Ulla. Wir seufzten und seuftzten. Dann fragte er mich plötzlich wie ich die Schweizer fand, als er meine leichte schweizer Akzent entdeckte. Seine Frage brachte uns beide zu lachen. Unser Lachen rief die bösen Blicke der Anwesenden hervor. Wir sollten anständig sein und uns entfernen, wenn wir nicht mehr in der Trauerstimme bleiben könnten! Wir haben sie gestört. Unser Lachen störte tatsächlich die Todeszeremonie, denn wir waren am Leben. 

Ulla hätte mit uns gelacht. Denn sie liebte das Leben. Ich weinte um die Verlust ihres Daseins, aber nicht um ihren Tod. Sie hat wirklich ihr Leben genossen und gut gelebt. Sie hat alles ausprobiert und waren unternehmenslustig. Sie war in Dubei, als sie ihre Liebe folgte. Sie war in der zauberhaften Welt des Tees gereist, als sie ihr Leben verändern wollte anstatt nur zu Hause zu sitzen. Was gab es denn dabei zu trauern?

Der Körper ist voller Erinnerung der Liebe, das gesamte Speicher der Sinne. Liebe, die nur in Hirnzellen abspielt, ist eine Illusion. Ullas Körper war und ist die Erinnerungen unserer Freundschaft, unserer Begegnungen und unserer Berührungen mit Tee. Es war keine Illusion.

Gestern morgen erwischte ich das seltsame Moment mit dem Kater Andreas. Paul ist fetisch auf Schuhen. Morgen früh wollte er in mein Zimmer eindringen. Ich sprach mit ihm mental, dass ich nicht gestört werden wollte und er mich respektieren sollte. Als ich aufwachte, sah ich ihn auf meine Schuhe, voller Sehnsucht.

Dieser Kater wußte, die Nähe der Erinnerung eines Körpers zu suchen. Meine Schuhe sind das Speicher meiner Weges und meiner Liebe. Meine Schuhe sind Erweiterung meines Körpers. Wenn der Körper noch Sehnsucht hat, wenn der Körper noch weiß, wo die Sehnsucht hinführt, wird es wohl ein kleines Samen gesät, um auf einen prächtigen Baum zu hoffen… 

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