Archiv für den Tag 09/02/2009

Tee, Teewasser

Das Thema mit dem Wasser ist stets die Herzensangelgenheit für Teeliebhaber. Nicht nur für Teeliebhaber, sondern auch für Kaffee-Liebhaber.

Obwohl ich als Teefrau verstanden werde, bekenne ich persönlich zum Kaffeeliebhaber. Meine Kaffee-Maschine futtere ich gerne mit dem Wasser aus Umkehr-Osmose. Der Kaffee wird dadurch sanfter, runder und lieblicher. Das Interessante an einer Kaffeemaschine ist, dass nicht alle Kaffeesorten durch Knopfdruck gleich gut zum Ausdruck kommen. Gewisse Kaffeebohne liebt meine Maschine, gewisse nicht – als ob sie selbst eine Seele verfügen würde.

Für Kaffee erlaube ich mir selbst die Spielerei, aber für meinen Tee habe ich wenig Toleranz. Ich nehme immer nur Leitungswasser. Gewiss habe ich bis jetzt Glück mit der Wasserversorgung meiner Wohnorten. Zürich und Konstanz haben gutes Wasser, obwohl ich überzeugt bin, das Limat die Wasserqualität der Stadt Zürich trennt! Wo ich mich befinde, gibt es schlechtest Wasser! Trotzdem möchte ich das „schlechte“ Wasser nehmen, weil es mir hilft, anderen Teetrinker zu verstehen, wie der Tee bei ihm zu Hause schmecken kann.

Oolong mit dem energetisierten Wasser aus Umkehr Osmose oder Bestwater zuzubereiten ist meine Meinung nach zu Schade! Der Dongding 1981 schmeckte im Bestwater wie kastriert oder wie die alte chinesische Dame, dessen Füssen gebunden waren. Dieser Tee in diesem Wasser hat keine Lebendigkeit! Weiß Du, Lebendigkeit braucht einen gewissen Abgrund und einen spielerischen (verbrecherische) Geist. Das Leben immer in geordneter Bahn zu führen, macht eine Seele zu einem langweiligen Geist. Das Bestwater ist zu rein, für einen gelagerten erfahrenen Oolong!

Mit Carola und Edith besuchte ich Rapperwil, als die Sonne über Zürichsee schien. Einen offenen Teegeist, der ein gut sortiertes Teeschäft mitten in der Altstadt führt, lernten wir kennen. Er gab mir zwei Gläser von Wasser und ich sollte es herausfinden, welcher mit Grander Methode behandelt wurde. Er kannte mich nicht. Ich schmeckte den Unterschied zwischen zwei Gläser ohne Mühe. Trotzdem fragte ich mich, ob das belebte Wasser tatsächlich für Oolong besser wäre… Besser ist eine Kategorie, die nicht umstritten ist.

Von Till erfuhr ich etwas wertvolles über seine Erfahrungen mit Wasser. Wir haben ähnliche Meinung, dass Oolong nicht besonders weiches Wasser verträgt:

 Über Weihenachten hatte ich Gelegenheit die Tees aus der ersten Sendung
bei meinen Eltern in Solingen im Bergischen Land (in der Nähe von Köln)
auszuprobieren. Für Solingen wird das Trinkwasser in großen
Waldgebieten an der Oberfläche gesammelt und in einer Talsperre
geleitet. Das so gewonnene Wasser ist extrem weich und von exzellenter
Qualtität. Und auch die meisten damit zubereiteten Tees, insbesondere
der Shuixiang, … wunderbar!

Wie entäuscht war ich dann wieder hier in München. Das Trinkwasser hier
ist zwar ohne Zweifel auch sehr gut, aber extrem hart und für Tee so
ziemlich ungeeignet. Ohne Wasserfilter gelingt in München kaum ein Tee.
Und im Laufe der Zeit habe ich mir folgenden Umgang mit dem Wasserfilter
angewöhnt. Bevor ich einen neuen Filter benutze lasse ich zunächst eine
halbe Stunde lang Wasser durch den Filter laufen, denn mit sehr hartem
Wasser und einem neuen Filter würde das Wasser leicht sauer schmecken
und wäre für die Teezubereitung völlig ungeeignet. Danach hat der Filter
eine Lebensdauer von zwei Wochen. In der ersten Woche ist das Wasser
recht weich und japanische Grüntees gelingen recht gut mit diesem
Wasser. Zwischen der ersten und der zweiten Woche bereite ich gerne
leichte Schwarztees (z.B. Darjeeling). In der zweiten Woche, wenn das
Wasser aus dem Filter wieder etwas härter ist, benutze ich es für
Oolongtees. Die brauchen in der Regel ein etwas härteres Wasser (der
Shuixiang ist da aber eine Außnahme, der braucht’s recht weich).

Für Oolongs ist die Wasserhärte wie ein Rahmen. Ist der Rahmen zu eng
(das Wasser zu hart) wird der Teegeschmack eingeengt und kann sich nicht
recht entfalten. Der Tee schmeckt wie unter einem Deckel. Ist der Rahmen
dagegen zu weit (das Wasser zu weich) bekommt der Geschmack nicht die
rechte Form und verflüchtigt sich so zusagen „im freien Raum“. Nur das
rechte Maß des Rahmens bringt den Teegeschmack richtig zur Geltung.

Aber all diese Mühe kommt nicht an ein wirklich gutes Wasser (wie in
Solingen) heran, auch wenn es möglicherweise nicht die „rechte Härte“
hat. Und so werde ich den Shuixiang verwahren, bis ich zu Ostern wieder
meine Eltern besuchen kann.

Schon in den ganz alten Tee-Texten wie z.B. Lu Yu’s Cha Ching wird sehr
großer Wert auf die richtige Wasserqualität gelegt. Es wird genau
beschrieben wie und wo man das beste Wasser bekommt. Und es ranken sich
viele Legenden um das beste Teewasser. Aber ich habe bis heute keine
Beschreibung gefunden, was genau ein wirklich gutes Wasser ausmacht und
wie man in unserer modernen Welt ein wirklich gutes Wasser bekommt. Die
Wasserhärte ist sicher ein wichtiger Faktor aber eben so sicher ist sie
nicht das einzige Qualitätsmerkmal für gutes Teewasser.

(……)

Jetzt ist diese Mail doch etwas länger geraten, als gedacht. Ich habe
Dich hoffentlich nicht zu lange von Deiner Arbeit am Teehaus abgehalten.
  Ich wünsche Dir viel Erfolg und Freude mit dem Teehaus. Ganz sicher
werde ich Dich dort besuchen kommen.

Ich freue mich jetzt schon, das Teehaus zum Treffpunkt aller Teeliebhaber zu entwickeln. Der Name dieses Teehaus steht nun fast fest. Es sollte Shui Tang heissen.

Shui Tang, der Ort des schönen Wassers!