Der Herzen weich klopfende Tee

Ich liebe Duftrosen und Päonie. Es sind fast die einzigen Blumen, die ich mir selbst kaufe und vor meinem Computer hinstelle. Ansonsten überleben nur grüne Pflanzen bei mir. Als die Orchidee am Fenster wunderschön blühte, nachdem ich aus meiner letzten Reise zurückkam, war ich sprachlos. Es ging ihr wohl besser ohne mich. Eigentlich war Orchideen mein Spiegelbild, er will keine besondere Pflege und will nur „richtig“ behandelt werden: keine direkte Sonne, ab und zu Wasser und einen ruhigen Ort. Sie blühte und blüht. Ich bewundere diese Pflanzen und verstehe, warum Chinesen ihn verehren. Unabhängig, aufrichtig und zufrieden in seiner Einsamkeit, allein am Fenster.

Viele Beschreibungen von Tee werden mit Orchideen assoziiert. Orchideen strahlen ebenfalls einen besonderen Impuls aus, ich will ihn nicht als Geheimnis bezeichnen – denn es ist nicht esotherisch, aber exotisch. Es ist etwas, dass man sich angezogen fühlt und hinter dieser Erscheinung nachforschen möchte. Dieser Charakter entspricht dem Wesen des Tees.

Anfangs Juni fallen Blüte von meinem prächtigen Orchideen. Aus irgendeinem Grund, wegen der Hitze, wegen mir(?) fallen alle Blüten alles auf einmal. Sie lagen traurig auf dem Schreibtisch, verwelkt, vereinzelt und tot. Ich roch diese Blüten, ihr Duft war noch präsent, süß, marzipanartig und konzentriert. Schlagartig erinnerte dieses Moment mich an Da Hongpao – Felsenknochen und Orchideenduft. Knochen ist das, was wohl zum Schluss in unserem Asche noch übrig bleibt. Was hinterlässt denn ein verwelkter Blume in dieser Welt, wenn nicht sein letzter leiser Seufzer des Duftes? Konzentriert und süß.

Romeo erzählte mir in Berlin, wie sehr er den Da Hongpao schätzte. Ein Tee, um Herzen weich zu klopfen, meinte er. In vielen schönen Begegnung teilte er diesen Tee mit interessanten Menschen und er merkte, wie sie offener und herzlicher werden. Gäbe es tatsächlich so einen Tee, der Herzen weich klopfte? Es ist wohl der Duft der Orchidee und die Aufrichtigkeit der Felsenknochen. Oder, man realisiert plötzlich im Hier und Jetzt, jede Begegnung ist an sich einmalig. Diese Einmaligkeit ist nicht zeitlich oder räumlich zu verstehen. Im Taoismus und Buddhismus wird es als ein Ideal betrachtet, dass Menschen sich ohne Vergangenheit und Zukunft begegnen. In der Gegenwart teilen wir die begrenzten Zeit und Raum ohne zu wissen, wie das Leben uns wohin führt. Der Gegenwart zählt. Nur der Gegenwart wird oft erst realisiert, wenn er schon längst zur Vergangenheit wurde. Und die Erinnerung ist, ähnlich wie das letzte leise Flüstern der Blume, süß und konzentriert.

Christine in Berlin schloss ihr Auge, als wir zusammen den Da Hongpao tranken. Unbeschreibbare Gefühle und Bilder wurden wach gerufen. Ich liebe diesen Tee, weil er tatsächlich fremd ist, tatsächlich vielschichtig ist und mich einfach ganz gefangen nahm. Ein Impuls, aufrichtig zum Leben und zu Gefühle zu stehen, strömte durch den Körper und der Gegenwart wurde klar.

Die Orchidee verlässt mich nicht. Sie blüht nun wieder prächtig. Vielleicht um mich in dieser Phase begleiten, oder er blüht einfach so, ohn Willen.

Ein Gedanke zu „Der Herzen weich klopfende Tee

  1. romeo

    hallo menglin,
    Ich liebe das bild von romeo und dem da hong pao,die herzen weichklopfen. das wäre doch eine ziemlich uncharmante art herzen zu erobern. also an alle da drausse, bitte habt keinen falschen eindruck da draussen.
    gruss romeo

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