Archiv für den Monat Mai 2008

Löwe – Päonie 牡丹狮子

Päonie, ein König der Blume in der chinesischen und japanischen Kultur. Päonie sollte der Löwe eingeweiht sein.

Päonie blühen, wenn es so weit ist – im Mai. Gerne nahm ich die Einladung von Päonie Hanami an. Eine Tasse Tee, dazu wunderbare Madeleine von Confiserie Baumbaum (die beste neben Honold in Zürich würde ich behaupten) neben dem blühenden Blütemeer der Päonie. Selbstverständlich sollte ich die neueste Errungenschaft Hannes noch bewundern, die erste und eine nummerierte Anlage von Accuphase in der Schweiz!

In der Legende aus Tang-Zeit 唐 (680-970) sollte es eine im Wind irrende Löweseele geben, die sich unsterblich an der Klang eines Mädchens beim Löwentanz verliebte. Löwe gab es in altem China nicht. Der König des Tiers sollte über die Fremden aus Kleinasien nach China gebracht werden – ebenfalls das Löwetanz und die meisten musikalischen Instrumenten Chinas. Die fremden Musiker kamen von der windigen Wüste, überschritten über die Grenze und starben in dem fremden Palast eines fremden Landes. Dessen Träumen sollten sich an einem Ort versammeln, nachdem die heimatlosen Seele diese Welt verließen und ihre Sehnsüchte nach dem Heimat heimatlos wurden. Dieser Ort ist ein Ort außerhalb Heimat und Gegenwart, ein Friedhof der Träume. Der mitgekommene Löwe, der aus seiner Heimat abgerissene König bleibe in unserer fassbaren Welt als eine gekränkte Seele, die sich von Fressen der anderen Seele nähre. Dieser herumirrende Löwe suche in dieser Welt stets nach der Begegnung des heimatlichen Klangs, der ihn einst so verführte und Ruhe schenkte. Wenn man ihn zwischen dem Traum und der Gegenwart sichten würde, sei er in der Legende, wie eine blühende Päonie in dunklen rot und purpur mit goldener Flamme in der Mitte der Blüte.

Mudanshizi

Die Abbildung von Löwe und Päonie findet man überall in Keramik, Tempel und Textilien, die man in der Chanoyu (der japanische Teeweg) häufig verwendet. Diese Abbildung sollte die Majestät des Inhabers signalisieren – durch die Vereinigung der Könige: Blumereich und Tierreich.

Arita PäonieEin Beispiel dieser majestätischen Kombination von Arita-Porzellan (alte Imari)伊万里

Päonie blühen nur vier Tage. Das Hanami (Blumenfest) gleicht ein Luxus. Auf dem schmalen Gartenpfad stehen blühende und verblühte Schönheiten nebeneinander. Eine Blüte welkt ohne dass wir den Wandel ihrer Farbe bemerken… „Und das ist die Herzens der Menschen dieser Welt!“ sang eine Dichterin aus dem 9. Jahrhundert. Ich spürte die Lebenshunger und Freude der Blumen. Eine Spur der Trauer merkte ich nicht. Alle tun ihr Beste, das Beste den anderen zu geben. Nach dem Vergangen der Blüte fängt wieder ein neues Zyklus an – ohne die menschliche Wille.

Wir haben einen Garten in uns, dessen Tor verschlossen oder zugänlich bleibt, bewußt oder unbewußt wahrgenommen werden könnte. In meiner Kindheit hatten wir mehrere Gärten im Haus. Meine Großmutter pflegte nur Orchideen in ihrem Hof. Die Kinder spielten im hintersten Hof, wo nicht gepflegt wurde. Heimlich und unheimlich zugleich. Heimlich fühlten wir, wenn die Erwachsene in ihrer Verstrickung verhackt waren; unheimlich fühlte ich mich, wenn ich zu viel Geistgeschichte von Cousins mitbekam. Wir duften dort austoben und Kräutersud herstellen, weil der Garten niemanden relevant war. Der Garten war der Spiegel der Seelen in diesem großen Haus – im Verfall und vergänglich. Ich kann mit Haus und Garten nichts anfangen, vielleicht deswegen.

Meine Familie lebt immer noch auf demselben Grundstück wie meine Vorfahren, während ich mich im Europa herum irre. Das Grundstück sollte ein Drachenhöhle sein – laut ein Fengshui Meister. Ich denke, dass mein Vater der letzte Drache ist. 

Päonie

Das Haus auf dem Zürichberg pflegt ihren Garten liebvoll. Zufrieden und stolz. Eine frische Tasse Dianhong 滇红 wurde in einer schönen alten Kanne serviert. Auch ohne den Tee versetzte die Madeleine von Baumann uns in eine andere Wirklichkeit. So eine Madeleine – aus Mandelbiscuit, köstlich! Hannes war sehr glücklich, dass seine Auswahl mich beglückte. Zweifellos. Zweifellos fesselnd war auch die Klänge von Accuphase – so fesselnd wie einst beim Löwentanz.

„Jetzt muss es einfach regnen.“ sagte Maya, sie dachte an ihren Garten. Noch einen Blick auf die Päonie werfen, dessen Heimat in fernem Osten liegt und hier ihre Wurzel eingeschlagen haben. Noch einen Blick oder ein Seufz für die vergängliche Schönheit, die mich an ihre Legende erinnerte. (Danke für Hannes Fotos von seinem exklusiven Fotoapparat!)

„Wohin Du schaust,

Die purpurroten Blätter

Sie verstreuen sich –

Eins ums andere,

 Hin und her.“

Gedicht von Ryokan an Totenbett

Lishan 2007 梨山碳培 – Duft der Holzkohle

Stephan rief mich morgens an und fragte, ob ich mich gerade von Pfingsten erholen musste. Erholen von Feiertagen? Nein, ich arbeitete über die Feiertage. Freizeit? Ich habe keine Freizeit. Ich mache das gerne, was ich mache. Eigentlich habe ich nur Freizeit.

Das Leben meines Lehrers in Taipei bestehe nur aus Freizeit, behauptete seine Frau auf der gemeinsamen Reise nach Mingjian. Ich war nicht sicher, ob sie sich über ihn beklagte.

Auf der Reise hatten wir einen wunderschönen Tee, der mir unbekannt war und deswegen noch spannender schmeckte. Sein Name wurde nicht verraten. Ich weiß immer mehr, dass es viele versteckte Geheimnisse des Tees in diesem Menschen gibt. Er erzählte es nicht und ich musste es auch nicht ansprechen. Ich sagte ihn, „Oh, ich schmeckte Honig, Blumenwiese und Hochlandsluft! Aber die Holznote ist so dominant, war es ein Fehler!“ „Nein, nein. Das ist Holzkohle-Geschmack!“ er schmunzelte. „Eigentlich ist er mein privater Tee! Unverkäuflich!“ Selten findet man solch Material aus Lishan – Qingxin Oolong von Insekten befallen! Das ganze wurde noch an einem sonnigen Tag gepfückt und verarbeitet! „Solche Dinge darf man im Leben nicht verpassen.“ sagte er am Steuer, „Irgendwann muss Du so weit sein, wenn Du einen Tee trifft, weiss Du, was aus ihm werden kann. Dann behandelst Du ihn entsprechend.“ Er behandelt ihn entsprechend dirket über glühende Holzkohle über 120 Grade! Er bat mir, ihn aufzubewahren, seine Reife zu erleben.

„Mein Mann hat nur Freizeit,“ erzählte seine Frau mir, „er ist ansonsten so lahm. Nur wenn er mit Tee und Photographieren zu tun hat, ist er wieder ein Mensch.“ Er brauche keine Freizeit, weil er immer frei sei. Sein Ruhm und Bekanntheit bringe ihr nichts, weil er diese Welt spielend durchquere. Sie verdient ihr Geld, zog den Sohn auf und sah zu, wie er in der Teewelt sich frei spielend bewegt, wie ein Narr.

Ich hörte plötzlich den Ryokan (ein japanischer Dichter) leise singend:

„Spielend, ja spielend,

Durchquere ich diese fließende Welt…

Ist es da nicht gut, die bösen Träume anderer Menschen zu zerstreuen?“

Er und ich hörten ihr zu und schwiegen. Den Tee wurde immer wieder serviert – von ihr. Sie interessiert sich nicht für die Namen des Tees, nur für diesen Tee, den er für sie macht. „Einen guten Tee.“ sagte sie. Süss wie honig, elegant wie die Höhe des Berges und holzig wie der Duft des feuchten Tannenwalds. Diese Kombination ist einzigartig. Ich hätte nie gedacht, so etwas zu begegnen.

Als ich zum ersten Mal seine Frau sah, konnte ich nicht fassen, wieso eine so schöne Stadtdame mit einem „Bauersohn“ verheiratet sein kann! Diese Kombination war mir geheimnisvoll. „Er dachte, dass ich in ihn verliebt sei, weil ich ihm gegenüber immer sehr freundlich war – dabei war es meine Erziehung.“ Als sie zum ersten Mal mit seiner Schwester Mingjian besuchte, war sie verliebt in diesem Ort, sagte sie. Er war ein guter Fremdenführer. „Ich sehe ihn so gerne hier. In Taipei bleibt er wegen mir und unserem Kind. Aber er ist hier sich selbst.“ Sie lächelte wieder und zeigte mir das alte Haus, wo sie ihre Hochzeit verbrachten. Ein typisches Formosa-Haus, wie das von meiner Großmutter auf dem Pamelo-Garten aus roten Backstein und roten Ziegel. Die Sonne schien.

Das alte Haus in Mingjian

Während wir in Mingjian unterwegs waren und beschäftigt hin und her rannten, sass sie geduldig im Wohnzimmer von Aming und wartete. „Langweilst Du Dich nicht?“ fragte ich mit einem schlechten Gewissen. „Nein, ich bin glücklich.“ das erzählte eine wartende Frau? Sie wartete, weil er das tat, was er gerne machte. Sie strahlte Ruhe und Zufriedenheit aus bei einem Tassen von Insekten befallenden Lishan 2007, der auf Holzkohle behandelt war. Ein Tee, eigentlich schwer zu verstehen ist. Süss, elegant aber holzig. Nach Karamel, nach Blüte, nach Kardamon und nach Waldholderbeeren (die leichte anfängliche Duftnote von Waldholder) oder nach Muskat. Zugänglich und abweisend zugleich. Wer will schon so eine komische Kombination probieren, wenn man einen richtigen Hochlandsoolong Lishan hat? Ich verstand ihn nicht wirklich, wollte unbedingt welchen mitnehmen. Weil ich dachte, dass ich auf ihn warten kann und ihn auch verstehen könnte. Vielleicht erst in paar Jahren.

Als Jörg aus Frankfurt kam, als Jürg und Carola zum Essen waren, als Romeo vor seiner Abreise mich besuchte, waren sie alle entzückt von dieser Kombination. Eigentlich habe ich nur für mich gekauft um auf ihn zu warten und für die Besucher aus der Ferne aufgegossen ohne ein Gedanke zu haben. Sie wollten unbedingt ein bisschen von ihm. Ein bisschen von meinem seltsamen Lehrer, der spielend in dieser Welt mit Tee durchquert. Oder ein bisschen von dieser liebvolle sonderbaren Kombination…

Nachtrag: dieser Tee hat vier „Extreme (Raritäten)“: die höchte Lage des Teeanbaus auf Formosa – 2600 M.ü.M.; von Fruchtfliege befallenen Blätter, die sonst aussortiert werden. Denn es erschwert die Herstellung, diese Art von Blätter zu verarbeiten; einen sonnigen Tag im Hochlandgebirge im Oktober 2007; Übers Holzkohle geröstet von einem von den „besten“ Tee-Önologen auf Formosa.

Teeschüler

Als sie mir schrieb, dass sie ein Teeschüler werden möchte, war ich richtig überrascht. Ich bin weder Lehrer noch Meister. Eigentlich bin ich nur ein einfacher Tee-Verkäufer. Ich schrieb Ihr, dass ich hier bin und ihr eigentlich nichts zeigen könnte. Als sie die Distanz zwischen Nordsee und Zürichsee überwand, war ich richtig beeindruckt. Der Nordwind trieb sie an diesen Platz zwischen den Bergen. Wozu?

Sie meinte, die Langsamkeit des Lebens im Tee entdeckt zu haben. Sie möchte, sich in die Langsamkeit zu vertiefen. Vielleicht gibt es wirklich einen geheimen Garten in uns, einen ruhenden Punkt, wo üppige Blumen durch unsere Pflege wachsen können und von dort aus die stets bewegende Welt betrachten zu können. Tee ist weder Oase noch Tresor, er ist nur aus Blätter von einer fremden Pflanzen, an welche wir glauben, uns ein Gefühl vom diesen verborgenen Ort wieder vermitteln zu können.

Das Pendeln zwischen Hamburg und Zürich tut sie wegen einem ganz tollen Mann. Das Lernen über Tee tut sie für sich selbst. Ich nickte und verstand es sehr wohl. Ihr schenkte ich einen Sijichun ein, dessen Duft uns beide sofort in die Welt der Alice verschlug. Einen leicht zugänglichen Tee, meinte ich. Dann ein Gangkou Cha 2002 – ein Tee, der schwieriger zu verstehen ist. Die Vielschichtigkeit dieses Tees erschrak sie nicht. Sie mochte ihn. Leicht salzig, leicht sauer und fruchtig. Das Süße am Abgang gibt einen vieles nachzudenken. Ihre Augen waren verschlossen und sie war bereits von der Welle des Tee übers Ozean getrieben. Palmen, Sonne und der Ruf des Meeres auf Formosa.

Was war denn mit meiner Suche? Über den Brief von Detlef kam ich zu Nojiri Sensei (Lehrer afu Japanisch). Es war nicht schwer. Ein Flug nach Brüssel hat den Anfang geebnet, nur das Ertragen von dem ständigen mühsamem Knien und von dem schonungslosen Tadeln des Senseis waren die eigentliche Herausforderung. Ich weiß eigentlich immer, wo ich die Sensei finden kann und weiß, dass ein Stück meines Gartens wieder sichtbar wird – durch sie.

Der Weg, zu meinem Lehrer, der mir die Sprache des Tee unterrichtet, war kurvenreicher. Ihn zu suchen passierte ich an vielen Höhlen von Scharlatanen vorbei. Die so genannten Meister, die mir die Freiheit wegnahmen, mich für welchen Weg selbst zu entscheiden. Die so genannten Weisen, die sich um Schüler werben und seinen Geschmack für den einzig wahren werben und autorisieren. Als es endlich so weit kam, bin ich ihm begegnet. Mir goss er eine Reihe Tees auf und fragte mich, was ich wahrnahm. Ich gab ihm meine Antwort und er schmiss den Löffel auf den Tisch: „Bei wem hast Du es gelernt?“ „Nein, nur Bücher gelesen.“ Dann nickte er seinen Kopf, „Gut, Du hast Sense, ich kann Dir es beibringen.“ Er wollte allerdings nicht, dass ich Leute aus Ausland zu ihm mitnehme, weil es ihn Komplikation schaffe. Ich hätte gerne bei ihm gelebt wie die frühere Zeit, einem Meister zu folgen und die Welt zu erforschen. Anfang letzer Woche trafen viele wunderbare Phönix Muster ein. Als unlösbare Fragen in mir aufstiegen, spürte ich, wie sehr ich seine Hand vermisste. Vor zwei Stunde erzählte ich ihm, wie sehr er mir doch fehlt. Er lachte auf der anderen Seite der Telefonleitung„ Du muss Dich doch endlich richtig entwickeln, meisterhaft zu werden!“ „Du muss mich in der Zukunft noch mehr tadeln.“ „ Wie könnte ich Dich denn nur tadeln?“ seufzte er.

Das Tadeln vom Lehrer wird im hiesigen kulturellen Kontext oft missverstanden – natürlich gibt es unterschiedliche Art von Tadeln, viele sind einfach nur aus Emotion, die eine andere erzeugt. Wer will schon getadelt werden und andere Menschen tadeln, von denen man dadurch eine negative Projektion bekommt? Ich spüre hinter dem Tadeln meiner Lehrer oft eine Art von wahrer Liebe, die eigentlich nur die Entwicklung des anderen wünscht. Ich schaffe so etwas nicht und bleibe lieber als Teeschüler und als ein einfacher Tee-Verkäufer. Wer will schon Verantwortung für einen fremden Menschen übernehmen, der besser weiß, was er will?

Die Zeit rann davon. Ihr gab ich paar Bücher. Eine Rückgabe war mir nicht wichtig. Auch ein Gangkou Cha sollte ihr begleiten auf den Weg zwischen Nordsee und Zürichsee.

Wie muss ein Gyokuro schmecken?

Oft wird es beschwert, dass der japanische grüne Tee fischig und spinatartig schmeckt. Im meinen Seminar giesse ich gerne zwei Gyokuro auf, die Teilnehmer zeigen sollen, wie ich unter einen guten Gyokuro verstehe. Dann wurde ich mehrmals konfrontiert, dass „mein“ Gyokuro eigentlich nicht nach der gewöhnlichen Vorstellung des Gyokuro schmeckt, sondern das andere „schlechte“ Beispiel.

Ein Gyokuro, der nach dem Aufguss bald trüb wird, ist ein fehlerhaft hergestellter grüner Tee. Wenn das Erhitzen problemlos und ausreichend verläuft, darf er gar nicht trüb werden. Er wird trüb erst nach minutenlangen ziehen. Ein Gyokuro, der fischig schmeckt, ist zu stark gedünnt. Er schmeckt nur nach Dünnmittel, anstatt nach dem Teepflanzen!

Um diese Frage aufzuklären reiste ich in die Innenschweiz. Dort gab es Degustationen und Diskussionen, was ein Gyokuro sein sollte. Nach der intensiven Gyokuro-Auseinandersetzung konnte ich in dieser Nacht nicht schlafen und bekam sofort eine richtige Migräne… Ach, wie gesund ist der Tee? Wie gesund leben die Teataster? (Natürlich sollte man bei der Degustation den Tee nicht schlucken…)

Mehrere Proben von besten Beispiele wurden degustiert. Welche von konventionellen Anbau, welche von Nakai Organic Teegarten. Obwohl sie alle Gyokuro heissen, zeigten sie uns unterschiedliche Richtungen des Teeverständnis des Teemakers. Viele schmeckten eindeutig fischig und waren sofort trüb nach dem Aufguss. Einen grünen Tee, der einfach nach dem Frühlingsblatt schmeckt, war in meisten Tassen nicht zu finden. „Fisch-Assoziation“ war sehr präsent. Muss es sein? Nein. Ein guter Gyokuro schmeckt nach feinem Nori (gerösteter Algenblatt), aber nicht nach Fisch-Gestank. Ich verstehe den japanischen Tee nicht besonders gut. Mein Zugang kommt vom Oolong aus. Wenn alle Prozesse richtig passieren, ist der Aufguss klar und die Farbe leuchtet. Der Geschmack ist sauber und beflügelnd, anstatt schwer und undifferenziert. Es ist beim Kaffee so, ist beim Wein so und ist beim Gyokuro wohl ausnahmelos so.

Persönlich bin ich kein begeisterter BIO-TEEFAN. Bio-Siegel spielt bei mir keine Rolle, der Tee muss für sich stimmen. Oft erlebe ich, wenn ein so gennanter Bio-Tee in guter Hande produziert wird, könnte ein wirklich lebendiger und hervorragender sein, als ein Tee aus konventionellem Anbau. Die Tees aus Nakai Teegarten sind solche Exemplare. Das Süsse des Gyokuros, das elegante Frische des Frühlingsblatt und das erhebende Gefühl nach dem Genuss begeisterten Anwesenden Tee-Profis. Natürlich gefiel mir der Tenka-Ichi aus Bern besonders gut! Sanft, elegant, süss, salzig und ein nachhaltiges fesselndes Bleiben im Mund. Ein ausgezeichneter Mainstream-Gyokuro – ein Gyokuro, den jeder nie übersieht. Für mich war er ein wirkliches Meisterwerk in seiner Kategorie. Der Preis: 50g für 70 Sfr!

Wahrscheinlich existert überall das gleiche Problem: der Mainstream-Geschmack und der Geschmack eines individuellen Teemakers. Warum sollte man keinen Gyokuro produzieren, den jeder sofort erkennt und kauft? Warum will man einen Gyokuro produzieren, der anders und nur nach duftendem Frühlingsblatt süss und frisch schmeckt? Das ist wohl nicht nur ein individueller Stil, sondern eine Lebensentscheidung eines Handwerkers.

Heilen mit Tee, ein Buch

Buch Heilen mit chi. Tee

Als ich in letzter Woche das Buch zur Hand bekam, war ich richtig stutzig!

Einerseits finde ich super, das Buch wieder publiziert zu sehen; andererseits erschrak mich diese Abbildung auf der Titelseite richtig!!

Was für ein Verständnis hat der Verleger, Disigner und Autor von Teetrinker?

Zum Glück bin ich nicht mehr an der Uni und Semiotik ist nicht mehr meine Spzialität. Was hätte Roland Barthes dazu sagen wollen? Wieder ein Mythos im Alltag!

Zuerst war ich sutzig und dann nur Schmerzen spüre ich. Teetrinker gehören zur gewissen Exoten in Deutschland. Entweder wird Tee als geheimnisvoll vermarktet oder als Wellness-Werkzeug. Der Teetrinker werden häufig als Austseiger oder als Esoteriker abgebildet – wie hier. Leider kenne ich selten solche Typen und ich selbst bin ganz bodenständig.

Warum sind wir als Teetrinker über solche „Unterstellung“ und „Kategorisierung“ nicht wütend?

Das Buch finde ich trotzdem lesenswert. Der inzwischen verstorbene QiGong Meister Wu Runjin vermittelt uns ein interessantes Aspekt zum Tee, anders als nur Wellness- und Vitaminen-Verständnis.

Heilen mit Tee

Wu Runjin und Dr. Erika Alice Haase

Windpferd Verlag

Neu erschienen im März 2008, 14,9 €

Ein sehr guter Frühlingstee

Liebe Meng-Lin Chou,

…..

Mir brennen zwei Fragen auf den Lippen, die ich selbst nicht so recht beantworten kann. Ich bin mir sicher, Sie können mir bestimmt helfen. Sie schreiben, im Frühling ist es sinnvoll Blütentee, wie Jasmin und Osmanthus Oolong zu trinken, um das Yin, also die Kälte vom Winter rauszulassen und das Yang zu stärken.

Was verstehe ich genau unter Jasmintee und Osmanthus Oolong?

Oft wird als Jasmintee grüner Tee verkauft, welcher Jasminblüten für den Aromatisierungsprozess gesehen hat, aber keine Jasminblüten mehr aufweist. Versteht man daher richtigen Jasmintee nur als reinen Blütentee?

Wie ist das mit Osmanthus Oolong? Was ist der Unterschied zwischen einem Osmanthus Oolong und einem „normalen“ Oolong, der für den Herbst empfohlen wird?

….

Welche Tee sind noch sehr gute Frühlingstees?

Viele liebe Grüße aus London.

J.

Spätesten ab der Ming-Dynastie (1368-1644) wurde die Herstellung und das Mischen zwischen Blüten und Tee (Camelia Sinesiss) dokumentiert. Tee nimmt gerne fremden Geruch an und der fremde blumige Geruch verleiht den Tee eine andere interessante Nuance. Energetisch wird es häufig in der chinesischen Medizin erklärt, dass Blumentee oft anti-depressive, beruhigend und harmonisierend wirkt. Natürlich wirken jede Sorte anders:

Jasminblüte: 

Geschmack: scharf, wärmend, lieblich und leicht bitter – chinesische Medizin spricht immer zuerst über den Geschmack des Kräuters und dann aus diesem Standpunkt seine Wirkung. Geschmäcke wirken heilend. 

Wirkung: Leber-Feuer sedierend (wer häufig Wut-Anfall hat…), Qi-bewegend (emotionale Blockade) und Schmerzlindern, Schlaffördernd and Gemüt-ausgleichend. – den Tee könnten alle gebrauchen.

Osmanthusblüte

Geschmack: lieblich, wärmend, leicht scharf.

Wirkung: wärmend und schleimlösend. Die Wirkung zieht gezielt auf Lunge Bereich – im Herbst besonders günstig. Im trockenen Klima wirkt ein Tee mit Osmanthusblüte befeuchtend im Atemweg.

Natürlich könnte man einen reinen Aufguss nur mit Blüten machen – das wird ja im Europa bereits seit Jahrhunderten praktiziert. Eine Mischung zwischen Tee und Blüte sollte außer der eigenen Wirkung der Blüten noch verstärkend wirken. Eine Mischung zwischen grünen Tee und Jasminblüte hat eine harmonisierende Effekt, weil der grüne Tee (Yin) und der Jasminblüte (Yang) ziemlich gut ausgleicht. Es wirkt auf das Gemüt entspannend, aber geistig klärend. Es gibt verschiedene Sorte von grünem Tee. Wichtig dabei ist, dass der Tee richtig hergestellt ist und von einer guten Qualität.

Ein Osmanthus-Oolong ist ein Oolong mit Osmanthusblüte, dessen Produktion eigentlich erst im Herbst erhältlich ist. Aber heute wird dieser Oolong mit Parfüm gemacht – darüber habe ich bereits viel mit meinen Klienten heftig diskutiert. Ein natürlich hergestellter Oolong ist im Westen gar nicht bekannt und lässt sich wohl kaum verkaufen… So ein Osmanthus-Oolong wird gerne in Taiwan im Herbst getrunken. Er befeuchtet die Lunge (wer ist Kettenraucher oder leidet unter Asthma?) und stärkt Milz (Verdauung). Das ist ein schöner Herbsttee. Selbstverständlich ist er nicht der einzige Oolong, der im Herbst zu emfpehlen ist.  

Ein guter Frühlingstee? Im Moment bin ich verliebt in Anji Baipian. Alle Besucher von mir werden mit Anji Baipian bombadiert. Ob sie alle diesen Tee so gerne haben, weiss ich nicht so genau. Aber seine leicht Neroli und Zitrus-Duft und seinen feinen geschmeidigen Aufguss vertreibt meine Frühlingsmüdigkeit. Diesen Tee trinke ich gerne nachmittags. Morgen starte ich wie gewöhnt mit meinem Dianhong oder Hongyu (Schwarztee – wärmend und aufbauernd). Das Frühlingsgefühl lerne ich erst hier im Europa kenne, auch das wechselhafte am Wetter und an Gemüt. In einem Sub-Tropischen Insel ist der Frühling selten aufzuspüren.

Der eiskalte Oriental Beauty – Tee im heissen Tag II

Im Sommer 1904 erlebte man auf dem Expo in St. Louis die unerträgliche Hitze einnes Rekordsommer. Der Teestand, dessen Aufgabe Amerikaner vom Grüntee zum Schwarztee verführen sollte, konnte kaum Publikum zum heissen Schwarztee überzeugen. Richard Blechynden musste dringend eine Idee finden, um seine Mission zu retten. Er schüttelte Eis in den heissen Tee, der sekundeschnell gekühlt wurde und sofort rege Zulauf fand. Das war der Anfang des Eistee.

1980 war der Verbrauch vom Eistee mind. dreifach höher als der heisse Tee. Lu Yu hätte wohl nie gedacht, als er Cha Jing schrieb. Er hätte nie gedacht, dass man aus dem heissen Zaubertrank zum kalten Durstlöscher revolutionieren würde. Er hätte nie gedacht, dass diese Verwandlung ein riesen Bussiness versprechen könnte!

Für einen Fossil-Chinese ist der Genuss mit eiskalten Dingen immer mit Vorsicht geboten. Aber in der modernen Zeit ist der eiskalte Genuss ein Versprechen von Frischen und Fortschritte.

In Taiwan wird Tee im heissen feuchten Sommer auch gerne kalt getrunken. Unser Rezept wäre: 2 Liter Wasser im Zimmertemperatur und 30g Oolongtee mischen. Direkt in den Kühlschrank 6 Stunde ziehen lassen. Die Teeblätter werden danach gefiltert. Der fertige Tee könnte man für 3 Tage im Kühlschrank aufbewahren.

Mein Lehrer in Taipei hat am liebsten den eiskalten Oriental Beauty im unerträglichen Taipei-Sommer. Die honig Note und feine fruchtige Nuance vertreiben die nervigen Hitze und Plage sofort aus dem Kopf. Was bleibt, ist der königliche Genuss wie die einstige Viktoria!

Wenn man gerne das Volkssport im Mitteleuropa treibt, könnte man den Eistee im Eisfach kühlen lassen. Vor der Abreise zum Wandern wickelt man ein Tuch um die Plastik-Flasche. Bei der Wanderung taucht der langsam auf und das inzwischen eiskalte Tuch gleicht den Genuss von Osibori (ein Tuch für Kunde um sich zu erfrischen, meistens eiskalt oder heiss) in einem richtigen japanischen Restaurant!

Natürlich könnte man den königlichen Genuss bis ins Details nachmachen. Zucker im Tee war die Machtdemonstration der einstigen Zeit. Das goldwerte Zucker und der rare Tee aus China präsentierte eine Mischung von dem außerirdischen Genuss und der Sehnsucht nach Paradies. Heute ist jeder der König in eigenem Schloss und der königliche Genuss ist heute richtig volksnah!