Archiv für den Tag 16/05/2008

Hanami-Päonie 牡丹花见

Hanami-Päonie 牡丹花见

Hanami-Päonie auf dem Zürichberg 2008.

Wilde Päonie,

Jetzt auf dem Höhepunkt

Ihrer herrlichen vollen Blüte:

Zu kostbar, sie zu pflücken,

Zu kostbar, sie nicht zu pflücken. — Ryokan

(Wenn es nach mir gehen würde, würde ich die Päonie pflücken und neben meinem Computer hinstellen.)

Löwe – Päonie 牡丹狮子

Päonie, ein König der Blume in der chinesischen und japanischen Kultur. Päonie sollte der Löwe eingeweiht sein.

Päonie blühen, wenn es so weit ist – im Mai. Gerne nahm ich die Einladung von Päonie Hanami an. Eine Tasse Tee, dazu wunderbare Madeleine von Confiserie Baumbaum (die beste neben Honold in Zürich würde ich behaupten) neben dem blühenden Blütemeer der Päonie. Selbstverständlich sollte ich die neueste Errungenschaft Hannes noch bewundern, die erste und eine nummerierte Anlage von Accuphase in der Schweiz!

In der Legende aus Tang-Zeit 唐 (680-970) sollte es eine im Wind irrende Löweseele geben, die sich unsterblich an der Klang eines Mädchens beim Löwentanz verliebte. Löwe gab es in altem China nicht. Der König des Tiers sollte über die Fremden aus Kleinasien nach China gebracht werden – ebenfalls das Löwetanz und die meisten musikalischen Instrumenten Chinas. Die fremden Musiker kamen von der windigen Wüste, überschritten über die Grenze und starben in dem fremden Palast eines fremden Landes. Dessen Träumen sollten sich an einem Ort versammeln, nachdem die heimatlosen Seele diese Welt verließen und ihre Sehnsüchte nach dem Heimat heimatlos wurden. Dieser Ort ist ein Ort außerhalb Heimat und Gegenwart, ein Friedhof der Träume. Der mitgekommene Löwe, der aus seiner Heimat abgerissene König bleibe in unserer fassbaren Welt als eine gekränkte Seele, die sich von Fressen der anderen Seele nähre. Dieser herumirrende Löwe suche in dieser Welt stets nach der Begegnung des heimatlichen Klangs, der ihn einst so verführte und Ruhe schenkte. Wenn man ihn zwischen dem Traum und der Gegenwart sichten würde, sei er in der Legende, wie eine blühende Päonie in dunklen rot und purpur mit goldener Flamme in der Mitte der Blüte.

Mudanshizi

Die Abbildung von Löwe und Päonie findet man überall in Keramik, Tempel und Textilien, die man in der Chanoyu (der japanische Teeweg) häufig verwendet. Diese Abbildung sollte die Majestät des Inhabers signalisieren – durch die Vereinigung der Könige: Blumereich und Tierreich.

Arita PäonieEin Beispiel dieser majestätischen Kombination von Arita-Porzellan (alte Imari)伊万里

Päonie blühen nur vier Tage. Das Hanami (Blumenfest) gleicht ein Luxus. Auf dem schmalen Gartenpfad stehen blühende und verblühte Schönheiten nebeneinander. Eine Blüte welkt ohne dass wir den Wandel ihrer Farbe bemerken… „Und das ist die Herzens der Menschen dieser Welt!“ sang eine Dichterin aus dem 9. Jahrhundert. Ich spürte die Lebenshunger und Freude der Blumen. Eine Spur der Trauer merkte ich nicht. Alle tun ihr Beste, das Beste den anderen zu geben. Nach dem Vergangen der Blüte fängt wieder ein neues Zyklus an – ohne die menschliche Wille.

Wir haben einen Garten in uns, dessen Tor verschlossen oder zugänlich bleibt, bewußt oder unbewußt wahrgenommen werden könnte. In meiner Kindheit hatten wir mehrere Gärten im Haus. Meine Großmutter pflegte nur Orchideen in ihrem Hof. Die Kinder spielten im hintersten Hof, wo nicht gepflegt wurde. Heimlich und unheimlich zugleich. Heimlich fühlten wir, wenn die Erwachsene in ihrer Verstrickung verhackt waren; unheimlich fühlte ich mich, wenn ich zu viel Geistgeschichte von Cousins mitbekam. Wir duften dort austoben und Kräutersud herstellen, weil der Garten niemanden relevant war. Der Garten war der Spiegel der Seelen in diesem großen Haus – im Verfall und vergänglich. Ich kann mit Haus und Garten nichts anfangen, vielleicht deswegen.

Meine Familie lebt immer noch auf demselben Grundstück wie meine Vorfahren, während ich mich im Europa herum irre. Das Grundstück sollte ein Drachenhöhle sein – laut ein Fengshui Meister. Ich denke, dass mein Vater der letzte Drache ist. 

Päonie

Das Haus auf dem Zürichberg pflegt ihren Garten liebvoll. Zufrieden und stolz. Eine frische Tasse Dianhong 滇红 wurde in einer schönen alten Kanne serviert. Auch ohne den Tee versetzte die Madeleine von Baumann uns in eine andere Wirklichkeit. So eine Madeleine – aus Mandelbiscuit, köstlich! Hannes war sehr glücklich, dass seine Auswahl mich beglückte. Zweifellos. Zweifellos fesselnd war auch die Klänge von Accuphase – so fesselnd wie einst beim Löwentanz.

„Jetzt muss es einfach regnen.“ sagte Maya, sie dachte an ihren Garten. Noch einen Blick auf die Päonie werfen, dessen Heimat in fernem Osten liegt und hier ihre Wurzel eingeschlagen haben. Noch einen Blick oder ein Seufz für die vergängliche Schönheit, die mich an ihre Legende erinnerte. (Danke für Hannes Fotos von seinem exklusiven Fotoapparat!)

„Wohin Du schaust,

Die purpurroten Blätter

Sie verstreuen sich –

Eins ums andere,

 Hin und her.“

Gedicht von Ryokan an Totenbett