Archiv für den Tag 02/05/2008

Der eiskalte Oriental Beauty – Tee im heissen Tag II

Im Sommer 1904 erlebte man auf dem Expo in St. Louis die unerträgliche Hitze einnes Rekordsommer. Der Teestand, dessen Aufgabe Amerikaner vom Grüntee zum Schwarztee verführen sollte, konnte kaum Publikum zum heissen Schwarztee überzeugen. Richard Blechynden musste dringend eine Idee finden, um seine Mission zu retten. Er schüttelte Eis in den heissen Tee, der sekundeschnell gekühlt wurde und sofort rege Zulauf fand. Das war der Anfang des Eistee.

1980 war der Verbrauch vom Eistee mind. dreifach höher als der heisse Tee. Lu Yu hätte wohl nie gedacht, als er Cha Jing schrieb. Er hätte nie gedacht, dass man aus dem heissen Zaubertrank zum kalten Durstlöscher revolutionieren würde. Er hätte nie gedacht, dass diese Verwandlung ein riesen Bussiness versprechen könnte!

Für einen Fossil-Chinese ist der Genuss mit eiskalten Dingen immer mit Vorsicht geboten. Aber in der modernen Zeit ist der eiskalte Genuss ein Versprechen von Frischen und Fortschritte.

In Taiwan wird Tee im heissen feuchten Sommer auch gerne kalt getrunken. Unser Rezept wäre: 2 Liter Wasser im Zimmertemperatur und 30g Oolongtee mischen. Direkt in den Kühlschrank 6 Stunde ziehen lassen. Die Teeblätter werden danach gefiltert. Der fertige Tee könnte man für 3 Tage im Kühlschrank aufbewahren.

Mein Lehrer in Taipei hat am liebsten den eiskalten Oriental Beauty im unerträglichen Taipei-Sommer. Die honig Note und feine fruchtige Nuance vertreiben die nervigen Hitze und Plage sofort aus dem Kopf. Was bleibt, ist der königliche Genuss wie die einstige Viktoria!

Wenn man gerne das Volkssport im Mitteleuropa treibt, könnte man den Eistee im Eisfach kühlen lassen. Vor der Abreise zum Wandern wickelt man ein Tuch um die Plastik-Flasche. Bei der Wanderung taucht der langsam auf und das inzwischen eiskalte Tuch gleicht den Genuss von Osibori (ein Tuch für Kunde um sich zu erfrischen, meistens eiskalt oder heiss) in einem richtigen japanischen Restaurant!

Natürlich könnte man den königlichen Genuss bis ins Details nachmachen. Zucker im Tee war die Machtdemonstration der einstigen Zeit. Das goldwerte Zucker und der rare Tee aus China präsentierte eine Mischung von dem außerirdischen Genuss und der Sehnsucht nach Paradies. Heute ist jeder der König in eigenem Schloss und der königliche Genuss ist heute richtig volksnah!