Bericht über Qilan Xiang und Milan Xiang Dancong Shuixian

Vor zwei Wochen gab mir Monika paar Apfelbaum-Zwerge. Sie wollte mir den Frühling bringen, sagte sie. Ich berührte die rauchen Oberfläche und spürte die Lebenskraft unter der karten Schale. Hoffnungsvoll steckte ich sie im Wasser und wartete jeden Tag auf den Frühling… Der Frühling wird jedenfalls kommen und die Apfelblüte werden in diesem Rhythmus blühen, auch ohne meine Begleitung. In dem gleichen Moment werden mich wohl die Kirschblüten grüßen!

„Die Kirschblüten blühen hier wunderschön, Koko ni sae 此地花好
aber wenn ich mich an das Blütemeer in Yoshino (ein berühmter Ort für Kirschblüte bei Nara) erinnere, sazo ya Yoshino wa  遥想吉野
waren die Kirschblüten dort unvergesslich anmutig! hana-zakari!  樱花更璨烂! “
Yoshino Dayu (1606-1643)

Im Regen der Kirschblüte saß ich gerne am Wegrad. Es erinnert mich immer wieder Yoshino Dayu und ihr Seufz über ihre Sehnsucht nach dem Heimat – Yoshino. Das Gedicht war so berühmt und rührend, so dass ein Kirschbaum nach ihr genannt wurde. Ein Traum im Regen voller Kirschblüte erlebte ich auch hier in Zürich wieder, als ich den Fenghuang Dancong Milanxiang 2005 wieder trank.

Eine meiner Hausaufgabe vor meiner Abreise war über einen Bericht über die drei Phönix Dancong zu schreiben.

Aufgegossen waren drei Phönix Dancongs: Qilan Xiang, Milan Xiang und ein Milan Xiang 2005. Zuerst waren Qilanxiang und Milanxiang (aus Bern, Länggass Tee) aufgegossen. Sie zeigte mir einen klaren Aufguss und eine schöne Färbung. Duftend klar und deutlich. Kein Fremdgeruch, sehr sauber. Eindeutig ist es auch, dass sie ungeröstet waren. Nur getrocknet. Alle zwei haben einen schönen vollen Körper, geschmeidig und intensiv.

Qilanxiang hat eine andere Duftrichtung als der Milanxiang. Ich roch zuerst den Zitrusduft, dann eine schwere Note von unentzifferbaren Geruch, der mich irritierte, etwas wie Metal. Dann kommt typische Oolong-Duft, sehr stark nach Orchideen. Der Geschmack ist typisch Dancong, leicht süß und zugleich bitter, wirkt im Abgang leicht trocknend. 50g für ca. 18 Sfr., ein versuchswert und ein guter Einstieg für ein vielsprechendes Dancong-Erlebnis als der Mingcha Zhilanxiang in Globus.

Milanxiang zeigt eine ausgezeichnete Kombination vom typischen Mi – Honig und Lan – Orchideen Duftnoten. Fein, lieblich, aber auch leicht bitter und beim Abgang trocknend. Der Aufguss leicht getrübt. Ein Typischer Milan Xiang für Dancong-Liebhaber. Der Preis ist auch in Ordnung 50g für ca. 18 Sfr.

Wenn man gar nicht vergleichen will, dann hat man nie ein Problem. Aber wenn man anfängt, Dinge miteinander zu vergleichen, fängt plötzlich das Leiden an. Darum sagte Buddha, der Geist, der stets unterscheidet, ist die Wurzel des Leidens… Ohne Vergleich kommen wir allerdings auch nicht weiter. Also im Tee ist es wichtig, zu vergleichen. Der Unterschied zwischen Tee und dem Alltag ist, dass wir eine relative Wahrheit für uns finden wollen, ohne einen absoluten Anspruch zu erheben. Den Milanxiang 2005 (er wurde ebenfalls in Länggass Tee verkauft), habe ich mit aufgegossen und wollte wissen, was dieser Vergleich bedeutet.

Ein gerösteter Fenghuang Dancong ist dunkler und braun. Von Aussehen wirken sie nicht besonders anziehend. Aber der Duft solcher Dancong ist unwiderstehlich! Ausgeprägte Honignote und intensiven langhaltigen Orchideennuance fesselte die Sinne. Der Aufguss ist geschmeidig wie Seide, die einfach hineinfließt. Atmen beraubend und berauschend. Eben – wirklich wie ein Traum im Kirschblüte-Regen.

Yoshino Teehaus Yoshinos Teehaus in Kodaiji. Das Haus trägt der Name „Hinterbliebener Duft“.

Das Teehaus von Yoshino Dayu in Kodaiji gehört immer zu meinem Programm, wenn ich mich in Kyoto aufhalte. Diese zarte Schönheit starb früh und hinterließ einen traurigen Mann, der sein Leben lang nach ihr trauerte und ihre Asche im Sake trank. Kirschblüte blühen zwar nur einmal und kurz, bleiben aber als Erinnerung ewig. Die Schwierigkeit einem hervorragenden Milan Xiang wieder zu begegnen macht diesen Tee und seinen Geschmack einmalig.

„Miyako Oba / Hana Saki sato to / Nashinikeri

Yoshino wa shinde no / Yama ni utsu shite

Mit Deinem Tod brachtest Du alles weg, Yoshino.

Auch die Kirschblüte, die nun wohl nur im Himmel blühen werden.“

Joeki Haiya

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