Tee-Erlebnis in Paris

mariage feres Mariage Freres in Paris

Am einen frühsommerlichen Tag flanierte ich in Paris. Zu Fuss ging ich an dem berühmte Teeladen Mariage Freres. Sakura – war das Thema des Monats. Ein Thema zum Tee, was Japan und Paris gleichzeitig verbindet, war bestimmt eine erfolgreiche Verkaufsstrategie.

Mariage Freres ist nicht nur bekannt für die klassischen Teesorten, sondern auch für die „französischen“ Teekreation – Aromatisierung des Tees! Eigentlich wollte ich nicht unbedingt etwas kaufen, nur Neugiere, was mich dahin gezogen hat. Aber der schöne charmante B., in einem engen weissen Anzug, lächelte mir an und fragte mich auf einer französischen Art, die einer Frau nicht unbedingt widerstehen will, ob er mir etwas behilflich sein könnte. Ich lachte. Er guckte mich mit Fragezeichen an. Ich sagte, „Wie könnte man Ihr Charm widerstehen, hier nicht etwas nach Hause als Mitbringsel zum Mitnehmen?“ Wir lachten. Ich wollte die klassischen Teesorten anschauen. Einen Orchideen Thai Oolong hat mich interessiert, der ebenfalls nicht weniger als 50 € für 100g kostet. B. preiste für diesen Tee, aber er konnte mir nicht versichern, ob der Tee nicht aromatisiert wurde. Ich erklärte ihm, dass es ebenfalls einen Oolongbaum Orchideen in China heisst und ich mich sehr dafür interessiere. B. zeigte mir anderen Oolongsorten. Tie Guanyin für knapp 70 € 100g, aber eine Ernte von 2005!! Ein Da Hongpao für mehr als 70€ 100g auch eine Ernte von 2005!! Ich staunte von der langen Lagerzeit, bedankte mich für seine Ehrlichkeit. Er fragte mich vieles über den Tee, weshalb ich so und so über diese Tees äusserte. Er sagte mir, dass er sich sehr freute, mit mir über Tee zu sprechen. Denn er sah, dass er vieles von mir über Tee wissen könnte! „Sie sind ein Expert.“ sagte er, „wissen Sie, wenn Sie gute Tees haben möchten, sollten Sie zu Madame Tseng gehen… vielleicht sollte ich Ihnen es nicht sagen. Aber ehrlich gesagt…“

Wir plauderten und lachten. In diesem von Life-Style dominierten Laden fragte dieser jungen Mann mich aus, was er von Oolong wissen wollte. Ich wollte zum Schluss etwas mitnehmen. ich wollte nicht, dass dieser junge Mann kein Geschäft machte. B. lächelte mich nochmals an und sagte, dass er mir die Tee-Mamelade schenken wollte. “ This is a gift for you! Thank you for the nice time with you.“

Mariage Freres

30 rue du Bourg-Tibourg, Paris 4e
Tel. : +33(0)1 42 72 28 11

Seine Freundlichkeit und Offenheit gab mir einen sehr guten Eindruck. Der Erfolg von Mariage Feres ist nicht zufällig. Sie haben sehr gut geschulte Personal, die kritische Kunden freundlich empfangen und Stammkunde immer warmherzig bedienen.

Ein ganz anderes Erlebnis habe ich in Genf bei Coffee und Tea Messe erlebt. Es war ebenfalls ein Teeladen von Paris, ebenfalls von einem globalen player, der in Shanghai einen Laden betreibt.

Terre de Chine sitzt in Paris und stellte in dieser Messe viele seine Spezialitäten aus. Eine junge Frau Wang demonstrierte Gongfu Cha und sprach Französisch und Chinesisch (man kann unter dieser Link diese junge Dame live erleben). Die wertvollen Tees sind in wunderschönen Bambus-Dosen aufbewahrt und Besucher bewunderten diese schönen Accessories. Ich war auch neugierig und sprach diese junge Dame auf Chinesisch an und hätte sehr gerne einen schönen Lungjing oder Tie Guanyin erlebt haben.

Irgendwie fühlte diese junge Dame Wang prodvoziert und fragte mich, ob es sich überhaupt lohnt, mir einem guten Tee zu geben. Denn einen guten Tee sollte von einem Teekenner getrunken werden. Mich überraschte ihre Direktheit und lachte, “ das müssten Sie selber wissen.“ Sie bereitete widerwillig mir eine Tasse Lungjing und Tie Guanyin, aber das Wasser kochte nicht. Sie bediente alle andere „Langnase“ mit Lächeln und Freundlichkeit. Allen Kunden wurde eine Katalog in die Hand gedrückt. Ich fragte sie, ob ich auch eine haben könnte. Sie fragte mich, wozu? Ich erwiderte mit der gleichen Antwort: “ das müssten Sie selber wissen, ob es sich lohnt.“ Widerwillig gab sie mir eine Katalog. Widerwillig gab sie mir eine Tasse Tee. Widerwillig fragte sie mich, ob ich diese gute Qualität erkennen könnte. Ich versuchte meine wirkliche Meinung anders auszudrücken. Aber dies prvozierte sie wieder. Sie sagte, wenn ich nie in China gewesen wäre, sollte ich lieber mein Mau zuhalten. Wenn ich nicht in Anxi gelebt hätte, hätte ich gar keine Ahnung von Tie Guanyin. Ich schwieg höfflich und ging zu anderer Seite. Ihr französischer Kolleg war sehr freundlich und zeigte mir einen schönen Liuan Guapian. Der Tee hat sehr schöne Blätter, ein schöner Tee! Aber die wunderschöne Bambusdose riecht nach Leim und Bambus. Ich seufzte. Wie Schade! Schade für so einen guten Tee! Höfflich erzählte ich dem Französe von dem Fremdgeruch in der Teedoese. Sein Gesicht war voller Schock und fing an in jeder Dose zu „riechen“…

Sehr schnell verliess ich den Stand. Das war Terre de Chine. Ein Fachgeschäft für Tee? Wenn ein Fachgeschäft seinen Tee in einer nutzlosen und schädlichen  Dekoration aufbewahrt, verät diese Unwissenheit bereits von der Kompetenz des Ladens…

3 Gedanken zu „Tee-Erlebnis in Paris

  1. Suzanne

    Wie schön, ein toller neuer Artikel (sogar zwei!). Mir hatte schon richtig etwas gefehlt… aber man muss auch auf die schönen Dinge warten können!! 🙂

    Liebe Meglin, Du hast Paris erlebt – toll. Es ist eine wundervolle Stadt, und ich kann nie genug davon bekommen.

    Aber Paris hat auch seine dunklen Seiten. Eine davon sind die völlig wahnsinnigen Preise, und der Mode“hype“, der immer wieder auftritt, und mal das eine oder andere Viertel trifft oder gewisse Geschäfte, in denen man, wenn man „dazugehören“ will, einkaufen muss. Das ist Paris!

    70 Euro für Tie Guan Yin? Das wundert mich nicht! Die Kunden wollen in Paris vor allem eines: bei Mariage frères oder bei Maison des 3 thés eingekauft haben. Wichtig ist das label – weil jeder Besucher dann weiss, dass es teuer war. Leider spielt es in gewissen Kreisen eine sehr große Rolle, dass etwas teuer gewesen ist.

    Aber das ist nicht nur in Paris so- sicher kann man es in vielen Städten und den „feinen Zirkeln“ finden.

    Es spricht jedoch sehr für das Geschäft, dass Du so zuvorkommend behandelt worden bist (außer von der Chinesin…). Und die Tees sind scicher gut… wenn man sie bezahlen kann.

    Ich habe auch schon sehr Seltsames erlebt: wenn ich meinen chinesischen Bekannten/Freundinnen von Dir erzähle, Menglin, sind manche sofort SEHR skeptisch. „Taiwan… – da gibt es gar keinen Tee! Darüber wissen Taiwanesen nichts. Sei vorsichtig!“ oder ähnliche komische/blöde Äußerungen. Ich habe es mehr als einmal festgestellt – es ist fast „rassistisch“, wenn man so will. Dabei seid Ihr doch ein Volk, mit gleichen Vorfahren, und einer miteinander verflochtenen Geschichte…

    Politische Ideologie ist etwas Schlimmes.

    Gut, dass der Tee uns helfen kann, solche Grenzen zu überwinden. Ich hoffe, der Tee hilft uns allen noch viel weiter, auf diesem schwierigen Weg…

    Ganz viele liebe Grüße, und bis bald!

    Suzanne

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  2. Menglin

    Eigentlich hat diese Reaktion (Chinesen als Teeexpert zu behaupten) mit der Rassen nichts zu tun, sondern mit dem Kenntnis des Tees. Wenn man sich tatsächlich mit dem Tee beschäftigt, weiss er, dass er nur wenig von Tee weiss und vieles zu lernen gibt!

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    Antwort
  3. Suzanne

    Stimmt genau! Schon aus den Reaktionen meiner Bekannten konnte man merken, dass sie KEINE (oder fast keine) Ahnung von Tee hatten („… gibt keinen Tee in Taiwan“ etc.).

    Ich habe aber aus Höflichkeit nichts dazu gesagt. Eines Tages werden sie vielleicht lernen etwas über Tee lernen, aber sicher nicht von mir… macht nichts! Ich muss aber gerechterweise sagen, dass von den paar Chinesen, die ich kenne, zum Glück nicht alle so reagiert haben.

    Ich hatte auch das Gefühl, dass das ganze eher politische Hintergründe hatte, und dass politische/ideologische Intoleranz hier die wichtigste Rolle spielte. Der Tee war nur ein Vorwand – schlecht gewählt noch dazu.

    Ich freue mich schon sehr auf Deine nächsten Artikel über das Qi!

    Und auf den Besuch nächste Woche!!

    Viele liebe Grüße,

    Suzanne

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