Frage an Tee-Experten

Als ich in Genf bei der Tee und Kaffee-Ausstellung war, fragte ich mich, warum Tee und Kaffee? Ist der Geruch des Kaffees überhaupt mit Tee zu vereinbaren?

Der Raum war gross, so gross wie jede Messe. Der Raum war gefüllt mit Menschen – in Bussiness-Look. Anzüge, Krawatte und natürlich Parfüm!!! Ich schmeckte an den ganzen Tag irgendwelche Parfüm von dem Italiener, von den schweizer Damen und von den deutschen Händler. Überall waren Spuren von Parfüm wahrzunehmen. Vorm Teestand duftete weit entfernt bereits nach Tee-Parfüm, bei dem Stand duftete Parfüm von dem Verkäufer oder Käufer. Dann Dufte von Expresso, von Rösten und von …Schweiss.

Ich konnte Tee nicht schmecken. Der Tee war nicht zu schmecken, wie denn? In diesem Labyrinth der Fremdgerüche sollte eine Messe des Tees veranstaltet werden? Wie denn? Wie konnte der Tee wirklich zur Sprache kommen? Wie denn? Dann frage ich mich langsam nach der Profeesionalität und Respekt des Teehändlers und Teeliebhabers.

In einer Wein-Degustation ist es doch klar, dass der Wein die Hauptrolle spielt, dass Fremdgerüche den Ausdruck des Weins verhindetn, und dass Parfüm und Deo dort nichts zu suchen sind! Die Weinkellermeister wissen es und die Weinliebhaber akzeptieren es. Aber beim Tee? Der Genuss des Tees wird nur stiefmütterlich behandelt. Seit 17. Jahrhundert lernt Europa Tee kennen. Seit mind. 300 Jahren trinken Menschen hier Tee. Es wird allerdings nach der dreihunderjährigen Entwicklung immer noch von Ziehzeit, von Aroma und von Wassermenge gesprochen. Für diese „Schildkröte“-Tempo- Entwicklung des Tees in Europa müssen die Unprofessionalität des Teehändlers verantworten!

Wenn ein Profi nicht in der Lage ist, für Tee in seiner Reinheit und in seiner Form einzusetzen, wie sollte der Konsument von „unverfälschtem“ Teegenuss verstehen? Wenn Teehändler immer nur von Aromen und Trend sprechen, wie sollte die Tee-Kultur überhaupt ihre Wurzel auf europäischen Boden einschlagen?

Ich bedauere es sehr – einerseits. Anderseits bin ich voll motiviert, weiter zu gehen. Denn es gibt wirklich viel zu tun – für Tee in Europa!

 

2 Gedanken zu „Frage an Tee-Experten

  1. Suzanne

    Liebe Menglin,

    es gibt wirklich viel zu tun , für den Tee in Europa!
    Ich denke aber, nicht nur die Teehändler sind schuld, dass es in Europa noch nicht so recht weitergegangen ist mit der Entwicklung. Es ist auch die Faulheit bzw. die Bequemlichkeit der Kunden / der Teetrinker hierzulande!

    Wenn ich meinen Freunden oder meiner Familie Tee mit Kung Fu Cha zubereite, sind sie von dem Geschmack begeistert. Aber sie meinen immer ganz einhellig: „das ist ja umständlich… und nur so wenig Tee in den kleinen Kannen!“

    Von meinen Freunden würde wohl kaum jemand bereit sein, sich die Zeit zu nehmen, Tee wirklich zu genießen. Es muss schnell gehen, und viel sein. Dann rin damit in die Thermoskanne – reicht für den ganzen Tag! (Brrrrrrrr…)

    Nicht alle Menschen denken so – wir kennen ja genügend Beispiele!

    Aber ich meine doch, dass in Europa recht viele Leute bequem sind. Man ist faul, wenn es um Genuß geht – das muss wie „von allein gehen“.

    Man muss also nicht nur bei den Teehändlern ansetzen… sondern den Leuten auch klarmachen, wieviel mehr Wohlsein und Genuß man erfahren kann, wenn man sich ein klein wenig Zeit nimmt und ein winziges bisschen Mühe macht. Man wird vom Tee dafür belohnt!

    Du wirst hier also noch sehr viel zu tun haben 🙂 Eine große Aufgabe…

    Bis sehr bald! Und viele liebe Grüße,

    Suzanne

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  2. Juerg

    Hallo Menglin,

    Hier doch kurz noch ein Kommentar dazu, damit man das ein bisschen besser versteht.

    Der Anlass wird ja durch einen amerikanischen Verlag organisiert, dem Tea and Coffee Trade Journal. Schon im Namen tragen sie also Tee und Kaffee… Dieser Verlag geht zurück auf einen gewissen Williams H. Ukers, der in den 1930er Jahren zwei wahrlich monumentale Werke geschrieben hat, nämlich „All About Tea“ und „All About Coffee“. Beide Werke bestehen aus je zwei Bänden, und enthalten tatsächlich eine Unmenge Informationen über die beiden Getränke, natürlich zum Stand der damaligen Zeit. Ich frage mich ernsthaft, wie das der Mann alles zusammentragen und mit Fotos versehen konnte. Genau wegen dieser grossen Tradition veranstaltet der Verlag immer noch diese kombinierte Messe, und publiziert einen „Ukers Directory“, mit Tausenden Adressen aus der Tee- und Kaffee-Industrie.

    Und aus westlicher Sicht haben die beiden Getränke auch tatsächlich eine wahrlich epochale Gemeinsamkeit: sie sind, zusammen mit Kakao, die sog. „grossen Ernüchterer“ Europas, einem Kontinent, der zeitweise im Alkohol zu ertrinken schien.

    Mich störte der Kaffeegeschmack an der Messe auch (s. http://www.teeclub.ch/club), ich bevorzuge ganz klar reine Teeveranstaltungen, oder auch Tee-Orte, wo der subtile Geschmack des Tees in der Luft liegt (etwa Mariage in Paris). Sobald das Kaffee mitmacht, ist der Spass vorbei. Und das Parfum-Problem… hatte ich kürzlich auch bei einer Weindegustation, da hat sich der Leiter auch drüber aufgeregt, dass ein paar Damen parfumiert daherkamen. Ein leidiges Problem!

    Gruss, Jürg

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