Archiv für den Monat Mai 2007

Huangshan Maofeng tanzt im Glas

Huangshan Maofeng tanzt im Glas

Teefreund Christopher D. aus Hamburg schickte mir drei frisch vor Ort in China eingekaufte Teesorten zum Probieren: Lungjing aus Xihu, Huangshan Maofeng aus Anhui und Taiping Houkui ebenfalls aus Anhui.

D. möchte, dass ich hier im Blog über die Ergebnisse meiner Degustation schreiben. Seine Grosszügigkeit, dass wir an seinen Tee-Genuss teilnehmen könnten, möchte ich mich hier bei ihm noch einmal bedanken.

Die drei Tees waren interessant. Heute schreibe ich einfach nur über den Huangshan Maofeng. Er ist der Tee von den drei, der mir am meisten gefallen hat. Nicht wegen seinem speziellen Geschmack, sondern weil er mich wirklich an diesen Tee Huangshan Maofeng erinnert.

Er ist aus zwei Leaves and one Bud. Viele Blätter sind leicht geschädigt. Trotzdem tanzen sie freulich im Glas. Er zeigt nicht besonders atemberaubenden Duft, aber seine liebliche Geschmacksnote sagt uns, dass er ein Huangshan Meofeng sein sollte. Vielleicht nicht gerade von Huangshan, sondern vom „nahen“ Gegend. Dieser liebliche Geschmack wird noch deutlich im kalten Aufguss. Sein Aufguss schmeckt geschmeidig und balsamierend. Er hat einen intensiven Aufguss, der im Vergleich zum Taiping Houkui und Lungjing viel besser abschneidet. Bei den anderen zwei Tees, vor allem beim Lungjing spürte ich einen trockenen Hals nach dem Trinken.

D. reiste nach China in diesem Frühling und wollte wirklich guten Tee vor Ort beim Teebauer kaufen. Das tut ein Teeliebhaber! Nur der Teebauer vor Ort sieht nicht immer die Teeliebhaberei, sondern viele €€€…

Fortsetzung morgen.

Muffige Yi-Xing Kanne?

Hallo liebe Menglin,

in Taiwan haben wir einmal über das Problem der muffigen Tonkannen gesprochen. Du hast mir damals
davon abgeraten, diese zu benutzen, da die meisten Leute, diese nicht richtig pflegen könnten und
die Kannen dann zu stinken anfangen.
Ich habe nun genau dieses Problem. Ich habe mir eine kleine Tonkanne für meinen TieGuanYin
reserviert. Diese entwickelt nun aber einen eigenen Geruch, der sich nun mit dem Tee vermischt 😦
Vielleicht könntest du ja mal einen Blogeintrag schreiben und erklären, was ich falsch mache und wie
man diese Kannen richtig pflegt, so dass diese nicht stinken, sondern den Tee bereichern.

Viele Grüße aus dem sonnigen München,

Florian

Ich danke Florian für das Vertrauen. Das Problem mit der muffigen Yi-xing Kanne habe ich ebenfalls erlebt. Eigentlich nicht nur mit der Kanne, sondern auch mit der Ton-Dose. Viele Leute preisen die Wirkung der Ton-Dose. Ich habe eigentlich bis jetzt nur peinliche Situation erlebt.

Es war ein Mal ein Tee-Party in Villa-Bovari mit Herrn Reichmuth und anderen zwei Künstler. Den Oriental Beauty habe ich degustiert. Die Teilnehmer waren entzückt von der Schönheit und Eleganz dieser Kostbarkeit. Natürlich wurde meine wunderschöne Yi-Xing-Ton-Teedose ebenfalls bewundert. Nur Herr Reichmuth merkte die feine Spuren und leise Nuance von einer Art des fremden Geruchs. „Was ist das Menglin? Ist es nicht muffig?“ Ich war geschockt von seiner Feststellung. Denn ich habe grosses Respekt vor seiner Nase und seiner Kompetenz als ein Teefachmann. Ich stellte ebenfalls die Muffigkeit fest – Mitte in der Teeparty. Dass Ton-Teedose vor dem Gebrauch behandelt werden muss, weiss ich jetzt und warne allen Teefreunden!

Wie kann ich meine Lieblingskanne aus Ton vor einem muffigen Geruch retten? Ich hätte zwei Vorschlag:

1. wenn die Lage nicht ganz ernt ist: füge trockene Geruchfreie Teeblätter in die Kanne. Wechsele sie paar Tage. Nach zwei Wochen noch einmal probieren.

2. wenn die Lage schlimmer wird: die Teekanne noch einmal wie eine neue behandeln. Kochen sie mit paar Teeblätter und fülle das Wasser in einem Gefäss voll. Die Kanne sollte ganz in einem Gefäss sitzen. Koche das Wasser langsam heiss. Abkühlen lassen. Dann mit Jasmintee füllen ein Tag lang stehen lassen. Wenn der Geruch endlich beseitig wird, bewahre die Kanne immer mit paar trockene Teeblätter, die Fremdgeruch wegnehmen!

Lieber Florian, ich hoffe, dass meine Tipps Dir ein wenig helfen könnte! Erzähle uns, ob es so klappt!

Teebauer Gao in Shiding

Teebauer Gao in Shiding

Ich kenne Herrn Gao seit 10 Jahren. Zuerst war er bekannt in einem kleinen Kreis, in dem man gerne Tofu isst.
Tofu, ist nicht nur eine Trendkost, was gesund ist. Tofu ist eine Köstlichkeit, die unsere Lebenskraft erweckt und sinnliche Erlebnisse verleiht. Natürlich kann man hier im Reformhaus nicht solche Tofu erhalten, was für mich noch nach Tofu schmeckt, außer es aus Soja-Bohne produziert ist. When man Herrn Gaos Tofu beisst, schmelzt Tofu in seinem Mund. Eine Welle von dem Duft des Soja-Bohne zergeht langsam in unserem Gaumen. Meine Eltern nennen ihn Herr Schwarz-Tofu, weil er Tofu mit Schwarzbohne produziert – ein Mittel für Nieren-Ernergie.
Warum Tofu aus Schwarzbohne? Familie Gao sind glaubige Buddhisten und sind strenge Vegetarier. Wenn man nur vegetarische Kost isst, leidet man oft unter Nieren-Energie-Mangel. Schwarzbohne ist ein Heilmittel dagegen.
Herr Gao bietet hier in Bergen noch viele andere wilde Gemüse als unverwechselbare Gaumen-Erlebnisse! Hast Du schon Mal wilde Ingwer-artige Blüte gegessen? Hier kannst Du! Wo kannst Du heute noch das Karamel aus Weizen kaufe`n anstatt Industrie-Produkt? Hier kannst Du! Solche Produktion spricht nicht nur für seine Liebhaberei, sondern auch für seiner Ambition – etwas aufzubewahren, was andere nicht mehr schätzt oder kennt -etwas was bereits verloren geht.
Bei ihm Tee einzukaufen fange ich erst an, als Gerhard Lange mir beauftragte, guten Tee zu importieren. Herr Gao produziert den Tee nicht, sondern sein Bruder. Er macht die letzte Verfahren – Hongpei (den Tee stilisieren und stabilisieren durch Rösten). In seinem Bauchladen gibt es nicht nur klassische Paochung oder Tie Guanyin, sondern auch viele verloren gegangene Teesorte, z. B. Buddha Hand, Da Ye Oolong und Bai Maohou. Eine seiner Spezialität ist mit Holzkohle gerösteter Oriental Beauty und Paochung. Dieser Holzkohle Oriental Beauty nennt er „Poison“ – Gift. Warum? Weil man süchtig wird. Vor drei Jahren hatte ich einen Oriental Beauty von ihn, er machte richtig süchtig. Leider kriegte er seitdem seinen Oriental Beauty nicht mehrso „giftig“ hin. Jedes Mal seufte er, dass er keine Zeit mehr hat, um einen guten „Gift“ herzustellen…
Keine Zeit? Herr Gao ist inzwischen ein Yi-Jing (I-Ching) Spezialist geworden. Er ist oft unterwegs, um Seminare zu geben und Prodbleme des anderen zu lösen. Vielleicht könnte er die Orakel fragen, wann wir wieder einen guten „Gift“ von ihm erhalten könnten!

Sushi, Tee und die Globalisierung 壽司, 茶 與全球化

Lezte zwei Wochen habe ich mit Freunden in Japan verbracht. Auf der Reise war ich nie ein Morgenmuffel. Warum? Das Geheimnis lag an das warme Frühstück: pure Reisesuppe mit grulliertem Fisch, dazu noch eine Tasse Miso-Shiru (Suppe)! Im Tempel Eiheiji oder Sojiji wurden wir sogar um 3 Uhr 30 geweckt. Um 7 Uhr bekamen wir eine Tablette von Reisesuppe mit 8 verschiedenen Beilage!

Japan Essen Von wo fängst Du an?

Ich geniesse das Essen wie Sudoku zu lösen – Mal fange ich von links an, Mal von rechts. Mal von oben und Mal von unten. Ich geniesse das Labyrinth dieses kulinarischen Abenteuers, obwohl es mir nicht klar war, richtig oder falsch anzufangen. Eifrige schweizer Freunden hatten es nicht so einfach wie ich. Sie waren verwirrt und gestresst von diesem kulinarischen Rästel.  Ihr Gesicht standen ein grosses Fragezeichen: „mache ich nun richtig oder falsch?“

Für manche war es wie ein Qual. Sie vermissten wohl das knusprige Biss eines schweizer Gipfelis. Dieses Moment kam endlich, als wir in Kyoto ankamen. In einer französischen Bäckerei konnte der heisse Hunger nach „Teig“ endlich gestilt werden. Viele besuchten das scheinbar französische Restaurant morgens, mittags und abends. Sandwiches, Cabonara und Pizza etc trösteten den Magen eines Fremden in Japan. Nur M war verrückt nach Sushis! Er wartete jeden Morgen auf die Oeffnung des Supermarktes und kaufte sein Frühstück. Während alle anderen im Restaurant das Sandwiches beissten, sass er allein auf der Treppe vor dem Lokal und ass sein Sushis.

Sushi

Sushis, das Trendfood auf der ganzen Welt! Du findest Sushis in London, in Paris, in New York, in Bangkok und in Sidney! Ausser der berühmten California Roll gibt es inzwischen Philadephia Roll oder Boston Roll. Anstatt mit rohem Fisch und Pickles gibt es nun mit Cheese und Salat. Die amerikanische Regierung hat sogar einen Ersatz für die Algenblätter entwickeln lassen: Sie haben eine Substanz aus Brokkoli und Karroten erfunden… Sie haben ebenfalls eine tolle Idee mit dem Dessert aus neuen „Sushi“: cremige Käsekuchen umgewickelt in einer blauen Beeren – Mantel!

Sushi ist nun globalisiert. Alle glauben, dass Sushis aus Japan kommt und das Sushis seien, was sie essen. Die so genannte Kreativität des fremden Köche sind beflügelt in dem freien Himmel. Aber der wirkliche Erfinder – ein unbekannter Koch aus der Tang-Dynastie in China, kann wohl nicht mehr so gut im Himmel lachen. Immerhin waren seine Nachfolger in Japan ihm Tausendjahren treu gefolgt. Es wurden unterschiedlichste Variationen ausprobiert und entworfen. Aber Sushis sind das Gericht aus leicht gesalztem, gezuckertem und gesäuertem Reis mit verschiedenen Beilage und umgewickelt von einem gerösteten Algenblatt. Knapp paar Jahrzehnte wurde das Gesicht des Sushis im Westen verändert und die innere Logik eines kulinarischen Kunstwerk wurde nicht beachtet – nur einfach „reformiert“. Die Frage ist: wie könnte man ein Werk reformieren oder verbessern, wenn man seine innere Logik nicht wirklich versteht?

Man kann Krautwinkel nicht als Sushi bezeichnen, oder?

Das passiert ähnlich mit dem Tee. Die einfallsreichen Tee-Blend oder Mischungen in Europa verkunden eine neue Message: Tee ist nur Grundlage einer Kreation, wir bestimmen den Geschmack, wie er schmecken soll.

Bi Luochun 三峽碧羅春

Bi Luochun 三峽碧羅春

Sanxia, ein Ort in der Nähe von Teipei. Ein Ort, eines der ältesten Teeanbaugebeiten Taiwans. Zuerst wurde grüner Tee dort angebaut. Später wurde dort Assam angepflanzt, als die japanischen kolonialen Herrschaft, auf den Tee-Weltmarkt behaupten wollte. Die Herrschaft auf dieser Insel wechselte sich, aber Teebauer bleiben als Teebauer. Familie Huang war bereits Teebauer. Bis heute 5. Generation. Herr Huang lachte und sagte mir, „Weiss Du, mein Sohn und ich sind neben Tee aufgewachsen. Als ein sieben jähriger Knabe konnte ich und kann er beim Tee-Welken entscheiden, wann der Tee bereit ist. Unsere Nase kann nichts tauschen.“

Der Oolong Teebaum, der hier dominiert, ist Qingxin Ganzhong. Sein Tee ist lieblich, duftet allerdings nicht überzeugend als ein Oolong. Aber als ein Tee für Formosa Bi Luochun, der als Ersatz von chinesischen Bi Luochun für die vor Kommunisten geflohenen chinesischen Einwanderer, ist ausgezeichnet. Der chinesische Bi Luochun zeigt seine unverwechselbare weiße Tipps, während der Formosa Bi Luochun uns von seinem süssen und frischen Aroma überzeugt.
Wie jeder Teebauer auf Formosa seufzte auch Herr Huang 黃. Er war letztes Jahr der exzellente Teebauer in Sanxia, denn er den absoluten ersten Preis gewann, obwohl er mir nichts davon erzählte. Er ist nicht stolz auf seinen Können im Wettbewerb. „Ja, Wettbewerb… Wenn die Jury so kompetente wäre…“ In Sanxia herrschte ein Trend, chinesischen grünen Tee in die Formosa Bi Luochun zu mischen. Somit kann man den Produktionspreis reduzieren und mehr Geld verdienen. „Das kann man schon verstehen, wenn man als normale Teebauer mit Tricks arbeitet, um die Familie zu ernähren und paar Rappen mehr zu verdienen. Aber es geht dann zu weit, wenn die Jurys solche „Blend“ nicht Mal merken! Wie könnten Sie wirklich beurteilen, wer den besten Tee erzeugen kann?“ Trotzdem muss er an die Wettbewerb teilnehmen. Um hier zu überleben geht es nicht anders. Eine Art von Ohmacht und Wut zeigte er nur sehr dezent in seinem Gesicht. „Früher konnte der Jury Ran Yimin alles erkennen. Er erkennt sogar, dass manche Bi Luochun zu weit gewelkt wurde, so dass er fast wie Oolong schmeckte.“ Heute lebt er leider in China und Direktor von einem privaten Teemuseum geworden. Die jetzigen jungen Jurys können nicht einmal Formosa Bi Luochun von dem Blend mit China Tea verifizieren…
Trotzdem duftete der Bi Luochun und tanzte in unserer Tassen. Um besser zu überleben, produziert Herr Huang auch Mixian Hong Cha. Ein Schwarztee, der aus den von Insekten befallenen Teeblätter hergestellt wurde. Er duftet nach Honig und schmeckt rund im Mund. Man braucht sogar keinen Zucker für diesen Tee! Der Honig-Geschmack kommt noch besser zur Geltung, wenn der Tee kalt wird.

Gegen Abend verließ ich Sanxia. Herr Huang versprach mir, weiter an seine Tradition zu denken und sie zu bewahren. Schliesslich ist Tee nicht nur ein Lebensmittel oder ein Ware. Tee ist eine Kultur, die gepflegt und aufbewahrt werden muss, auch wenn sie keinen kommerziellen Wert besitzt…

Familie Huang

Frau Huang, Großmutter Huang und Herr Huang, drei Teebauer in einer Familie in Sanxia.