Archiv für den Tag 10/05/2007

Sushi, Tee und die Globalisierung 壽司, 茶 與全球化

Lezte zwei Wochen habe ich mit Freunden in Japan verbracht. Auf der Reise war ich nie ein Morgenmuffel. Warum? Das Geheimnis lag an das warme Frühstück: pure Reisesuppe mit grulliertem Fisch, dazu noch eine Tasse Miso-Shiru (Suppe)! Im Tempel Eiheiji oder Sojiji wurden wir sogar um 3 Uhr 30 geweckt. Um 7 Uhr bekamen wir eine Tablette von Reisesuppe mit 8 verschiedenen Beilage!

Japan Essen Von wo fängst Du an?

Ich geniesse das Essen wie Sudoku zu lösen – Mal fange ich von links an, Mal von rechts. Mal von oben und Mal von unten. Ich geniesse das Labyrinth dieses kulinarischen Abenteuers, obwohl es mir nicht klar war, richtig oder falsch anzufangen. Eifrige schweizer Freunden hatten es nicht so einfach wie ich. Sie waren verwirrt und gestresst von diesem kulinarischen Rästel.  Ihr Gesicht standen ein grosses Fragezeichen: „mache ich nun richtig oder falsch?“

Für manche war es wie ein Qual. Sie vermissten wohl das knusprige Biss eines schweizer Gipfelis. Dieses Moment kam endlich, als wir in Kyoto ankamen. In einer französischen Bäckerei konnte der heisse Hunger nach „Teig“ endlich gestilt werden. Viele besuchten das scheinbar französische Restaurant morgens, mittags und abends. Sandwiches, Cabonara und Pizza etc trösteten den Magen eines Fremden in Japan. Nur M war verrückt nach Sushis! Er wartete jeden Morgen auf die Oeffnung des Supermarktes und kaufte sein Frühstück. Während alle anderen im Restaurant das Sandwiches beissten, sass er allein auf der Treppe vor dem Lokal und ass sein Sushis.

Sushi

Sushis, das Trendfood auf der ganzen Welt! Du findest Sushis in London, in Paris, in New York, in Bangkok und in Sidney! Ausser der berühmten California Roll gibt es inzwischen Philadephia Roll oder Boston Roll. Anstatt mit rohem Fisch und Pickles gibt es nun mit Cheese und Salat. Die amerikanische Regierung hat sogar einen Ersatz für die Algenblätter entwickeln lassen: Sie haben eine Substanz aus Brokkoli und Karroten erfunden… Sie haben ebenfalls eine tolle Idee mit dem Dessert aus neuen „Sushi“: cremige Käsekuchen umgewickelt in einer blauen Beeren – Mantel!

Sushi ist nun globalisiert. Alle glauben, dass Sushis aus Japan kommt und das Sushis seien, was sie essen. Die so genannte Kreativität des fremden Köche sind beflügelt in dem freien Himmel. Aber der wirkliche Erfinder – ein unbekannter Koch aus der Tang-Dynastie in China, kann wohl nicht mehr so gut im Himmel lachen. Immerhin waren seine Nachfolger in Japan ihm Tausendjahren treu gefolgt. Es wurden unterschiedlichste Variationen ausprobiert und entworfen. Aber Sushis sind das Gericht aus leicht gesalztem, gezuckertem und gesäuertem Reis mit verschiedenen Beilage und umgewickelt von einem gerösteten Algenblatt. Knapp paar Jahrzehnte wurde das Gesicht des Sushis im Westen verändert und die innere Logik eines kulinarischen Kunstwerk wurde nicht beachtet – nur einfach „reformiert“. Die Frage ist: wie könnte man ein Werk reformieren oder verbessern, wenn man seine innere Logik nicht wirklich versteht?

Man kann Krautwinkel nicht als Sushi bezeichnen, oder?

Das passiert ähnlich mit dem Tee. Die einfallsreichen Tee-Blend oder Mischungen in Europa verkunden eine neue Message: Tee ist nur Grundlage einer Kreation, wir bestimmen den Geschmack, wie er schmecken soll.