Archiv für den Tag 16/03/2007

Nichts über Tee, sondern über Schweigen

Sehr müde kehrte ich nach Zürich zurück. In der Abenddämmerung sahen ich viele erschöpfte Gesicher des Arbeitsvolkes. Es herrschte unruhige und angespannte Stile. Niemand konnte niemanden in die Augen sehen. Jeder versteckte sich in dem eigenen Schneckenhaus – ich einschliesslich. Dann tauchte er auf. Weit entfernt hörte man bereits diese unangenehme Geräusch. Dissonanz und Inkohärenz. Viele Blicke suchten nach der Quelle. Blicken vermieden jedoch gegenseitig zu kreuzen.

Eine unscheinbare leicht gebuckte graue Figur kamen aus dem Unterground an die Tramgleise. Er reibte eine Ballon. Die Ballon tobte. Er provozierte seine zürcher Umwelt mit dem Lärm und schimpfte zugleich über sie. „Ihr Schweine Hund, die Schweiz!“ Die Schweizer nebenan schauten weg, so weit sie konnten. Sie verstanden ihr Verhalten als Toleranz.

Der Tram kam, ich sprang ein, viele andere auch – er ebenfalls. Er sass hinter einer gut gekleidetetn Blondine. Er schimpfte so nah an ihrem Ohr über die Schweiz weiter. Sie bewegte sich nicht, ihr Nachbar auch nicht. Alle andere Schweizer auch nicht. Alle andere Mitinsassen auch nicht. Er wurde immer lauter und schrie, dass er provozieren wollte. Ballon machte laute Dissonanz in der schweigenden Stile. Eine unausgesprochene Spannung in der Stile. Ich schaute meine Uhr und wollte zählen, wie lang die mitfahrenden Schweizer in dieser Situation noch schweigen können und zusehen können, wie das blonde Mädchen von diesem Mann beslästigt wurde.

Natürlich hielt eine Taiwanesin mit ihrem Temperament nicht lang aus. Ein älterer Herr versuchte ihn zu stoppen und scheiterte, weil er zu leise und höflich war. Ich konnte nicht mehr zuschauen und schrie ihm an „Hör ENDLICH auf, Du VERRükter! Merkst Du nicht, dass wir alle Dich ERTRAGEN müssen?“ Es wurde plötzlich stil. Alle schauten mich an anstatt ihn. Eine seltene Situation. Bin ich der Verrückte? Er fing an über die ilegale Einwanderer zu schimpfen und lachte selbst dabei vor dem Bruch des Schweigens. Er lachte und ich ebenfalls. Nur die Zuschauenden nicht.

Bei der nächsten Tramstation stieg er aus. Es war Asylstrasse.

Die Fahrgäste fingen an zu diskutieren. Die Schule sei schlimm, die Gewalt sei nicht zu bremsen und die Jugendlichen seien schlecht erzogen. Ach, unsere Gesellschft voller Probleme…

Warum merkten die Menschen nicht, dass Ihr Schweigen das Problem ist? Mit Schweigen kann man Kinder keine Grenze setzen. Mit Schweigen kann man die Gesellschaft nicht verändern. Durch das gemeinsame Schweigen waren viele Katastrophe der Menschheit entstanden!