Teaparty im leise rieselnden Schnee

Leise rieselt der Schnee. Detlef, Ingrid und ich wollten unbedingt noch im alten Jahr zum Tee treffen. Im einsamen Dorf Bodman trafen wir uns heute morgens. Im schlichten Teeraum hing eine Schriftrolle von einem chinesischen Gedicht:
Jedes Jahr blühen ähnliche Blumen zu ähnlicher Zeit und am ähnlichen Ort,
年年岁岁花相似
während sich die Gesichter der Menschen jedes Jahr zu ähnlicher Zeit am ähnlichen Ort wechseln.
岁岁年年人不同
Letztes Jahr zu gleicher Zeit rieselte der Schnee ebenfalls wie heute. Detlef litt unter Nierenkolik, als wir uns zum Tee verabredeten. Heute kamen zusätzlich drei neue Gesichter aus Zürich und wir teilten gemeinsam eine Schale Tee.
Zuerst wurde Holzkohle-Zeremonie gemacht. Dann wurde einen dicken Tee geschlagen. Die Atmosphäre war konzentriert und wir schwiegen. Nur der Kessel summte. Und draußen rieselte der Schnee. Der verdickte Tee von leuchtendem Grün und die rot glühenden Holzkohle geben einen schroffen Kontrast zu der weißen Landschaft.
Besucher aus Zürich wollten im Tageslicht heimfahren und fürchteten vor von Schnee erschwerter Straße. Nach ihrem Aufbruch tranken wir noch zu dritt einen Usucha (einen dünnen Tee). Ingrid konnte sich nicht mehr vor Kommunikationsdrang verkneifen. Wir fingen an zu schwatzen. Der Teeraum wurde heiter und Detlef schüttelte seinen Kopf über die zwei klatschenden Tanten beim Tee.
Leise rieselte der Schnee auch vor Fünfhundertjahren. Als Teemeister Rikyu seine Teefreunde zu seinem Hütte einlud, sollte der Teeparty ohne Pomp und Steifheit gewesen sein. Man traf sich zu einem Tasse Tee, bescheiden und ungezwungen. Es ging um Menschen, Tee und Hier. Er plädierte, hiesiges Alltagsgeschirr zum Teezubehör zu verwandeln statt teuere angesehene Importwaren aus China zu werben. Tee muss seinen eigenen Wurzel in Japan einschlagen statt als eine Projektionsfläche der Sehnsüchte nach Außergewöhnlichem zu dienen. Nach Bemühungen von Rikyu 千利休 wurde der Tee, der einst aus China als Importwaren kam, ein Synonym der japanischen Kultur. Wie ist es mit Europa und Tee?

Usucha mit Ro
Usucha im Winter
Bodman Tee in Bodman

6 Gedanken zu „Teaparty im leise rieselnden Schnee

  1. stefan

    ein wenig Teeorie 🙂

    Anfang des 17. Jahrhunderts führten die Engländer und die Niederländer den Tee in Europa als Genussmittel ein.

    Die Engländer konnten von den Chinesen vor dieser Zeit erfahren, wie Tee zu Schwarztee fermentiert wird.

    1662 führt Catarina da Braganca den Tee am englischen Hofe ein, und seitdem beginnen die Briten sich für Tee zu interessieren.

    1669 stiegen die Engländer in das Teegeschäft ein über die „East India Company“, einem damaligen Tee-Monopol, das bis 1833 Bestand hatte. Der aus China importierte Tee folgte strengen Ausfuhrgesetzen; so musste die Ware in Silbermünzen bar bezahlt werden.

    Gunpowder gilt als der erste in Europa namentlich bekannte Chinatee.

    Der Schwarztee verbreitete sich neben Grüntee zunehmend in Europa, da dieser besipielsweise robuster, einfacher in der Zubereitung und länger haltbar war.

    Den höchsten absoluten Teeverbrauch hat heute Indien, gefolgt von China.

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  2. stefan

    Hallo Benedikt
    Teeorie ist eben keine Teepraxis 🙂
    Also ich finde das Teebuch garnicht schlecht. Zugegeben es ist europäisch –
    und was ist falsch an Lehrbuchmeinungen?
    Anstatt Quellen zu nennen, die du nicht empfielst, nenne doch welche die deiner Teeorie entsprechen.

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  3. benedikt

    Hallo Stefan
    Ich glaube Du hast mich missverstanden.
    Das Teebuch ist ganz Ok. Deine Teebuch-Zeilen stehen aber leider in keinem Zusammenhang mit dem Beitrag und wirken hier als Kommentar unpassend. Schreib doch besser was Eigenständiges, dann besucht man auch gerne Deinen Blog. Wenn das Deine Absicht war.

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  4. stefan

    Meine Teebuch Zeilen haben schon etwas mit dem ^^Beitrag zu tun; wenn du ihn richtig gelesen hättest wäre dir die Frage als letzter Satz auch aufgefallen -ich zitiere mal wieder:
    Wie ist es mit Europa und Tee?

    Ps. natürlich soll man auch gerne mein Blog besuchen, wenn man möchte dafür ist (m)ein Blog ja da:)

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