Trockene Blüte, lebendige Blumen

Das Haus ist nicht einfach zu finden. Die Blätter bedecken gerne das Aussenschild.

Herr Tang sagte, sie haben nur 10 Mitarbeitern und wollen nicht mehr. Nicht mehr Geschäft, nicht mehr Besucher und nicht mehr Medienpräsenz. Aber warum wollte Chanel unbedingt dort ihre Pressekonferenz in ganzen Asien machen?

Vielleicht ist dieses Nicht-Mehr -Wollen so exklusiv wie das Haus Chanel von sich hält?

Kai fragte Herrn Tang, warum er die trockenen Blumen ausstellen? Anstatt die voll saftigen lebendigen Blumen?

Herr Tang antwortet zuerst mit trockener Stimme mit Pragmatismus. Es verbraucht zu viel Zeit, sich um lebendige Schnitt Blumen zu kümmern. Plötzlich wechselte er seine Stimmlagen. Dürre Zweigen und verwelkte Blumen zeigen auch Gesichter des Lebens. Er ist in einem Alter gekommen, in dem er sich wie sterbende Zweige fühlen kann. In diesem Lebensgefühl entdeckt man die einfache Schönheit des Daseins, auch wenn es nicht mehr die helle glanzvolle Seit zeigt. Neben den alten Zweigen und trockenen Blumen gebe er gerne grüne Blätter. Das lebendige Grün erhellt und belebt das Alternde, während das „Vergangene“ neben dem „Jungen frischen“ uns eine Spur von Authentizität des Lebens vermittelt.

Den Spuren vom Frühling folgen

Das Haus heißt Chun Yu. Chun – der Frühling. Yu – Überfluss. Wenn der Frühling vergangen ist, habe ich immer noch Spuren von Frühling eingefangen – im Tee, in meinem Haus und in mir.

Tim fragte, wie hat Herr Tang die Idee so einen Raum zu gestalten?

Er sagte, der Tee gleicht einen Samen. Wenn es ins Wasser – Leben geworfen wird, werden Wellen geschlagen. Die Schönheit die man durch Tee erlebt, verbreitet sich in allen Lebensbereichen. Plötzlich merkt man den Wünsch das Leben schön gestalten zu wollen bringt die Einfachheit, die einem hilft, unnötigen Dinge zu reduzieren. In der Einfachheit zu leben ist einfach schön. Das kann man nur im Alltag verstehen und umsetzen.

Wenn man genug lang gelebt hat, werden viele Dinge herauskristallisiert, die uns zur einfachen Schönheit führen. Auch wenn der Frühling vergeht, sprudelt das Licht des Frühlings als Quelle in einem.

Begegnung durch den Tee in Yilan

Menschen begegnen sich nicht weil man jemanden sympathisch findet, oder wegen wirtschaftlichem Vorteil, sondern für den Tee.

Teefreundschaft ist etwas besonders weil man über die Grenze des eigenen Wertesystem hinausgehen kann. Nur wegen Tee ist man verbunden mit jemandem aus Yilan am Pazifik, aus dem Alpenrand oder aus Yixing! Zusammengeführt nur wegen Tee!

臺北琴道館 Taipei Qin Halle

Es lohnt sich diesen versteckten Ort mit einer alten Seele zu besuchen wenn Du in Taipei bist! Es ist alt, weil das Haus alt ist. Es ist alt, weil es sich um uralte Klänge handelt. Uralt aus der Tiefe der menschlichen Seele! Der Wunsch mit der Jenseits in Kontakt zu kommen und die geistigen Flügel des einfachen Körpers auszustrecken.

Taipei Qin Halle.

No. 11, Lane 53, Qidong Street, Zhongzheng District, Taipei City, Taiwan 100

Es wird auch englische Führung angeboten.

Dort wird noch das uralte Musikinstrument unterrichtet und verschiedene Aktivitäten angeboten. Lebendig und authentisch!

Die Reise beginnt mit Qugin 古琴

Unsere Reise beginnt mit der Begegnung eines uralten Instrument Guqin, das in der schamanischtischen Tradition begründet war. Mit Guqin wurde die Kommunikation zwischen Menschen und Jenseits hergestellt. Etwa vor 2200 Jahren bekam Guqin erst immer mehr den Charakter eines Musikinstrument.

Der detaillierte Text folgt irgendwann. Hier sind paar Eindrücke.

Warum möchte ich mit einer Teegruppe Guqin begegnen? Wegen dem Bericht von eventuellen Regen ( Pflaumen Regenzeit) habe ich unser Programm gewechselt. Tee ist nicht lediglich ein Getränk, ebenfalls wie Guqin, Guqin ist nicht bloss ein Instrument. Es ist ein Tor zu einer inneren Welt. Es bedeutet eine Lebenshaltung. In der früheren Zeit gehört es dazu, bei Musizieren trinkt man Tee während der feine Duft aus einem Räucherwerkgefäss aussteigt – in der Natur oder einem Raum wo Kalligraphie und Malerei präsent sind. Ich möchte eine ganzheitliche Sicht über Tee den Teemenschen aus Europa vermitteln, anstatt eine eindimensionale Scheibe des Tees.

Vor dem Tempel

Ich bin neben einem Tempel aufgewachsen. Der Tempel war der erste Bildungsort meines Lebens. Zu jedem Geburtstag der Göttin Masu oder Himmelsgott Tiangong wird auf dem Tempelplatz das Theater gesungen. Meine Großmutter sass immer auf der ersten Reihe. Sie trug immer Qipao (sie trug nie westliche Kleidung), hatte einen Fächer in ihrer Hand und quatschte mit den anderen Omis, während ich unter dem Bühne meine Wurste grillierte. Wenn es lauter wurde, rannte ich aus und staunte über den unvergesslichen Gesang und die Poesie einer uralten Liebe. Gerne spielte ich auch nach an nächsten Tag in dem Klassenzimmer. Meine Mutter zog ihr Gesicht zusammen, wenn sie es von meiner Lehrerin erfuhr. Solches typisches taiwanisches Theater ist low class.

Diesmal mit meiner Reisegruppe möchte ich gerne mit einem Besuch vom Tempel anfangen. Taiwaner Tempel ist ein Ort der Bildung einer Seele, nicht eine Bildung für die Schrift. Immer wieder wird dort Zeremonie abgehalten, wenn jemand sich unwohl und krank fühlt. Dort wird er eine Reinigung für seine Seele finden. Seine Seele wurde irgendwo aufgehalten, wegen einem Schreck oder Schock – so glaubt man, sie kann durch solchen Ruf der Zeremonie wieder zu dem Körper zurückkehren. Die Löwen, die vor der Tempelschwelle stehen, die Orakel die man dort befragen darf und die Figuren, die auf den Dächer Menschen beobachten erzählen die alten Geschichten und stiften Identität den Bewohner einer immer urbanisierten Stadt. Immer werden gleiche Geschichte in jedem Tempel erzählt, gleiche Feste jährlich gefeiert und das Essen steht immer im Vordergrund. Der Tempel ist der authentische Ort und das Tor zu Menschen auf der Strasse, wenn man Taiwan und seine Menschen verstehen will.

Meine Großmutter rannte zum Priester, wenn wir, Kinder krank wurden. Ich trank dann das Wasser mit dem Aschen von einem Papier, wo er seine Mantra schrieb. Das Papier wurde bezaubert und besaß somit Heilkraft. Meine Mutter war immer wütend auf solche Handlung ihrer Schwiegermutter. Ich sah den Konflikt unverständlich zu und kann mich auch nicht erinnern, wie das Aschen-Wasser wirkte. Trotzdem praktizierte meine Mutter die gleichen Rituale, wenn Feste kamen. Sie lehrte uns, was für Opfergabe wir für diesen oder jenen Gott vorbereiten müssen. Meine Schwester übernimmt heute diese Aufgabe und versuchte es alles zu vereinfachen. Es sind immer Frauen, die in jedem Haus diese Rituale weiter fortführen.

Im Tempel lerne ich auch eine Ordnung zwischen Himmel und Erde zu ahnen. Meine Großmutter war involviert, wenn es Feste gab. Und ich rannte auch gerne hinter ihr her mit. Es war lange her und ich war wahrscheinlich sieben. Es war Lampion Fest. Ich liebte die kitschigen Farben, die alte Taiwaner mögen. Die Fähnchen und Lampion wehten im Winde. Das Feuer loderte. Das Räucherwerk duftete. Alle kamen. Die Armen bekamen Reis. Die Anderen brachten Güter. Kinder rannten hin und her. Die Priester rezitierten in der Halle, während meine Großmutter und ihre Leute klatschten. Als alles vorbei war, die farbigen Fähnchen und Lampion wurden gerissen und zur Seite auf dem Boden gekehrt. Ich schrie und wollte für mich welche retten, „Moai La!- Nein!“ Meine Grossmutter schnappte mein Ohr und sagte, „Es ist halt so!“ Wieso ist es halt so? Warum kann man die Schönheit nicht aufhalten?

Als der Sarg meiner Großmutter Jahre später ins Wagen abgestellt wurde und als der Wagen begann zu rollen, mussten alle schweigen. Ich dufte nicht weinen. Denn das Weinen die Großmutter aufhält. Das Leben ist wertvoll. Der Tod ist voller Trauer. Vor dem Leben und Tod wird Respekt in einer Art von Schweigen zum Ausdruck gebracht. „Es ist halt so.“ sagte sie mir einmal. Es ist eine kosmische Ordnung von Entstehen und Vergehen. Der Abschied braucht eine Leere, Leere von Farbe und Licht. Es ist wie die alte chinesische Malerei von Song-Dynastie. Ein Hauch von Ahnung in Grau-Blau.

Vor der Lichtstrahl sind die Farben nicht satt. Wenn die Farben blass sind, sehen wir vielleicht das, was hinter den Phänomen verborgen ist! Wenn die Sonne die Farbe zum Leben wieder bringt, werden Gedanke erweckt. Wir werden wieder gefangen in der Buntheit vom Licht und Schatten.

Der schwere Körper und dessen Flügel II

An Sonntag fragte mich Tim, was macht man, wenn man „gefangen“ ist? Er meint mit der Situation mit Prüfungen und Prüfungen. Meine Antwort war, Aushalten. Aushalten bis die Zukunft uns Funken schickt.

Aushalten und Ausharren. Wenn die Fenster von Turm von sich öffnen, werden wir ausfliegen. Warum glaubt man, dass die Fenster von sich allein öffnen? Die Fenster da draußen sind korreliert auf den Fenster meines Innern. Wenn mein Herz wie klares Wasser gepflegt wird, wird das innere Sehen klar und scharf – denn das Sehen auch riechen, hören und tasten bedeuten kann. Wenn die Seele leichter wird, wird man auch fliegen können, weil man träumen kann – wie Chagall. Der Mann, der zwei Träume ins Exil mitnahm: ein Traum von seiner geliebten Frau und ein Traum von seinem geliebten Heimat. So kann er zu seiner Frau an seinem Geburtstag und über sein Heimatsdorf fliegen. Was machen wir, wenn die Fenster eines Turms eines Tages geöffnet werden und wir immer noch nicht bereit sind, zu fliegen?

Der Körper ist schwer, aber er kann meine Seele nicht einengen. Was kann ich gegen die Unzulänglichkeit des Lebens tun? So schreien wie Picasso? Oder weiter träumen wie Chagall?

In vielen alten chinesischen Malerei wurden Menschen unauffällig und klein dargestellt. Als junges Mädchen war es für mich ein Beweis genug, sich von dieser Kultur abwenden zu müssen. Das Individuum wird nicht beachtet – dachte ich. Hingegen strahlt und glänzt die griechische Darstellung des Körpers in dem Bilderbuch, stark und anziehend.

Nun bin ich nicht mehr ein junges Mädchen und realisiere, dass die Statue von Aphrodite und Apollon zwischen 18 bis zum 21 Jahre alt geblieben sind. Was und welches Vorbild kann für eine alternde Frau sein? Was bleibt, wenn alles vorbei ist?

Was bliebt, wenn alles vergangen wird? Es bleibt nur der Geschmack. Gestern regnete es fast ununterbrochen in Zürich. Ich lief genervt und wurde auf einmal klar. Es riecht hier anders, anders als Taipei. Es ist oft sehr heiß dort. Und wenn es richtig heiß wird, regnet es mit Donner und Blitz. Danach scheint es wieder die Sonne und der Geruch in der Luft ist erdig, grasig und oft gemischt mit irgendeinem Essstand. Oder im Pflaumen-Regen-Periode, so heißt es bei uns im April, regnet es ununterbrochen. Die Luft ist immer feucht, so feucht wie eine feuchte unbeachtete Teekanne bei meinem Großvater neben dem Schaukelstuhl.

Als der Großvater starb, als sein Sarg ins Feuer geschoben wurde, wurde ich aufgefordert laut zu rufen, „Gehe schnell, beeile Dich! Beeile Dich!“ Beeile Dich, Großvater, es geht uns gut. Gehe bitte. Sein Körper ist tot, aber wir glauben, dass seine Seele an die Familie haftet. Wenn er die Klarheit nicht bekommt, an die Liebe haftet, kehrt er zurück und bekommt wieder einen Körper. Somit kehrt er wieder zurück in die leidvolle Welt der Phänomenen. Wenn er sich einmal von seinem Körper befreit, wird er weg fliegen wollen? Oder vermisst er den Geschmack seines Tie Guanyins? Nur wegen dem Duft des wunderbaren Oolongs aus Taipei nimmt er wieder einen schweren Körper auf sich, um zurückzukehren?

Ich schaue gerne den Himmel aus einer engen Gasse, zum Beispiel aus der Spiegelgasse. Ich weiß, dass der Himmel breit und weit ist. Aber der Himmel aus der Spiegelgasse ist ein Ausschnitt. Es hat einen Anfang und ein Ende. Ich kann ihn stundenlang anschauen in verschiedenen Jahreszeiten und Witterungen. Er ist so begrenzt wie ich. Es hat einen Anfang und ein Ende.

 

Der schwere Körper und dessen Flügel I

Fortsetzung zu „chawangshu-und-die-unsichtbaren-fluegel“.

In meinem Leben – bis jetzt, nehme ich stets die Reibungen und Zusammenstösse mit dem Leben des anderen wahr. Diese Zusammenstösse gaben mir häufig Mut, um den Fluss meines Lebens zu ändern. Manchmal mit einer großen Anstrengung. Oft schmerzt es besonders, wenn das Gefangen-sein präsent ist. Gefangen in einem Turm, kein Ausweg. Nur die Flügel können die einzige Lösung sein. Flügel auszustrecken ist schmerzhaft, weil man gefangen ist. Weil die Seele sich gefangen gehalten fühlt. Wenn diese Schmerzen kommen, versuche ich mir zu sagen, schaue sie genau hin – es schmerzt nur so viel, nicht mehr.

Ich will fliegen, aber mein Körper ist zu schwer. Kurz vor meiner Reise, vor allem solche mit vielen Menschen auf einer Teereise, nehme ich das Gefangen-Sein besonders stark wahr. Es gibt kein Zurück. Du muss geradeaus.

Das Gefangen-Sein im Turm ist begleitet mit Zweifeln. Wieso mache ich so etwas? Warum will ich nicht vermeiden, mir selbst solche Last aufzuladen? Warum sollte das Leben leiden?

Es gibt viele Dinge, die nicht verstanden werden, zum Beispiel das Ans-Messer-Laufen wollen. Krisen bringen Menschen näher. Der schwere Körper kommt zu einem anderen und sucht Kraft – als ob das Näher-Rücken Kraft anzünden könnte. Krisen sind oft äußerlich verstanden, aber ihre schreckende Wirkung offenbart sich auf der seelischen Ebene und manifestiert durch den Körper. Weshalb suche ich solche ausweglose Situation anstatt es zu vermeiden?

Irgendwie sind Momente in einer Krise richtig aufregend und in Vorahnung vor einem richtigen Ausbruch sind Menschen besonders kreativ und voller Energie. Das Potential des einzelnen will sich entfalten und ich fühle mich sehr nah an der Schöpfung. Das Leben ist so voll „energetisiert“ und die Flügel sind besonders spürbar. An das Unmögliche glauben, weil die Form des Denkens uns fangen – eine der Leit-Essenz von Diamant-Sutra, kann hilfreich sein. Der Körper und der Geist kommen zusammen. Sie bereiten sich für einen großen Abenteuer vor. Um gegen das Scheitern bekommt ein entschlossener Mensch beflügelnde Kraft. Was passiert wenn die Flügel brechen und der Körper zu schwer wiegt? Ist es ein Leiden ohne Preis?

Im Fallen der Flügel – im Fall des Leidens und Scheitern bekommt einer eine Chance über die Möglichkeit des Seins nachzudenken. Wenn ich vielleicht nächstest Mal anders fliege, mich anders bewege, vielleicht – vielleicht wird es klappen?

Es gibt viele Dinge, die nicht wirklich verstanden werden. Zum Beispiel der Noah von Michelangelo in Sixtinischen Kapelle. Ist der Noah ein frommer fleißiger Bauer, der ackert? Oder ist er ein nackter betrunkener belächelter alter Mann, der von seinen Enkeln belächelt wurde?

Die zwei Seiten von Noah und der Noah in jedem von uns sind nach dem konventionellen Denken nicht zu verstehen und zu vereinbaren. Diese Dilemma ist gefangen im Denken. Der Körper ist schwer, der uns auf dem Boden hält. Die Flügel sind leicht und beflügelt uns dorthin, wo wir uns nicht einmal vorstellen können!

(Werbung für Tee: Wenn Du Deine Flügel nicht spürst, dann ist der Tee noch nicht genug getrunken… und bei solchen Momente empfehle ich gerne den Qilai Dongpian!)