Der schwere Körper und dessen Flügel II

An Sonntag fragte mich Tim, was macht man, wenn man „gefangen“ ist? Er meint mit der Situation mit Prüfungen und Prüfungen. Meine Antwort war, Aushalten. Aushalten bis die Zukunft uns Funken schickt.

Aushalten und Ausharren. Wenn die Fenster von Turm von sich öffnen, werden wir ausfliegen. Warum glaubt man, dass die Fenster von sich allein öffnen? Die Fenster da draußen sind korreliert auf den Fenster meines Innern. Wenn mein Herz wie klares Wasser gepflegt wird, wird das innere Sehen klar und scharf – denn das Sehen auch riechen, hören und tasten bedeuten kann. Wenn die Seele leichter wird, wird man auch fliegen können, weil man träumen kann – wie Chagall. Der Mann, der zwei Träume ins Exil mitnahm: ein Traum von seiner geliebten Frau und ein Traum von seinem geliebten Heimat. So kann er zu seiner Frau an seinem Geburtstag und über sein Heimatsdorf fliegen. Was machen wir, wenn die Fenster eines Turms eines Tages geöffnet werden und wir immer noch nicht bereit sind, zu fliegen?

Der Körper ist schwer, aber er kann meine Seele nicht einengen. Was kann ich gegen die Unzulänglichkeit des Lebens tun? So schreien wie Picasso? Oder weiter träumen wie Chagall?

In vielen alten chinesischen Malerei wurden Menschen unauffällig und klein dargestellt. Als junges Mädchen war es für mich ein Beweis genug, sich von dieser Kultur abwenden zu müssen. Das Individuum wird nicht beachtet – dachte ich. Hingegen strahlt und glänzt die griechische Darstellung des Körpers in dem Bilderbuch, stark und anziehend.

Nun bin ich nicht mehr ein junges Mädchen und realisiere, dass die Statue von Aphrodite und Apollon zwischen 18 bis zum 21 Jahre alt geblieben sind. Was und welches Vorbild kann für eine alternde Frau sein? Was bleibt, wenn alles vorbei ist?

Was bliebt, wenn alles vergangen wird? Es bleibt nur der Geschmack. Gestern regnete es fast ununterbrochen in Zürich. Ich lief genervt und wurde auf einmal klar. Es riecht hier anders, anders als Taipei. Es ist oft sehr heiß dort. Und wenn es richtig heiß wird, regnet es mit Donner und Blitz. Danach scheint es wieder die Sonne und der Geruch in der Luft ist erdig, grasig und oft gemischt mit irgendeinem Essstand. Oder im Pflaumen-Regen-Periode, so heißt es bei uns im April, regnet es ununterbrochen. Die Luft ist immer feucht, so feucht wie eine feuchte unbeachtete Teekanne bei meinem Großvater neben dem Schaukelstuhl.

Als der Großvater starb, als sein Sarg ins Feuer geschoben wurde, wurde ich aufgefordert laut zu rufen, „Gehe schnell, beeile Dich! Beeile Dich!“ Beeile Dich, Großvater, es geht uns gut. Gehe bitte. Sein Körper ist tot, aber wir glauben, dass seine Seele an die Familie haftet. Wenn er die Klarheit nicht bekommt, an die Liebe haftet, kehrt er zurück und bekommt wieder einen Körper. Somit kehrt er wieder zurück in die leidvolle Welt der Phänomenen. Wenn er sich einmal von seinem Körper befreit, wird er weg fliegen wollen? Oder vermisst er den Geschmack seines Tie Guanyins? Nur wegen dem Duft des wunderbaren Oolongs aus Taipei nimmt er wieder einen schweren Körper auf sich, um zurückzukehren?

Ich schaue gerne den Himmel aus einer engen Gasse, zum Beispiel aus der Spiegelgasse. Ich weiß, dass der Himmel breit und weit ist. Aber der Himmel aus der Spiegelgasse ist ein Ausschnitt. Es hat einen Anfang und ein Ende. Ich kann ihn stundenlang anschauen in verschiedenen Jahreszeiten und Witterungen. Er ist so begrenzt wie ich. Es hat einen Anfang und ein Ende.

 

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